Autor: Karl W. P. Beyer

Kopenhagen - mehr als nur die Kleine Meerjungfrau

Im Jahr 2017 hat die dänische Hauptstadt Kopenhagen circa 850.000 Passagiere von Kreuzfahrtschiffen begrüßt. Abgefertigt werden die Besucher hauptsächlich an den Terminals Langeliniekaj und dem im Jahr 2014 vollendeten Oceankaj. Beide Terminals können zeitgleich jeweils drei Schiffe aufnehmen. Der Oceankaj ist eine sehr moderne Anlage, allein die Distanz zum Stadtzentrum beträgt an die acht Kilometer. Für den Langeliniekaj spricht seine Nähe zu Kopenhagens Zentrum.

Die kleine Meerjungfrau, das Tivoli oder Schloss Amalienborg sind jene Sehenswürdigkeiten, an die wir uns unwillkürlich erinnern, wenn die Sprache auf Kopenhagen kommt. Das ist jedoch nicht alles. Aus der Vielzahl der Attraktionen wollen wir einige vorstellen, die man im Verlauf mehrerer Stunden während eines eintägigen Aufenthalts mit einem Kreuzfahrtschiff in Kopenhagen auf eigene Faust ansehen und erkunden könnte. Dabei wird immer noch genügend Zeit bleiben, in einem Café oder einer Bar ein Smørrebrød und vielleicht ein Carlsberg Bier zu sich zu nehmen.

Kopenhagen - Die kleine Meerjungfrau

Kopenhagen - Die kleine Meerjungfrau


Kopenhagen hat einen unbestreitbaren Vorteil. Auf 88 km² Fläche sind die vielen Sehenswürdigkeiten gut verteilt. Das Terrain ist flach. Steile Straßen und Treppen fehlen. Alles ist sauber, sicher und fußläufig gut zu erreichen. Diese Stadt muss man einfach mögen.

 

Auffällig im Stadtbild sind die Schlossanlagen

Schloss Amalienborg – Vier Rokoko-Palais wurden um den achteckigen Amalienborg Slotsplads herum gruppiert. In der Mitte des Platzes steht ein Reiterstandbild König Frederiks V., der das Ensemble initiierte. Im Schloss residiert die königliche Familie. Täglich um 12:00 findet vor dem Schloss die traditionelle Wachablösung der königlichen Garde statt. Weht die Fahne auf dem Dach des Schlosses, zeigt sie an, dass die königliche Familie zugegen ist.

Schloss Amalienborg

Schloss Amalienborg


Schloss Christiansborg.- Das Bauwerk wurde in der Zeit zwischen 1906 bis 1937 errichtet. Als einziger Staatsbau weltweit beherbergt es die drei Staatsgewalten: Legislative, Exekutive und Judikative. Im Schloss tagt das dänische Parlament, das Folketing. Es ist Dienstsitz des Ministerpräsidenten und zudem residiert dort auch das Oberste Gericht Dänemarks.

Schloss Christiansborg

Schloss Christiansborg

Schloss Rosenborg – Vor mehr als 400 Jahren, exakt im Jahr 1607, wurde die erste Baustufe des ebenfalls im Zentrum liegenden Schlosses mit der Anlage eines großen Gartens und der Errichtung eines Sommerhauses begonnen. Weitere Gebäudeteile kamen hinzu. Bis 1710 residierte im Schloss die königliche Familie. Seit dem Jahr 1838 ist das Schloss ein Museum, in dem z. B. die dänischen Kronjuwelen ausgestellt werden. Das Schloss kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Um das Schloss herum lädt eine großzügige Parkanlage zum Ausruhen ein.

Schloss Rosenborg

Schloss Rosenborg


Schloss Kronborg - Außerhalb Kopenhagens, in Helsingør im äußersten Nordosten Seelands, wartet das ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommene Schloss Kronborg auf Besucher. Im 14. Jahrhundert wurde es als Festung errichtet. Im 15. Jahrhundert kam ein Bauwerk hinzu, das als eines der wichtigsten Renaissanceschlösser Europas gilt. Shakespeares Hamlet spielt in diesem Schloss.

Schloss Kronborg

Schloss Kronborg


Liebhaber von Museen finden ihre(n) Meister in den folgenden Museen

  • Statens Museum for Kunst - In dieser Nationalgalerie werden Werke europäischer und dänischer Maler beginnend vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart gezeigt. Die Malerei- und Skulpturensammlung umfasst etwa 2.600 Werke. In der Kupferstichsammlung finden sich 300.000 Werke. In der Königlichen Abgusssammlung wurden Werke aus mehr als 4.000 Jahren gesammelt.

