Autor: Karl W. P. Beyer

Die AIDAcara legt von Rio de Janeiro kommend mittags gegen 12:00 Uhr im reizlosen Hafen von Ilhéus an; um 20:00 wird sie die circa 185.000 Einwohner zählende Großstadt wieder verlassen. Bedeutung erlangte die im Nordosten des Landes gelegene Stadt als Brasiliens wichtigster Kakao-Ausfuhrhafen. Folglich zählt das Kakaomuseum auch zu den wesentlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt Ilhéus.

Ilhéus - Kathedrale und Konvent Nossa Senhora da Piedade

Ilhéus - Kathedrale und Konvent Nossa Senhora da Piedade


Das Museum klammern wir aus. Uns zieht es an einen der langen, nahezu menschenleeren Strände. Wir haben uns für Praia dos Milionários entschieden. Nicht weil wir Millionäre wären, sondern weil jener Strandabschnitt zu den angenehmsten Stränden im Raum Ilhéus zählt.

Ilhéus - Praia dos Milionarios

Ilhéus - Praia dos Milionarios


Mit dem Taxi geht es vom Hafen zum Strand. Die Fahrt kostet 40 Reias. Mit einem ordentlichen Trinkgeld kosten uns die Hin- und Rückfahrt nicht einmal 30 Euro. Unaufgefordert macht unser Fahrer noch einen Abstecher zu einem zuvor nicht bekannten Aussichtspunkt, der einen erstklassigen Blick auf Teile der Stadt, unser Kreuzfahrtschiff und die Küstenlinie bietet. Bald darauf werden wir bei „Gabriele“, einer gepflegten Strandbar, abgesetzt. Wir vereinbaren noch einen Abholtermin und sind von da an uns selbst überlassen.

Ilhéus - Praia dos Milionários - Gabriele Strandbar

Ilhéus - Praia dos Milionários - Gabriele Strandbar


Das gastronomische Angebot verschmähen wir einstweilen. Erst vor der Rückfahrt wollen wir die heimischen Getränke testen. Es lockt der breite, feinsandige Strand. Nach etwa 500 Metern Fußweg haben wir „unsere“ Palme, soll heißen unseren Palmenschatten, gefunden. Wir treffen beste Bedingungen an. Die wenigen Besucher verteilen sich an diesem Mittwochnachmittag so weit das Auge reicht, großzügig über den Strand. Das Wasser ist angenehm warm; der Kapitän sprach beim täglichen Rundspruch von 28 Grad. Die Brandung ist konstant aber mäßig. Wir hätten unser „Hideaway“ nicht besser antreffen können.

Eine Viertelstunde früher als zuvor vereinbart erwartet uns der Fahrer an der Strandbar. Es wird also leider nichts mit dem abschließenden Drink.

Wir lassen uns am Stadtstrand an der Avenida Dois de Julho vor der Statue des Cristo Redentor absetzen. Die ist von der Ausführung und der Höhe nicht mit der Statue in Rio de Janeiro zu vergleichen, aber auch sieben Meter Höhe können uns letztendlich beeindrucken. Zukünftig wird hinter der Statue eine mehr als 400 Meter lange Brücke den Rio Ilhéus überspannen. Dann ist es vorbei mit dem malerischen Anblick.  

Ilhéus - Cristo Redentor

Ilhéus - Cristo Redentor


Am Rio Ilhéus entlang schlendern wird zurück ins Zentrum. Der Weg bietet schöne Ausblicke auf den Fluss. Am Weg liegt das Centro Cultural Bataclan. Es zeugt vom ehemaligen Wohlstand der Kakaobarone. Das luxuriöse Gebäude diente ihnen während des Kakaobooms als Treffpunkt und Kasino.

Ilhéus - Rio Ilhéus

Ilhéus - Rio Ilhéus


Ilhéus - Bataclan

Ilhéus - Bataclan


Ilhéus ist nach deutschen Verhältnissen eine Großstadt. Allerdings entsteht beim Betrachter nicht unbedingt der Eindruck großstädtischer Verhältnisse. Es macht jedoch Spaß, sich das geschäftige Treiben im Zentrum anzusehen.

Ilhéus - Zentrum

Im historischen Zentrum liegt die Kathedrale São Sebastião. Die im neoklassischen Stil errichtete Bischofskirche ist nicht zu verfehlen. Sechsunddreißig Jahre brauchte es, die Kirche zu errichten. Geweiht wurde sie im Jahr 1967. Die äußere Erscheinung der Kathedrale gefällt uns sehr. Das Kircheninnere wirkt dagegen eher nüchtern und sachlich.

Ilhéus - Kathedrale São Sebastião     Ilhéus - Kathedrale São Sebastião - Fassade     Ilhéus - Kathedrale São Sebastião - Kirchenschiff

Unterhalb der Kathedrale liegt die Bar Vesuvio. Der Journalist und weltberühmte Schriftsteller Jorge Amado wuchs in der Stadt auf. Die Bar Vesuvio war sein Stammlokal. Daran erinnert im Außenbereich des Lokals eine lebensgroße an Amado erinnernde Figur. Touristen lassen sich gern neben der Gestalt ablichten.

ilheus 317 jorge amado

Ilhéus - Statue des Jorge Amado in der Bar Vesuvio


Wir verlassen den Platz vor der Kathedrale und gehen auf die andere Straßenseite. Ein paar Meter weiter liegt in der Rua Jorge Amado die Casa de Cultura Jorge Amado. In diesem Haus wuchs der Schriftsteller auf, und er verbrachte einen großen Teil seines Lebens in dem Gebäude.

Ilhéus - Museo Casa de Cultura Jorge Amado

Ilhéus - Museo Casa de Cultura Jorge Amado


Am Ende der Fußgängerstraße liegt an der höchsten Stelle der Praça J.J. Seabra der Palácio Paranguá. Das im neoklassischen Stil errichtete und 1907 fertiggestellte Bauwerk ist Sitz der Stadtverwaltung.

 Ilhéus - Palácio Paranguá    Ilhéus - Palácio Paranguá     

Unweit des Gebäudes steht in einer kleinen, umschlossenen Anlage eine große Marmorstatue. Sie stellt die griechische Poetin Sappho dar, die als erste Frau für Männer und Frauen die gleichen Rechte einforderte.

Ilhéus - Marmorstatue der Sappho

Ilhéus - Marmorstatue der Sappho


Bevor wir mit dem Taxi die circa zwei Kilometer vom Zentrum zur AIDAcara zurückkehren, besuchen wir die Bar Vesuvio. Das unterhalb der Kathedrale liegende schmucklose Restaurant zehrt immer noch vom Ruhm des Jorge Amado.

Ilhéus - Bar Vesuvio   Ilhéus - Bar Vesuvio   Ilhéus - Bar Vesuvio  

Unser Fazit:
Ilhéus ist keine der Destinationen, die ein Kreuzfahrtschiff unbedingt anlaufen muss. Wir könnten gut und gerne auf Ilhéus verzichten, wenn da nicht die einmalig schönen Strände wären.