Landausflug nach Olympia


Drei Kreuzfahrtschiffe besuchen an einem Tag die im Nordwesten des Peleponnes gelegene griechische Ortschaft Katakolon. Es sind die Queen Victoria, die MSC Magnifica und das Segelschiff Club Med 2. Die knapp 5.000 Passagiere dieser Schiffe haben vor allem ein Ziel: das antike Olympia.

Katakolon

Katakolon


Unser Schiff, Cunards Queen Victoria, liegt den ganzen Tag über in Katakolon. Uns bleibt genügend Zeit, um die Kleinstadt Olympia und die ehemalige olympische Kultstätte ohne Zeitdruck zu erkunden.

Mit der Bahn nach Olympia fahren

Olympia liegt 33 Kilometer von Katakolon entfernt. Die meisten der Mitreisenden haben ein Sorglos-Paket gebucht. Sie reisen in Bussen nach Olympia, um den olympischen Hain zu besuchen. Die Individualisten unter den Kreuzfahrtgästen nutzen entweder Taxen, Mietwagen oder den Zug. Wir haben uns für die Bahn als preisgünstigste Alternative entschieden. Hinter Katakolons Hafen liegt der kleine Bahnhof. Regelmäßig fahren moderne Triebwagen von Katakolon über Pyrgos nach Olympia. Außer uns nutzen nur wenige Schiffsgäste den Zug. Der von uns erwartete große Andrang bleibt aus. Möglicherweise ist die Zurückhaltung der Mitreisenden damit zu erklären, dass im Bereich des Schiffsanlegers nicht für den Zug geworben wird. Wir hatten im Rahmen unserer Reisevorbereitungen von der Bahn gehört. Der Triebwagen verlässt Katakolon pünktlich und nach 45 Minuten Fahrt durch abwechslungsreiche Landschaft erreichen wir planmäßig Olympia. Der erste Eindruck: Olympia ist ein adretter, vom Tourismus geprägter Ort.

Willkommen in Olympia


Willkommen in Olympia


Olympias Bahnhof


Olympias Bahnhof 


Das weitläufige Ausgrabungsgelände, das angeschlossene Archäologische Museum mit den Fundstücken der Grabungen und das Olympia Museum liegen nah beieinander. Zum Bahnhof geht man einen Kilometer. Die Temperaturen sind hochsommerlich; am Ziel angelangt spenden Bäume und Büsche mehr Schatten als erwartet. Der Eintrittspreis für die Ausgrabungsstätte und das Archäologische Museum kostet im Jahr 2019 zwölf Euro. Studenten und Senioren zahlen die Hälfte.

Olympia - Museum der olympischen Spiele

Olympia - Museum der olympischen Spiele


Olympias Sehenswürdigkeiten

Das verschüttete antike Olympia wurde im Jahr 1766 entdeckt. Die Trümmer lagen unter einer bis zu fünf Meter dicken Sand-, Schlamm- und Geröllschicht. Historischen Quellen belegen, dass ein Erdbeben die Kultstätte zerstörte. Mit systematischen Ausgrabungen wurde im Jahr 1874 unter deutscher Leitung begonnen. Was in der Folge zutage gefördert wurde, war von solcher Bedeutung, dass Olympia im Jahr 1989 in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Unglücklicherweise zerstörten schwere Waldbrände des Jahres 2007 einen großen Teil des Baumbestandes rund um das Olympia-Gelände.

Olympia - UNESCO Welterbestätte

Olympia war ein Heiligtum und eines der berühmtesten antiken Kultzentren. In Olympia wurde der Göttervater Zeus verehrt. Dort stand der gewaltige Zeus Tempel, mit der aus Gold und Elfenbein gefertigten Statue der Gottheit. Sie wird als eines der Sieben Weltwunder der Antike beschrieben. Der olympische Hain war von einer Mauer umschlossen. Olympia war zudem der Austragungsort der Olympischen Spiele, die über einen Zeitraum von mehr als 1.100 Jahren im Vierjahresrhythmus abgehalten wurden.

Rundgang durch das olympische Gelände

Im Gelände informieren mehrsprachige Tafeln die Besucher über die Bedeutung der einzelnen Gebäude- und Tempelreste. Wir folgen den Nummerierungen in aufsteigender Folge. Auf diese Weise sehen wir die maßgebenden Objekte.

Gymnasion

Der Rundweg beginnt am Gymnasion, der Trainingsstätte der Läufer, Diskus- und Speerwerfer. Heute zeigen lediglich Säulenreste die ursprünglichen Ausmaße des auf 120 x 220 Meter geschätzten rechteckigen Bauwerks an, dessen offener innerer Hof von einem Säulengang umschlossen wurde.

Prytaneion

Dem Gymnasion gegenüber lag das Prytaneion. In dem quadratischen Gebäude residierten die Prytanen. Sie regelten den Betrieb des Heiligtums und die Opferverrichtungen an den Altären. Wir lernen daraus, dass es olympische Offizielle zu allen Zeiten gab.

