- Wie hinkommen? – Mit der Bahn nach Olympia fahren
- Olympia – vielfältige Optionen
- Der Archäologische Komplex von Olympia
- Olympia im Rückblick
- Archäologisches Museum von Olympia – Schatzkammer der antiken Spiele
- Höhepunkte der Sammlung
- Praktische Hinweise für Landausflügler
- Unverzichtbare Ergänzung zum Rundgang durch Olympia
Drei Kreuzfahrtschiffe besuchen an einem Tag die im Nordwesten des Peloponnes gelegene griechische Ortschaft Katakolon: die Queen Victoria, die MSC Magnifica und das Segelschiff Club Med 2. Die knapp 5.000 Passagiere dieser Schiffe haben vor allem ein Ziel: das antike Olympia.

Katakolon
Unser Schiff, Cunards Queen Victoria, liegt den ganzen Tag in Katakolon. Somit bleibt uns genügend Zeit, um die Kleinstadt Olympia, die ehemalige olympische Kultstätte, den archäologischen Komplex von Olympia sowie das Archäologische Museum ohne Zeitdruck zu erkunden. Auf das Museum der Geschichte der Olympischen Spiele verzichten wir – dort dreht sich alles um Sportgeräte, Wettkämpfe und Sieger.
Wie hinkommen? – Mit der Bahn nach Olympia fahren
Olympia liegt 33 Kilometer von Katakolon entfernt. Die meisten der Mitreisenden haben ein Sorglos-Paket gebucht. Sie reisen in Bussen nach Olympia, um den olympischen Hain zu besuchen. Die Individualisten unter den Kreuzfahrtgästen nutzen entweder Taxen, Mietwagen oder den Zug. Wir haben uns für die Bahn als preisgünstigste Alternative entschieden. Hinter Katakolons Hafen liegt der kleine Bahnhof. Regelmäßig fahren moderne Triebwagen von Katakolon über Pyrgos nach Olympia. Außer uns nutzen nur wenige Schiffsgäste den Zug. Der von uns erwartete große Andrang bleibt aus. Möglicherweise ist die Zurückhaltung der Mitreisenden damit zu erklären, dass im Bereich des Schiffsanlegers nicht für den Zug geworben wird. Wir hatten im Rahmen unserer Reisevorbereitungen von der Bahn gehört. Der Triebwagen verlässt Katakolon pünktlich und nach 45 Minuten Fahrt durch abwechslungsreiche Landschaft erreichen wir planmäßig Olympia. Der erste Eindruck: Olympia ist ein adretter, vom Tourismus geprägter Ort.
Olympia – vielfältige Optionen
Das weitläufige Ausgrabungsgelände, das Archäologische Museum mit seinen Fundstücken und das Museum der Geschichte der Olympischen Spiele liegen nah beieinander. Der Bahnhof befindet sich etwa einen Kilometer entfernt. Die Temperaturen sind hochsommerlich, doch am Ziel spenden Bäume und Büsche mehr Schatten als erwartet.
Der Eintrittspreis für Ausgrabungsstätte und Archäologisches Museum beträgt 2022 zwölf Euro. Studenten und Senioren zahlen die Hälfte, Minderjährige unter 18 Jahren haben – wie an vielen archäologischen Stätten in Griechenland – meist freien Eintritt. Für 2025 gelten die gleichen Konditionen.

Olympia - Museum der olympischen Spiele
Der Archäologische Komplex von Olympia
Das verschüttete antike Olympia wurde im Jahr 1766 entdeckt. Die Trümmer lagen unter einer bis zu fünf Meter dicken Sand-, Schlamm- und Geröllschicht. Historischen Quellen belegen, dass ein Erdbeben die Kultstätte zerstörte. Mit systematischen Ausgrabungen wurde im Jahr 1874 unter deutscher Leitung begonnen. Was in der Folge zutage gefördert wurde, war von solcher Bedeutung, dass Olympia im Jahr 1989 in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Unglücklicherweise zerstörten schwere Waldbrände des Jahres 2007 einen großen Teil des Baumbestandes rund um das Olympia-Gelände.

