Ein Tag in Istanbul

Ein Tag in Istanbul auf eigene Faust


Unser Kreuzfahrtschiff liegt zwei Tage in Istanbul. Am ersten Tag unternehmen wir eine Schiffsfahrt auf dem Bosporus. Am Folgetag steht das „Kulturprogramm“ im Mittelpunkt. Von Vorteil ist es, dass die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der 15 Millionen Einwohner zählenden Metropolregion auf Istanbuls historischer Halbinsel zentral beieinander liegen. Das erspart uns lange Wegezeiten.

Istanbuls historische Halbinsel

Istanbuls historische Halbinsel ist zentraler Standort des Topkapı-Palasts, der Hagia Sophia, der Blauen Moschee, des Sultanahmet-Platzes und der Cisterna Basilica. Der Große Basar liegt einen Kilometer vom Sultanahmet-Platz entfernt. Alle genannten Sehenswürdigkeiten sind einen Besuch wert.

Die Tramlinie 1 verkürzt die Wege

Um zum historischen Distrikt Istanbuls zu gelangen, bedienen wir uns der Straßenbahn. Istanbuls Straßenbahnen fahren regelmäßig, sie sind sauber und preisgünstig.

In der Nähe des Kreuzfahrtterminals steigen wir in einen Zug der Trambahnlinie 1. Die Fahrt führt über die Galatabrücke. Nach zehn Minuten verlassen wir die Bahn am Haltepunkt Gülhane. Der Weg zum Topkapı-Palast führt durch den gleichnamigen Park. Wegen der stets zu erwartenden Besuchermassen ist frühzeitiges Erscheinen empfehlenswert. Der Eintritt ins Museum, den Harem und die Palastkirche kostet insgesamt 125 TL (rund 8,00 Euro).

Istanbul - Parkanlage am Topkapı-Palast

Istanbul - Parkanlage am Topkapı-Palast


Topkapı-Palast

Was dürfen die Besucher vom Topkapı-Palast erwarten? Der riesige Palast diente 400 Jahre als Wohnort und Verwaltungszentrum der osmanischen Sultane. Im Jahr 1923 wurde der Komplex in ein Museum verwandelt. Auf 70 Hektar Fläche sind prächtige Bauten, unschätzbar wertvolle Sammlungen, Waffen, Reliquien und die Schatzkammer verteilt.

Der Palastkomplex gliedert sich in vier Innenhöfe. Der erste Hof wurde für Zeremonien und Prozessionen genutzt. Er besteht aus einem weitläufigen Garten, der byzantinischen Hagia Irene-Kirche und mehreren Brunnen. Links und rechts vom Haupteingang des Palastgebäudes lagen die Räume der Wächter. Der zweite Hof galt als das Herz des Palastes. Dort befanden sich die Staats- und Verwaltungsräume, der mehr als 300 Zimmer umfassende Harem mit dem Reich der Königsmutter, die Schatzkammer, der Ratssaal und die Palastküche. Auch die Leibgarde der Sultane logierte in diesem Areal.

Istanbul - Topkapı-Palast,  Hagia Sophia, Sultanahmet-Moschee zur Abendzeit

Istanbul - Topkapı-Palast, Hagia Sophia, Sultanahmet-Moschee zur Abendzeit


Im dritten Hof lagen das Audienzzimmer, die Bibliothek und eine weitere Schatzkammer. Es versteht sich, dass dieser Hof zur Zeit der osmanischen Sultane nur mit besonderer Erlaubnis durch das Tor der Glückseligkeit betreten werden durfte. Der vierte Hof beinhaltet Pavillons, Terrassen und Gärten. Von der Palastterrasse im vierten Innenhof genießen Besucher einen der schönsten Ausblicke Istanbuls auf das Goldene Horn und das Marmarameer.

