Khasab / Oman

Khasab / Oman


Häufig besuchte Kreuzfahrtziele im Sultanat Oman sind dessen Hauptstadt Maskat (Muscat) sowie die im Südwesten des Landes gelegene Hafenstadt Salalah. Nur sehr selten machen Kreuzfahrtschiffe einen Zwischenstopp in Khasab (Al-Chasab), dem Hauptort der zum Oman gehörenden Exklave Musandam.

Kreuzfahrtterminal von Khasab


Kreuzfahrtterminal von Khasab


Khasab - Impression


Khasab - Impression 


Nützlich zu wissen

Musandam ist eine vom Oman isolierte Halbinsel von etwa 1.800 Quadratkilometern Fläche. Die Exklave liegt an der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Die gegenüberliegende Seite gehört zur Islamischen Republik Iran. Die zu den VAE zählenden Emirate Ra’s Al-Chaim und Fudschaira trennen Musandam vom Mutterland. Khasab ist 360 Kilometer Luftlinie von Omans Hauptstadt Maskat entfernt.

Khasab - Fjordland

Khasab - Fjordland


Zwanzig Jahre zuvor war die in die Route der Öltanker hineinreichende Halbinsel noch militärisches Sperrgebiet. Inzwischen wurde die karge Bergregion touristisch erschlossen. Wegen der an norwegische Fjorde erinnernden Küstenlandschaft wird Khasab als „Norwegen Arabiens“ tituliert.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts herrschte Portugal über die Region. Die Seefahrernation nutzte das Territorium um Khasab als Schutzhafen und Proviantstation zur Aufnahme von Wasser und Lebensmitteln. Die Halbinsel war zu jener Zeit als Piratenküste berüchtigt und gefürchtet. Dieser Umstand veranlasste die Portugiesen, zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Khasab mehrere Festungen anzulegen. Zur Sicherung der Route der Öltanker unterhält das Sultanat Oman einen Militärstützpunkt in der Region Khasab.

Khasab - die Stadtfestung

Khasab - die Stadtfestung


Die Einwohnerzahl von Musandam wird mit 49.000 angegeben (Stand Dezember 2020). Knapp 22.000 Menschen wohnen in Khasab.

Khasab - Stadtbild

Khasab - Stadtbild


Khasab näher betrachtet

Besucher, die von Omans Hauptstadt Maskat nach Khasab kommen, fühlen sich in eine andere Zeit versetzt. Maskat besitzt Hochhäuser, eine wunderbare, große Moschee und mit „Al Alam“ einen herrlichen Sultanspalast. In Khasab gehen die Uhren anders. Die Einwohner der abgelegenen Provinzhauptstadt leben hauptsächlich von Fischfang, Dattelanbau und den Aktivitäten iranischer Schmuggler. Letzterer Erwerbszweig ist ein Phänomen: Iranische Schmuggler bringen früh am Morgen mit kleinen, wendigen Schnellboten Schafe und Ziegen nach Khasab, verkaufen diese unter den Augen der Zollbehörden des Oman und erwerben im Gegenzug in Supermärkten amerikanische Zigaretten und elektronische Artikel. Vor Einbruch der Dunkelheit verlassen die Schmuggler aus rechtlichen Gründen Khasab, und bei Dunkelheit erreichen sie wieder iranische Gewässer. Obwohl die iranische Küstenwache bemüht ist, diese Aktivitäten zu unterbinden, floriert das Geschäftsmodell offenbar auf beiden Seiten der Straße von Hormus.

Khasab - Hafen mit iranischen Schmugglerbooten


Khasab - Hafen mit iranischen Schmugglerbooten


Iranische Schmugglerboote verlassen Khasab


Iranische Schmugglerboote verlassen Khasab 


Musandam liegt weit abseits der Tourismusströme, die die Arabische Halbinsel überfluten. Und dennoch ist die Halbinsel wegen ihrer schroffen Felslandschaft und der fjordähnlichen Meeresbuchten ein sehenswertes Ziel, das in begrenztem Umfang auch von Kreuzfahrtschiffen besucht wird. In der 2021/22er Saison und ebenfalls 2022/23 steht Khasab unter anderem auf der Routenliste von AIDA Cruises und TUI Cruises (Übersicht Tui Cruises Kreuzfahrten mit Stopp in Khasab ).

