Autor: Karl W. P. Beyer

Exakt 501 Kreuzfahrtschiffe sind in der Kreuzfahrtsaison des Jahres 2018 in Ketchikan, Alaskas zweitgrößtem Kreuzfahrthafen, gemeldet. Im Saisonverlauf ist beinahe täglich mit drei, vier und fünf Schiffsanläufen zu rechnen. An einzelnen Tagen besuchen sogar sechs große Schiffe die etwas mehr als 8.200 Einwohner zählende Kleinstadt. An solchen Spitzentagen werden bis zu 13.000 Passagiere erwartet.

Ketchikan - Hafenbereich

Ketchikan - Hafenbereich


Nicht von ungefähr stellt sich die Frage, was so viele Menschen auf einmal in der beschaulichen Kreisstadt Ketchikan unternehmen wollen. Ein Großteil der Tagesgäste wird sich zweifellos den Schiffstouren der Reedereien anschließen. Im Folgenden ein Auszug aus den Ausflugsangeboten der US-amerikanischen Norwegian Cruise Line im Jahr 2017:

  • Mit dem Schiff zu den Misty Fjords - 184 Euro,
  • Bering Sea Crab Fisherman’s Tour - 193 Euro,
  • Rainforest Island Adventure - 125 Euro
  • Mit dem Wasserflugzeug zu den Misty Fjords - 244 Euro (bei Ausfall nicht erstattbar)
  • Leuchtturm, Totems & Adler - 100 Euro
  • Ketchikan Highlights by Trolley - 49 Euro
  • Bear Country & Wildlife Expedition - 193 Euro

Wie so oft ist das Angebot der geführten Ausflüge umfangreich und kostspielig. Preiswerter geht es immer: Sinnvoll und nützlich sind Recherchen vor Antritt der Reise. Das World Wide Web eignet sich vorzüglich für Nachforschungen und zur Buchung individueller Unternehmungen.

Im Zentrum von Ketchikan Das Visitors Bureau

 

Wenn dazu vor Reiseantritt keine Zeit blieb, hilft Ketchikans Visitors Bureau weiter. Man findet es im Zentrum am Schiffsanleger No. 2. In der professionell arbeitenden Einrichtung können ad hoc und in letzter Minute eine Vielzahl an Exkursionen und Aktivitäten gebucht werden. Außerdem sind Kartenmaterial und nützliche Unterlagen für zwei Rundgänge auf eigene Faust durch Ketchikan erhältlich. Interessante Rundtouren von bis zu zwei Stunden Dauer führen z. B. durch Ketchikan Downtown oder durch Ketchikan Newtown & West End.

Skulptur The Rock - Sie stehen für Ketchikan

Skulptur The Rock - Sie stehen für Ketchikan


Ketchikans Haupt-Sehenswürdigkeiten

Unabhängig davon, für welches der vielen Angebote sich die Besucher entscheiden, einige Zeit sollte für die Stadt Ketchikan eingeplant werden. Highlights sind …

der Creek Street National Historic District -

das am schmalen Ketchikan Creek gelegene Häuserensemble war ursprünglich ein Wohnort der Tlingit-Indianer. Die Ureinwohner Alaskas betrieben an dem Flüsschen Fischfang. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserkraft des Creeks für Sägemühlen genutzt. Die Arbeit machte durstig; so lag es nahe, ein paar Kneipen hinzuzufügen. Einige müssen wohl recht zwielichtiger Natur gewesen sein.

Creek Street

Creek Street


Ketchikan steht zu seiner teilweise anrüchigen Vergangenheit. Die in unseren Tagen so malerisch wirkende Creek Street mit dem beeindruckenden Boardwalk verkam im Jahr 1902 zum Rotlicht-Distrikt. Mehr als 30 teils übel beleumdete Etablissements boten das, wonach sich die Herren der Schöpfung sehnten. Nicht von ungefähr wurde die Gegend rund um den Creek „Married Men’s Trail“, „Pfad der verheirateten Männer“ genannt. Mit der Durchsetzung des Alkoholverbots (Prohibition) zu Beginn der 1920er-Jahre entstanden sogenannte „Speakeasies“, Flüsterkneipen mit illegalem Alkoholausschank. Bei Hochwasser wurde von unter dem Boardwalk fahrenden Ruderbooten bei Nacht Schnaps durch Falltüren in die Häuser gebracht.

