Die Metropolregion Istanbul, ein Ballungsgebiet mit mehr als 5.000 Quadratkilometern Fläche und 15 Millionen Einwohnern, blickt auf eine mehr als zweieinhalbtausendjährige Geschichte zurück. Historische Quellen belegen, dass die Stadt im Jahr 660 vor Christus unter dem Namen Byzantion (Byzanz) gegründet wurde. Reiseratgeber nennen unzählige Sehenswürdigkeiten der türkischen Megastadt. Es braucht Wochen, um sich ein Bild über Paläste, Moscheen, Plätze, Museen und anderes mehr zu verschaffen.
Kreuzfahrtschiffe am Kadiköy-Terminal
Reisende, die sich nur kurze Zeit in Istanbul aufhalten, wie zum Beispiel Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, sind wohl oder übel gezwungen, sich entsprechend ihrer Interessen auf wenige herausragende Sehenswürdigkeiten zu beschränken. Für uns zählen die nachfolgend vorgestellten profanen und religiösen Bauten sowie Orte zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Istanbuls und zu jenen, die Besucher am ehesten sehen sollten.
Zwei einmalige Paläste
Folgt man einschlägigen Internet-Reiseführern, so besitzt Istanbul ungefähr sieben Paläste. Die Angaben variieren je nach Quelle. Hinzu kommt eine Anzahl von palastähnlichen Villen. Unsere Empfehlung gilt den beiden nachstehend genannten Objekten.
Dolmabahçe-Palast
Bevor Ankara zur Hauptstadt der Türkei bestimmt wurde, war Istanbul der Sitz der türkischen Herrscher. Diese residierten ursprünglich im mittelalterlichen Topkapı-Palast. Unter Sultan Abdülmecid I. erging der Auftrag an zwei Architekten, einen repräsentativen Palast am europäischen Bosporus-Ufer zu errichten, dessen Erscheinungsbild und Ausstattung dem Vergleich mit Europas Schlössern standhalten sollte.

Dolmabahçe-Palast und Bosporus
In den Jahren 1843 bis 1856 entstand mit dem Dolmabahçe-Palast eine sich über 600 Meter am Bosporus erstreckende zweiteilige Palastanlage. Deren südlicher Flügel enthält die öffentlichen Repräsentationsräume. Im nördlichen Teil lagen der Wohnbereich der Sultane und deren Harem. Das Verbindungsstück beider Teilbereiche ist der 2.000 Quadratmeter große Empfangssaal, der von einer 36 Meter hohen Kuppel gekrönt wird. Bis zur Ausrufung der Republik im Oktober 1923 diente der Palast sechs Sultanen und einem Kalifen als Regierungs- und Wohnsitz.
Der noch immer für repräsentative Funktionen genutzte Palast kann besichtigt werden.
Anschrift: Vişnezade, Dolmabahçe Cd.; erreichbar mit der Tramlinie T1
Eintrittspreis 2023: 120 TL (6 Euro). Der Zutritt zum Harem erfordert ein spezielles Ticket. Das Kombiticket für den Palast und den Harem kostet 150 TL (7,50 Euro).
Topkapı-Palast
Zwischen den Jahren 1459 und 1853 war der Topkapı-Palast die Residenz der Sultane des Osmanischen Reichs. Seit der Ausrufung der Republik im Jahr 1923 dient der Palast musealen Zwecken. Er ist eines der meistbesuchten touristischen Ziele der Stadt. Bezüglich der Fläche des Palastes werden unterschiedliche Werte genannt. Die Zahlenangaben schwanken zwischen 400.000 und 690.000 Quadratmetern.

Topkapı-Palast im Abendlicht
Anschrift: Cankurtaran, 34122 Fatih; erreichbar mit der Tramlinie T1 (Ausstieg Gülhane istasyonu und Sultanahmet).
Eintrittspreis 2023: 500 TL (25 Euro).
Zwei herausragende Moscheen
Den Besuchern Istanbuls stellt sich bei Rundgängen durch die Stadtbezirke die Frage, wieviel Moscheen wohl das Stadtbild prägen. Bereits im Juli 1996 nannte die Tageszeitung DIE WELT die Zahl von 3.000 Moscheen. Aktuell spricht ein Internet-Reiseführer von 3.113 Gebetshäusern. Neben zumeist unbedeutenden Moscheen nennen Reiseführer ein gutes Dutzend herausragender Heiligtümer, von denen wir zwei vorstellen.
Sultanahmet-Moschee
Ein nicht zu übersehendes Wahrzeichen der Skyline Istanbuls ist die Sultanahmet-Moschee. Die im Jahr 1616 fertiggestellte Moschee gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Wegen der blauen Keramikfliesen im Inneren des Gotteshauses wird es häufig „Blaue Moschee“ genannt.

