Kusadasi und Ephesos


hr als 130 kleine und große Kreuzfahrtschiffe nahmen im Jahr 2019 Kurs auf die türkische Hafenstadt Kuşadası. Kreuzfahrtschiffe laufen die 100 Kilometer südlich von Izmir gelegene Stadt wegen ihrer Nähe zur UNESCO Weltkulturerbe-Stätte Ephesos an. Wir besuchen die Stadt mit Royal Caribbeans Mariner of the Seas.

Ephesos ist eine der größten und bedeutendsten archäologischen Fundstellen weltweit. Deshalb möchten wir sie sehen. Als unabhängig agierende Kreuzfahrt-Teilnehmer tendieren wir grundsätzlich zu individuellen Ausflügen. Nur wenn es unvermeidlich ist, schließen wir uns einer Gruppe an. Was Kuşadası anbelangt ist die Aufenthaltsdauer unseres Kreuzfahrtschiffser knapp bemessen. In Hinblick auf die Fülle der antiken Ruinen halten wir es für empfehlenswert, uns einer geführten Tour anzuschließen. Zwischen zwei Varianten dürfen wir wählen.

Kuşadası - Kreuzfahrtschiffe


Kuşadası - Kreuzfahrtschiffe


Ephesos - Mazeus Tor


Ephesos - Mazeus Tor 


Variante 1 – Buchung einer Tour beim Kreuzfahrtunternehmen

Die bequemste Form ist die Buchung eines Landausflugs beim Kreuzfahrtunternehmen. Royal Caribbean verlangt 79,00 US-Dollar für den geführten Ausflug nach Ephesos. Wir wären mit bequemen Reisebussen in einer größeren Gruppe gereist, und hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ziel angekommen am hinteren Ende der Gruppe nicht verstanden, was der Führer vorne sagt.

Variante 2 – Wahl eines unabhängigen Veranstalters

Für den individuellen Ausflug bieten sich Taxifahrer oder private Agenten an. Für die Fahrten werden Preise zwischen 60,00 und 100,00 Euro genannt. Teilt man sich zu viert ein Taxi, ist der Fahrpreis akzeptabel. Der Taxifahrer setzt die Gäste am Ziel vor dem oberen Tor der Grabungsstätte ab und erwartet sie eine Stunde später am unteren Tor.

Ephesos - Eingangsbereich am Oberen Tor

Ephesos - Eingangsbereich am Oberen Tor


Wir entscheiden uns gegen ein Taxi und für eine geführte private Tour. Im modernen Kreuzfahrtterminal befinden sich diverse Geschäfte und das Büro der Kropki Organization & Travel Agency, eine überregional operierende Agentur. Der Anbieter ist nicht zu übersehen, da ständig ein Mitarbeiter aus dem Fenster lehnt und Vorübergehende zu Touren einlädt. Pro Person werden 20,00 Euro für die Tour verlangt. Inkludiert sind Versicherung, ein klimatisierter Minibus in erstklassigem Zustand und ein Guide, der die Tour fachkundig führt. Nicht enthalten sind die Eintrittsgelder zu den Sehenswürdigkeiten. Besucht werden im Verlauf von vier Stunden das Gottesmutterhaus, sieben Kilometer oberhalb von Ephesos, die Ausgrabungen von Ephesos und die Reste des Artemis-Tempels in Selçuk.

Kuşadası - Kreuzfahrtschiffe


Kuşadası - Kreuzfahrtterminal


Kuşadası - Kreuzfahrtschiffe


Kuşadası - Kreuzfahrtschiffe 


Für den Zutritt zum Haus der Gottesmutter Maria und zum Ausgrabungsbereich von Ephesos fallen Eintrittsgelder von jeweils 20 Türkische Lira (2,50 Euro) an. Die Fahrt kostet uns somit 25,00 Euro pro Kopf. Der Besuch des Hauses der Gottesmutter Maria ist fakultativ. Wer nicht an der Pilgerstätte interessiert ist, bleibt vor dem Tor und wartet auf die Rückkehr der Gruppe. Eintritt wird in diesem Fall nicht erhoben. Nimmt man an beiden Programmpunkten teil, ist die Tour im Vergleich zu den von der Reederei geforderten 79,00 US-Dollar spottbillig. Der Hauptvorteil dieser Tour ist nicht der Preis, sondern die durch die kleine Reisegruppe gebotene Flexibilität.

