Heraklion, die Hauptstadt der griechischen Insel Kreta, bietet ihren Besuchern viele Sehenswürdigkeiten. Es bräuchte mehrere Tage, um sie alle zu sehen. Speziell Passagiere von Kreuzfahrtschiffen dürften dies als nachteilig empfinden, da deren Aufenthalt an einzelnen Destinationen allgemein auf einen Tag begrenzt ist. Das gilt auch für unsere einwöchige Kreuzfahrt zu Top-Zielen der Ägäis. Wir wären gern zwei oder drei Tage auf Kreta, doch das lässt die Routenplanung nicht zu.
Aus diesem Grund ist unser Aufenthaltstag zweigeteilt: Am späten Vormittag besuchen wir die imposanten Ruinen des Palastes von Knossos. Unter Landausflug zum Palast von Knossos beschreiben wir dieses einmalige Erlebnis. Den Rest des Aufenthaltstags widmen wir uns auf eigene Faust den Sehenswürdigkeiten von Heraklion. Als Fortbewegungsmittel wählen wir zuerst den Hop-On-Hop-Off-Bus und später ein Taxi.

Ruinen des Palastes von Kossos
Die Hop-On-Hop-Off-Busse mehrerer Anbieter drehen kontinuierlich zwischen dem Kreuzfahrtterminal von Heraklion und Knossos ihre Runden. Wir nutzen den Bus auf dem Hinweg und nach unserem Aufenthalt in den Ruinen von Knossos bringt uns der Bus zurück in die Stadt. Im Stadtzentrum, am Archäologischen Museum von Heraklion, steigen wir aus.
Zwei Museen
Heraklion besitzt mehr als 15 Museen. An unserem Weg liegen mit dem Archäologischen Museum von Heraklion und dem Museum für antike griechische Technologie gleich zwei bedeutende Sammlungen.
Archäologisches Museum von Heraklion
Wir wissen, dass dieses Museum eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen minoischer Kunst und Artefakte, darunter Fresken, Töpferwaren und Schmuck, beherbergt. Viele Teile wurden im Palast von Knossos gefunden. Unsere Aufenthaltsdauer reicht zu unserem Bedauern nicht für einen Besuch der Ausstellungen.

Heraklion - Archäologisches Museum
Standort: Xanthoudidou & Hatzidaki 1
Museum für antike griechische Technologie
Das gilt auch für das ungefähr 500 Meter entfernte Museum für antike griechische Technologie. Ausgestellt werden circa 70 spannende und funktionsfähige Exponate, darunter der erste Roboter der Welt, ein Vorläufer der Dampfmaschine, eine hydraulische Uhr, eine erste Feuerwehrpumpe oder der erste analoge „Computer“ der Welt.

Heraklion - Museum für antike griechische Technologie
Standort: Epimenidou 18
Straße des 25. August
Die Epimenidou Straße geht über in die Straße des 25. August, eine belebte Fußgängerstraße mit vielen neoklassizistischen Bauten. Sie verbindet den Venezianischen Hafen mit der Venezianischen Loggia.
Benannt ist die Straße nach einem Massaker. Am 25. August 1898 (alte Zeitrechnung, nach Neuzeit: 6. September 1898) griffen osmanische Freischärler britische Mitglieder einer damals in Heraklion stationierten internationalen Sicherheitsgruppe an. Innerhalb eines Tages kamen 17 englische Soldaten und Hunderte Christen ums Leben. Weite Teile der Altstadt wurden in Brand gesetzt. Die Angreifer agierten unter Duldung der türkischen Behörden, die Kreta besetzt hielten. Der nach dem Massaker entstandene Internationale Druck auf die Türkei führte in der Folge zu einem Ende der 253-jährigen türkischen Herrschaft über Kreta.
Der Venezianische Hafen und die Festung Koules
Die Straße des 25. August führt zum Venezianischen Hafen und zur in der Blütezeit der Republik Venedig errichteten Festung Rocca al Mare. Im Volksmund ist der osmanische Name „Koules“ gebräuchlicher. Über knapp ein Jahrtausend war Venedig, die „Serenissima Repubblica di San Marco“, eine maßgebliche See- und Wirtschaftsmacht in der Ägäis und im Mittelmeerraum. Auch Heraklion auf Kreta zählte zu den venezianischen Standorten.

