Landausflug nach Olympia


Drei Kreuzfahrtschiffe besuchen am 25. Juli 2016 die am westlichen Rand des Peleponnes gelegene griechische Kleinstadt Katakolon. Es sind die Queen Victoria, die MSC Magnifica und das Segelschiff Club Med 2. Die knapp 5.000 Passagiere dieser Schiffe haben vor allem ein Ziel: das antike Olympia.

Katakolon

Katakolon


Die meisten der Reisenden haben dem Anschein nach das „Sorglos-Paket“ gebucht. Sie werden in Bussen nach Olympia und zurück transportiert; dazwischen durchwandern sie den Hain von Olympia. Unser Kreuzfahrtschiff, Cunards Queen Victoria, liegt den ganzen Tag über in Katakolon. Wir haben somit alle Zeit der Welt und können daher Sehenswertes in Katakolon, die Kleinstadt Olympia und die ehemalige Kultstätte ohne Zeitdruck erkunden.

Olympias liebliche Umgebung Olympia - Tribut an die olympischen Spiele von Rio

 

Wie kommt man nach Olympia?

Olympia liegt 33 Kilometer von Katakolon entfernt. Die Individualisten unter den Kreuzfahrtgästen nutzen entweder Taxen, Mietwagen oder den Zug. Wir haben uns für die preisgünstigste Alternative entschieden, die Bahn. Am Hafen von Katakolon liegt der unauffällige Bahnhof des Ortes. Regelmäßig fahren moderne Triebwagen von Katakolon über Pyrgos nach Olympia. Wir beobachten, dass nur wenige Schiffsgäste außer uns mit dem Zug fahren; wir hatten eher mit großem Andrang gerechnet. Möglicherweise liegt die Zurückhaltung auch daran, dass im Bereich der Schiffsanleger nicht für den Zug geworben wird.

Katakolon - Der Fahrkartenschalter Katakolon -  Gleisanlage des Bahnhofs Katakolon Der Bahnhof von Olympia

Wir hatten im Rahmen unserer Vorbereitungen auf die Kreuzfahrt von der Bahn gehört. Mitreisende Engländer stießen eher zufällig auf den Zug. Der verlässt den Ort pünktlich um 10:45 Uhr. Die Landschaft ist abwechslungsreich und nach 45 Minuten Fahrt erreichen wir planmäßig Olympia, einen adretten, vom Tourismus geprägten Ort. Übrigens: Der Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt beträgt 10 Euro.

Die Hauptstraße von Olympia Olympia - Museum der Olympischen Spiele Das Welterbe Olympia

Das weitläufige Ausgrabungsgelände, das angeschlossene Archäologische Museum mit den Fundstücken der Grabungen und das Olympia Museum liegen nah beieinander, in etwa einen Kilometer Entfernung vom Bahnhof. Die Temperaturen sind hochsommerlich, aber am Ziel spenden Bäume und Büsche mehr Schatten als ursprünglich erwartet. Der Eintrittspreis für die Ausgrabungsstätte und das Archäologische Museum beträgt im Jahr 2016 zwölf Euro. Studenten und Senioren zahlen die Hälfte.


Was ist zu sehen in Olympia?

Das verschüttete antike Olympia wurde im Jahr 1766 entdeckt. Die Trümmer lagen unter einer bis zu fünf Meter dicken Sand-, Schlamm- und Geröllschicht. Historischen Quellen zufolge soll ein Erdbeben die Kultstätte zerstört haben. Mit systematischen Ausgrabungen wurde erst im Jahr 1874 unter deutscher Leitung begonnen. Was in der Folge zutage gefördert wurde, war von solcher Bedeutung, dass Olympia im Jahr 1989 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Bedauerlicherweise zerstörten schwere Waldbrände im Jahr 2007 einen großen Teil des Baumbestandes rund um das Olympia-Gelände.

Olympia - Das Leonidaion

Olympia - Das Leonidaion


Man muss kein Wissenschaftler sein, um den Rang des ehemaligen Heiligtums zu erahnen. Olympia war eines der berühmtesten antiken Kultzentren von gesamtgriechischer Wirkung. In Olympia wurde der Göttervater Zeus verehrt. Dort wurde ihm der gewaltige Zeus Tempel errichtet, in dem die aus Gold und Elfenbein gefertigte Statue der Gottheit stand. Sie gilt als eines der Sieben Weltwunder der Antike. Der olympische Hain war von einer Mauer umschlossen. Die profanen Aktivitäten fanden außerhalb der Mauer statt. Olympia war zudem der Austragungsort der Olympischen Spiele, die über einen Zeitraum von vermutlich 1.300 Jahren im Vierjahresrhythmus stattfanden.

Olympia - Die Reste des Zeus Tempels

Olympia - Die Reste des Zeus Tempels


Im Gelände informieren mehrsprachige Tafeln die Besucher über die Bedeutung der einzelnen Gebäude- und Tempelreste. Wir folgen den Nummerierungen in aufsteigender Folge und sehen auf diese Weise die maßgebenden Objekte.

Der Rundgang beginnt am Gymnasion, der Trainingsstätte der Läufer, Diskus- und Speerwerfer. Heute zeigen lediglich Säulenreste die ursprünglichen Ausmaße des auf 120 x 220 Meter geschätzten rechteckigen Bauwerks an, dessen offener innerer Hof von einem Säulengang umschlossen wurde.

Olympia - Das Gymnasion

Olympia - Das Gymnasion


Dem Gymnasion gegenüber lag das Prytaneion. In dem quadratischen Gebäude residierten die Prytanen. Sie regelten den reibungslosen Betrieb des Heiligtums und die Opferverrichtungen an den Altären. Wir lernen daraus, dass es „olympische Offizielle“ zu allen Zeiten gab.