Sultanahmet-Moschee
Das charakteristische und nach außen hin sichtbare Merkmal der Moschee sind ihre sechs Minarette. Sie gelten als Alleinstellungsmerkmal unter den osmanischen Moscheen. Die Legende beschreibt die sechs Türme als ein Missverständnis zwischen dem Bauherren Sultan Ahmet I. und seinem Architekten. Auf Weisung des Sultans sollten ursprünglich nur vier Minarette errichtet werden.
Der Innenraum weist überragende Innendekorationen auf. Sie sind eine gelungene Mixtur aus mehr als 20.000 Kacheln und Hunderten Glasfenstern. Von außen prägen die 43 Meter hohe Hauptkuppel und mehrere Halbkuppeln die Optik des Gebäudes.
Den Innenhof betreten Besucher durch eines von drei großen Toren. Im Innenhof befinden sich mehrere Gebäude, darunter eine Medrese (Hochschule), eine Suppenküche und die Karawanserei.
Touristen ist der Besuch der Sultanahmet-Moschee gestattet. Der Besuch empfiehlt sich außerhalb der täglichen fünf Gebetszeiten. Diese sind im Internet nachzulesen.
Auf angemessene Kleidung ist unbedingt zu achten. Frauen sind aufgefordert, ihr Haar zu bedecken.
Eintritt wird nicht erhoben.
Hagia Sophia
Der Sultanahmet-Moschee liegt die Hagia Sophia gegenüber. Auch sie zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Hagia Sophia galt lange Zeit als eine der bedeutendsten Kirchen der Welt, und sie war die Hauptkirche des Byzantinischen Reichs. Zwischen den Jahren 1453 und 1935 war sie eine Moschee. Danach wurde sie Jahrzehnte als Museum genutzt. Seit 2020 ist sie erneut eine Moschee.
Die Hagia Sophia schmücken vier in der osmanischen Zeit hinzugefügte Minarette. Das Gotteshaus ist für seine kunstvollen Mosaike berühmt. Eines befindet sich im Vestibül. Es zeigt die Jungfrau Maria mit dem Kind und die beiden byzantinischen Kaiser Konstantin und Justinian. Charakteristisch für den Hauptraum sind die oberen Galerien. Der Raum wird von einer monumentalen, zentralen Kuppel und zwei Halbkuppeln gekrönt.
Zutritt für Touristen: wie Sultanahmet-Moschee.
Zwei interessante Plätze
Sultanahmet-Platz
Im Stadtbezirk Fatih liegt einer der wichtigsten Plätze Istanbuls, der Sultanahmet-Platz. Der Platz grenzt im Osten an die „Blaue Moschee“. Er war mit dem Hippodrom das sportliche und soziale Zentrum des antiken Konstantinopel. Das Hippodrom existiert nicht mehr. Geblieben sind ein Rest der bronzenen Schlangensäule, ein Obelisk aus einer ägyptischen Tempelanlage in Luxor und der Deutsche Brunnen.

Sultanahmet-Platz - Schlangensäule und Obelisk
Die Schlangensäule und der Obelisk sind aus heutiger Sicht der Kategorie Beutekunst zuzuordnen. Der Deutsche Brunnen war ein Geschenk des deutschen Kaisers Wilhelm II. an den Sultan Abdülhamid II. Den kunstvoll gestalteten Pavillon, die „Pickelhaube", stiftete der deutsche Kaiser dem osmanischen Regenten zum Andenken an seinen Besuch in Istanbul im Jahr 1898. Die neobyzantinische, achteckige Brunnenanlage wurde in Deutschland gefertigt, in Einzelteilen nach Istanbul gebracht und an seinem heutigen Standort aufgebaut.
Taksim-Platz und die Istiklal Caddesi
Im europäischen Teil der Metropole liegt der Taksim-Platz. Der zentral gelegene Taksim Meydanı ist heutzutage ein Verkehrsknotenpunkt, von dem Straßen in alle Richtungen führen. Ursprünglich war er das Ende einer aus dem Norden kommenden Fernwasserleitung mit einem angeschlossenen Wasserverteiler.
Seit dem Jahr 2013 ist der Taksim-Platz für den Verkehr gesperrt. Die Verkehrswege verlaufen unterirdisch. Der Platz grenzt im Norden an den baumbestandenen Gezi-Stadtpark.
Von dem Platz führt die belebte und abwechslungsreiche Fußgängerstraße Istiklal Caddesi zum tiefer gelegenen Tünel-Platz. Die Distanz bewältigen Besucher zu Fuß oder mit der historischen Straßenbahn. Ein weiteres unvergessliches Erlebnis ist eine Fahrt mit der Standseilbahn, die den Tünel-Platz mit dem Karaköy-Ufer verbindet. Die Höhendifferenz beträgt 62 Meter. Die Strecke gilt als zweitälteste U-Bahn der Welt.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Aus der Fülle der Istanbuler Sehenswürdigkeiten liegen uns fünf weitere besonders am Herzen. Sie sind von unterschiedlicher Natur.
Galataturm
Der 67 Meter hohe Galataturm im Stadtbezirk Beyoğlu zählt zu den berühmtesten Wahrzeichen der Stadt, und er ist schwerlich zu übersehen. Der Turm ist ein Überbleibsel einer ehemaligen genuesischen Kolonie. Der Galataturm findet heutzutage als Museum Verwendung. Inhalte der Ausstellungen sind historische Ereignisse und Funde.

