Autor: Karl W. P. Beyer

Kotor aus der VogelperspektiveAn der Küste des Adriatischen Meers liegt Montenegro. Der südeuropäische Staat weist weniger Fläche auf als die Bundesländer Schleswig-Holstein oder Thüringen. Zu den bedeutendsten Städten des 625.000 Einwohner zählenden Landes gehört das historische Kotor. Das Städtchen mit gerade einmal 5.000 bis 6.000 Einwohnern hat sich im Mittelalter als Handelszentrum und kultureller Mittelpunkt der Region einen Namen gemacht hat.

Bucht von KotorEs liegt verborgen am Ende der verwinkelten, fjordähnlichen Bucht Boko Kotorska. Knapp zwei Stunden benötigt das Kreuzfahrtschiff vom Eintritt in die Bucht bis zum Erreichen seines Liegeplatzes in Kotor. Das, was wie ein Fjord aussieht, ist der Canyon eines Flusses, der sich seinen Weg ins adriatische Meer gesucht hat. Das Einlaufmanöver eines 300 m langen Kreuzfahrtschiffs bedarf des besonderen Fingerspitzengefühls der Steuerleute und des Lotsen.

Bastion an Kotors NordtorHohe Berge schützen die Stadt, die im Jahr 1979 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde. Bestimmend dafür waren ihre Lage und ihre historischen Bauwerke. Die ersten Siedler am Rande des geschützten Naturhafens waren Illyrer. Auf sie folgten Griechen und Römer. Ungemütlich wurde es zur Zeit der Völkerwanderung. Damals erwies es sich als notwendig, Kotor zu befestigen.

Erste Verteidigungsanlagen wurden um das Jahr 535 herum errichtet. Das hinderte aber eine Sarazenenflotte kriegerischer Araber und Berber nicht, die Stadt im Jahr 840 zu plündern. Noch einmal wurde Kotor im Jahr 1242 von mongolischen Truppen überfallen und zerstört. Das danach entstandene mittelalterliche Stadtbild konnte seitdem bis in die heutige Zeit bewahrt werden.

Kotors Händler und Seeleute waren tüchtig und im mediterranen Bereich anerkannt. Schon im 14. Jahrhundert war die Stadt zum Konkurrenten Venedigs und Dubrovniks aufgestiegen. Das führte dazu, dass venezianische Truppen im Jahr 1369 Kotor eroberten und zerstörten. Danach fiel Kotor an die Ungarn, später an die Bosnier bevor es im Jahr 1391 eine selbstständige Republik wurde. Dieser Status konnte jedoch nicht lange Zeit aufrechterhalten werden. Im Jahr 1420 begab sich Kotor unter Venedigs Schutz. Noch später gehörte es zu Österreich, Frankreich und erneut zu Österreich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es dem Königreich Jugoslawien zugeschlagen.

Heute ist Kotor Montenegros meistbesuchte Tourismusregion. Die Stadt lebt hauptsächlich vom internationalen Tourismus. Außerdem ist sie Standort einzelner Bereiche der Universität Montenegro sowie Sitz des katholischen Bistums Kotor. Seit wenigen Jahren laufen zunehmend Kreuzfahrtschiffe die Stadt an.

Kreuzfahrtschiff vor den Stadtmauern Kotors

Kreuzfahrtschiff vor den Stadtmauern Kotors