Ein eher ungewöhnliches Ziel der Kreuzfahrtschiffe auf der Arabischen Halbinsel ist die zum Sultanat des Oman gehörende Exklave Musandam. Die Staatsgebiete von zwei der sieben Mitglieder der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – Fujairah und Ra’s al-Chaima – trennen Musandam vom Mutterland. Der rund 1.800 Quadratkilometer große omanische Landesteil ist wegen seiner schroffen Felslandschaften und der fjordähnlichen Meeresbuchten speziell für Individualtouristen ein interessantes und attraktives Ziel. Kreuzfahrtschiffe besuchen den Hafen von Khasab dagegen selten. In den Saisons 2025 und 2026 laufen auch – wie in den vergangenen Jahren – Schiffe von TUI Cruises die Provinzhauptstadt Khasab an.
Musandams Landschaft ist von den Ausläufern des hoch aufragenden Hadschar-Gebirges geprägt. Typisch für die Gebirgslandschaft sind karge, nicht bewaldete Berge, steile Felswände und Wadis. Ein spezielle Attraktion sind die an der Spitze der Halbinsel gelegenen fjordähnlichen Meeresbuchten. Noch heute sind viele der dortigen Siedlungen nur per Boot zu erreichen. Und nur eine asphaltierte Straße verbindet Khasab – über das Emirat Ras-al-Chaima mit der restlichen Welt.
Khasab
Khasab ist Musandams Verwaltungszentrum und Militärstützpunkt. Seine ungefähr 22.000 Einwohner fristen ihr Leben – sofern sie nicht beim Staat angestellt sind – vor allem mit Fischfang, dem Anbau von Datteln, dem Handel und Schmuggleraktivitäten mit dem durch die Straße von Hormus getrennten Iran. Der Online-Ratgeber „What’s in Port“ beschreibt Khasab als eine im Wachstum begriffene Destination.
Die beiden wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind das im 17. Jahrhundert von portugiesischen Besatzern errichtete alte Fort sowie die Sultan Qaboos-Moschee, einer von vielen nach dem populären verstorbenen Herrscher benannten Moscheebauten. Beliebte touristische Aktivitäten vor Ort sind „Jeeptouren“ mit SUVs ins Hinterland und Bootsausflüge mit einer Dhau. Als Gäste der Mein Schiff 6 und der Mein Schiff 4 haben wir im Dezember der Jahre 2021 und 2024 im Verlauf zweier Orient-Kreuzfahrten mehrere Landausflugs-Angebote getestet.
Festung von al-Chasab
Im 17. Jahrhundert beherrschten Portugiesen die Zufahrt zum Persischen Golf und die Straße von Hormus. Sie errichteten in Khasab eine Versorgungsstation und die zugehörige Festung. Für den Festungsbau könnten sich die Truppen des Baumaterials einer von einheimischen Stämmen zuvor erbauten Festung bedient haben.

