Autor: Karl W. P. Beyer

Die MSC Armonia brachte uns nach Kopenhagen. Erst zur Mittagszeit erreichte sie planmäßig ihr Ziel. Gegen 12:45 Uhr gingen wir von Bord. Knapp fünf Stunden später mussten wir bereits wieder zurück sein. Das Schiff sollte gewohnt pünktlich um 18:00 Uhr den Hafen verlassen. Das war wenig Zeit, um dieser schönen Stadt einen Besuch abzustatten. MSC bot einige organisierte Bustouren an, die sich bei näherer Betrachtung allesamt als Stadtrundfahrten oder Panoramafahrten erwiesen. Wir zogen es vor, die wesentlichen Attraktionen, siehe unter Kopenhagen – Sehenswertes, im Rahmen eines Rundgangs zu erkunden.

MSC Armonia lag stadtnah am Langeliniekaj, einem der beiden wichtigsten Kopenhagener Cruise-Terminals. Der Liegeplatz ist der beste Ausgangspunkt, um von dort ins Zentrum der Stadt zu laufen.

MSC Armonia am Langeliniekaj

MSC Armonia am Langeliniekaj


Wir nahmen den Langelinievej und passierten eine kleine Marina bevor wir am Kastellet, einem von Wasser umgebenen Fort, anlangten. Die ehemalige Verteidigungsanlage ist eine der schönsten und besterhaltenen ihrer Art in Nordeuropa. Auch heute noch wird sie für militärische Zwecke genutzt. Vom Schiff kommend betritt man das Areal über eine Brücke an der Langelinie und verlässt es nach ca. 500 m über eine zweite Brücke bei Esplanaden.

Zugang zum Kastellet

Zugang zum Kastellet


Fußgängern ist es gestattet, das Kastellet auf der Hauptverbindungsstraße zu durchqueren. Am Weg liegen Kasernen, Munitionsbunker und sogar eine kleine Kirche. Der Zweck der Bauten erschließt sich dem Besucher nicht unbedingt. Es ist jedoch allemal schön, die gepflegte Anlage mit den geharkten Plätzen und dem vielen Grün zu passieren.

Unser nächstes Ziel war der Rosenborg Slotshave, die Parkanlage vor dem Schloss Rosenborg. Nach Verlassen des Kastellet führt der Weg nach rechts. Das Ziel ist kaum zu verfehlen. Ehemals residierte im schön anzusehenden Schloss Rosenborg die königliche Familie, bevor sie im Jahr 1710 eine andere angemessene Bleibe fand. Seit dem Jahr 1838 ist das Schloss ein Museum. In ihm ist auch die königliche Schatzkammer untergebracht. Um das Schloss herum lädt die großzügige Parkanlage zum Ausruhen ein.

Schloss Rosenborg

Schloss Rosenborg


Hält man sich in der Gartenanlage in westlicher Richtung, geht man direkt auf die Landemærket zu. Dieser folgten wir und bogen an der Købmaergade nach links ein. Wir hatten den nächsten Punkt unseres Rundgangs, den Rundetårn, erreicht. Errichtet wurde das 34,80 m hohe Bauwerk ursprünglich als Observatorium der Universität Kopenhagen. Der Turm sollte unbedingt bestiegen werden. Treppen sind dabei nicht zu überwinden. Stattdessen ist der Turm über einen etwa 200 m langen spiralförmig angelegten Gang bequem zu ersteigen. Von oben genießt der Besucher einen wunderbaren Blick über das Häusermeer Kopenhagens. Sogar das Kreuzfahrtschiff, das uns in die Stadt brachte, war gut zu sehen. Die Turmbesteigung ist kostenpflichtig. Wir versichern, das „kleine“ Eintrittsgeld bringt einen hohen Gegenwert.

Wandelgang im Rundetarn     Panoramablick vom Rundetarn

Vom Rundetårn gingen wir weiter durch das quirlige Universitätsviertel hinüber zum Rathaus. Vor dem Rathaus steht der martialische Drachenspringbrunnen. Er zeigt einen Stier, der mit einem Drachen kämpft. Das Rathaus ist im Stil der italienischen Renaissance gehalten. Sein 106 m hoher Turm kann bestiegen werden. Dafür blieb uns leider keine Zeit. Wir konnten gerade noch einen Blick auf die am Rathaus prangende Statue des Absalon von Lund werfen. Als Bischof von Roskilde ließ er am Ort des heutigen Kopenhagens ein Kloster gründen. Aus dieser Ansiedlung entwickelte sich Kopenhagen.

Universitätsviertel     Drachenbrunnen vor dem Rathaus

Es blieb auch keine Zeit, dem Tivoli, das dem Rathaus gegenüber liegt, einen Besuch abzustatten. Stattdessen gingen wir durch den Innenhof des Rathauses in Richtung Nybrogade, die ein Stück weit entlang des U-förmig angelegten Frederiksholms Kanals verläuft. An Nybrogade schließt sich Gammel Strand an. Von dort aus hätten wir zur Entlastung unserer Füße mit den DFDS Canal Tours zu einer Kanalfahrt starten können. Leider fehlte auch dafür die Zeit.

Rathausturm     Nybrogade

Am Ende von Gammel Strand liegt der Højbro Plads. Wir bestaunten das Reiterstandbild des Bischofs Absalon und stellten fest, dass in jenen Zeiten, gemeint ist das 12. Jahrhundert, ein Bischof nicht allein ein frommer Mann zu sein hatte. Vielmehr musste er auch als ein guter Reitersmann jederzeit sein scheuendes Pferd beherrschen können.

