Unter Griechenlands ungefähr 3.000 Inseln ist Kreta mit 250 Kilometern in der Länge, bis zu 70 Kilometern in der Breite und einer Fläche von mehr als 8.000 Quadratkilometern die größte Insel des Landes. Die Inselhauptstadt Heraklion liegt etwa in der Mitte der Nordküste am Ägäischen Meer. – Heraklions Geschichte reicht weit zurück, was die Fülle an historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt erklärt; von dem nahe gelegenen Palast von Knossos, einer UNESCO Weltkulturerbestätte, ganz zu schweigen. Im Folgenden beschreiben wir den Palast von Knossos und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Heraklion voraus
Palast von Knossos
Der Palast von Knossos ist ein Traumziel jener Menschen, die Interesse an Archäologie und alten Zivilisationen hegen. Der Palast war einstmals das Zentrum der minoischen Zivilisation. Er ist das bekannteste und wichtigste archäologische Monument auf Kreta und eine der bedeutendsten Stätten der minoischen Lebensform, die als Europas früheste Hochkultur gilt.
Der nach der Gemeinde Knossos benannte Palast liegt etwa sechs Kilometer südlich von Heraklion. Er erstreckt sich über eine Fläche von ungefähr 20.000 Quadratmetern und bestand zu seiner Blütezeit aus einem Labyrinth von auf mehreren Ebenen verteilten Räumen, Höfen und Korridoren. Berühmt sind der Thronsaal mit dem steinernen Thron und die Fresken, die lebendige Szenen des minoischen Lebens darstellen.

Palast von Knossos
Im Jahr 1878 entdeckte ein Archäologe aus Heraklion die Fragmente der Palastruine. Kreta war damals von Türken besetzt, Ausgrabungen unterblieben. Nach dem Abzug der türkischen Besatzer im Jahr 1898 kaufte der englische Archäologe Sir Arthur Evans das Gebiet des Hügels auf dem die Ruinen des Palastes standen und ließ in den Folgejahren die Fragmente des Palastes freilegen. – Der Palast entstand gegen 2000 vor Christus. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu vielfältigen Veränderungen der Bausubstanz. Es gilt die Annahme, dass der Komplex Ende des 14. Jahrhunderts vor Christus zerstört wurde. Die Ursache hierfür können sowohl Erdbeben als auch kriegerische Einwirkungen gewesen sein.

Knossos - Säulenhalle am Nordeingang
In dem Gebäudekomplex befanden sich mehrere Hundert Räume. Einzelne Quellen berichten von bis zu 800 Räumen, die sowohl Nutz- als auch Repräsentations- und Kultzwecken dienten. Sir Evans ließ den Palast teilweise nach willkürlichem Ermessen nachbauen. Das entsprach nicht immer der Realität, förderte jedoch das Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen der Besucher. Der Palast von Knossos ist das Jahr über geöffnet, gut erschlossen und beschildert. Die Teilnahme an Führungen auf dem unübersichtlichen Gelände ist nach unserem Empfinden empfehlenswert.
Ticketpreise: 15 Euro, Preisermäßigungen werden gewährt.
Vor dem Palast halten Taxis und die Hop-On-Hop-Off-Busse.
Venezianische Festungswälle
Die venezianischen Festungswälle von Heraklion sind ein beeindruckendes Beispiel der militärischen Architektur der Venezianer, die Kreta zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert nach Christus beherrschten. Die im 16. Jahrhundert erbauten massiven Stadtmauern umschlossen die Altstadt. Sie erstrecken sich in der Gegenwart über eine Länge von etwa fünf Kilometern und schließen mehrere Bastionen und Tore ein. Die Mauern sind größtenteils gut erhalten; ein Spaziergang entlang der Wälle bietet herrliche Ausblicke auf die Stadt und das Meer.
Eine Augenweide ist der kleine Anagenniseos Park unterhalb der Stadtmauer, in dessen Zentrum ein historischer türkischer Brunnen steht. Der mit verschiedenen Namen belegte Brunnen hat bis in die Gegenwart überlebt.
Heraklion - Othomaniki Krini - türkische Quelle
Festung Koules
Am Eingang des alten venezianischen Hafens von Heraklion liegt die Festung Rocca al Mare. Gebräuchlicher ist allerdings der unter osmanischer Herrschaft geprägte Name Koules. Die Festung wurde im 16. Jahrhundert zum Schutz des Hafens von Venezianern erbaut. Heute beherbergt das mächtige Fort ein Museum, das den Besuchern Einblicke in die Geschichte der Festung und des Hafens gewährt. Der in Stein gehauene venezianische Löwe durfte an der Ostseite der Festung selbstverständlich nicht fehlen.
Auf dem Weg zur Bastion öffnet sich der Blick auf jenseits des Hafen liegenden Werften aus der venezianischen Zeit. Die „Arsenali“ wirken optisch wie langgestreckte, gewölbte Kammern, in denen Schiffe gebaut oder repariert werden konnten. Ehemals gab es in Heraklion 19 Arsenali, von denen heute nur noch wenige erhalten sind.

Heraklion - Venezianische Werften
Zwei sehenswerte Kirchen
Unsere besonderen Empfehlungen gelten zwei im Zentrum der Altstadt gelegenen Kirchenbauten, der Kathedrale Agios Minas und der Kirche Agios Titos.
Kathedrale Agios Minas
Im Herzen von Heraklion steht die Kathedrale Agios Minas, das größte Gotteshaus Kretas. Die Kathedrale wurde im späten 19. Jahrhundert erbaut und ist dem Heiligen Minas, dem Schutzpatron der Stadt, gewidmet.