Musandams Landschaft ist von den Ausläufern des bis über 2.500 Meter Höhe aufragenden Hadschar-Gebirges geprägt. Typisch für die Gebirgslandschaft sind karge, nicht bewaldete Berge, steile Felswände und Wadis. Ein spezielle Attraktion sind die an der Spitze der Halbinsel gelegenen fjordähnlichen Meeresbuchten.

Musandam - Felslandschaft


Musandam - Felslandschaft


Musandam - Fjordland


Musandam - Fjordland


Aktivitäten in Khasab

Khasab ist Musandams Verwaltungszentrum und Militärstützpunkt. Die einzige Sehenswürdigkeit ist das alte Fort. Auffällig ist der runde Turm der Festung, der einst bei Angriffen als letzter Rückzugsort der Besatzung diente. Der Turm wird in der Gegenwart als Museum genutzt.

Beliebte touristische Aktivitäten vor Ort sind „Jeeptouren“ mit SUVs ins Hinterland und Bootsausflüge mit einer Dhau. Als Gäste der Mein Schiff 6 haben wir im Dezember 2021 im Verlauf einer Orient-Kreuzfahrt beide Angebote getestet. Nachfolgend berichten wir über unsere Landausflüge.

Jeeptour ins Hinterland von Khasab


Jeeptour ins Hinterland von Khasab


Khasab - Touristen-Dhau


Khasab - Touristen-Dhau 


Jeeptour ins Hinterland

Ziel der Jeeptouren ist der mehr als 60 Kilometer von Khasab entfernte Berg Jebel al Harim. Das Ausflugsziel liegt in 2087 Meter Höhe. Die Jeeptouren – PKWs bewältigen einen Teil der Strecke nicht – führen in Stadtnähe über asphaltierte Straßen. Später gehen die Straßen in staubige Schotterpisten über. Die Strecke führt vorbei an kargen, steil aufragenden Felsen, trocken gefallenen Bachläufen und landwirtschaftlich genutzten Hochplateaus. Während der Fahrt sehen wir Militärlaster, deren Aufgabe es ist, die Einwohner des Hinterlands mit Trinkwasser zu versorgen. Nichts Ungewöhnliches in dem trockenen Bergland.

Unterwegs im Hinterland von Khasab
Felsformationen auf der Halbinsel Musandam
Halbinsel Musandam - Blick auf die Hochebene
Halbinsel Musandam - Militärlaster mit Trinkwasser


Ein Zwischenhalt wird am Aussichtspunkt Khor Najd eingelegt. Auf der Höhe grüßt – eher unerwartet – der Schriftzug „I♥OMAN“. Wir genießen den Rundblick auf die gigantische Berglandschaft und das Fjordland.

Halbinsel Musandam - Schriftzug am Khor Najd
Halbinsel Musandam - Blick auf die Fjordlandschaft
Halbinsel Musandam - Maulesel auf der Hochebene
Halbinsel Musandam - mächtig viel Staub


An einem weiteren Haltepunkt zeigt uns der Reiseführer Millionen Jahre alte Fossilien von Meeresbewohnern. Wieso kommen solche Fossilien in 1.600 Meter Höhe vor? Die Erklärung ist einfach und plausibel: Die Arabische Erdplatte schiebt sich seit ewigen Zeiten unter die Eurasische Platte. Die Rede ist von zwei Zentimetern pro Jahr. Im Laufe der Jahrmillionen wurden die Fossilien allmählich in die Höhe befördert. Die herumstreifende, nach Futter suchende zottelige, braune Ziege interessiert dieses erdgeschichtliche Phänomen vermutlich überhaupt nicht.

Halbinsel Musandam - Fossilien von Meerestieren
Halbinsel Musandam - noch mehr Fossilien
Halbinsel Musandam - Ödland
Halbinsel Musandam - Bergziege


Die Fahrt endet schließlich neben der Radarstation und einem Sendemast auf dem Jebel al Harim, dem „Berg der Frauen“. Erneut genießen wir, aus noch größerer Höhe als zuvor, den Ausblick auf die grandiose Felslandschaft. Danach führt die Fahrt auf demselben Weg den wir gekommen sind zurück nach Khasab. In der Einöde liegen kleinste Siedlungen am Weg.