Häuser der Creek Street Creek Street

 

Das „Star House“ war ein Tanzlokal und Ketchikans einziges registriertes Bordell. „Dolly’s House“, Dolly Arthur war die berühmteste „Madame“ der Stadt, kann besichtigt werden. Zu sehen gibt es Antiquitäten, geheime Lagerstätten und schrilles Dekor.

Das Star House in der Creek Street Dolly's House in der Creek Street

 

Heutzutage haftet der circa 300 Meter langen Creek Street kein Makel mehr an. Vielmehr erfreuen sich die Besucher an Läden und Cafés. Im benachbarten Creek schwimmen und verenden nach dem Laichen Massen herrlicher Lachse. Wir lernen in diesem Zusammenhang, dass Wildlachse fünf bis sechs Jahre leben und nach dem Laichen verenden. Kein schöner Anblick, aber für die sich im Creek fläzenden Harbour Seals und die stets hungrigen Möwen ein gefundenes Fressen.

Harbour Seal im Ketchikan Creek Möwen fressen sich an sterbenden Lachsen satt

 

das Totem Heritage Center -

das städtische Museum besitzt mit 33 Exponaten eine der weltweit größten Kollektionen nicht restaurierter Totempfähle des 19. Jahrhunderts. Die Sammlung wurde im Jahr 1976 eingerichtet, um das Andenken an die Totem-Kultur der Tlingit-Indianer zu wahren. Sechszehn der Totempfähle werden permanent gezeigt.

Anschrift Totem Heritage Center, 601 Deermount St; Eintrittspreis 5,00 US-Dollar

Totem Heritage Center Totem-Pfahl vor dem Totem Heritage Center Exponat im Totem Heritage Center

 

An das Heritage Center schließen sich ein kleiner Stadtpark und eine von einer Non-Profit-Organisation betriebene Lachszucht an.

der Spazierweg am Ketchikan Creek -

Regen, unzählige Zuflüsse und die Schneeschmelze sorgen rund um das Jahr für glasklares und kaltes Wasser. Im Kiesbett des Flusses laichen die Lachse an jenen Stellen, an denen sie Jahre zuvor „geboren“ wurden.

 Spazierweg am Ketchikan Creek

Spazierweg am Ketchikan Creek


das Tongass Historical Museum -

Gegenstände, Dokumentationen und Fotos belegen die Entwicklung der Stadt Ketchikan vom Fischercamp der „First Nations“, zum zeitweiligen Goldbergbergbau-, Fischerei- und Sägemühlenstandort. Das Museum erläutert auch den im Jahr 1867 erfolgten Verkauf Alaskas an die USA; ursprünglich gehörte Alaska zum russischen Zarenreich.

die Waterfront Promenade

Die beginnt an der Mole des Thomas Basin Sportboothafens und führt in nordwestliche Richtung vorbei am Visitors Bureau und dem winzigen Eagle Park bis zur Tongass Avenue. Zum großen Teil wurde der Spazierweg als Boardwalk angelegt. Am Casey Moran Habor/City Float soll in den 1920er- und 1930er-Jahren die weltgrößte Heilbutt-Fangflotte gelegen haben.

Waterfront Promenade - Sportboothafen Thomas Basin Waterfront Promenade - Sportboothafen Thomas Basin Waterfront Promenade Die Arctic Bar an der Waterfront Promenade

 

 

Das passende Erinnerungsfoto

… bietet der „Welcome Arch“ in der Mission Street. Die führt von den Kaianlagen der Kreuzfahrtschiffe bis zum kleinen Whale Park mit dem Chief Kyan-Totempfahl an der Dock Street. Dahinter beginnt der Creek Street National Historic District.

Willkommen in Alaskas erster Stadt

Willkommen in Alaskas erster Stadt


Ein weiteres schönes Fotomotiv stellt auch die St. John’s Episcopal Church dar. Ketchikans älteste Kirche wurde im Jahr 1902 errichtet.

St. John's Episcopal Church

St. John's Episcopal Church


Unterhaltung

Viel Remmidemmi mit Holzhacken, Sägen, Klettervorführungen, Balancieren auf schwimmenden Baumstämmen und nicht zuletzt Musik, das alles bietet die Great Alaskan Lumberjack Show.

