Istanbul – Schiffsfahrt auf dem Bosporus

Istanbul – Schiffsfahrt auf dem Bosporus


Besucher der Metropolregion Istanbul stehen, sofern sie zu individuellen Erfahrungen und Ausflügen tendieren, vor der Qual der Wahl. Welcher der vielen Sehenswürdigkeiten Istanbuls sollten sie sich widmen: dem Großen Basar, der Hagia Sophia, der Blauen Moschee, der Cisterna Basilica oder … oder …? Jede dieser Attraktionen ist es wert, besucht zu werden. Für den Fall, dass alle diese Sehenswürdigkeiten den Besuchern vertraut sind, empfehlen wir eine Fahrt mit dem Linienschiff auf dem Bosporus. Die Meerenge trennt Europa von Kleinasien und verbindet das Marmarameer mit dem Schwarzen Meer.

Linienschiff auf dem Bosporus

Linienschiff auf dem Bosporus


Die Nostalgic Bosporus Tour – ein empfehlenswertes Unterfangen

Es ist ein Erlebnis der besonderen Art mit dem Schiff von Istanbuls Hafenviertel Eminönu nach Anadolu Kavağı am Schwarzen Meer zu fahren. Angeboten werden sowohl private Schiffsausflüge als auch Fahrten mit Linienschiffen. Die privaten Touranbieter vermögen wir nicht einzuschätzen. Wir halten uns an die Linienschiffe von Şehir Hatları. Die Fahrt mit dem Linienschiff stellt für uns eine Abrundung des Istanbuler „Pflichtprogramms“ dar. Wir absolvierten diese einmalig schöne Fahrt bei schönem Wetter mehrfach und empfehlen sie Istanbuls Besuchern auf das Wärmste.

Die Zeiten ändern sich, und damit auch die Nachfrage für solche Touren. Während vor 25 Jahren die Linienschiffe hauptsächlich von Anwohnern wie Omnibusse genutzt wurden, haben mittlerweile viele Individualreisende den Bosporus für sich entdeckt. Die Şehir Hatları-Linie vermarktet die Fahrt seit längerem als „Nostalgic Bosporus Tour“, ohne dass sich am Ablauf der Fahrt Wesentliches geändert hätte.

Der Weg vom Kreuzfahrtterminal zum Eminönü-Anleger

Zuletzt besuchten wir Istanbul mit Royal Caribbeans Mariner of the Seas. Das Schiff lag am Karaköy-Ufer, dort wo sich seit dem Spätherbst 2021 der neue unterirdische Galataport befindet. Dieses ultramoderne Kreuzfahrtterminal ist zwei Kilometer vom Ausgangspunkt der Bosporus-Fahrt entfernt.

Vom Terminal zum Eminönü-Anleger der Fähren und Linienschiffe gelangt man entweder zu Fuß oder mit der Trambahnlinie 1. Beide Alternativen führen über die belebte Galatabrücke. Die Tram hält an der Station Tophane in der Nähe des Galataports. Der Ausstieg erfolgt hinter der Galatabrücke oberhalb des Eminönü-Piers. Wir empfehlen grundsätzlich die Nutzung von Istanbuls Straßenbahnen. Sie sind sauber, preisgünstig und pünktlich.

Istanbul - Galataturm

Istanbul - Galataturm


Da der Fußweg vom Liegeplatz des Schiffs weniger als 30 Minuten Zeit in Anspruch nimmt, empfiehlt sich aus unserer Sicht dieser abwechslungsreiche Spaziergang. Am Ende der Galatabrücke führt links eine Treppe zum Fähranleger hinunter. Der Ticketpreis ist mit 25 Türkischen Lira seit Jahren unverändert. Derzeit entspricht der Preis wegen des Verfalls der türkischen Währung dem Gegenwert von 1,50 Euro. Frühzeitiges Erscheinen, eine halbe Stunde vor Abfahrt, empfiehlt sich, sofern man auf dem Oberdeck im Schatten sitzen möchte. Das Linienschiff befährt die Route täglich. Startzeit: 10:35 Uhr. Die Rückfahrt ab Anadolu Kavağı beginnt um 15:00 Uhr.

Unvergessliche Anblicke zu beiden Seiten des Bosporus

Das Schiff legt pünktlich ab. Die Fahrt bis Anadolu Kavağı auf der asiatischen Seite des Bosporus dauert rund 1¾ Stunden. Die Distanz beträgt 25 Kilometer. Unterwegs hält das Schiff an fünf Anlegern.

Vom Wasser bestaunen wir als Erstes den 67 Meter hohen Galataturm, ein Relikt aus genuesischen Zeiten. Danach folgen an Backbord die am Galataport liegenden Kreuzfahrtschiffe. Anschließend passieren wir den Dolmabahçe-Palast mit seinen 600 Metern Frontlinie zum Bosporus. Der im 19. Jahrhundert fertiggestellte Prachtbau war ab 1856 die Residenz der osmanischen Sultane. Zu dieser Zeit war Istanbul noch die Hauptstadt der Türkei. Auf den Palast folgen die Ortaköy-Moschee und die erste Bosporus-Brücke. Sie ist eine der drei Brücken, die Europa mit Kleinasien verbinden.