Heraklion - der Venezianische Hafen und die Festung Koules
Zur Sicherung der Handelsschifffahrt vor Piratenüberfällen und zum Schutz des Hafens wurde Anfang des 16. Jahrhunderts die Festung erbaut. Vermutlich existierten zuvor bereits Befestigungsanlagen. Belegt ist ein byzantinischer Wehrturm, der im Jahr 1523 zugunsten des Festungsbaus abgerissen wurde. Im Jahr 1540 war die Festung vollendet. Bis zum Jahr 1630 waren insgesamt 43 Kanonen installiert, was osmanische Truppen jedoch nicht daran hinderte die Stadt zu belagern und im Jahr 1669 nach der Kapitulation Venedigs einzunehmen.
Die restaurierte Festung besteht optisch aus zwei Elementen: einem hohen rechteckigen und einem niedrigeren abgerundeten Teil. Nachdem das Fort in seiner Geschichte alle möglichen Verwendungszwecke erlebte, ist es in der Gegenwart Standort eines Museums und Veranstaltungsort von Kunstausstellungen und kulturellen Aktivitäten.
Koules ist auf der einen Seite durch einen Damm vor den Gewalten des Meeres geschützt. Auf der anderen Seite der Festung liegt der Venezianische Hafen. Die Lage öffnet den Blick auf jenseits des Hafen liegenden Werften aus der venezianischen Zeit. Die „Arsenali“ wirken optisch wie langgestreckte, gewölbte Kammern, in denen Schiffe gebaut oder repariert werden konnten. Ursprünglich gab es in Heraklion 19 Arsenali. Aktuell sind infolge von Straßenbaumaßnahmen nur noch wenige dieser beeindruckenden Bauten erhalten.
Unser nächstes Ziel: die Venezianischen Festungswälle
Wir verlassen das Areal des Venezianischen Hafens und steigen am Hafenausgang in den zufällig haltenden Hop-On-Hop-Off-Bus. Vorbei an der Kirche und dem Kloster der Heiligen Peter und Paul und dem Naturhistorischen Museum von Kreta mit den neben dem Gebäude platzierten Sauriergestalten fahren wir zu einem Teilstück der Venezianischen Festungswälle. Wir verlassen den Bus am Haltepunkt Chaniaporta und bewundern im Vorübergehen die imposanten Wallanlagen.
Kathedrale Agios Minas
Von den Festungswällen gehen wir ungefähr 800 Meter durch unattraktive Straßen zu einer der größten Kirchen Griechenlands, der orthodoxen Kathedrale Agios Minas. Sie wurde im späten 19. Jahrhundert im Herzen der Stadt erbaut und ist dem Schutzpatron der Stadt, dem Heiligen Minas, gewidmet. Zudem ist sie der Sitz des Erzbistums Kreta.

Heraklion - Kathedrale Agios Minas
Die Kathedrale steht am Agia-Ekaterini-Platz in Thessalonikis Altstadt. Sie ist die zweite Kathedrale am Standort. Die Vorgängerkirche wurde unter türkischer Herrschaft mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Sultans errichtet und nach zehnjähriger Bauzeit im Jahr 1735 geweiht. Da diese infolge der angewachsenen orthodoxen Gemeinde kapazitätsmäßig nicht mehr genügte, wurde nach erneuter Abstimmung mit den türkischen Besatzern im Jahr 1862 mit dem Bau einer größeren Kathedrale begonnen. Die Bauzeit betrug mit einer siebzehnjährigen Unterbrechung 33 Jahre. Im Jahr 1895 wurde das Gotteshaus geweiht. Erst im Jahr 1964 waren die letzten Fresken vollendet.
Die Kathedrale beeindruckt Besucher und Gläubige durch ihre Größe, ihre ausgewogene neobyzantinische Architektur und durch die kunstvollen Ikonen und Fresken im Kircheninneren. Bemerkenswert sind die große Kuppel – 8,80 Meter im Durchmesser – und die prächtigen Buntglasfenster, die das Kircheninnere in farbenfrohes Licht tauchen. Die beiden Glockentürme sind mit 32,70 Meter Höhe gleich hoch wie die Kuppel.

