Ein Tag auf La Gomera


Unter den sieben Hauptinseln der Kanaren ist die 370 Quadratkilometer große Insel La Gomera die zweitkleinste des Archipels. Mehr als 40 Mal pro Jahr laufen Kreuzfahrtschiffe deutscher und internationaler Kreuzfahrt-Reedereien die Inselhauptstadt San Sebastián de la Gomera an.

Ausflugs- und Erlebnisangebote der Kreuzfahrt-Reedereien

Die von den Veranstaltern ersonnenen Tourenvorschläge stellen uns nicht zufrieden. Uns interessieren nicht die „Inselrundfahrt mit Besuch auf einer Eselfarm“, ein „Ausritt auf La Gomera oder die „Wal- und Delfinbeobachtung vor der Küste“.

Eine Alternative ist die Anmietung eines Autos. Stationen der Autovermieter finden Interessenten zum Beispiel im kleinen Kreuzfahrt-Terminal. Die erst nach den 1960er Jahren gezielt ausgebauten Straßen sind bequem zu fahren. Der Verkehr hält sich in Grenzen; Begegnungen im Straßenverkehr sind rar. Alles in allem sind das beste Bedingungen für eine Inselrundfahrt mit einem Mietwagen.

San Sebastián auf La Gomera - Kreuzfahrtterminal und Stadtstrand

San Sebastián auf La Gomera - Kreuzfahrtterminal und Stadtstrand


Auf unserer Tourenplanung stehen die Nordostküste mit Agulo, der Roque Cano bei Vallehermoso, der Garajonay Nationalpark und das an der Westküste La Gomeras liegende malerische Valle Gran Rey. Wir werden circa 120 Kilometer mit dem Mietwagen absolvieren, und die schönsten Ausblicke der Insel warten auf uns.

Vallehermoso mit dem Roque Cano

Den Wagen übernehmen wir am Kreuzfahrt-Terminal. Auf der gut ausgebauten Landstraße GM-1 fahren wir nordwärts nach Hermigua und weiter nach Agulo. Bei El Molinito sehen wir erstmals bewusst die am Berghang angelegten und für landwirtschaftliche Zwecke genutzten Terrassen. Es ist schwer vorstellbar, welch immenser Arbeitsaufwand mit der Anlage der Terrassen verbunden war.

Terrassen bei El Molinito


Terrassen bei El Molinito


Wasserreservoir bei Mulagua


Wasserreservoir bei Mulagua 


Bei Mulagua sehen wir inmitten grüner Landschaft eines der vielen für La Gomera typischen Wasserreservoire. Bald darauf wähnen wir uns im subtropischen Regenwald des Garajonay Nationalsparks. Ein Blick in die Karte belehrt uns eines Besseren. Wir fahren in Richtung der von hohen Bergen umgebenen Kleinstadt Hermigua.

La Gomera - terrassiertes Agrarland

La Gomera - terrassiertes Agrarland


Roques de San Pedro

Im Ortsteil Monteforte ragen die Zwillingsfelsen Roques de San Pedro in den Himmel. Bei dieser bemerkenswerten Landschaftsmarke handelt es sich um zwei Vulkanschlote. Nahebei liegt das einstige Dominikanerkloster El Convento de Santo Domingo. Die Bauzeit betrug mehrere Jahrhunderte. Folglich vereint es unterschiedliche Baustile. Bemerkenswert sind die gotischen Bögen, die toskanischen Säulen und die von Spanien beeinflusste Mudéjar-Architektur.

Roques de San Pedro


Roques de San Pedro


El Convento de Santo Domingo


El Convento de Santo Domingo 


Im tiefergelegenen Zentrum von Hermigua steht die in den 1920er-Jahren errichtete schlichte Pfarrkirche Nuestra Señora de la Encarncacíon. Ihr besonderes Merkmal ist ein auffällig hoher Turm.

Nuestra Señora de la Encarncacíon

Nuestra Señora de la Encarncacíon


In der dem Meer zugewandten Region um Hermigua liegt La Gomeras Zentrum des Bananenanbaus. Zwischen Hermigua, Santa Catalina und Agulo sehen wir, soweit die Augen reichen, nichts als Bananenplantagen.

Landschaft bei Hermigua


Landschaft bei Hermigua


Bananenplantagen bei Santa Catalina


Bananenplantagen bei Santa Catalina


Agulo, die kleinste Gemeinde der Insel, ersparen wir uns. Kenner sprechen von La Gomeras schönstem Dorf. Dessen Attraktionen sind – wie zu hören ist – verwinkelte Gassen, schöne Bauten aus Kolonialzeiten und die Pfarrkirche San Marcos. Das Wahrzeichen des Ortes ist eine riesige rote Felswand.

Ein weiterer Blickfang ist der Roque Cano. Er ragt bei Vallehermoso weit über das Niveau der umgebenden Felsen empor.

La Gomera - Roque de Cano

La Gomera - Roque de Cano


Besuch des Garajonay Nationalparks

Wir folgen der GM-1. Unser nächstes Etappenziel ist Arure. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir Teile des Garajonay Nationalparks, der seit 1986 von der UNESCO als Weltnaturerbe gewürdigt wird. Der Nationalpark umfasst zehn Prozent der Inselfläche. Dort liegt der flächenmäßig größte Lorbeerwald der Kanarischen Inseln. Die zweite Besonderheit ist der immergrüne subtropische Regenwald mit mannshohen Farnen, Baumheide, Moosen, Flechten und vielen anderen Gewächsen. Einmalig und abwechslungsreich ist die umgebende Landschaft. Sie bietet einzigartige Blicke auf Vulkankegel, Schlote und tief eingeschnittene Täler.