Olympia - UNESCO Welterbestätte
Olympia war ein bedeutendes Heiligtum und eine der berühmtesten antiken Kultstätten. In Olympia wurde der Göttervater Zeus verehrt. Dort stand der gewaltige Zeus Tempel, mit der aus Gold und Elfenbein gefertigten Statue der Gottheit. Sie wird als eines der Sieben Weltwunder der Antike beschrieben. Der olympische Hain war von einer Mauer umschlossen. Olympia war zudem der Austragungsort der Olympischen Spiele, die über einen Zeitraum von mehr als 1.100 Jahren im Vierjahresrhythmus abgehalten wurden.
Rundgang durch das olympische Gelände
Im Gelände informieren mehrsprachige Tafeln die Besucher über die Bedeutung der einzelnen Gebäude- und Tempelreste. Wir folgen den Nummerierungen in aufsteigender Folge. Auf diese Weise sehen wir die maßgebenden Objekte.
Gymnasion
Der Rundweg beginnt am Gymnasion, der Trainingsstätte der Läufer, Diskus- und Speerwerfer. Heute zeigen lediglich Säulenreste die ursprünglichen Ausmaße des auf 120 x 220 Meter geschätzten rechteckigen Bauwerks an, dessen offener innerer Hof von einem Säulengang umschlossen wurde.
Prytaneion
Dem Gymnasion gegenüber lag das Prytaneion. In dem quadratischen Gebäude residierten die Prytanen. Sie regelten den Betrieb des Heiligtums und die Opferverrichtungen an den Altären. Wir lernen daraus, dass es olympische Offizielle zu allen Zeiten gab.
Palästra, die Griechischen Bäder und die Kladeos-Thermen
Es folgen die Palästra, die Griechischen Bäder und die Kladeos-Thermen. Die Palästra war eine gedeckte Wettkampfstätte für Ringer, Faustkämpfer und Ballspiele. Sie war als quadratisches Gebäude mit einem großen, freien Innenhof angelegt worden. Die Griechischen Bäder boten Baderäume und ein Kaltwasser-Schwimmbecken. Die Kladeos-Thermen entstanden in römischer Zeit. Die Mosaikböden der Anlage sind noch immer gut erhalten.
Werkstatt des Pheidias
Neben den Griechischen Bädern steht ein etwa 32 mal 14 Meter messender Bau, die Werkstatt des Pheidias. Materialfunde lassen darauf schließen, dass in dem Gebäude die Zeus-Statue des Zeus Tempels entstand. Im 5. Jahrhundert nach Christus wurde die Werkstatt in eine frühchristliche Basilika umgewandelt.

Werkstatt des Pheidias
Leonidaion
Als gewaltigen Gebäudekomplex darf man sich das quadratisch angelegte Leonidaion vorstellen. Der Innenhof war kleiner als der der Palästra. Ein Teil des Bauwerks besaß Thermen, ein anderer Teil wurde dem Anschein nach als Gasthof genutzt.
Zeus Tempel
Der Zeus Tempel ist zentral im Gelände angeordnet. Er war der dominierende Bau der Kultstätte. Seine Maße werden mit 64 mal 28 Metern angegeben. Die Höhe mag 20 Meter betragen haben. Der Tempel entstand in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus. Heute erinnert nur eine monumentale Säule an die Höhe des Tempels.
Echohalle, Krypta, Schatzhäuser und das Stadion
Reste der Echohalle, einer Krypta und von Schatzhäusern liegen am Rundweg. Im Osten sieht der Besucher das große Stadion. Das wurde 1961 in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert. Die Laufbahn war 192 Meter lang; ungefähr 45.000 Zuschauer fanden auf Erdwällen Platz.
Nymphaeum des Herodes Atticus und Hera Tempel
Das halbrunde Nymphen-Heiligtum wurde circa 160 nach Christus erbaut. Es maß 33 Meter in der Breite und 13 Meter in der Höhe. Das für die Weihestätte benötigte Wasser wurde über ein Aquädukt herangeführt.
Daneben liegt der Hera Tempel. Hera war in der griechischen Sage die Gattin und zugleich die Schwester des Zeus. Die Maße des Tempels fallen mit 50 mal 19 Metern kleiner aus als die des Zeus Tempels. Stattdessen ist die Tempelanlage besser erhalten. Sechzehn Säulen bildeten die Längsseite und sechs Säulen die Querseite. Seit 1936 wird am Hera-Altar die Olympische Flamme der Neuzeit entzündet.

Hera Tempel
Philippeion
Hinter dem Hera Tempel ragte das Philippeion auf. Philip II. von Mazedonien, Vater von Alexander dem Großen, ließ das Bauwerk im Jahr 338 vor Christus errichten. Der Rundbau bestand aus 18 ionischen Säulen. Im Inneren des Monuments standen fünf aus Gold und Elfenbein gefertigte Statuen seiner Familie.
Wissenschaftler der Universität Mainz wiesen die ursprüngliche Pferderennbahn im Jahr 2008 mit geomagnetischen Methoden nach. Die ehemals größte Anlage des Heiligtums ist nicht erhalten geblieben.
Olympia im Rückblick
Wir wüssten gern, wie die beschriebenen Heiligtümer und profanen Gebäude real aussahen. Leider war die Kameratechnik in der Antike noch nicht erfunden. Schriftliche historische Beschreibungen sind jedoch überliefert. Die Abbildungen, die Gelehrte nach den Ausgrabungen anfertigten sind möglicherweise Wunschvorstellungen entsprungen. Olympias Ruinenstätte ist imposant und zugleich schwer zu greifen.
Wir möchten den Besuch der antiken olympischen Stätten nicht missen. Nun wissen wir, dass Olympia nicht allein eine riesige Sportanlage war, sondern auch ein Heiligtum mit Tempeln und Altären, in dem zwölf olympischen Göttern Huldigungen und Opfer gebracht wurden.
Archäologisches Museum von Olympia – Schatzkammer der antiken Spiele
Wer die Ausgrabungen besucht, sollte das Archäologische Museum keinesfalls auslassen. In dem modernen, übersichtlichen Gebäude sind die wichtigsten Funde aus dem Heiligtum des Zeus und vom Gelände der antiken Spiele ausgestellt.
Das Museum zeigt Exponate von der Frühzeit bis zur römischen Epoche: Terrakotten, Bronzefunde, Weihegaben, Sportgeräte und monumentale Skulpturen. Schon beim ersten Rundgang wird die Größe der einstigen Tempelanlagen deutlich – Säulenfragmente, Kapitelle und Reliefs lassen die Dimensionen erahnen.