Halbinsel Musandam - über uns der Jebel al Harim
Halbinsel Musandam - Blick vom Jebel al Harim auf vormaliges Ackerland
Halbinsel Musandam - Blick vom Jebel al Harim auf das Hochgebirge
Halbinsel Musandam - Siedlung bei Khasab

Mit der Dhau die Fjordlandschaft entdecken

Es ist ein Erlebnis, vom Jebel al Harim einen Blick ins Tal zu werfen. Ebenso viel Spaß bereitet eine Fahrt mit einer für touristische Zwecke umgerüsteten Dhau in das Fjordland von Musandam. Vom Liegeplatz der Mein Schiff 6 gehen wir wenige Hundert Meter hinüber zur bereit liegenden Dhau. Unser erster Eindruck: Mit bequemen Polstern und einigen Teppichen wirkt das Boot beinahe komfortabel. Getränke und die obligatorischen Datteln zur Stärkung unterwegs stehen bereit. Auf einer Dhau lässt es sich bei ruhiger See gut aushalten. Die Fahrten werden allgemein als mehrstündige Ausflüge und als Ganztagsturen mit Verpflegung und Badeaufenthalten angeboten.

Khasab - unterwegs mit der Dhau

Khasab - unterwegs mit der Dhau


Die Holzboote befahren den 17 Kilometer langen Meeresarm Khor Sham (auch Khor Shimm genannt). Anfänglich ist die Landschaft wenig spektakulär. Im Vordergrund flache Hügel, sogar etwas Sandstrand, im Hintergrund ragt das Gebirge auf.

Khasab - Landschaftsbild nach Verlassen des HafensKhasab - Landschaftsbild nach Verlassen des Hafens


Bald darauf wandelt sich die Küstenlinie. Zackige Felsformationen bestimmen nun das Landschaftsbild. Nach einer scharfen Rechtskurve biegt der Bootsführer in den „Fjord“ ein. Die schroffen, steilen Felsen gewinnen schnell an Höhe. Die verschiedenfarbigen Felsformationen gewähren Kennern Einblick in die Erdgeschichte. Vor Musandam lässt sich das Zusammentreffen der Arabischen und der Eurasischen Kontinentalplatte anhand der Verwerfungen des Gesteins beobachten.

Khasab - Einfahrt in den Fjord
Khasab - Dhau mit Badetouristen
Khasab - Blick auf die Erdgeschichte
Khasab - karge Küste


Uns gegenüber, in weiter Entfernung, liegt am Fuß hoher Felsen eine aus wenigen Häusern bestehende Siedlung. Bald darauf folgt auf der gegenüberliegenden Seite eine zweite Siedlung. Davor liegen kleine Fischerboote im Wasser. Wir erfahren, dass in der Ansiedlung nur noch drei Familien leben. Solche winzig kleinen Fischerdörfer sind nicht an das Straßennetz angeschlossen. Alles was für den Lebensunterhalt benötigt wird, muss mit Booten herangeschafft werden. In manchen Fällen mangelt es selbst an der Versorgung mit Elektrizität und Wasser. Die Kinder werden täglich mit Schnellbooten nach Khasab in die Schule befördert.

Khasab - Siedlung unterhalb riesiger Felsen


Khasab - Siedlung unterhalb riesiger Felsen


Khasab - Fischersiedlung


Khasab - Fischersiedlung 


Zwischendurch begegnen wir anderen Dhaus, von denen einige ihren Gästen Ganztagstouren mit Badeaufenthalten bieten.

Khasab - Dhau mit Touristen


Khasab - Dhau mit Touristen


Khasab - Dhau mit Touristen


Khasab - Dhau mit Touristen 


Fazit 

Beide Ausflüge sind ihr Geld wert. Es empfiehlt sich, die Fahrt mit dem Jeep in der ersten Tageshälfte zu absolvieren. Am Nachmittag folgt die entschleunigte Fahrt mit der Dhau. In Reisebeschreibungen ist vielfach von Delphin-Sichtungen zu lesen. Es heißt, in diesem Meeresbereich gäbe es viele Delphine zu sehen. Das Vergnügen wird uns leider nicht geboten; die Tiere haben wohl anderweitige Verpflichtungen. Das Fehlen der Meeressäuger schmälert allerdings nicht das Vergnügen an der Dhau-Fahrt.

Ausflüge & Aktivitäten - GetYourGuide

 

Januar 2022

 

Weiterführende Artikel