Autor: Karl W. P. Beyer

Im Mai 2013 besuchten wir mit der Celebrity Silhouette mehrere geschichtsträchtige Städte der Mittelmeer-Region. Neben Dubrovnik und Split stand auch die montenegrinische Hafenstadt Kotor auf der Agenda unserer Reiseziele. Zu Dubrovnik und Split hatten wir vor Reiseantritt bestimmte Ideen. Was Kotor anbelangt, fühlten wir uns trotz ordentlicher Vorbereitung unsicher. Wir ließen Kotor auf uns zukommen und wir wurden angenehm überrascht.

Orahovac an der Bucht von KotorBevor ein Kreuzfahrtschiff Kotors Hafen erreicht, muss es nach Verlassen des Adriatischen Meers erst einmal annähernd zwei Stunden eine attraktive, verwinkelte, fjordähnliche Bucht durchfahren. Allein diese Einfahrt ist einmalig schön. Sie sollte nicht verpasst werden.

Bucht von Kotor - Dorf und Kirche am Berghang     Bucht von Kotor - Seezeichen an der Biegung des Fjords

Bucht von Kotor - Perast     Die Bucht von Kotor

Was bot Celebrity Cruises den Gästen als Tagesaktivitäten in Montenegro an? Die Gesellschaft empfahl hauptsächlich Touren zum Lovcen Nationalpark, ins nahe gelegene Budva und Varianten beider Touren. Auch eine eineinhalbstündige Stadtführung durch Kotor stand auf dem Programm. Sie wurde zu 27,25 Euro angeboten. Vor Ort konnte man eine von lizenzierten Tourguides geführte 45-minütige Tour für 10 Euro buchen. Für Kotor gilt, hat man sich zuvor ein wenig vorbereitet, kann man sich beide Angebote ersparen.

Riva-UferpromenadeDer Liegeplatz an der Mole war von der MSC Armonia belegt. Die Gäste der Celebrity Silhouette wurden an Land getendert. Von der Mole bis zum westlichen Stadttor, dem Seetor, gingen wir entlang der mit Palmen bestandenen Riva-Uferpromenade nur ein paar Hundert Meter. Von der Stadtmauer grüßt aus alter Zeit ein Relief des venezianischen Löwen. Venedig war zeitweilig die Schutzmacht Kotors. Vor dem Stadttor erteilt Kotors Tourist-Information den Tagesgästen gute Ratschläge.

Venedigs Löwe wacht über Kotor     Kotors Seetor

Kotor ist auf den ersten Blick kompakt und leicht überschaubar. Hinter dem Seetor liegt der Trg od Oružja. Der ist Kotors wichtigster Platz. Ins Deutsche übersetzt soviel wie „Waffenplatz“. Hier befand sich in früheren Zeiten das Arsenal. Daneben liegen der im 17. Jahrhundert erbaute Prinzenpalast, das Napoleonische Theater sowie der gewaltige Kampana Turm mit der Zitadelle. Dort kletterten wir zuerst auf die gewaltige Stadtmauer. Ihr folgten wir bis zum nördlichen Stadttor, dem Flusstor.

Kotor aus der Vogelperspektive

Kotor aus der Vogelperspektive


Kotors FlusstorTrotz des Handicaps einer vorausgegangenen Operation bestand der Ehrgeiz, hinauf zur Festung Sveti Ivan zu steigen, die circa 260 m hoch über der Stadt liegt. An der Marienkirche, kurz hinter dem Stadttor, beginnt der Aufstieg. Dort wird eine kleine Weggebühr verlangt und von da an dürfen mehr als 1.300 Treppenstufen in Angriff genommen werden. Der Aufstieg soll 60 bis 90 Minuten dauern. Der Weg ist beschwerlich. Die Stufen sind unregelmäßig hoch, ausgetreten und manchmal fehlen sie gänzlich. Fantastische Ausblicke auf Kotor und die Bucht entschädigen jedoch für die Mühen. Wir gingen den Weg nicht zu Ende, sondern kehrten unterhalb der Kapelle Unserer Lieben Frau um.

Marienkirche     Festung Sveti Ivan

Wegstation zur Festung - Die Kapelle Unserer Lieben Frau  

Wegstation zur Festung - Die Kapelle Unserer Lieben Frau


Gurdic BastionNach der Rückkehr in den Ort starteten wir an der Marienkirche unseren Rundgang durch Kotor. Das erste Ziel war das südliche Gurdic-Stadttor als ein Element der gewaltigen Gurdic-Bastion. Wer die erklettert, darf sich auf einen schönen Ausblick auf das südliche Ende der Bucht von Kotor freuen. Auf dem Weg zum Gurdic-Tor wurden der Grubonja Palast aus dem 16. Jahrhundert, das düstere Gefängnis und die venezianischen Kasernen passiert.