Olympia - Giebelfeld des Schatzhauses der Megarer
Höhepunkte der Sammlung
Mehrere Werke gelten als Meisterstücke griechischer Kunst und machen das Museum zu einem der bedeutendsten des Landes.
Hermes mit dem Dionysosknaben
Ein Höhepunkt der Sammlung ist die Hermesfigur des Bildhauers Praxiteles. Die Statue zeigt den Götterboten Hermes mit dem kleinen Dionysos im Arm, dem späteren Gott des Weins, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, um nur einige seiner Zuständigkeiten zu nennen. Ein Paradebeispiel klassischer Bildhauerkunst. Beide Gestalten sind fein poliert, harmonisch proportioniert und gelten als Schönheitsideale.

Olympia - Hermes mit dem Dionysosknaben
Nike des Paionios
Ebenso beeindruckend ist die geflügelte Siegesgöttin Nike des Paionios. Ursprünglich stand sie auf einer hohen Säule vor dem Zeus-Tempel. Im Museum scheint sie schwebend in den Raum zu gleiten – ein Moment triumphaler Eleganz.
Giebel des Zeus-Tempels
In einem großen Saal sind die Skulpturen der Ost- und Westgiebel des Zeus-Tempels aufgestellt. Sie zeigen dramatische Szenen wie den Mythos um Pelops und Oinomaos sowie den Kampf zwischen Lapithen und Kentauren. Die Anordnung entspricht etwa der ursprünglichen Position an der Tempelfassade.
Bronzehelme, Weihegaben und Alltagsobjekte
Vitrinen mit Bronzehelmen, Waffen und Statuetten schlagen die Brücke zum Stadion. Einige Helme tragen Inschriften berühmter Feldherren, andere wurden als Dankesgaben für Siege geweiht.
Praktische Hinweise für Landausflügler
Für Kreuzfahrtgäste, die in Katakolon anlegen, wird der Besuch der Ausgrabungen fast immer mit dem Museumsbesuch kombiniert – zu Recht. Viele Reedereien und örtliche Veranstalter bieten entsprechende Ausflüge mit einer Dauer von vier bis sieben Stunden an.
- Lage: direkt neben der archäologischen Stätte, wenige Gehminuten vom Eingang entfernt
- Öffnungszeiten: im Sommer meist 8:00–20:00 Uhr; im Winter kürzer
- Tickets: Kombitickets für Stätte + Museum sind üblich und preislich attraktiv
- Da sich Öffnungszeiten und Preise ändern können, empfiehlt sich ein kurzer Blick auf die Angaben des griechischen Kulturministeriums oder der Reederei.
Unverzichtbare Ergänzung zum Rundgang durch Olympia
Wer nur durch die Ruinen läuft, sieht Steinblöcke und Fundamente. Im Museum dagegen erwachen die Geschichten hinter diesen Steinen zum Leben. Götter, Helden, Athleten und Besucher erhalten plötzlich Gesichter.
Wer das antike Olympia gesehen hat, versteht die Olympischen Spiele der Neuzeit besser. Repräsentation spielte damals wie heute eine große Rolle, und siegreiche Athleten waren bereits in der Antike gefeierte Persönlichkeiten.
Für Leserinnen und Leser der Kreuzfahrt-Praxis ist der Museumsbesuch daher eine klare Empfehlung – idealerweise direkt im Anschluss an den Rundgang über das Ausgrabungsgelände. So fügt sich der Tag in Olympia zu einem stimmigen Gesamtbild aus Natur, Geschichte und großer Sporttradition.
Auf dem Rückweg zur Bahnstation bummeln wir über die Hauptstraße, besuchen ein Juweliergeschäft und betrachten in anderen Geschäften nützliche und weniger nützliche Souvenirs. Wir können uns für nichts entscheiden und genießen stattdessen ein erfrischendes Getränk in einer Taverne.

Olympia - Hauptstraße
Dezember 2025