Heraklion - Agios Minas Kathedrale
Die Kirche beeindruckt Besucher und Gläubige durch ihre Größe, ihre neobyzantinische Architektur und die kunstvollen Ikonen und Fresken im Inneren. Bemerkenswert sind die große Kuppel und die prächtigen Buntglasfenster, die das Innere in farbenfrohes Licht tauchen.
Kirche Agios Titos
Die Kirche Agios Titos zählt zu den ältesten und bedeutendsten Kirchen in Heraklion. Sie wurde ursprünglich im 10. Jahrhundert erbaut und dem Heiligen Titus, dem ersten Bischof von Kreta, gewidmet. Zwischendurch war sie eine Moschee. Die Kirche wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut, zuletzt im 19. Jahrhundert nach einem Erdbeben. Die heutige Kirche verbindet Elemente der byzantinischen, venezianischen und osmanischen Architektur. Im Inneren befinden sich wertvolle Ikonen und Reliquien des Heiligen Titus.
Straße des 25. August
Die Straße des 25. August ist eine der Hauptstraßen im Zentrum von Heraklion und ein beliebter Ort zum Bummeln und Einkaufen. Die Fußgängerstraße führt vom venezianischen Hafen bis zur Venezianischen Loggia und ist gesäumt von eleganten neoklassizistischen Bauten, Geschäften, Cafés und Restaurants.
Die Straße wurde nach dem Massaker vom 25. August 1898 (alte Zeitrechnung, nach Neuzeit: 6. September 1898) benannt, als osmanische Freischärler britische Mitglieder einer damals in Heraklion stationierten internationalen Sicherheitsgruppe angriffen. Im Verlauf der eintägigen Kampfhandlungen starben neben 17 Soldaten Hunderte Christen. In der Folge endete auf internationalen Druck die 253 Jahre währende osmanische Herrschaft über Kreta. Die Insel wurde vorübergehend zu einem autonomen Staat.
Morosini-Brunnen
Zu den Schmuckstücken der Altstadt zählt zweifellos der von den Einheimischen „Löwenbrunnen“ genannte Morosini-Brunnen. Die Brunnenanlage wurde im Jahr 1628 unter der venezianischen Herrschaft eingeweiht. Ihre Aufgabe bestand darin, die Einwohner mit Frischwasser zu versorgen, das über ein Aquädukt in die Stadt floss. Beschreibungen zufolge versorgte die Brunnenanlage die Menschen mit 1.000 Fässern Wasser pro Tag. Heute ist von der ursprünglichen Aufgabenstellung nichts mehr zu erahnen.

Heraklion - Morosini-Brunnen
Stattdessen umgeben Restaurants und Geschäfte die aus Marmor gefertigte Brunnenanlage und machen sie somit zu einem beliebten Treffpunkt von Jung und Alt. Vier Löwen speien Wasser in kunstvoll gestaltete Becken. Auf den Köpfen der Löwen lastet eine Schale.
Standort: Eleftheriou-Venizelou-Platz nahe der Venezianischen Loggia.
Bedeutende Museen
Heraklion besitzt mehr als 15 Museen. Darunter sind so bedeutende Einrichtungen wie das Archäologische und das Historische Museum oder das Kotsanas-Museum für altgriechische Technologie. Mit von der Partie sind eher skurrile Ausstellungen wie das Pastry History Museum genannte Süßwarenmuseum. Wir stellen an diesem Ort drei der uns wichtig erscheinenden Museen vor.
Archäologisches Museum Heraklion
Das Archäologische Museum von Heraklion ist eines der bedeutendsten Museen Griechenlands und beherbergt die weltweit größte Sammlung minoischer Kunst und Artefakte. Die Sammlung umfasst Objekte aus der Jungsteinzeit bis zur Römerzeit, darunter die berühmte „Schlangengöttin", die „Scheibe von Phaistos" und zahlreiche Fresken, Keramiken, Schmuckstücke und Statuen. Das Museum bietet einen umfassenden Überblick über die minoische Kultur und ihre Entwicklung.

Heraklion - Archäologisches Museum
Historisches Museum Kreta
Das Historische Museum Kreta bietet Interessierten einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Insel von der frühchristlichen Zeit bis zur Neuzeit. Das Museum besitzt viele Artefakte, darunter byzantinische Ikonen, venezianische Kunstwerke, osmanische Relikte und Dokumente der kretischen Revolution. Besonders sehenswert sind die Nachbildung des Arbeitszimmers des kretischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis und eine Sammlung von Werken des im Jahr 1541 auf Kreta geborenen Malers Domínikos Theotokópoulos genannt El Greco.
Naturhistorisches Museum von Kreta
Das Naturkundemuseum steht unter der dem Patronat der Universität von Kreta. Seine Aufgabe besteht in der Erforschung, dem Schutz und der Förderung von Flora und Fauna der Insel und ihrer Umgebung. Besonders auffällig sind die akkuraten Reproduktionen verschiedener Sauriergestalten vor dem und im Gebäude.

Heraklion - Naturhistorisches Museum von Kreta
Die vorgestellten Sehenswürdigkeiten machen Heraklion zu einem faszinierenden Ziel nicht nur für Geschichts- und Kulturliebhaber. Sie bieten tiefe Einblicke in die reiche Vergangenheit und das lebendige Erbe der Insel Kreta.
Juli 2024