Khasab - Festung von al-Chasab
Die vor einigen Jahren restaurierte Festung besitzt einen quadratischen Grundriss. Vier Ecktürme – ein runder und drei viereckige – sichern das Fort nach allen Seiten ab. In der Mitte befindet sich ein runder Wehrturm, der einst bei Angriffen als letzter Rückzugsort der Besatzung diente. Aktuell beherbergt dieser Turm ein kleines Museum. Präsentiert werden dort die regionale Kultur sowie die örtlichen Bräuche. Das Museum bietet zugleich Einblick in den Bootsbau und traditionelle Handwerkstechniken. Aus unserer Sicht zählt die Festung von al-Chasab zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Khasab - Festungsmuseum al-Chasab
In fußläufiger Entfernung liegt die von Stammesältesten der Al-Kamazrah-Sippe im 19. Jahrhundert erbaute Festung Al-Kamazrah. Über diese liegen uns keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Sultan Qaboos-Moschee
Die nach Sultan Qaboos, dem langjährigen Herrscher des Oman, benannte Zentralmoschee von Khasab wirkt von außen und innen eher etwas schlicht. Das im Stadtzentrum gelegene Gotteshaus ist keinesfalls mit der Sultan Qaboos-Moschee in der Hauptstadt Maskat zu vergleichen. Für einen Besuch sollte jedoch etwas Zeit aufgewendet werden.
Jeeptour ins Hinterland
Ziel solcher Ausflüge mit geländegängigen Fahrzeugen ist der mehr als 60 Kilometer von Khasab entfernte Berg Jebel al Harim, der „Berg der Frauen“. Das Ausflugsziel liegt in 2.087 Meter Höhe. Die Ausflüge mit Off-Road-Fahrzeugen – PKWs bewältigen einen Teil der Strecke nicht – führen in Stadtnähe über asphaltierte Straßen. Später gehen die Straßen in staubige Schotterpisten über. Die Strecke führt vorbei an kargen, steil aufragenden Felsen, trocken gefallenen Bachläufen und landwirtschaftlich genutzten Hochplateaus.
Zwischenstopps erwarten die Teilnehmer am Aussichtspunkt Khor Najd. Auf der Höhe grüßt neben spektakulärem Rundblick auf die phantastische Berglandschaft – eher unerwartet – der Schriftzug „I ♥ OMAN“. In 1.600 Meter Höhe gilt es, bedingt durch die tektonischen Verschiebungen der Arabischen unter die Eurasische Erdplatte, Millionen Jahre alte Fossilien von Meeresbewohnern zu entdecken. Im Laufe der Jahrmillionen wurden die Fossilien allmählich in die Höhe befördert.
Der Felsen liegt im Zentrum der Halbinsel Musandam. Der Jebel al Harim bietet außer einer Radarstation und eines Sendemastes nichts Besonderes, wäre da nicht der Ausblick auf die grandiose Felslandschaft. Unter Jeeptour ins Hinterland gehen wir näher auf den organisierten Ausflug ein.
Ausflug nach Bukha
Eine etwa 30 Kilometer lange, organisierte Busfahrt führt entlang der Küste von Khasab nach Bukha. Die Fahrt verläuft entlang der Straße von Hormus und beinhaltet steile Anstiege in die karge Landschaft von Musandam. Danach fällt die Straße wieder auf das Meeresniveau ab. 
Khasab - Mukhi Fisherman Bay
Für den Besuch der Kleinstadt Bukha gilt, dass der Weg das Ziel ist. Bukhas Einwohner leben ihren Traditionen folgend vor allem vom Anbau von Datteln und Zitrusfrüchten. Außerdem stehen der Bootsbau und die Herstellung von Fischernetzen hoch im Kurs.
Neben dem ansehnlichen Strandabschnitt gibt es mit dem Al-Bilad Fort und der Sultan Qaboos-Moschee nur zwei aus der Masse der flachen Wohn- und Geschäftsgebäude herausragende Bauten. Unter Ausflug nach Bukha berichten wir über unsere bei dem Ausflug gewonnenen Eindrücke.
Mit der Dhau die Fjordlandschaft entdecken
Es ist ein besonderes Erlebnis, vom Jebel al Harim einen Blick ins Tal zu werfen. Ebenso viel Spaß bereitet ein Bootsausflug mit einer mit bequemen Polstern und Teppichen für touristische Zwecke umgerüsteten Dhau in das Fjordland von Musandam. Die Ausflugsschiffe warten in Sichtweite des Kreuzfahrtterminals auf Fahrgäste. Die Boote sind komfortabel. Getränke und die obligatorischen Datteln zur Stärkung unterwegs werden gereicht. Auf einer Dhau lässt es sich bei ruhiger See gut aushalten. Die Fahrten werden allgemein als mehrstündige Ausflüge und als Ganztagsturen mit Verpflegung und Badeaufenthalten angeboten.

Khasab - gemütliches Beisammensein auf einer Dhau
Die Holzboote befahren den 17 Kilometer langen Meeresarm Khor Sham (auch Khor Shimm genannt). Anfänglich ist die Landschaft wenig spektakulär. Im Vordergrund flache Hügel, sogar etwas Sandstrand, im Hintergrund ragt das Gebirge auf. Unter Mit der Dhau Musandams Fjordlandschaft entdecken beschreiben wir die Bootsfahrt.
Besuch des Bassa-Strands
Wer all diesen Ausflugsoptionen nichts abgewinnen kann, dem ist möglicherweise mit einem Strandaufenthalt am Bassa-Strand gedient. Ungefähr einen Kilometer vom Kreuzfahrtterminal entfernt lockt ein grobkörniger Strandabschnitt die Wasserratten. In regelmäßigen Abständen gibt es Pergolen, die vor Sonne schützen.

Khasab - Bassa Strand
Fazit
Die Ausflüge sind ihr Geld wert. Wir empfehlen, die Fahrt mit dem Jeep in der ersten Tageshälfte zu absolvieren. Am Nachmittag folgt die entschleunigte Fahrt mit der Dhau. Von Fall zu Fall sind Delfin Sichtungen möglich. Das Fehlen der Meeressäuger schmälert allerdings nicht das Vergnügen an den Dhau-Fahrten.
Kosten der Jeeptouren bei TUI Cruises (Stand Dezember 2024): 93,00 Euro; 63,20 Euro kostete die vierstündige Fahrt drei Jahre zuvor.
Der Ausflug nach Bukha wurde im Dezember 2024 von TUI Cruises für 65,00 Euro angeboten.
Kosten der Dhau-Fahrt bei TUI Cruises (Stand Dezember 2024): 89,00 Euro; 52,00 Euro kostete die vierstündige Fahrt drei Jahre zuvor.
Februar 2025