Heraklion - Kathedrale Agios Minas - Kuppel
Das nächstes Ziel – der Morosini-Brunnen
Zu den Schmuckstücken der Altstadt zählt der Morosini-Brunnen. Die Brunnenanlage wurde im Jahr 1628 unter venezianischer Herrschaft eingeweiht. Ihre Aufgabe bestand ursprünglich darin, die Einwohner mit Frischwasser zu versorgen, das über ein Aquädukt in die Stadt floss. Beschreibungen zufolge versorgte der Brunnen die Menschen mit 1.000 Fässern Wasser pro Tag.
Im Zentrum des kunstvoll gearbeiteten Brunnens stehen vier Marmorlöwen die Wasser in Auffangbecken speien. Auf ihren Köpfen tragen sie eine Marmorschale.
Von der ursprünglichen Aufgabenstellung ist heute nichts mehr zu erahnen. Der von Geschäften, Cafés und Restaurants umgebene Brunnen liegt am Eleftheriou-Venizelou-Platz.
In Sichtweite des Platzes steht ein prächtiges, mit einem Säulenvorbau geschmücktes Gebäude. Die ehemalige Kirche aus dem 13. Jahrhundert wird heutzutage von der städtischen Galerie Dimotikí Pinakothíki genutzt. Sie präsentiert wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

Heraklion - Galerie Dimotikí Pinakothíki
Venezianische Loggia
Am Morosini-Brunnen orientieren wir uns nach links in Richtung des Kallergion Platzes und der Straße des 25. Augusts. Nach 150 Metern erreichen wir die mit einem Arkadengang geschmückte Venezianische Loggia. An ihrem Standort standen zuvor bereits drei Loggias. Sie ist die vierte und Letzte. Erbaut im italienischen Renaissancestil war sie in der Blüte der venezianischen Herrschaft über Heraklion das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Dem Anschein nach erfüllte sie wie all die anderen Loggias in italienischen Städten die Funktion eines „Herrenklubs“. Dort traf man sich, diskutierte, plauderte, ließ es sich gutgehen und knüpfte nützliche Kontakte.
Zur Zeit der türkischen Besatzung diente das Gebäude als Waffenarsenal, und in dieser Eigenschaft nahm es schweren Schaden. Eine abschließende Renovierung fand zwischen 1961 und 1979 statt. Kurzum, das prächtige Bauwerk erweckt zwar den Eindruck von Authentizität, in Wirklichkeit entstammt es der Gegenwart, was der Begeisterung jedoch keinen Abbruch tut. Die Venezianische Loggia wurde einst als bestrenoviertes Denkmal Griechenlands gefeiert. Gegenwärtig wird die Loggia als Rathaus genutzt.
Kirche Agios Titos
Nur wenige Schritte trennen die Venezianische Loggia von der Kirche Agios Titos an der Platia Agiou Titou. Sie zählt zu den ältesten und bedeutendsten Kirchen in Heraklion. Sie wurde im 10. Jahrhundert von Byzantinern erbaut und dem Heiligen Titus, dem ersten Bischof von Kreta, gewidmet. Ursprünglich war sie der Sitz des römischen Erzbischofs. Unter türkischer Besatzung fungierte sie als Moschee. An diese Zeit erinnern noch einige islamische Gebetsnischen und die arabisierte Fassade.

Heraklion - Agios Titos Kirche
Das Gotteshaus wurde in seiner Geschichte mehrmals zerstört und wieder aufgebaut, zuletzt Mitte des 19. Jahrhunderts nach einem Erdbeben. Nach der Befreiung Kretas von der türkischen Herrschaft wurde die Moschee in eine Kirche zurück verwandelt. Die heutige Kirche verbindet Elemente der byzantinischen, venezianischen und osmanischen Architektur. Im Inneren befinden sich wertvolle Ikonen, Wandmalereien und ein großer hölzerner Kronleuchter. In einer Seitenkapelle wird eine wichtige Reliquie aufbewahrt: die Schädelplatte des Heiligen Titus.

Heraklion - Agios Titos Kirche - Kirchenschiff
Mit dem Besuch der Agios Titos Kirche endet unser zeitlich arg begrenzter Rundgang durch Heraklion. In einer Bar gegenüber der Kirche genehmigen wir uns noch einen wohlschmeckenden griechischen Wein und danach gehen wir durch eine von stilvollen Lokalen gesäumte Gasse hinüber zum Archäologischen Museum. Dort nehmen wir ein Taxi, das uns zurück zum Kreuzfahrtschiff bringt. Mit den Ruinen von Knossos und Heraklions wichtigsten Sehenswürdigkeiten nähert sich ein ereignisreicher Tag seinem Ende.
Juli 2024