Hagia Sophia

Vom Palast gehen wir weniger als 300 Meter bis zur Hagia Sophia. Die als Kuppelbasilika errichtete Sophienkirche wurde im Jahr 537 geweiht. Sie war die Hauptkirche des Byzantinischen Reichs, und ab 641 war sie Krönungskirche der byzantinischen Kaiser. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453, wurde sie in eine Moschee umgewandelt. Vier Minarette wurden errichtet. Wegen ihrer gewaltigen Kuppel mit 31 Metern Spannweite galt die Kirche im Mittelalter als achtes Weltwunder. Im Jahr 1934 wurde die Moschee in ein Museum umgewandelt. Ihre einzigartige Architektur hat der Hagia einen Eintrag im UNESCO Weltkulturerbe beschert. Im Jahr 2020 wurde der Prachtbau in eine Moschee zurück verwandelt. Sie ist für Touristen geöffnet: Hiervon ausgenommen sind die Gebetszeiten und das Freitagsgebet. Die von Moscheen gewohnten Kleiderordnungen sind zu beachten.

Istanbul - Hagia Sophia

Istanbul - Hagia Sophia


Die Hagia Sophia wird wegen ihrer kunstvollen Mosaike geschätzt. Neben der gewaltigen Zentralkuppel existieren zwei weitere Halbkuppeln. Sie und vier Säulen und Bögen tragen die Last des zentralen Kuppelbaus. Im Kirchenraum fallen den Besuchern acht kalligrafische Tafeln in luftiger Höhe auf. Die schwarzen Tafeln tragen die Namen Allahs, des Propheten Mohammed, der vier Kalifen und der beiden Enkel Mohammeds. Von den oberen Galerien lässt sich die Pracht der Haupthalle intensiv betrachten.

Istanbul - Kuppeln der Hagia Sophia
Istanbul - Hagia Sophia
Istanbul - Gebetshalle der Hagia Sophia
Istanbul - Mosaik in der Hagia Sophia

Die Blaue Moschee

Von der Hagia Sophia gehen wir 500 Meter hinüber zur Sultanahmet-Moschee, die besser unter dem Namen „Blaue Moschee“ bekannt ist. Unser Weg führt an schönen alten Häusern vorbei. Die Moschee wurde im Jahr 1616 nach siebenjähriger Bauarbeit fertiggestellt. Ihren Namen erhielt sie wegen tausender blauer Fliesen, die den unteren Teil der Mauern und der Tribünen zieren. Als einzige Moschee der Osmanen besitzt die Sultanahmet-Moschee sechs Minarette. Das Phänomen der sechs Minarette wird auf ein Missverständnis zwischen dem Bauherrn und seinem Baumeister zurückgeführt. Der Sultan forderte Minarette aus Gold (türkisch „altın“); der Baumeister verstand jedoch die Zahl 6 (türkisch „altı“). Dem Vernehmen nach stiftete der Sultan der Al-Haram Moschee in Mekka ein siebtes Minarett. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass diese Moschee hinsichtlich der Zahl ihrer Minarette das größte islamische Gotteshaus blieb.

Istanbuls Blaue Moschee


Istanbuls Blaue Moschee


Istanbuls Blaue Moschee


Istanbuls Blaue Moschee 


Sehenswert sind der Innenhof der Moschee mit dem Mausoleum von Sultan Ahmet I. und dessen Familienangehörigen, die Minarette, die schönen Innendekorationen sowie die Anordnung der Kuppeln und Halbkuppeln.

Uns bleibt wegen des Freitaggebets leider der Zutritt verwehrt. Besucher, die außerhalb der Gebetszeiten die Moschee besichtigen möchten, sind gern gesehen. Eintritt wird nicht erhoben. Allerdings freut sich die Moscheen-Gemeinde über Spenden. Wie in der Hagia Sophia gelten auch in der Sultanahmet-Moschee strikt einzuhaltende Kleiderordnungen für Besucherinnen.