  • Im Zentrum Kopenhagen glänzt auch die Ny Carlsberg Glyptotek mit ihren Sammlungen von Skulpturen des Mittelmeerraums einschließlich Ägyptens. Aber auch moderne Kunst des Auguste Rodin und Edgar Degas sowie eine Sammlung von impressionistischen und post-impressionistischen Gemälden ist hier zu bewundern. Das Museum wird neben Stiftungsmitteln der Carlsberg-Brauerei auch durch einen geringen Beitrag, der auf jeder verkauften Flasche Carlsberg-Bier zu leisten ist, finanziert. Es heißt, eine Sammlung dieses Zuschnitts sei sonst nirgendwo in Nordeuropa zu sehen. Da sage noch einmal einer, dass (Bier-)Trinken schädlich sei.

  • Zeitgenössisch geht es im Louisiana Museum of Modern Art zu. Es liegt 35 km nördlich von Kopenhagen im Ort Humlebæk. Diese aus Privatinitiative entstandene Stiftung zeigt mehr als 3.000 Kunstobjekte aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Alle bedeutenden Künstler der Gegenwart sind in der Sammlung vertreten.

  • Ebenfalls außerhalb Kopenhagens liegt in ca. 30 km Entfernung im Ort Rungstedlund das Karen Blixen Museum, das sich mit dem Leben und Werk der bekannten dänischen Schriftstellerin beschäftigt.

  • Freunden eines kühlen Biers darf ein Besuch des Carlsberg Brauerei-Museums im Stadtteil Valby empfohlen werden. Außer Montag ist das Museum täglich geöffnet. Der Eintrittspreis beinhaltet Brauereiführung, Entdeckertouren und – ganz wichtig – die Option auf zwei Freigetränke. Biertrinker probieren zwei der vielen Biersorten. Wer kein Bier mag, trinkt alternativ Cola.

RundetarnUrsprünglich als Observatorium der Universität errichtet, ist der im Zentrum Kopenhagens liegende Rundetårn ein Bauwerk, dessen Besuch niemand versäumen sollte. Bei schönem Wetter ist es ein Muss, den Turm zu besteigen. Er misst 34,80 m in der Höhe und ca. 15 m in der Breite.

Dank eines über 200 m langen spiralförmig angelegten Gangs ist er bequem zu ersteigen. Diese Rampe machte es in der Vergangenheit möglich, schweres Gut mit dem Pferdewagen anzuliefern. Von seiner Kuppel aus genießt der Besucher einen umfassenden Blick über die Altstadt und ganz Kopenhagen.

Kopenhagen Panoramablick vom Rundetarn

Kopenhagen Panoramablick vom Rundetarn


Das RathausAm H. C. Andersens Boulevard und dem Tivoli gegenüber liegt Kopenhagens Rathaus. Im Jahr 1905 wurde es im Stil der italienischen Renaissance vollendet. Über der Tür erinnert die goldene Statue des Absalon von Lund, Bischof von Roskilde, an den Stadtgründer. Von kulturhistorischer Bedeutung ist die neben dem Haupteingang aufgestellte gewaltige Weltuhr. Der 106 m hohe Rathausturm kann gegen Entgelt bestiegen werden. Vor dem Rathaus liegt der 29.300 m² große Rådhuspladsen.

 

Bischof Absalon

Bischof Absalon


Die Alternative MeerjungfrauIm Hafenbereich, an der Uferpromenade Langelinie und leicht zu übersehen, sitzt auf einem Steinblock Den Lille Havfrue, besser bekannt als die kleine Meerjungfrau. Der Brauer Carl Jacobsen schenkte die 1,25 m hohe Bronzefigur im Jahr 1913 der Stadt.

Ihre Vorlage fand die Bronzestatue im gleichnamigen Märchen des Dichters H. C. Andersen. Schon mehrmals ist die Hübsche ihres Kopfes verlustig gegangen. Andenkenräuber konnten einfach nicht die Finger von ihr lassen. Wir waren beim ersten Zusammentreffen mit der Meerjungfrau etwas enttäuscht und halten es seitdem lieber mit der „alternativen“ Meerjungfrau am Langeliniekai.

 

Die richtigen Orte für Theater- und Opernfans

Theater- und Opernliebhaber werden es sich nicht nehmen lassen einen Blick auf zwei erstklassige Neubauten zu werfen.

Die im Januar 2005 eröffnete neue Königlich Dänische Oper liegt auf der Insel Holmen. Der dänische Unternehmer Møller hat sie gestiftet. Besuchern und Betrachtern imponiert sie durch ihre schiere Größe und durch ihre imponierende Architektur. Sie gilt als eine der modernsten Bühnen der Welt.