Palästra, die Griechischen Bäder und die Kladeos-Thermen

Es folgen die Palästra, die Griechischen Bäder und die Kladeos-Thermen. Die Palästra war eine gedeckte Wettkampfstätte für Ringer, Faustkämpfer und Ballspiele. Sie war als quadratisches Gebäude mit einem großen, freien Innenhof angelegt worden. Die Griechischen Bäder boten Baderäume und ein Kaltwasser-Schwimmbecken. Die Kladeos-Thermen entstanden in römischer Zeit. Die Mosaikböden der Anlage sind noch immer gut erhalten.

Gymnasion
Ruinen des Prytaneion
Wettkampfstätte Palästra
Griechische Bäder

Werkstatt des Pheidias

Neben den Griechischen Bädern steht ein etwa 32 mal 14 Meter messender Bau, die Werkstatt des Pheidias. Materialfunde lassen darauf schließen, dass in dem Gebäude die Zeus-Statue des Zeus Tempels entstand. Im 5. Jahrhundert nach Christus wurde die Werkstatt in eine frühchristliche Basilika umgewandelt.

Werkstatt des Pheidias

Werkstatt des Pheidias


Leonidaion

Als gewaltigen Gebäudekomplex darf man sich das quadratisch angelegte Leonidaion vorstellen. Der Innenhof war kleiner als der der Palästra. Ein Teil des Bauwerks besaß Thermen, ein anderer Teil wurde dem Anschein nach als Gasthof genutzt.

Leonidaion
Leonidaion
Leonidaion
Leonidaion

Zeus Tempel

Der Zeus Tempel ist zentral im Gelände angeordnet. Er war der dominierende Bau der Kultstätte. Seine Maße werden mit 64 mal 28 Metern angegeben. Die Höhe mag 20 Meter betragen haben. Der Tempel entstand in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus. Heute erinnert nur eine monumentale Säule an die Höhe des Tempels.

Ruinen des Zeus Tempels

Ruinen des Zeus Tempels


 

 

Echohalle, Krypta, Schatzhäuser und das Stadion

Reste der Echohalle, einer Krypta und von Schatzhäusern liegen am Rundweg. Im Osten sieht der Besucher das große Stadion. Das wurde 1961 in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert. Die Laufbahn war 192 Meter lang; ungefähr 45.000 Zuschauer fanden auf Erdwällen Platz.

Nymphaeum des Herodes Atticus und Hera Tempel

Das halbrunde Nymphen-Heiligtum wurde circa 160 nach Christus erbaut. Es maß 33 Meter in der Breite und 13 Meter in der Höhe. Das für die Weihestätte benötigte Wasser wurde über ein Aquädukt herangeführt.

Daneben liegt der Hera Tempel. Hera war in der griechischen Sage die Gattin und zugleich die Schwester des Zeus. Die Maße des Tempels fallen mit 50 mal 19 Metern kleiner aus als die des Zeus Tempels. Stattdessen ist die Tempelanlage besser erhalten. Sechzehn Säulen bildeten die Längsseite und sechs Säulen die Querseite. Seit 1936 wird am Hera-Altar die Olympische Flamme der Neuzeit entzündet.

Hera Tempel

Hera Tempel


Philippeion

Hinter dem Hera Tempel ragte das Philippeion auf. Philip II. von Mazedonien, Vater von Alexander dem Großen, ließ das Bauwerk im Jahr 338 vor Christus errichten. Der Rundbau bestand aus 18 ionischen Säulen. Im Inneren des Monuments standen fünf aus Gold und Elfenbein gefertigte Statuen seiner Familie.

Philippeion


Philippeion


Hippodrom

Philippeion


Philippeion 


Wissenschaftler der Universität Mainz wiesen die ursprüngliche Pferderennbahn im Jahr 2008 mit geomagnetischen Methoden nach. Die ehemals größte Anlage des Heiligtums ist nicht erhalten geblieben.

Olympia im Rückblick

Wir wüssten gern, wie die beschriebenen Heiligtümer und profanen Gebäude real aussahen. Leider war die Kameratechnik in der Antike noch nicht erfunden. Schriftliche historische Beschreibungen sind jedoch überliefert. Die Abbildungen, die Gelehrte nach den Ausgrabungen anfertigten sind möglicherweise Wunschvorstellungen entsprungen. Olympias Ruinenstätte ist imposant und zugleich schwer zu greifen.

Wir möchten den Besuch der antiken olympischen Stätten nicht missen. Nun wissen wir, dass Olympia nicht allein eine riesige Sportanlage war, sondern auch ein Heiligtum mit Tempeln und Altären, in dem zwölf olympischen Göttern Huldigungen und Opfer gebracht wurden.

Hauptstraße im Olympia der Neuzeit

Hauptstraße im Olympia der Neuzeit


Auf dem Rückweg zur Bahnstation sehen wir uns die Hauptstraße des Ortes genauer an. Wir besuchen ein Juweliergeschäft und betrachten die vielen Souvenirs. Wir können uns für nichts entscheiden, und besuchen stattdessen eine Taverne um etwas zu trinken.

Update Januar 2021