Das Gottesmutterhaus – das Haus der Mutter Maria

Das Ausflugsprogramm beginnt mit dem Besuch des Gottesmutterhauses. Das Haus liegt am Bülbül Dağı, dem Nachtigallenberg, sechs Kilometer oberhalb von Ephesos in 380 Meter Höhe über dem Meer. Der Legende nach habe dieser Ort Maria, der Mutter Jesu, einst als zeitweiliger Wohnsitz gedient. Später wurde auf dem Hügel ein byzantinisches Kirchen- oder Klostergebäude errichtet. Ein parkähnliches Gelände umgibt die Kultstätte mit dem großen Taufbecken und der eigenen Quelle. Bei dem aktuellen Bau handelt es sich um die Rekonstruktion eines Gebäudes.

Haus der Mutter Maria
Das historische Taufbecken am Gottesmutterhaus
Haus der Mutter Maria - Gartenanlage
Wunschzettel am Haus der Mutter Maria


Die Mauer der Quelleinfassung trägt Tausende von Pilgern hinterlassene Zettel mit Gebetswünschen. Einmal im Jahr werden die Zettel entfernt und verbrannt. Wir vermögen die Bedeutung der ruhigen und gepflegten Stätte für die Gläubigen nicht einzuschätzen. Sie dürfte groß sein; drei Päpste besuchten bislang den Wallfahrtsort.

Das Gottesmutterhaus ist nicht allein ein christliches Pilgerziel. Muslime verehren dort Maryam, die Mutter des Propheten ʿĪsā ibn Maryam.

 

 

Die Ruinen von Ephesos

Die Besichtigung des weitläufigen, eingezäunten Geländes startet am oberen Tor. Nach einführenden Erklärungen unseres Guides folgen wir dem Weg bergab. Unserem Begleiter zufolge war Ephesos ehemals die zweitgrößte Stadt des römischen Imperiums. In Beschreibungen ist nachzulesen, dass die ehemalige Handels- und Hafenstadt annähernd 200.000 Einwohner hatte. Das klingt unfassbar und legt den Schluss nahe, dass noch viel Bausubstanz unter der Erde begraben liegt.

Auf unserem Weg ins Tal fallen uns 17 Sehenswürdigkeiten auf. Nicht alle bedürfen einer speziellen Erwähnung. Bemerkenswert fanden wir die oberen Bäder und die Agora mit dem Rathaus. Von Bedeutung sind das Odeion, ein kleines Theater mit 1.400 Plätzen, und die Gemeinschafts-Latrine, die gleichzeitig 48 weniger privilegierten Römern Platz bot. Die höheren Stände genossen im Gegensatz dazu in ihren Villen allen Komfort der damaligen Zeit.

Ephesos - Eingangsbereich
Ephesos - die Varius Bäder
Ephesos - das Odeion
Ephesos - Pryntaneion - Reste des Rathauses
Ephesos - die Markt-Basilika
Ephesos - das Memmius Monument
Ephesos - der Domitian Tempel
Ephesos - Standbild der Nike
Ephesos - Besuchermassen auf der Kuretenstraße
Ephesos - Standbild des Doktor Alexandros
Ephesos - der Trajan Brunnen
Ephesos - die Gemeinschaftslatrine


Auf die Latrinen folgen der Hadrianstempel und die Celsus-Bibliothek. Die Bibliothek wird als die drittgrößte der Antike beschrieben. An die Celsus-Bibliothek schließt ein Areal mit Läden und Werkstätten an. Gigantisch wirkt das Große Theater, das 24.000 Plätze aufwies. Bis vor wenigen Jahren wurden noch Veranstaltungen im Amphitheater abgehalten.