Die neue Königlich-Dänische Oper

Die neue Königlich-Dänische Oper


Am Ende der Touristenmeile Nyhavn und dem Opernhaus gegenüber liegt das neue im Jahr 2008 eröffnete Schauspielhaus. Der riesige Bühnenturm und die verglaste Fassade beeindrucken ungemein.
Das neue Schauspielhaus

Das neue Schauspielhaus


Am Kongens Nytorv, dem königlichen neuen Markt, liegt das berühmteste Theater der Stadt, Det Kongelige Teater, das Königliche Theater. Das Hauptgebäude wurde 1874 fertiggestellt. An die 1.600 Besucher finden bei Opern- und Ballettaufführungen ihren Platz.
Das Reiterstandbild auf dem Platz stellt König Christian V. dar. Die Kopenhagener nennen es unziemlich Hesten, „das Pferd“.

Das Königliche Theater am Kongens Nytorf

Das Königliche Theater am Kongens Nytorf


In der Nähe des Cruise-Terminals Langeliniekaj liegt das Kastellet, eine der besterhaltenen Zitadellen Nordeuropas. Das Bauwerk wurde in Form eines fünfeckigen Sterns angelegt. Die umgebende parkähnliche Landschaft ist an schönen Tagen ein Genuss.

Das Kastellet

Das Kastellet


Was man ebenfalls nicht versäumen sollte

Die Alte Börse ist nach unserer Einschätzung eines der schönsten Gebäude Kopenhagens. Es wurde im 17. Jahrhundert als Handelsbörse gebaut. In heutiger Zeit wird sie als Bürohaus genutzt. Ihre Renaissance-Fassade und ein merkwürdig gewundener Turm machen sie zu einem der Wahrzeichen Kopenhagens. Man findet sie nahe dem Schloss Christiansborg.

Die Börse

Die Börse


Zu Weltruhm hat es das zwischen Hauptbahnhof und dem Rathaus liegende Tivoli gebracht. Es gilt als einer der ältesten Vergnügungsparks der Welt. Bereits im Jahr 1843 öffnete die Einrichtung ihre Pforten. Weit mehr als drei Millionen Besucher erfreuen sich jährlich an den Fahrgeschäften, Achterbahnen, Restaurants und Theatern. Geöffnet ist es in der Zeit von Mitte April bis Ende September.

Skurril erscheint uns das Geschehen um die 34 ha große Freistadt Christiania, eine seit 1971 existente alternative Wohnsiedlung. Sie liegt auf einem ehemaligen Militärgelände. Wie ähnliche Zonen in Berlin oder Hamburg ist ihre jüngere Geschichte nicht frei von Spannungen. Von Kopenhagens Behörden wird sie notgedrungen als autonome Kommune geduldet.

Als ein Gesamtkunstwerk könnte die Gegend um Nyhavn herum gelten. Nyhavn ist „das“ Szenegebiet Kopenhagens. Auf beiden Seiten des im Jahr 1673 fertiggestellten Hafenarms stehen farbenfrohe Giebelhäuser. Eine Vielzahl der Gebäude bieten Restaurants und Bars ein Unterkommen.

Szeneviertel Nyhavn

Szeneviertel Nyhavn


Kopenhagen ist als Kreuzfahrtdestination gut zu Fuß zu „erledigen“. Eine eingeschobene 60 Minuten dauernde Kanalrundfahrt ab Gammel Strand im Stadtzentrum kann jedoch nicht schaden. Vom Boot aus lassen sich viele der beschriebenen Bauwerke bewundern. – Bootstouren starten auch von Nyhavn aus. Der Startpunkt der Boote an der Kopfseite des Nyhavn ist nicht zu übersehen.

 Von den drei Terminals des Oceankaj im Nordhafen fahren Taxen ins Zentrum. Das ist jedoch recht teuer. Preisgünstiger kommt es, die Busse der Linien 25 und 27 zu nehmen. Vor Terminal 1 liegt im Oceanvej die Bushaltestelle. Tickets kauft man beim Fahrer. Für die Fahrt ins Zentrum sind zwei Zonen zu lösen.

Von der Touristeninformation am stadtnahen Langeliniekaj fahren Hop-on-Hop-off-Busse ab. Im Jahr 2018 sind für ein 24-Stunden-Ticket bei Vorausbuchung im Internet 27,50 Euro zu zahlen. Die roten Busse fahren zu den wichtigen hier vorgestellten Attraktionen. Achtung: In Dänemark wird mit dänischen Kronen gezahlt. 

Außerdem verbinden auch die Busse des öffentlichen Nahverkehrs (Linie 26) das Terminal mit dem Hauptbahnhof. Zwischendurch halten die Busse an bekannten Sehenswürdigkeiten.

(Update März 2018)