Autor: Karl W. P. Beyer

Die im Osten an das Südchinesische Meer grenzende Sozialistische Republik Vietnam besitzt einige bedeutende Kreuzfahrtziele. Die herausragende Sehenswürdigkeit des Landes ist zweifellos die Halong Bucht. Kreuzfahrtschiffe laufen regelmäßig die seit 1994 unter dem Schutz des UNESCO Welterbes stehende Region an.

Felsformationen der Halong Bucht

Felsformationen der Halong Bucht


Die Schiffe durchqueren die gesamte Bucht und liegen vor der Provinzhauptstadt Halong City auf Reede. Die etwa 230.000 Einwohner zählende Großstadt bietet sich aufgrund ihrer Lage als idealer Ausgangspunkt für Besuche der vietnamesischen Metropole Hanoi und für Schiffsausflüge in die Halong Bucht an. Deren beispiellose landschaftliche Schönheit empfiehlt sich für eine Rundfahrt mit einem der mehr als 300 verfügbaren Touristenboote.

Kreuzfahrtschiff Oceania Nautica vor Halong City

Kreuzfahrtschiff Oceania Nautica vor Halong City


Halong Bucht – Einmalige UNESCO Welterbe-Landschaft

Die im Norden Vietnams gelegene, oftmals nebelverhangene Bucht stellt ein großartiges Naturerlebnis dar. Sie schließt eine Fläche von 1.553 Quadratkilometern ein. Die Zahl der Inseln wird auf 1.969 beziffert. Es handelt sich dabei um Kalk- und Schieferfelsen unterschiedlicher Größe. Unter dem UNESCO-Schutz stehen 434 Quadratkilometer der Bucht mit insgesamt 775 Inseln.

Die meisten sind mit Büschen und Bäumen bewachsen. Auf den größeren Inseln gedeihen dichte Dschungellandschaften. Geologen schätzen das Alter der Eilande auf 250 bis 280 Millionen Jahre. Einige besitzen bemerkenswerte, touristisch erschlossene Höhlen. Fast alle der Karstinseln sind unbewohnt.

Ausflugsboot in der Halong Bucht Mit Bäumen bewachsene Felsen in der Halong Bucht Unterwegs in den Weiten der Halong Bucht Karstinseln der Halong Bucht

 

Thien Cung-Höhle

Die von den Kreuzfahrt-Reedereien arrangierten Bootstouren folgen einem Rundkurs durch die ehrfurchtgebietende Inselwelt. Die Dschunken passieren kleine und große Inseln, manchmal auch nur aus dem Wasser ragende Felsnadeln. In den Kurs kann der Besuch der Thien Cung-Höhle auf der Dau Go-Insel eingeschlossen sein. Der 20 Meter unter dem Meeresspiegel gelegene „Himmelspalast“ weist schöne Stalaktiten- und Stalagmiten-Formationen auf. Die Höhle wurde im Jahr 1992 zufällig entdeckt, als ein Fischer vor einem Taifun Schutz suchte und einem Affen in die bis dahin unentdeckte Höhle folgte.

Dau Go-Insel in der Halong Bucht Ausflugsboote vor der Dau Go-Insel Dau Go-Insel In der Thien Cung-Höhle

 

Die Tropfsteingebilde der 3.000 Quadratmeter großen Höhle tragen Namen wie „Löwe, Tiger, Elefant und Kobra“. Durch die Höhle führt ein optimal angelegter Weg. An effektvollen Lichtinstallationen mangelt es nicht. Für den Besuch der Höhle legen die Dschunken an einem sicheren, massiven Anlegesteg an. Allerdings müssen insgesamt mehr als 120 Treppenstufen überwunden werden.

Lichtinstallationen in der Thien Cung-Höhle

Lichtinstallationen in der Thien Cung-Höhle


Individualtouristen mögen bei privaten Touren durch die Halong Bucht mehr sehen als die organisiert reisenden Gäste der Kreuzfahrtschiffe. In Anbetracht der kurzen Aufenthaltsdauer ist eine organisierte Bootsfahrt durch die Inselwelt für Kreuzfahrt-Touristen dennoch sehr empfehlenswert.

Halong City – Sehenswürdigkeiten einer Großstadt im Wandel

Halong City war über lange Zeit Zentrum der vietnamesischen Kohleförderung. Nach der Verlagerung des Kohleabbaus in angrenzende Gebiete setzte ein Strukturwandel ein. Es entstand eine stark vom Fremdenverkehr geprägte Stadt mit verschiedenartigen touristischen Einrichtungen. Trotzdem wird in Halong Citys Stadtteil Hòn Gai noch immer Fischerei, Handel, Industrie und Gewerbe betrieben. Zudem besitzt die Stadt einen der größten Handelshäfen Vietnams.

Die vielfältigen touristischen Anlagen liegen im gegenüberliegenden westlichen Stadtteil Bãi Cháy. Dessen Angebote richten sich vorwiegend an vietnamesische und chinesische Familien.