Subtropische Vegetation hinter Mulagua
Wolkenbänke im Garajonay Nationalpark
Landschaft bei Arure
Wasserreservoir bei Arure

 

 

Die Terrassenlandschaft des Valle Gran Rey

Hinter Arure führt die serpentinenreiche Straße bis auf Meeresniveau hinunter ins Valle Gran Rey. Das tiefe Tal bezaubert seine Besucher mit terrassierten Nutzflächen. Palmen und weite Bananenplantagen dominieren die Hänge. Dazwischen liegt eine Vielzahl kleiner Häuser. Die Landschaft zog in den 1970er Jahren Hippies an.

Valle Gran Rey - Los Granados

Valle Gran Rey - Los Granados


Im Eingangsbereich des Tals liegt in einer Kurve der Mirador del Palmarejo. Der aus Lanzarote stammende Architekt und Künstler César Manrique hat ihn gestaltet. Folglich wird er umgangssprachlich Mirador César Manrique genannt. Der aus Lavasteinen errichtete unauffällige Bau beherbergt ein Restaurant und eine Touristen-Information. Beide Einrichtungen sind verschlossen. Eine vorgelagerte Aussichtsterrasse ist geöffnet. Sie bietet einen unvergleichlichen Blick in das überwältigend schöne Tal.

Mirador César Manrique


Mirador César Manrique


Mirador César Manrique - Metallobjekt


Mirador César Manrique - Metallobjekt 


Eine einzige Zufahrtsstraße führt nach Vueltas, der wenig attraktiven Hafenzone des Tals. Während der Fahrt hinunter zum Meer bieten sich ständig neue, faszinierende Ausblicke auf steil aufragende Felsen, kleine, gepflegte Orte, terrassiertes Agrarland und viele Palmen. Was die Terrassen anbelangt, fühlen wir uns wie nach Bali versetzt.

Valle Gran Rey - El Retamal
El Retamal im Valle Gran Rey
Valle Gran Rey - Lomo del Balo
Valle Gran Rey - Mirador el Palmarejo


Im Hafen von Vueltas liegen die Fischerboote; von dort starten die Whale-Watching-Touren und die zu den Los Organos-Klippen im Norden der Insel fahrenden Schiffe. Der Stadtstrand Playa de Argaga unter der gigantischen rotbraunen Felswand enttäuscht uns. Im Übrigen bietet der verwinkelte Ort Vueltas alles, was einen spanischen Ferienort ausmacht: Hotels, Bars, Restaurants und Läden.

Strandabschnitt bei Vuelta


Strandabschnitt bei Vuelta

Das Meer bei Vuelta


Das Meer bei Vuelta


Wir fahren zurück nach San Sebastián

Wir verlassen Vueltas und folgen der Straße bis zum Dorf Arure. In einem Laden kaufen wir eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Die Ladeninhaberin besteht darauf, dass wir einen heimischen Honigschnaps probieren, den die beiden mit anwesenden Anwohner ebenfalls konsumieren.

La Gomera - Häuser in Arure

La Gomera - Häuser in Arure


So gestärkt fahren wir weiter, bis wir zur Einbiegung der GM-2 gelangen. Die Straße führt nach San Sebastián de la Gomera, und quert dabei den Garajonay Nationalpark. Die Fahrt durch den Nationalpark ist unvergleichlich schön. Die Strecke verläuft in großer Höhe durch den Park und am Park entlang. Die Sonne scheint, in den Tälern liegen die vom Passatwind aufgetürmten Wolkenbänke. Wir stoppen an jedem Aussichtspunkt und staunen. Gäbe es nicht die gut ausgebaute Straße, fühlten wir uns in ein Land hinein versetzt, das erst vor Kurzem erschaffen wurde.

Mirador de Roque de Tajaque
Mirador de los Roques
Mirador de Roque de Tajaque
Mirador de los Roques


Vor San Sebastián verliert das Gelände seinem Reiz, was damit zusammenhängt, dass wir das Gebirge verlassen haben. Wir geben den Mietwagen an der Station zurück und gehen hinüber ins Stadtzentrum.

Sehenswürdigkeiten in San Sebastián

An der Plaza de las Américas liegt das mit Holzbalkonen geschmückte Rathaus.

Sehenswert ist die Pfarrkirche Iglesia de la Asunción (Mariä Himmelfahrt). Sie ist die größte Kirche der Insel. Nach 1618 wurde sie in dreischiffiger Bauweise errichtet. Der Altar, die Holzdecke und Holzarbeiten im maurischen Stil sind bemerkenswert.

Das Museum Casa de Colón rühmt sich, Kolumbus bei seiner ersten Atlantikquerung im Jahr 1492 beherbergt zu haben. De facto stammt das zur Straße hin unscheinbar wirkende Haus erst aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Das Museum repräsentiert die nautische Geschichte der Insel.

Last, but not least, ist da noch das Monumento de La Torre del Conde. Der 1447 errichtete Wehrturm war ursprünglich ein Teil der Stadtbefestigung. Er liegt in einer Grünanlage und befindet sich im Originalzustand.

Plaza de la Constitución
Plaza de la Constitución


Die von hohen Bäumen umschlossene Plaza de la Constitución lädt mit Bars und Kiosken zum Ausruhen und Entspannen ein. Nach einer Pause in einer Bar gehen wir zurück zu Mein Schiff 4. Der abschließende Weg ist nicht lang.

Update Februar 2021