Autor: Karl W. P. Beyer

Im Jahr 2012 statteten 26 Kreuzfahrtschiffe dem Kieler Hafen 137 Besuche ab. Abgefertigt wurden 375.000 Passagiere. Das Jahr 2018 schließt mit 34 Schiffen, 167 Schiffsbesuchen und rundgerechnet 600.000 Kreuzfahrt-Passagieren. Zweifellos hat Deutschlands drittgrößter Kreuzfahrthafen in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen.

Kreuzfahrtterminal Ostseekai

Kreuzfahrtterminal Ostseekai


Ein Grund für das Wachstum ist das zunehmende Interesse an Kreuzfahrten in den baltischen Raum, nach Norwegen oder Island. Aufgrund seiner Lage ist Kiel in vielen Fällen Start- und Endpunkt solcher Reisen. Oftmals ist die Stadt aber auch eines von mehreren Etappenzielen einer Ostsee-Kreuzfahrt.

Mit spektakulären Sehenswürdigkeiten ist Kiel zwar nicht gesegnet, das ändert jedoch nichts daran, dass sich immer ein dankbares Publikum für Tourenangebote der Kreuzfahrt-Schiffe findet. Die führen häufig zur Schleuse Holtenau am Nord-Ostsee-Kanal und zum 22 Kilometer entfernten Marineehrenmal im Ostseebad Laboe. Auch das nahe gelegene Freilichtmuseum Molfsee oder die ehrwürdige Hansestadt Lübeck stehen auf dem Ausflugsprogramm.

Freilichtmuseum Molfsee

Freilichtmuseum Molfsee


Das sehenswerte Marineehrenmal in Laboe oder das nicht minder interessante Freilichtmuseum in Molfsee können bei Tagesaufenthalten in Kiel ohne große Umstände auf eigene Faust besucht werden. Daneben liegen auf engem Raum noch ein paar weitere lohnende Ziele.

Unsere Vorschläge für Kiel

Nachfolgend beschreiben wir im Detail eine nach Interessenschwerpunkten gegliederte Auswahl der möglichen Aktivitäten und der Sehenswürdigkeiten in und um Kiel.

Das maritime Kiel

Spaziergang entlang der Kiellinie
Die 17 Kilometer lange Kieler Förde ist ein Naturwunder. Für Spaziergänge und Wanderungen wurde am Westufer der Förde eine Promenade angelegt: die Kiellinie. Sie beginnt knapp hinter dem Anleger Ostseekai und endet nach gut fünf Kilometern vor dem Einlass des Nord-Ostsee-Kanals an der Tirpitzmole. Dort liegt das Segelschulschiff Gorch Fock; sofern es sich nicht gerade auf einer Ausbildungsfahrt befindet. Von der Kiellinie genießen Spaziergänger einen uneingeschränkten Blick auf die Förde und das gegenüberliegende Ufer. Fischbuden, Cafés und Lokale säumen den Weg; kein Wanderer muss darben.

Fischbar an der Kiellinie Sporthafen an der Klelinie

 

Besuch des GEOMAR Aquariums

Ein Zwischenziel an der Kiellinie ist das Aquarium am GEOMAR. Nur wenige Hundert Meter vom Ostseekai entfernt zeigt es in 16 Becken heimische und exotische Meeresbewohner in ihrer angestammten Umgebung. Zu den Attraktionen zählt der große Heringsschwarm, der im Becken pausenlos seine Kreise zieht. Außerdem können Seehunde in den Außenbecken über und unter Wasser beobachtet werden.
GEOMAR Aquarium
GEOMAR Aquarium


Standort: Düsternbrooker Weg 20, Zugang auch von der Kiellinie
Öffnungszeiten: ganzjährig 9:00 bis 18:00 Uhr

Der Germaniahafen

Das Hafenbecken liegt in der Nähe des Kieler Hauptbahnhofs zwischen dem Oslo- und dem Norwegenkai. Es wurde 2004 als Traditionshafen und Hafen für Gastsegler eröffnet. Interessant sind die klassischen Segelschiffe und historischen Wasserfahrzeuge. Die Schiffe werden von den Eignern und ihren Besatzungen kontinuierlich für Ausfahrten genutzt. Vom Hauptbahnhof kommend ist das Hafenbecken über eine Klappbrücke, die Hörnbrücke, leicht zu erreichen.
Boote im Germaniahafen

Boote im Germaniahafen


Zwei bedeutende Kieler Museen

Die Kunsthalle zu Kiel

Vom Ostseekai bis zur Kunsthalle sind es nur wenige Hundert Schritte. Als Universitätsinstitut mit eigener Sammlung ist sie der Christian-Albrechts-Universität angegliedert. In Kurzfassung: Mehr als 1.200 Gemälde, 40.000 grafische Werke und 300 Skulpturen umfassen die Kollektionen. Die Malerei ist Grundstock und Schwerpunkt der Sammlungen.
Kunsthalle
Kunsthalle