Olympia - Die Ruinen des Prytaneion

Olympia - Die Ruinen des Prytaneion


Es folgen die Palästra, die Griechischen Bäder und die Kladeos-Thermen. Die Palästra war eine gedeckte Wettkampfstätte für Ringer, Faustkämpfer und Ballspiele. Man sollte sie sich als quadratisches Gebäude mit einem großen, freien Innenhof vorstellen. Die Griechischen Bäder boten Baderäume und ein Kaltwasser-Schwimmbecken. Die Kladeos-Thermen entstanden erst in römischer Zeit. Die Mosaikböden der Anlage sind noch heute gut erhalten.

Olympia - Die Palästra Olympia - Die Palästra Olympia - Die Griechischen Bäder

Neben den Griechischen Bädern steht ein etwa 32 x 14 Meter messender Bau, die Werkstatt des Pheidias. Materialfunde lassen darauf schließen, dass in dem Gebäude die Zeus Statue des Zeus Tempels entstand. Etwa im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde die Werkstatt in eine frühchristliche Basilika umgewandelt.

Olympia - Die Werkstatt des Pheidias

Olympia - Die Werkstatt des Pheidias


Ein gewaltiger Gebäudekomplex muss das Leonidaion gewesen sein, dessen Grundriss auch quadratisch wiedergegeben wird. Der Innenhof war kleiner als der der Palästra. Ein Teil des ausgedehnten Bauwerks bestand aus Thermen, ein anderer Teil wurde wohl als Gasthof genutzt.

Olympia - Das Leonidaion Olympia - Das Leonidaion Olympia - Das Leonidaion

Der Zeus Tempel ist zentral im Gelände angeordnet. Er war das beherrschende Bauwerk der Kultstätte. Seine Maße werden mit 64 x 28 Metern angegeben. Die Höhe soll 20 Meter betragen haben. Er entstand in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Heute erinnert nur eine monumentale Säule symbolisch an die Höhe des Tempels.

Olympia - Überreste des Zeus Tempels

Olympia - Überreste des Zeus Tempels


Reste der Echohalle, einer Krypta und von Schatzhäusern liegen am Rundweg. Im Osten sieht der Besucher das große Stadion. Das wurde 1961 in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert. Die Laufbahn war 192 Meter lang; ungefähr 45.000 Zuschauer fanden auf Erdwällen Platz.

Olympia - Reste der Südhalle und des Bouleuterion Olympia - Reste der Südhalle und des Bouleuterion

Daneben liegt der Hera Tempel. Seine Maße fallen mit 50 x 19 Metern kleiner aus als die des Zeus Tempels. Sechzehn Säulen bildeten die Längsseite und sechs Säulen die Querseite. Seit 1936 wird am Hera-Altar die Olympische Flamme der Neuzeit entzündet.

Olympia - Der Hera Tempel

Olympia - Der Hera Tempel


Hinter dem Hera Tempel stand das Philippeion. Philip II. von Mazedonien, Vater von Alexander dem Großen, ließ das Bauwerk 338 v. Chr. errichten. Der keinen sakralen Zwecken dienenden Rundbau bestand aus 18 ionischen Säulen. Im Inneren des Monuments standen fünf aus Gold und Elfenbein gefertigte Statuen seiner Familie.

Olympia - Das Philippeion Olympia - Das Philippeion

Die größte Anlage des Heiligtums, der Hippodrom, ist nicht mehr erhalten. Wissenschaftler der Universität Mainz haben die ursprüngliche Pferderennbahn im Jahr 2008 mit geomagnetischen Methoden nachgewiesen.


Zusammenfassung Olympia

Die Ruinenstätte von Olympia ist imposant und zugleich schwer zu greifen. Wir wüssten gern, wie die beschriebenen Heiligtümer und profanen Gebäude aussahen. Leider war die Kameratechnik in der Antike noch nicht erfunden. Immerhin sind schriftliche historische Beschreibungen überliefert. Die Abbildungen, die uns kenntnisreiche Gelehrte nach den Ausgrabungen gefertigt haben, mögen vielfach Wunschvorstellungen entsprungen sein. Im Übrigen entstand nicht alles in der Blüte des antiken Griechenlands. Auch römische Bauherren schufen nach der Zeitenwende bedeutende Bauten, wie es das Nymphaeum des Herodes Atticus oder das Philippeion beweisen.

Olympia - Sockel der Siegesgöttin Nike

Olympia - Sockel der Siegesgöttin Nike


Wir möchten den Besuch des antiken Olympias nicht missen. Nun wissen wir, dass Olympia nicht nur eine Sportstätte war, sondern auch eine Anhäufung von Tempeln und Altären, an denen zahlreichen Göttern gehuldigt und geopfert wurde.

Auf dem Rückweg zur Bahnstation schauen wir uns die Hauptstraße des Ortes genauer an; besuchen ein Juweliergeschäft und betrachten die vielen nützlichen und unnützen Souvenirs. Wir können uns für nichts entscheiden und nehmen stattdessen in einer Taverne ein erfrischendes Getränk zu uns.

Olympia - Im Zentrum

Olympia - Im Zentrum


Unser Fazit: Wer das antike Olympia gesehen hat, versteht die Olympischen Spiele der Neuzeit etwas besser. Damals wie heute wurde viel Wert auf Repräsentation gelegt und die siegreichen Wettkämpfer waren bereits in der Antike Berühmtheiten.