Ephesos - der Hadrian Tempel
Ephesos - die Agora vor der Celsus Bibliothek
Ephesos - Ruinen von Terrassenhäusern
Ephesos - die Celsus Bibliothek


Nach dem Theater sehen wir die zum damaligen Hafen führende Straße. Ephesos war in seiner Blütezeit der wichtigste Hafen Kleinasiens. Später versandete der Hafen, und, der Niedergang der Stadt begann. Bemerkenswert war, dass 50 Laternen die Straße ausleuchteten.

Ephesos - die zum Großen Theater führende Marmorstraße
Ephesos - Mazeus Tor
Ephesos - ehemalige Werkstätten
Ephesos - Säulen vor dem Großen Theater
Ephesos - vor dem Großen Theater
Ephesos - Gymnasium vor dem Großen Theater
Ephesos - Zuschauerränge des Großen Theaters
Ephesos - zum Hafen führende Straße


Insgesamt dauert die Führung durch die Ruinen von Ephesos eineinhalb Stunden. Unser Tour-Guide ist sachkundig und routiniert. Am unteren Tor erwarten eine WC-Anlage, diverse stationäre und ambulante Händler sowie der Kleinbus die Teilnehmer des Ausflugs. Der bringt uns kurz darauf zum nächsten Ziel, dem Artemis-Tempel.

Unsere spezielle Empfehlung für Ephesos: Ausreichend Getränke mitnehmen!

Die Reste des Artemis-Tempels

Der Tempel der Artemis galt einst als eines der Sieben Weltwunder der Antike. Das Heiligtum lag in einem flachem Gelände, das später versumpfte. In der Gegenwart sind lediglich die Grundmauern und ein paar Säulenreste zu erkennen. Nichts von dem, was auf die ehemalige hellenistische Pracht schließen lässt. Der Tempel bestand vollständig aus Marmor. Die 17,50 Meter hohen Säulen und ihre Kapitelle waren kunstvoll gestaltet. Die schönsten Fundstücke des Tempels besitzt das London British Museum.

Selçuk - Tempel der Artemis - Säulenrest

Selçuk - Tempel der Artemis - Säulenrest


Resümee des Landausflugs

Der Ausflug nach Ephesos dauert rundgerechnet 4½ Stunden. Abgesehen von dem uns überflüssig erscheinenden Besuch einer am Wege liegenden Teppichmanufaktur ist die Fahrt das Geld wert und unverzichtbar.

Kuşadası zum Abschluss

Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Mariner of the Seas, verlassen wir erneut das Schiff, um etwas von Kuşadası zu sehen. Zuerst wenden wir uns in Richtung Pigeon Island, einer Felsinsel. Ein Damm verbindet die Insel mit dem Festland. Bemerkenswert an der Insel ist ein von Mauern umgebenes Kastell. Vom Damm starten kleine Boote zu Rundfahrten. Eine Seite der Insel besitzt einen Strandabschnitt.

Kuşadası - die Taubeninsel
Kuşadası - Uferpromenade
Kuşadası - Basar
Kuşadası - Mehmet Pasha Karawanserei


Den in Sichtweite des Kais der Kreuzfahrtschiffe liegenden Basar besuchen wir nicht. Stattdessen wenden wir uns der properen Promenade zu. Unser abschließender Eindruck: Kusadasi ist ein gepflegter Ferienort mit vielen Läden, Lokalen und diversen Aktivitäten. Nicht mehr und nicht weniger.

Kuşadası - Strandpromenade


Kuşadası - Strandpromenade


Kuşadası - Strandpromenade


Kuşadası - Strandpromenade


Update Februar 2021