Die Kunsthalle besitzt außerdem Schleswig-Holsteins einzige Antikensammlung mit Originalwerken des Mittelmeerraums sowie eine Abguss-Sammlung römischer und griechischer Skulpturen.
Standort: Am Düsternbrooker Weg 1

Das Schifffahrtsmuseum Fischhalle

Die Fischhalle zeigt Schiffsmodelle, Marinemalerei und nautisches Gerät. Kiels Verbindung zur Schifffahrt wird prägnant aufbereitet. Besucher erfahren viel über den Werften- und Marinestandort Kiel. Der Nord-Ostsee-Kanal, die Fischereigeschichte und die Marinemalerei werden mittels zahlreicher Medienstationen vorgestellt.

Schifffahrtsmuseum Schifffahrtsmuseum Die Museumsbrücke des Schifffahrtsmuseums Museumsbrücke des Schifffahrtsmuseums

 

Das Schifffahrtsmuseum Fischhalle und das Stadtmuseum Warleberger Hof bilden eine Einheit. Der Warleberger Hof in der Altstadt ist Kiels ältester erhaltener Adelshof aus dem frühen 17. Jahrhundert. Er bietet das passende Ambiente für Ausstellungen zur Kieler Stadt- und Kulturgeschichte.
Stadtmuseum Warleberger Hof
Stadtmuseum Warleberger Hof


Standort Fischhalle: Gegenüber dem Ostseekai an der Anschrift Wall 65
Standort Warleberger Hof: Dänische Straße 19
Eintritt frei

Die Kieler Altstadt

Kiel kann zwar auf nahezu 800 Jahre Stadtgeschichte zurückblicken; historische Bauten gibt es dennoch kaum. Viele schöne Kaufmanns- und Adelshäuser fielen den Bombardements und den Feuerbrünsten des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Außergewöhnliche Bauten gibt es nur noch wenige. Neben dem Stadtmuseum Warleberger Hof sind es das Rathaus, die Nikolaikirche und das Kloster.
 
Das Rathaus
Bemerkenswert am Kieler Rathaus ist der 106 Meter hohe Turm. Er wurde dem Campanile in Venedig nachempfunden. Gegen eine Gebühr von drei 3 Euro darf in den Monaten Mai bis September mittwochs und samstags die auf 67 Meter Höhe befindliche Aussichtsplattform im Rahmen von Gruppenführungen bestiegen werden. Ein Aufzug übernimmt die Beförderung.
Kiels Skyline mit dem Rathausturm
Kiels Skyline mit dem Rathausturm


Im Turm befindet sich zudem das Stadtarchiv. Im Foyer hängen Gemälde und Porträts früherer Kieler Bürgermeister.
Turmfahrten finden statt:
Mittwochs, 12:30 Uhr
Samstags, 11:00, 11:45 und 12:30 Uhr
Karten sind bei der Tourist-Information Kiel erhältlich.

Dem Rathaus liegt das Opernhaus gegenüber. Das größte Theater Norddeutschlands bietet mehr als 800 Zuschauern Platz.
Opernhaus

Opernhaus


Die Nikolai-Kirche

St. Nikolai steht am Alten Markt. Es heißt, sie sei das älteste Gebäude der Stadt. Ihre Ursprünge datieren aus der Zeit um 1242. Die Kirche wurde ebenfalls bei den Bombenangriffen schwer beschädigt. Sie musste nach dem Kriege neu errichtet werden. Die wertvolle Inneneinrichtung wurde allerdings vor den Zerstörungen in Sicherheit gebracht.

St. Nikolai-Kirche

St. Nikolai-Kirche


Vor der Kirche steht der Geistkämpfer, eine von Ernst Barlach geschaffene Großplastik. Auf einem wolfsähnlichen Tier steht ein Engel und reckt ein Schwert in die Luft. Das Denkmal soll die Erhabenheit und den Sieg des Geistes über das Böse darstellen. Es stammt aus 0dem Jahr 1928 und ist wirklich sehenswert.

Der Geistkämpfer vor St. Nikolai

Der Geistkämpfer vor St. Nikolai


Das Kieler Kloster

Franziskaner siedelten seit 1210 im Norden Deutschlands. Ein erster Klosterbau entstand wohl im Jahr 1242. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster durch Sprengbomben zerstört. Die Klosterkirche und ein dazu gehörendes Studienhaus wurden im Stil der Neuzeit neu errichtet.