Great Alaskan Lumberjack Show

Great Alaskan Lumberjack Show


Gestandene Mannsbilder geben in einer geschlossenen und geheizten Arena die Alaska-Version der lustigen Holzhackerbuam.

Lage:Auf Höhe des ersten Anlegers der Kreuzfahrtschiffe neben dem Sportboothafen 

 

Einkaufen

Wer das passende Souvenir sucht, wird in vielen Läden zum Kaufen verführt. Angeboten werden Fischprodukte, nützliche Gebrauchsartikel wie Regenumhänge, Pullover und Mützen, hochwertiges Kunsthandwerk indianischer Künstler sowie der gewohnte Touristen-Schnickschnack aus fernöstlicher Produktion.

Eines von vielen Ladengeschäften

Eines von vielen Ladengeschäften


Das außergewöhnliche Erlebnis

Besuch des Misty Fjords National Monument mit dem Wasserflugzeug

Einen Teil des umgebenden Tongass National Forest bildet das riesige Naturschutzgebiet Misty Fjords National Monument. Tiefe Fjorde durchschneiden die 600 bis 900 Meter hohe Berglandschaft. Gewaltige Wasserfälle stürzen von den Bergen herab. Die Pflanzen- und Tierwelt ist von Menschen nahezu unbeeinflusst. Im pazifischen Regenwald leben Bären, Wölfe, Elche und viele andere Tiere. An den Berghängen tummeln sich die urigen weißen Schneeziegen, und dann und wann zeigen sich auch die Weißkopf-Seeadler.

Weißkopf-Seeadler als Totem in Ketchikans Zentrum

Weißkopf-Seeadler als Totem in Ketchikans Zentrum


Das Misty Fjords National Monument ist für Besucher schwer zu erreichen. Straßenverbindungen fehlen völlig. Besucher gelangen nur mit Booten, Katamaranen und Wasserflugzeugen in die Schutzzone.

Die Beaver im Misty Fjord

Die Beaver im Misty Fjord


Von den Kreuzfahrtunternehmen werden regelmäßig Ausflüge per Touristenboot oder mit Wasserflugzeugen angeboten. Die mit Schwimmern ausgestatteten Fluggeräte sind den Booten überlegen. Schließlich bieten sie aus etwa 1.000 Metern Flughöhe wunderbare Ausblicke auf die Berglandschaft. Das „Flugabenteuer“ ist auf weniger als zwei Stunden begrenzt, danach bleibt noch ausreichend Zeit für weitere Exkursionen in Ketchikan. Die Buschpiloten mehrerer regionaler Fluggesellschaften fliegen vorwiegend mit sechssitzigen Beaver-Maschinen. Etwa nach der Hälfte der Flugzeit landen die Piloten im 108 Meilen langen Behm Canal. Die Fluggäste verlassen die Maschinen und versammeln sich auf einem im Fjord verankerten Ponton. Die auf den Flug folgende Ruhe ist überwältigend. Und wer besonderes Glück hat, sieht eine Gruppe Orca-Wale durch den engen Fjord ziehen. Nach der Auszeit startet der Pilot seine Maschine erneut und fliegt auf einer anderen Route zurück zum Ausgangspunkt in Ketchikan. Zum Abschluss gibt es noch eine nette Urkunde.

Die Weite und Abgeschiedenheit des Tongass National Forest Wasserfall im Tongass National Forest Treffen der Flugzeuge im Behm Canal So sieht der Seeadler den Tongass National Forest

 

Wir flogen im September 2017 bei idealem Flugwetter mit Taquan Air. Gebucht wurde der Flug vor Antritt im Internet. Für den Flug zahlten wir 229 US-Dollar pro Person (190 Euro). Bei witterungsbedingtem Ausfall des Fluges wäre die vorabgeleistete Zahlung erstattet worden. Norwegian Cruise Line verlangte für den vergleichbaren Flug mit einer anderen Gesellschaft 244 Euro. Die Geschäftsbedingungen von Norwegian Cruise Line sehen vor, dass bei Ausfall des Fluges der Flugpreis nicht erstattet wird.

Fotos vom Flug mit dem Wasserflugzeug