Istanbuls Sultanahmet-Platz

Neben der Blauen Moschee liegen am weitläufigen Sultanahmet-Platz die Überreste eines antiken Hippodroms. Die Besichtigung des Platzes beginnt vorzugsweise am nördlichen Ende, am Deutschen Brunnen. Der Pavillon des Deutschen Brunnens erinnert an den zweiten Besuch Kaiser Wilhelm II. in der Türkei. Der Kaiser ließ den Springbrunnen als Geschenk für Sultan Abdülhamid II. im Jahr 1900 bauen. Der achteckige Kuppelbau wurde in Deutschland gefertigt, in Einzelteilen versandt und in Istanbul zusammengesetzt. Weitere Highlights des Platzes sind die Reste der bronzenen Schlangensäule, ein Obelisk aus dem Karnak-Tempel bei Luxor sowie ein weiterer gemauerter Obelisk.

Sultanahmet-Platz - der Deutsche Brunnen


Sultanahmet-Platz - der Deutsche Brunnen


Sultanahmet-Platz - Deckenmosaik des Deutschen Brunnens


Sultanahmet-Platz - Deckenmosaik des Deutschen Brunnens 


Die wenig spektakuläre Schlangensäule war eine Weihgabe der Griechen an die Gottheit Apollon. Die Säule besteht aus einer Bronzesäule mit drei einander umschlingenden Schlangen. Zuerst stand die Säule in Delphi. Im Jahr 331 nach Christus ließ Kaiser Konstantin sie in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zum Schmuck des Hippodroms aufstellen.

Istanbul - Schlangensäule mit Obelisk

Istanbul - Schlangensäule mit Obelisk


Der Große Basar – Kapalı Carşı

Ein Kilometer Fußweg liegt zwischen dem Sultanahmet-Platz und dem Großen Basar. Wir kennen den Basar von früheren Aufenthalten. Dieses Mal verzichten wir auf einen Besuch. Wir finden es bedauerlich, dass die Geschäfte inzwischen vor allem auf die Belange von Touristen fixiert sind. Das Authentische des Handelsplatzes ging verloren. Ein Erlebnis ist der riesige Basar dennoch.

Cisterna Basilica – die Yerebatan-Zisterne

Aus unserer Sicht ist die unterirdisch gelegene Zisterne wegen ihrer von Scheinwerfern erhellten mystischen Szenerie ein „Muss“ für Istanbuls Gäste. Kaiser Justinian gab in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts das westlich der Hagia Sophia gelegene Wasserreservoir in Auftrag. Die Anlage versorgte den kaiserlichen Haushalt mit Frischwasser aus dem Hochland nördlich von Istanbul.

Die Anlage ist 138 Meter lang und 65 Meter breit. Insgesamt 336 Marmorsäulen tragen das Gewölbe der Zisterne. Die Säulen haben eine Höhe von etwa acht Metern. Die Anlage fasste 80.000 Kubikmeter. An die Römerzeit erinnern zwei Medusen-Köpfe.

Istanbul - Cisterna Basilica


Istanbul - Cisterna Basilica


Istanbul - Cisterna Basilica - Medusa-Kopf


Istanbul - Cisterna Basilica - Medusa-Kopf 


Im Türkischen heißt das Bauwerk Yerebatan Sarnıcı, was so viel wie „Versunkener Palast“ bedeutet. Der Speicher ging in die Filmgeschichte ein. Er war Schauplatz mehrerer Filme, u.a. des James Bond-Films „Liebesgrüße aus Moskau“.

Die Zisterne liegt nur wenige Meter vom Sultanahmet-Platz entfernt an der Yerebatan Caddesi. Der Eintritt kostet 30 TL (1,80 Euro). Gegenwärtig ist das Bauwerk wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen.

Zusammenfassung

Das dicht gepackte Programm ist an einem Tag schwer zu bewältigen. Zwei der genannten Sehenswürdigkeiten mögen an sich genügen. Die anderen betrachtet man im Vorübergehen. Wer nicht mehr mag, bricht zwischendurch ab und lässt sich vom Besucherstrom treiben, oder nimmt Platz in einem Kaffeehaus. Auch solche Aktivitäten vermitteln neue, ungewohnte Eindrücke von Istanbul. Danach bringt uns die Tramlinie 1 sicher und bequem zurück zum Kreuzfahrtschiff. Neuen Abenteuern entgegen.

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