Klosterkirchhof mit dem Kieler Kloster

Klosterkirchhof mit dem Kieler Kloster


Sehenswürdigkeiten außerhalb der Altstadt

Der Botanische Garten der Kieler Universität

Pflanzenliebhaber finden im Botanischen Garten vielfältige Baumsammlungen aus drei Kontinenten, Biotope, ein Rosarium und anderes mehr. Sieben Schaugewächshäuser darunter ein Tropenhaus, ein Nebelwaldhaus und ein Wüstenhaus simulieren unterschiedlichste Klimazonen. Der Botanische Garten liegt auf dem Universitätsgelände.
Standort im Norden Kiels: Am Botanischen Garten 1-9. Die Einrichtung ist mit Linienbussen der Kieler Verkehrsgesellschaft zu erreichen (Linien 11, 60 S ab Schwedenkai).

Die Holtenauer Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals

Der beinahe 99 Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal ist die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Jährlich passieren rund 30.000 Seeschiffe den Kanal. Das Schleusen von Schiffen lässt sich von einer Aussichtsplattform an der großen Schleusenkammer in Kiel-Wik gut beobachten.
Die Aussichtsplattform Wik ist mit Linienbussen der Kieler Verkehrsgesellschaft zu erreichen. Aussteigen an der Haltestelle „Wik Kanal“!

Die  Holtenauer Schleuse am Nord-Ostsee-Kanal Nord-Ostsee-Kanal

 

Das Olympiazentrum der Segler in Kiel-Schilksee

Das Olympiazentrum war ursprünglich Austragungsort der Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1972. Ein großer Wohn- und Sportkomplex wurde nebst Seglerhafen 15 Kilometer nördlich des Stadtzentrums gebaut.
In den Monaten Mai bis Anfang September hält die Fördefährlinie F1 in Schilksee.

Das Marine-Ehrenmal im Ostseebad Laboe

Es wurde zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Marinesoldaten errichtet. Später wurden die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen in die Gedenkstätte einbezogen. Seit 1996 erinnert das Ehrenmal an alle auf den Meeren gebliebenen Seeleute. Zur Anlage gehören ebenfalls eine unterirdische Gedenkstätte und ein deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg (das U 995).

Marine-Ehrenmal im Ostseebad Laboe Gedenkstätte im Marine-Ehrenmal Blick vom Marine-Ehrenmal auf die Kieler Förde U-Boot 995

 

Mit einem Aufzug gelangen Besucher des hoch aufragenden Gebäudes auf 57 Meter Höhe. Von dort führt eine Treppe (44 Stufen) auf eine windgeschützte Aussichtsplattform. Der Blick aus der Höhe auf die Ostsee und das umgebende Land ist ausgezeichnet. Das insgesamt 85 Meter hohe Bauwerk ist mit der Buslinie 100 ab Kiel Hauptbahnhof innerhalb von 40 Minuten oder mit der Förde-Fährlinie F1 in 60 Minuten zu erreichen. Der Anleger der Fähre befindet sich direkt vor dem Zugang zum Norwegenkai.

Das Freilichtmuseum Molfsee

Etwa zehn Kilometer südwestlich von Kiels Zentrum liegt die Gemeinde Molfsee. In dem auf 40 Hektar Fläche gelegenen Freilichtmuseum wird die Alltags- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins effektvoll in Szene gesetzt. Sechzig historische Gebäude aus allen Teilen des Bundeslandes sind in schöner Landschaft aufgebaut und renoviert worden. Auf dem Gelände wird auch traditionelles Handwerk ausgeübt: Korbmacher, Schmied, Töpfer und Weber zeigen ihr handwerkliches Können. Auch ein Café, eine Backstube und ein Kiosk sind vorhanden. Norddeutschlands größtes Museum dieser Art ist weit über Kiels Grenzen hinaus bekannt.
Das Museum ist in der Zeit vom 1. April bis zum 31. Oktober täglich ab 9:00 Uhr geöffnet.
Eintritt: Erwachsene zahlen 8 Euro. Ermäßigungen werden gewährt. Zum Freilichtmuseum fahren Linienbusse (Linien 502, 42 und 501).

Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum in Molfsee Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum in Molfsee

 

Panoramafahrt auf der Kieler Förde

Die Schiffe der Fördefährlinie F1 verkehren regelmäßig entlang der Förde zwischen dem Kieler Hauptbahnhof (Bahnhofsbrücke) und Laboe. Dabei laufen die Schiffe diverse Haltepunkte an; u. a. die neben dem Ostseekai (einer der Liegeplätze der Kreuzfahrtschiffe) gelegene Seegartenbrücke. Im Winterfahrplan werden nur eingeschränkte Verbindungen geboten.
Fördeschiff vor der Seegartenbrücke
Fördeschiff vor der Seegartenbrücke


Kostengünstige Tageskarten werden für 9,60 Euro geboten.

 

Update Dezember 2018