Autor: Karl W. P. Beyer

Im Februar und März 2017 kreuzen wir 14 Tage mit der Costa neoRomantica im Indischen Ozean. Eines der Ziele ist das französische Überseegebiet La Réunion. Dort liegt das Schiff anderthalb Tage im Hafen von La Possession an der Nordküste der Insel.

Den ersten halben Tag nutzen wir für einen intensiven Stadtrundgang in der Inselhauptstadt Saint Denis. Für den zweiten Tag ist ein mehr als achtstündiger Tagesausflug auf der 2.512 km² großen Vulkaninsel vorgesehen. Wir wissen, dass wir dabei nicht alle Highlights der Insel sehen können. Zumindest aber werden wir die Vulkanebene des Piton de Fournaise sehen; dieses Ziel überragt nach unserer Einschätzung alles Übrige.

La Réunion - Am Cruise Terminal von La Possession

La Réunion - Am Cruise Terminal von La Possession


Der Reihe nach: Am einfachen, urigen Cruise Terminal von La Possession nehmen wir mit sechs Gefährten ein achtsitziges Sammeltaxi und starten unseren Tagesausflug. Der führt uns zuerst in südlicher Richtung über die Küstenautobahn N 1. Der Fahrer passiert den Nachbarort Le Port, von dort waren wir am Vortag nach Saint Denis gestartet, und danach Saint Paul und Saint Louis. Die Autobahn folgt dem Küstenverlauf in beachtlicher Höhe. So können wir zwischendurch schöne Blicke auf das Meer und auf das noch relativ flache Binnenland genießen.

La Réunion - Autobahn in südlicher Fahrtrichtung La Réunion - Landschaft im Westen der Insel La Réunion - Der die Insel umgebende Indische Ozean

 

Das Hochplateau Plaine des Cafres

Vierzig Minuten nach dem Start erreicht der Kleinbus die Gemeinde Le Tampon. Sie markiert den eigentlichen Zugang zum Hochplateau Plaine des Cafres. Mit der Namensgebung leistet sich die ehemalige Kolonialmacht eine kleine politische Unkorrektheit, denn der Name ist von entflohenen Sklaven abgeleitet, die sich im 18. Jahrhundert in dem verzweigten Gebiet versteckten.

La Réunion - Einzelner Baum auf dem Hochplateau Plaine des Cafres La Réunion - Das Hochplateau Plaine des Cafres

La Réunion - Das Hochplateau Plaine des Cafres La Réunion - Blick auf das Hochplateau Plaine des Cafres

Heutzutage ist die Hochebene das Zentrum der Milchwirtschaft von La Réunion. Die Almen ähnelnden Weideflächen und die Rinderherden lassen Gedanken an liebliche Gegenden des Allgäus oder der Schweiz aufkommen. An einem Haltepunkt zeigt uns der Fahrer den höchsten Berg der Insel und vermutlich der gesamten Region des Indischen Ozeans, den 3.069 Meter hohen Piton des Neiges. Geologen nehmen an, dass das Massiv vor etwa 2 Millionen Jahren entstand. Die letzten Eruptionen sollen 20.000 Jahre zurückliegen. Der Name hält nicht was er verspricht; trotz der Höhe ist von Schnee weit und breit nichts zu sehen.

La Réunion - Der Piton des Neiges

La Réunion - Der Piton des Neiges


Der Aussichtspunkt Nez de Boeuf

Der Kleinbus hat mittlerweile und fast unbemerkt 2.050 Meter Seehöhe erklommen. Die nächste Station ist der Aussichtpunkt Nez de Boeuf, die „Nase des Ochsen“. Aus der Höhe bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf die tief unter uns liegende Plaine des Cafres und das Flusstal des Rivière des Remparts.

La Réunion - Blick vom Aussichtspunkt Nez de Boeuf La Réunion - Blick vom Aussichtspunkt Nez de Boeuf La Réunion - Am Aussichtspunkt Nez de Boeuf

 

Die Plaine des Sables

Als Nächstes folgt einer der Höhepunkte der Rundfahrt: Die Plaine des Sables, das riesige unter uns liegende Areal, wirkt wie mit Planierraupen eingeebnet. Wohin wir auch schauen, sehen wir überall rötliche, vulkanische Schlacken. An Vegetation mangelt es dem Terrain dagegen völlig. So stellen wir uns die Mond- oder Marslandschaft vor. Hochaufragende Basaltplateaus schließen die unwirtlich scheinende Region an den Seiten ab.

La Réunion - Die Plaine des Sables La Réunion - Die Plaine des Sables

Um zum Vulkan Piton de Fournaise zu gelangen, muss die unter uns liegende Ebene durchquert werden. Nach ein paar Haarnadelkurven fährt unser Bus auf einer schnurgeraden Straße durch die Schlackenwüste.

La Réunion - Abstieg zur Plaine de Sables La Réunion - Die Schlackenebene Plaine de Sables

 

Der Pas de Bellecombe

Das folgende Ziel ist der 2.311 Meter hohe Pas de Bellecombe, und zugleich der höchste Punkt unserer Tour. Am Pass steht an einem großen Parkplatz eine Schutzhütte. Von dem Bau starten Wanderrouten zum 2.632 Meter hohen Piton de la Fournaise und in die weitere Umgebung. Wir wandern nicht, sondern staunen über die unter und vor uns liegende unvergesslich schöne Landschaft.