Alles in allem wird Halong City von Reiseführern kaum wahrgenommen. Dennoch gibt es dort einiges Sehenswerte zu entdecken.

Sehenswürdigkeit im Stadtteil Hòn Gai

Quang Ninh Provincial Museum
Etwa 24.000 Quadratmeter misst der in einem gehobenen Neubauviertel gelegene Museums-, Bibliotheks- und Ausstellungskomplex. Die Planung des aus drei Blöcken bestehenden Bauwerks oblag dem spanischen Stararchitekten Salvador Perez Arroyo. Die dunkle Außenfront des Bauwerks interpretiert die Thematik der Kohle. Sie ist das typische Mineral der Quang Ninh-Provinz. Im Erdgeschoss des Museums erwarten den Besucher ein Walskelett und Segelboote in Originalgröße. Die einzelnen Abteilungen der darüber liegenden drei Geschosse präsentieren fundierte Erläuterungen zur Halong Bucht, die Geschichte der Region und der Republik Vietnam sowie die wirtschaftlichen Errungenschaften seit Erlangung der Unabhängigkeit und Ausstellungsstücke zur Kohleförderung. Daneben werden das Zusammenleben der Kulturen, der Buddhismus und der Revolutionär und spätere Präsident Ho Chi Minh gewürdigt.

Das Quang Ninh Museum in Halong City Boot im Quang Ninh Museum Exponat im Quang Nninh-Museum Quang Ninh-Museum - Darstellung des Kohleabbaus

 

Long Tien Pagode
Die Long Tien Pagode ist die größte Pagode der Stadt. Sie liegt im Herzen von Halong City und ist sowohl für Buddhisten als auch für Touristen ein unverzichtbarer Ort. Sie wurde im Jahr 1941 am Fuß des Hügels Bai Tho im Baustil der Nguyen-Dynastie erbaut. Der Hauptaltar ist, wie sollte es anders sein, dem Gott Buddha gewidmet.

Die Long Ttien Pagode Götterfiguren in der Long Tien Pagode

 

Fischerhafen und Fischhändler
Eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Fischerbooten liegt tagsüber in Sichtweite der Vincom Plaza im Zentrum von Halong City. In unmittelbarer Nähe bieten Händler die Fänge des Tages an. Es ist unvorstellbar, welche Mengen an Getier den potentiellen Käufern lebend in Plastikwannen angeboten werden.

Fischerboote in Halong City Fischhändler in Halong City

 

Halong Market
Dabei handelt es sich um eine mehrgeschossige Markthalle im Stadtzentrum. Dort warten überwiegend elementare Waren des täglichen Bedarfs auf Käufer. Die Halle ist nicht unbedingt eine Sehenswürdigkeit. Besucher, die sich für das Leben der einfachen Vietnamesen interessieren, sollten die weitläufige, mehrgeschossige Markthalle besuchen.

Halong Market Straßenmarkt in Halong City

 

Bai Chay Hängebrücke
An der Schmalstelle überspannt die mehr als 1.100 Meter lange imposante Bai Chay Schrägseilhängebrücke die Verbindung der Halong Bucht mit der Cua Luc Bucht. Bei Nacht tauchen Tausende LED-Leuchten die Brücke in bunte Farben.

Sun Wheel Riesenrad
Die Betreiber des Riesenrades reklamieren für sich, das höchste Riesenrad der Welt kreisen zu lassen. Das Rad hat einen beeindruckenden Durchmesser; als höchstes Riesenrad der Welt kann es aber nur durchgehen, weil es auf dem Ba Deo Hügel errichtet wurde. Exakt 64 Gondeln befördern jeweils sechs Passagiere. Das macht bei durchschnittlichen Umlaufgeschwindigkeiten von 15 bis 20 Minuten etwa 1.200 Passagiere in der Stunde. Im Gebäude wird noch ein Wachsfigurenkabinett, das Museum of Waxwork, unterhalten.

Riesenrad und Seilbahn

Riesenrad und Seilbahn


Der Vergnügungspark – Die Sehenswürdigkeit im Stadtteil Bãi Cháy

Halong Citys Stadtteil Bãi Cháy ist ein vom Tourismus geprägter Retortenort. Die Hotels, Restaurants und Bars wurden hauptsächlich für vietnamesische und chinesische Gäste geschaffen. Die Hauptsehenswürdigkeit des Stadtteils ist der Sun World Halong Vergnügungspark mit Achterbahnen, Seilbahn, künstlichem Strand und äußerst gepflegten Gartenanlagen. Die Blumen-Arrangements aus Azaleen, Hibisken und Orchideen sind wirklich sehenswert.

Im Sun World Vergnügungspark von Bay Chay Im Sun World Vergnügungspark

 

Vom Park führt eine Seilbahn hinüber zur anderen Seite der Bucht. Die Seilbahnfahrt endet auf Höhe des Riesenrads. Das Retour-Ticket der Bahn kostet etwa 10 US-Dollar.