Autor: Karl W. P. Beyer

Kiel ist die größte Stadt und gleichzeitig die Hauptstadt des Bundeslandes Schleswig-Holstein. Außerdem ist Kiel die nördlichst gelegene Großstadt Deutschlands. Auf knapp 120 km² Fläche lebten Ende 2017 mehr als 249.000 Einwohner. Eine erste Siedlung wurde im 13. Jahrhundert unter dem Namen Holstenstadt tom Kyle gegründet. „Tom Kyle“ bedeutete so viel wie „an der Förde“ gelegen. Der Name beschrieb die Lage Kiels an der weit ins Land hineinreichenden Meeresbucht der Ostsee, der heutigen Kieler Förde.

Blick auf die Kieler Förde

Blick auf die Kieler Förde


Kiels Geschichte kurzgefasst

Die Ursprünge der Stadt gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Belegt ist, dass der Stadt bereits im Jahr 1242 das „Lübische Stadtrecht“ verliehen wurde. Schon im Jahr 1283 wurde Kiel in den Hansebund aufgenommen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt aus dem Bündnis ausgeschlossen. Mit dem Ausschluss wurde damals das Verhalten der Stadtoberen gegenüber Piraten und deren Beutegut bewertet. Danach wiederholten sich die Aufnahmen und der Ausschlüsse noch mehrfach. Salopp formuliert: Die Städte Lübeck, als Führungsmacht der Hanse, und Kiel konnten nicht gut miteinander auskommen.

Historische Schiffe des Kieler Schifffahrtsmuseums

Historische Schiffe des Kieler Schifffahrtsmuseums


Von der Zugehörigkeit zur Hanse einmal abgesehen, wechselten im Lauf der Jahrhunderte die Herrschaftsverhältnisse im Norden mehrfach zwischen Dänemark und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Doch im Jahr 1815 wurde Kiel endgültig vom Deutschen Bund vereinnahmt. Die Stadt wurde ein Teil Deutschlands.

Nach der Reichsgründung 1871 wuchs die Stadt schnell zur Großstadt an. Kiel wurde neben Wilhelmshaven zum zweiten Reichskriegshafen entwickelt. Der 1895 eröffnete Kaiser-Wilhelm-Kanal verband die Stadt mit der Nordsee. Die heute Nord-Ostsee-Kanal genannte Wasserstraße gedieh im weiteren Verlauf zum meist befahrenen Kanal der Welt. Daran hat sich bis heute nichts geändert; mehr als 30.000 Schiffe nutzen jährlich den Kanal. Aufgrund seiner strategischen Lage stieg Kiel schließlich zum Haupthafen der deutschen Kriegsflotte auf. Die Stadt gedieh durch die Flotte und die dadurch begründeten Unternehmensansiedlungen.

Nord-Ostsee-Kanal

Nord-Ostsee-Kanal


Der wachsende Wohlstand fand in einer sehenswerten Gründerzeitarchitektur ihren Ausdruck. Allerdings wurde im Zweiten Weltkrieg das historische Zentrum der Stadt bei alliierten Luftangriffen zu 80 Prozent zerstört. Viel Bausubstanz aus der Gründerzeit ging für immer verloren. Beim Wiederaufbau wurde eher zu pragmatischen Lösungen gegriffen. Dies ist der Grund, dass noch heute viele „Bausünden“ das Kieler Stadtbild prägen.

Kiels Stadtsilhouette mit Rathausturm

Kiels Stadtsilhouette mit Rathausturm


Kiel heute

In der Gegenwart ist Kiel vor allem ein Dienstleistungsstandort. Mehr als drei Viertel aller Beschäftigten sind in diesem Sektor beschäftigt. Das produzierende Gewerbe ist nur mit etwa 20 Prozent an der Wertschöpfung beteiligt. Immerhin ist Kiel ein Werftenstandort. Werftnahe Industriebetriebe haben ihren Sitz in Kiel. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist der Seehafen. Vor allem Fährdienste nach Skandinavien sowie neuerdings der schnell wachsende Kreuzfahrtmarkt befördern die Entwicklung des PORT OF KIEL.

Ostseefähre Color Fantasy

Ostseefähre Color Fantasy


Kiel ist nicht nur das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Kiel ist ebenso eine Hochschulstadt. Seit dem Jahr 1665 existiert die Christian-Albrechts-Universität. Außerdem ist Kiel Standort einer Fachhochschule, einer Kunsthochschule und der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. Einrichtungen, wie das Institut für Weltwirtschaft, runden das wissenschaftliche Spektrum ab.

Die Kieler Woche

Nicht mehr wegzudenken ist die Kieler Woche. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird in Kiel die jährlich stattfindende „Regattawoche“ ausgetragen. Segler aus aller Welt treffen sich zu diversen sportlichen Wettbewerben. Ein Höhepunkt für viele Zuschauer ist die seit 1998 wieder regelmäßig stattfindende Windjammerparade zu der sich neben Groß- und Traditionsseglern historische Dampfschiffe und viele Hundert Segelboote regelmäßig einfinden. Die Kieler Woche steht allerdings nicht nur für Segelsport, sondern sie ist auch das größte Sommerfest im Norden Europas. Mehr als 2.000 Einzelveranstaltungen ziehen jährlich mehr als drei Millionen Besucher an.

Skulptur Segler - am Ostseekai

Skulptur Segler - am Ostseekai


Kiel für Kreuzfahrer

Mit dem Ostsee-, dem Norwegen- und dem Schwedenkai sowie einem Liegeplatz im Ostuferhafen verfügt die Stadt über vier moderne Passagierterminals. Mehr als 1,6 Millionen Reisende nutzen 2018 die Fährterminals nach Norwegen, Schweden und in die baltischen Staaten. Hinzu kommen noch knapp 600.000 Kreuzfahrtpassagiere. - Im Allgemeinen ist Kiel Ausgangspunkt für Kreuzfahrten zu den Metropolen der Ostsee und entlang der norwegischen Fjorde. Speziell im Hochsommer starten Kreuzfahrtschiffe von Kiel aus zum Nordkap, nach Spitzbergen oder nach Island. Kiel und die nähere Umgebung bieten viel Sehenswertes. Darüber berichten wir unter Kiel – Sehenswürdigkeiten.

Update November 2018