Bischof Absalon hoch zu Ross

Bischof Absalon hoch zu Ross


Vom Bischof führte uns der Weg weiter am Frederiksholms Kanal entlang bis zum Schloss Christiansborg. Das multifunktionale Gebäude bietet dem dänischen Parlament, dem Ministerpräsidenten und dem Obersten Gericht Dänemarks eine Bleibe.

Fassade von Schloss Christiansborg

Fassade von Schloss Christiansborg


Auf das Schloss folgte die Børsen. Die alte Börse aus dem 17. Jahrhundert ist ob ihrer Renaissance-Fassade und eines gewundenen Turms eines der Wahrzeichen Kopenhagens.

Die alte Börse

Die alte Börse


Eine gute Viertelstunde später standen wir am Kongens Nytorv, dem Königlichen Neuen Markt. Der größte, repräsentative Platz in Kopenhagens Zentrum ist von seiner Anlage her etwas unregelmäßig ausgefallen. Um den Platz scharen sich bedeutende Palais und öffentliche Gebäude. Eines ist das Königliche Theater, dessen Hauptgebäude im Jahr 1874 fertiggestellt wurde. An die 1.600 Besucher finden bei Opern- und Ballettaufführungen ihren Platz. Das sieht man dem Gebäude nicht an.

Das Königliche Theater am Kongens Nytorf

Das Königliche Theater am Kongens Nytorf


An den Kongens Nytorv schließt sich der Nyhavn Kanal an. Im Kanal liegen einige Traditionsschiffe. An beiden Seiten des Kanals stehen wunderbare alte Gebäude, die Cafés, Bars und Restaurants Platz bieten. Die Nyhavn-Region ist das Szeneviertel der Stadt. Auch wir besuchten eines der Lokale, um einen Happen zu essen und wurden nicht enttäuscht

Nyhavn Kanal     Nyhavn Kanal

Gestärkt ging es dann an der nördlichen Seite des Kanals entlang. Am Ende der Straße bogen wir nach links ab. Vor uns lag der im Jahr 2008 eröffnete Neubau des Schauspielhauses. Der riesige Bühnenturm und die verglaste Fassade beeindrucken ungemein.

Das Neue Schauspielhaus     Die Neue Königlich Dänische Oper

Dem Schauspielhaus gegenüber, liegt auf der anderen Seite des Hafenbeckens die im Jahr 2005 eröffnete neue Königlich Dänische Oper. Betrachtern imponiert sie durch ihre schiere Größe und durch ihre imponierende Architektur. Sie gilt als eine der modernsten Bühnen der Welt.

Es war seit dem Verlassen der MSC Armonia viel Zeit vergangen. Wir mussten an den Rückweg denken. Am Weg lag das Schloss Amalienborg, Wohnort der königlichen Familie. Vor dem Schloss stehen Soldaten der königlichen Garde Wache.

Wache vor Schloss Amalienborg

Wache vor Schloss Amalienborg


Vom Schloss führte der Weg weiter zur Frederiks-Kirche. Der Bau des Gotteshauses dauerte 145 Jahre. Knappe Haushaltsmittel und daraus resultierende Streitigkeiten verzögerten die Fertigstellung. Sehenswert ist die auf 12 Säulen ruhende Kuppel. Ihre Spannweite beträgt 31 Meter. Ursprünglich sollte die Kirche beinahe vollständig aus Marmor erbaut werden. Die schlechte Kassenlage führte dazu, dass anstelle des Marmors Kalkstein verwendet wurde. In der Erinnerung an das ursprüngliche Vorhaben wird immer noch von der „Marmorkirche“ gesprochen. Sehenswert ist das Kircheninnere allemal.

Wir hätten noch so vieles ansehen wollen, aber die Zeit lief uns davon. Wir konnten noch einen Blick auf die russische Newsky-Kirche werfen. Bald darauf standen wir am Gefionbrunnen. Der Sage nach hat die nordische Göttin Gefjun (Gefion) in einer Nacht die Insel Seeland geschaffen. Zu diesem Zweck verwandelte sie ihre vier Söhne in Ochsen, die ihr bei der Arbeit halfen. Im wahrsten Sinne eine Ochsentour. Der Brunnen ist groß und schön anzuschauen.

Newsky Kirche     Gefionbrunnen

Schön anzusehen ist auch die Skulptur der Kleinen Meerjungfrau, die in der Nähe des Brunnens auf einem Findling sitzend, über ihre Schulter aufs Wasser schaut. Wir hatten uns die Dame immer größer vorgestellt. Ihre 1,25 Meter imponieren nicht allzu sehr. Dennoch gefällt, was man sieht. – Kurze Zeit später fiel unser Blick am Langeliniekaj noch auf die „alternative“ Meerjungfrau. Diese aus Stein gearbeitete Hübsche darf man im Gegensatz zur Kleinen Meerjungfrau getrost als Vollweib bezeichnen.

Die alternative Meerjungfrau

An die fünf Stunden Zeit verbrachten wir in Kopenhagen. Die Zeit war leider viel zu knapp bemessen. Dennoch haben wir viel Schönes gesehen. Unsere Empfehlung ist, auf eine der offerierten Busrundfahrten zu verzichten und stattdessen den Weg wie von uns beschrieben zu gehen. Wir meinen, Kopenhagen erschließt sich dem Fremden bei einem derartigen Rundgang am besten. Noch ein Hinweis: Im Jahr 2012 bietet Royal Caribbean eine vergleichbare Stadtrundfahrt zum Preis von 49,20 Euro an. Wir mussten für unseren Stadtrundgang wesentlich weniger aufwenden. Allerdings schmerzten später die Füße.

Universitätsgebäude in Kopenhagen

Universitätsgebäude in Kopenhagen


 (Update März 2018)