Aufstieg zur Gurdic Bastion     Blick von der Gurdic-Bastion

Kathedrale des Hl. TryphonWahrzeichen der Stadt ist die St. Tryphon Kathedrale. Vom Gurdic-Tor kommend führt der Weg am venezianischen Militärhospital und am Rathaus vorbei zum Trg Sveti Tripuna, den Tryphon-Platz. Zugegeben, wir sahen schon größere Bischofssitze. Die Kathedrale ist jedoch sehenswert. Das Bauwerk vereint Elemente der Romanik und der byzantinischen Architektur. Es wurde im Jahr 1166 nach 42 Jahren Bauzeit fertiggestellt. Die Kirche soll eine der bedeutendsten Schatzkammern des Mittelalters im mediterranen Bereich besitzen.

Innenraum der Kathedrale mit dem Ziborium

Innenraum der Kathedrale mit dem Ziborium


Erinnerung an BesatzungszeitenDie Kathedrale liegt am Tryphon-Platz. Dort steht auch Kotors Rathaus. Eine Plakette kündet davon, dass es im 19. Jahrhundert dem Austro-Ungarischen Generalstab Unterkunft bot. Nicht zu übersehen ist auch das historische Archiv Kotors. Noch ein Gebäude in der Nähe der Kathedrale wäre zu nennen. Es ist der wegen seiner gotischen Fenster gerühmte Drago-Palast. Er wurde von einer der bedeutendsten Familien Kotors errichtet. Grundsätzlich gilt, dass in Kotor der Begriff des „Palasts“ nicht allzu eng gefasst werden sollte. In unseren Augen sind die Paläste eher stattliche Bürgerhäuser. – Im Übrigen säumen viele Bars, Cafés und Restaurants den Platz. Wir gönnten uns vor der ehrwürdigen Kulisse eine Erfrischung.

Das historische Archiv Kotors

Das historische Archiv Kotors


Ikonostase der St. Lukaskirche Ikonen in der St. LukaskircheAuf den Drago-Palast folgt die im 12. Jahrhundert entstandene St. Lukaskirche. Von den äußeren Maßen wirkt sie eher bescheiden. Sie wurde im romanischen Stil errichtet und im 17. Jahrhundert nach dem Zuzug vieler orthodoxer Christen der orthodoxen Kirche übergeben. Bemerkenswerte Ikonen schmücken die Kirche. Sehr freundlich war der Pope, der es sich nicht nehmen ließ, den Autor dieser Zeilen vor der Ikonostase fotografisch zu verewigen. Vielen Dank.

 

Kirche des Hl. NikolausIn Sichtweite der St. Lukaskirche liegt die Kirche des hl. Nikolaus. Das im byzantinischen Stil errichtete Gotteshaus stammt aus dem Jahr 1909. Das ist für Kotors Verhältnisse kein nennenswertes Alter. Ihre umfangreiche Ikonensammlung hat die Kirche bekannt gemacht.

Der Kirche gegenüber stehen die Reste des Dominikanerklosters und das Franziskanerkloster der hl. Klara. Das Prunkstück der Kirche ist der gewaltige Barockaltar eines venezianischen Künstlers aus dem Jahr 1708. Unmengen von Marmor wurden in diesem Altar verbaut.

Marmoraltar des Franziskanerklosters der Hl. Klara

Marmoraltar des Franziskanerklosters der Hl. Klara


Grgurina-PalastDer Lombardic-PalastWeitere „Prachtbauten“ ehemaliger reicher Handels- und Adelsfamilien sind der Grgurina-Palast, er beherbergt heute das maritime Museum, der Lombardic-Palast und der Palast derFamilie Pima. Diese Gebäude passierten wir auf dem Weg zum Prinzenpalast. Hinter ihm erhebt sich das Napoleonische Theater. Ihm gegenüber steht das eher unscheinbare ehemalige Zeughaus aus dem 15. Jahrhundert, das dem Waffenplatz seinen Namen gab. Den Platz komplettieren der Turm der Stadtwache und der Uhrenturm von 1602.

Palast der Pima-Familie

Palast der Pima-Familie


Uhrenturm

Uhrenturm


Turm der StadtwacheUnser Resümee zu Kotor: Montenegros Tourismuswerbung definiert Kotor hinsichtlich seiner Kultur und des kulturellen Mix’ als renommierteste Stadt Montenegros. Die Stadt fasziniert den mit dem Kreuzfahrtschiff anreisenden Besucher mit ihrer umgebenden, einmaligen Landschaft sowie mit ihrer mittelalterlichen Stadtansicht. Wer sich den Mühen des Aufstiegs zur Festung Sveti Ivan unterzieht, erhält beste Einblicke in das Häuser- und Straßengewirr Kotors.

Kirchen und Paläste, enge Gassen und schöne Plätze, hübsche Lokale und gewaltige Bastionen haben wir auf unserem Streifzug durch Kotor bewundert. In vielen Bars, Cafés und Restaurants wird für das Wohlergehen des Gasts gesorgt. Wir wurden gut und erstaunlich preiswert bedient. Freundliche Menschen kümmerten sich um uns und - Katzenliebhabern wird es gefallen – in Kotor leben viele schöne Katzen. In einem Laden sahen wir ein Poster, das die Katzen von Kotor zeigt. Unsere Favoriten waren die Folgenden.

Kotors Katzen     Kotors Katzen

Kotors Katzen     Kotors Katzen

In Kotor haben wir uns gern aufgehalten.