Istanbul - Galataturm
Istanbul - Kreuzfahrtschiffe
Istanbul - Dolmabahçe-Palast
Die erste Bosporusbrücke


Die Fahrt geht weiter. Am asiatischen Ufer sehen wir den aus weißem Marmor erbauten Beylerbeyi-Palast, die ehemalige Sommerresidenz der Sultane. An Backbord folgt Rumeli Hisarı, eine gewaltige Festung, die dem Vernehmen nach im Jahr 1452 innerhalb von 120 Tagen von den Osmanen zum Zwecke der Belagerung Konstantinopels errichtet wurde. Daraus lernen wir, dass der Produktionsfaktor Arbeit bereits in jenen fernen Zeiten bestimmend für den Erfolg eines Unternehmens war. Gegenüber auf der östlichen Seite liegt im Übrigen Anadolu Hisarı, eine kleinere Vorburg.

Bosporus - Beylerbeyi-Palast
Bosporus - Festung Rumeli Hisarı
Bosporus - Festung Rumeli Hisarı
Bosporus - Anadolu Hisarı


Es folgt mit der Fatih Sultan Mehmet Köprüsü die zweite Bosporus-Brücke. Danach legt das Schiff zum ersten Mal in Kanlıca in Kleinasien an. Weiter geht es nach Sariyer, zurück zur europäischen Seite des Bosporus. Als nächste Etappe folgt erneut auf der europäischen Seite Rumeli Kavağı. Der malerische Ort wirkt mit seinen zweistöckigen, farbigen Häusern ansprechend und friedlich. In Rumeli Kavağı ist nichts mehr vom Rummel Istanbuls zu spüren. 

Bosporus - Fatih Sultan Mehmet Köprüsü
Bosporus - Kanlıca in Kleinasien
Bosporus - Kanlıca in Kleinasien
Bosporus - Sariyer


Als letzte Etappe folgt Anadolu Kavağı. Unser erster Eindruck: Ein Fischlokal reiht sich ans andere. Vom Ufer laden Mitarbeiter der Restaurants durch Winken die Passagiere unseres Schiffs zum Besuch ein. Wir nehmen an, dass Hunderte von Tagesgästen die Gastronomie nutzen. Apropos Gastronomie, auf dem Bosporus-Schiff werden Mitreisende gegen kleines Geld mit Getränken, Eis etc. versorgt.

Bosporus - Anadolu Kavağı


Bosporus - Anadolu Kavağı


Bosporus - Anadolu Kavağı


Bosporus - Anadolu Kavağı 


Anadolu Kavağı - Aufstieg zum Yoros-Kastell

Für uns ist Anadolu Kavağı nicht allein das Ende einer Fahrt mit dem Linienschiff und ein Essen in einem Fischrestaurant. Wir empfehlen außerdem den Aufstieg zum Yoros-Kastell. Die ehemalige Festung wurde während des Byzantinischen Kaiserreichs auf den Resten einer ehemaligen griechischen Tempelanlage erbaut.

Bosporus - Yoros-Kastell
Bosporus - Yoros-Kastell
Bosporus - Yoros-Kastell
Bosporus - vor uns das Schwarze Meer


Der Weg hinauf zum Kastell ist anstrengend. Er ist ungeeignet für Personen mit Mobilitätseinschränkungen. Während wir vor einem Vierteljahrhundert in 200 Meter Höhe mit uns und der Welt allein waren, können wir uns in der Gegenwart kaum vor Besuchern retten. Der Blick in Richtung des Schwarzen Meers entschädigte für die Mühen. Wer will, nimmt unterhalb des Kastells in einem rustikalen Restaurant mit großer Terrasse und einer freundlichen Katze einen Drink oder Imbiss zu sich. Zu diesem Vorhaben eignet sich ebenfalls eines der Lokale an dem vielbefahrenen Schifffahrtsweg. Wichtig ist es, das um 15:00 Uhr zurück fahrende Linienschiff nicht zu verpassen.

Resümee

Wir empfehlen diese wunderschöne Tour. Das gilt vor allem für die Sommermonate bei viel Sonnenschein. Für wenig Geld wird den Tagesgästen eine Menge geboten. Uns als Wahl-Hamburger erinnern die bebauten Hänge am Wasser oftmals an Hamburgs Stadtteile Othmarschen und Blankenese.

Bosporus - Anleger Sariyer


Bosporus - Anleger Sariyer


Wohnanlage am Bosporus


Wohnanlage am Bosporus 


Wie wir bereits vor vielen Jahren hörten, sei das Preisniveau für den Erwerb eines attraktiven Hauses oder einer Wohnung mit Blick auf den Bosporus mit Hamburgs Nobeladressen vergleichbar.

Update März 2022