Galataturm vom Bosporus gesehen
Der Turm besitzt neun Stockwerke. Zwei Aufzüge fahren bis in das siebte Stockwerk hinauf. Von dort führt eine Wendeltreppe ins neunte Obergeschoss zu einer Aussichtsplattform, die einen 360-Grad-Blick auf die Stadt, den Bosporus und das Goldene Horn gewährt.
Großer Basar (Kapalı Çarşı)
Istanbuls Großer Basar liegt im Stadtteil Eminönü in der Nähe der vorgenannten Moscheen. Seine Ursprünge reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Wie so oft nennen unterschiedliche Quellen variierende Größenangaben für den Markt. Die überdachte Fläche des Großen Basars misst demnach zwischen 31.000 und 45.000 Quadratmetern. Den Raum nutzen mehr als 4.000 Händler. Angeboten wird alles, was das Herz begehrt. Im Kapalı Çarşı findet man Kräuter und Gewürze, Süßigkeiten, Haushaltswaren und Bekleidung. Antiquitäten fehlen ebenso wenig wie Teppiche, Schmuck und Kunsthandwerk. Die Geschäfte liegen an 60 nach Gewerben gegliederten Handelsstraßen.
Der Große Basar besitzt angeblich 22 Tore. Den Haupteingang bildet das Beyazit-Tor.
Rumeli Hisarı
Die am europäischen Bosporus-Ufer gelegene osmanische Festungsanlage Rumeli Hisarı wurde auf Weisung des Sultans Mehmed II. im Jahr 1452 errichtet. Die 250 mal 125 Meter messende Festung wurde dem Vernehmen nach von 3.000 Arbeitern innerhalb von vier Monaten gebaut. Drei mächtige Türme beherrschen die Festung, die in der Gegenwart als Museum genutzt wird.
Am kleinasiatischen Ufer der Meeresenge liegt die kleinere Festung Anadolu Hisarı. Von den beiden, einander gegenüberliegenden Festungen wurde der Schiffsverkehr auf dem an dieser Stelle ungefähr 700 Meter breiten Bosporus kontrolliert.

Anadolu Hisarı
Theodosianische Mauer
Konstantinopel, das heutige Istanbul, ist seit jeher an drei Seiten von Wasser umgeben. Lediglich die Westflanke der Stadt war ungeschützt. Zum Schutz dieser Flanke wurde Anfang des 5. Jahrhunderts eine aus Land- und Seemauern bestehende Verteidigungslinie geschaffen. Deren Länge wird auf 19 bis 20 Kilometer beziffert. Die bis zu 70 Meter breite und technisch ausgeklügelte Anlage gilt unter Fachleuten als eine der wirksamsten Konstruktionen ihrer Art. Zu Beginn sollten die Mauern die sich ausdehnende Stadt vor den Hunnen schützen. Bei dem Schutz vor den Hunnen blieb es nicht. Die Mauer bewährte sich auch in anderen Krisen. Der Lohn: Schutz der Bevölkerung vor feindlichen Einfällen und eine Eintragung in das UNESCO Weltkulturerbe. Im Stadtteil Fatih sind gut erhaltene Reste der Verteidigungsanlage zu sehen.
Yerebatan-Zisterne
Im Südwesten der Hagia Sophia liegt die Yerebatan Sarnıcı genannte gigantische, unterirdische Zisterne. Der Name steht für „versunkener Palast“. Kaiser Justinian ließ den 138 Meter langen und 65 Meter breiten Wasserspeicher in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts als Wasserreservoir des Topkapı-Palasts anlegen. Es hat ein Fassungsvermögen von etwa 80.000 Kubikmetern.
Über dem Beckensystem ragte zu dessen Schutz eine von 336 Säulen getragene „Basilika“ auf, deren Höhe neun Meter beträgt. Das Wasser wurde aus dem Hochland nördlich von Istanbul über Aquädukte in die Zisterne geleitet. Die Zisterne war mehrfach Drehort von Filmen. Eine Szene des James-Bond-Films „Liebesgrüße aus Moskau“ spielt in dem Wasserreservoir.
Anschrift: Yerbatan Cd. Im Stadtteil Fatih nahe der Hagia Sophia.
Öffnungszeiten: täglich 9:00 bis 19:00 Uhr.
Eintrittspreis für Ausländer 2023: 330 TL (16,70 Euro).