La Réunion - Pas de Bellecombe - Das Relais du Volcan

La Réunion - Pas de Bellecombe - Das Relais du Volcan


Der Piton de la Fournaise, der Feuerberg, ist der letzte aktive Vulkan der Insel und einer der aktivsten der Welt. Die letzte Vulkanaktivität fand nur wenige Tage vor unserem Besuch statt. Lavaflüsse oder Rauchwolken sind jedoch nicht zu sehen. Der Vulkan ruht für kurze Zeit.

La Réunion - Der Piton de la Fournaise La Réunion - Die Enclose Fouque-Ebene

Archaisch wirkt die Enclose Fouqué-Ebene zwischen dem Vulkan und der Rempart de Bellecombe. Mittendrin erhebt sich der kleine Krater Formica Leo. Der von der Höhe eher klein wie eine Schildkröte aussehende Krater hat immerhin einen Durchmesser von 100 Metern. Erkaltete Lavaflüsse sind den Hang des Piton de la Fournaise hinabgelaufen. - Alles in allem präsentiert sich die Vulkanregion bei bestem Wetter. Es wäre unverzeihlich gewesen, diesen Ort nicht gesehen zu haben.

La Réunion - Die Enclose Fouque-Ebene La Réunion - Krater Formica Leo

La Réunion - Erkaltete Lavaströme am Piton de la Fournaise La Réunion - Landschaft am Pas de Bellecombe

 

Cité du Volcan

Das nächste Etappenziel ist das auf der Plaine des Cafres liegende internationale Bildungs- und Wissenschaftszentrum Cité du Volcan.

La Réunion -Besucherzentrum Cité du Volcan

La Réunion -Besucherzentrum Cité du Volcan


Unter ansprechender Architektur wird auf circa 6.000 m² Fläche mittels vieler interaktiver Displays und Modelle die geologische Geschichte der Insel erzählt. Neun Euro Eintritt kostet die anspruchsvolle Präsentation.

La Réunion - Besucherzentrum Cité du Volcan La Réunion - Besucherzentrum Cité du Volcan

 

Die Wasserfälle von Salazie

Nach einer kurzen Mittagspause an der Cité du Volcan wird mit dem Tal von Salazie das letzte Tagesziel angesteuert. Dazu muss der Fahrer den Bus aus knapp 2.000 Meter Höhe zurück auf Meereshöhe bringen. Während der Fahrt werden uns wunderbare Ausblicke auf gigantische Felsen, weite, mit Bäumen und Büschen bewachsene Hänge, Serpentinen und tief unter uns liegende kleine Städte und das Meer geboten.

La Réunion - Bergland hinter Plaines des Cafres in Richtung Küste La Réunion - Blick auf die Ostküste

Der Bus folgt danach der Küstenautobahn N 2 für längere Zeit in nördlicher Richtung. Dann biegt der Fahrer in ein enges Flusstal ein. Das Tal verengt sich, steile Felsen ragen auf, manchmal blicken wir auf Basaltformationen, dann wieder auf viel Grün. Wir sehen Wasserläufe und halten schließlich an den Voile de la Mairée-Wasserfällen. Was so elegant klingt bedeutet nichts anderes als „Kopftuch der Braut“. - Die aus großer Höhe herabstürzenden Wasserfälle sind nicht die gewaltigsten Kaskaden der Insel; beeindruckend sind sie dennoch, vor allem mit zwei Wanderinnen im Vordergrund, die sich das Naturspektakel aus nächster Nähe ansehen.

La Réunion - Im Tal von Salazie La Réunion - Im Tal von Salazie La Réunion - Natur pur im Tal von Salazie

La Réunion - Cascade Voile de la Mariée La Réunion - Cascade Voile de la Mariée mit Wanderern La Réunion - Cascade Voile de la Mariée

Auf der Rückfahrt sehen wir noch die Kirche Notre Dame de l’Assomption in Salazie. Dann halten an einem Obststand mit merkwürdigen, Litschis ähnelnden Früchten. Unser Fahrer bietet uns an, das Obst zu probieren; es schmeckt prima. Nach einem letzten Blick auf die riesigen Felsen des engen Tals starten wir zu unserer gut einstündigen Rückfahrt zum Kreuzfahrtterminal und passieren auch die Inselhauptstadt Saint Denis.

La Réunion - Notre Dame de l' Assomption in Salazie La Réunion - Felsen im Tal von Salazie

 

Fazit

Unser kundiger Fahrer absolvierte mit dem Kleinbus in acht Stunden und zwanzig Minuten ein ausgezeichnetes Programm. Wir lernten La Réunion von seiner besten Seite kennen und sahen im Rahmen der „stramm“ organisierten Rundtour die wesentlichen touristischen Ziele. Eine vergleichbare Busreise wurde von Costa nicht offeriert, stattdessen beschränkten sich die Angebote der Reederei nur auf Teilziele.

Der Bus fuhr mit eingeschaltetem Taxameter. Die Schlussrechnung lag bei 311,30 Euro. Auf jeden der acht Teilnehmer entfielen somit nicht einmal 40 Euro. Im Vergleich dazu kosteten die von Costa angebotenen geringwertigeren Reisen mehr als das Doppelte. Am Kreuzfahrtterminal von La Possession werden die „freien“ Tour Anbieter von Mitarbeitern des Touristikbüros vermittelt.