Autor: Karl W. P. Beyer

Cinque Terre – Die uralte Kulturlandschaft

Die Cinque Terre, Portovenere und die vorgelagerten Inseln Palmaria, Tino und Tinetto gehören seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Landstrich symbolisiert der UNESCO zufolge, dass der Mensch behutsam in die Natur eingreifen kann, ohne das Landschaftsbild nachhaltig zu verändern. Zwei Jahre später wurde als zusätzliche Schutzmaßnahme der annähernd 4.000 Hektar große italienische Nationalpark Cinque Terre eingerichtet. Diese Aktion zielte darauf ab, das geschichtliche, kulturelle und natürliche Erbe des Parks zu bewahren. Zwanzig Jahre später wird die Maßnahme als Erfolg gewertet. Immer mehr der ursprünglich verfallenen Oliven- und Weinterrassen wurden wieder bewirtschaftet, und an Weinen gedeihen in der Region mit den Marken einige der bekanntesten Weine Italiens.

Cinque Terre - Riomaggiore

Cinque Terre - Riomaggiore


Die Cinque Terre sind ein weltbekanntes und stark frequentiertes Ausflugsziel. Warum sonst sollten Kreuzfahrtschiffe in La Spezia einen Zwischenhalt einlegen? Die Gesellschaften offerieren Ihren Gästen ab La Spezia vorzugsweise geführte Ausflüge in die nahe gelegenen Cinque Terre.

Nach unserem Dafürhalten erübrigen sich jedoch die teuren Schiffstouren, da die „5 Dörfer“ in Eigeninitiative auf einfache Weise mit Booten, Bussen und der Bahn erreichbar sind.

 

Portovenere – Das Tor zu den Cinque Terre

Zum Einstieg in die Cinque Terre empfehlen wir das 15 Kilometer von La Spezia entfernte Portovenere. Die ATC-Busse der Linie 11 verkehren regelmäßig zwischen La Spezia und Portovenere. Der weniger als 4.000 Einwohner zählende Ort gehört zwar nicht zu den Cinque Terre, dennoch ist er bereits das erste Highlight auf dem Weg in die „5 Dörfer“.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts übernahm die Seerepublik Genua die strategisch gut gelegene Siedlung mit dem Ziel, oberhalb des kleinen Küstenortes ein Bollwerk gegen die konkurrierende Republik Pisa zu errichten. Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine bemerkenswert große Festungsanlage.

Cinque Terre - Portovenere - Kastell Doria

Cinque Terre - Portovenere - Kastell Doria


Die Kleinstadt präsentiert sich heute entlang des Hafens mit einer Fülle von vorwiegend in variierenden Gelb- und Ockertönen gestrichenen Häusern. Eine enge Fußgängerstraße, die Via Giovanni Cappelini, führt durch Portovenere. Das Zentrum wird durch die Porta del Borgo betreten; so heißt das Tor in der alles überragenden Stadtmauer. Das Stadttor soll im Jahr 1113 erbaut worden sein; der die Mauer am Hafen abschließende Wehrturm entstammt dem Jahr 1161. Vor der Porta liegt die Touristeninformation. Die Via Cappelini lädt zum Bummel ein; sie bietet für italienische Urlaubsorte typische Läden aller Art und Restaurants. 

 

Portovenere Panorama Portovenere - Via Cappelini Portovenere - Historische Stadtmauer Portovenere - Festung und Wehrturm

 

Lange Treppentunnel führen von der Fußgängerstraße hinunter zum Kai und hinauf zur Umgehungsstraße. Pittoresker könnte es nicht sein. Wir könnten uns gut vorstellen, ein paar Tage im Grand Hotel am Ortseingang zuzubringen. Das liegt praktischerweise oberhalb der Anlegestelle der die Cinque Terre anlaufenden Touristenboote.

Portovenere - Stadttor von der Via Cappelini gesehen Portovenere - Hafen Portovenere - Grand Hotel Portovenere - Anlegestelle der Linienboote

 

Einige sehenswerte Bauten in Portovenere  …

… das Castello Doria

Die zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert erbaute Festung thront respektgebietend über dem Ort. Eine wuchtige Stadtmauer flankiert die Stadt. Von der Höhe des Kastells bieten sich vermutlich wunderbare Ausblicke auf die Stadt, das Meer und die vorgelagerten Inseln.

Cinque Terre - Portovenere mit Kastell Doria

Cinque Terre - Portovenere mit Kastell Doria


Die Anlage kann besichtigt werden.  Eintrittspreis: 5 Euro. Öffnungszeiten: von 10:30 bis 18:30 Uhr.

… die Kirche San Lorenzo

Die im oberen Teil des Ortes gelegene Pfarrkirche besitzt einen Campanile und eine Kuppel. Es ist belegt, dass das dreischiffige Gotteshaus im Jahr 1130 von Papst Innozenz II. geweiht wurde. Im Laufe der darauf folgenden Jahrhunderte fanden stetige Umbauten statt. Es versteht sich, dass San Lorenzo Relikte mehrerer Zeit- und Stilepochen aufweist.

Cinque Terre - Portovenere - San Lorenzo

Cinque Terre - Portovenere - San Lorenzo


… die Kirche San Pietro

Was auf den ersten Blick wie ein Schloss mit Rundtürmen und Mauern aussieht, ist eine Kirche. San Pietro ist zweifellos eine der Landmarken Portoveneres. Errichtet wurde das Gotteshaus in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts unter genuesischer Herrschaft auf einer schmalen Landzunge. Der Bau steht auf den Resten einer frühchristlichen Kirche und eines heidnischen Tempels. Außen und innen ist er mit markanten, umlaufenden weißen Bändern verziert. San Pietro ist ein Beispiel der gotischen, genuesischen Architektur in Ligurien.

Cinque Terre - Portovenere - San Pietro

Cinque Terre - Portovenere - San Pietro


 

Die Cinque Terre – Wie hinkommen?

Der einfachste und beste Weg in die „5 Dörfer“ ist der mit dem Boot. Daran halten wir uns. In Portovenere besteigen wir ein Linienboot und fahren in nordwestlicher Richtung an dem zerfransten und steil aufragenden Küstengebirge entlang. In den Hanglagen stehen in den Oliven- und Weinterrassen vereinzelt Häuser und Wirtschaftsgebäude. Dann und wann sehen wir in der Höhe kleine Ansiedlungen, deren Namen wir nicht kennen. Von oben muss es fantastische Ausblicke auf die Abhänge und das Meer geben. - Und überwältigend ist allerdings auch der Blick vom Meer auf das dicht geballte, vielfarbige Häusergewirr der nacheinander angesteuerten Orte.

Cinque Terre - Bergdorf

Cinque Terre - Bergdorf


 

Riomaggiore – Erster Haltepunkt des Bootes

Ein vorgelagerter Felsen schützt den kleinen Hafen von Riomaggiore. Es ist das erste und am weitesten östlich gelegene der  „5 Dörfer“. Anfang 2017 lebten dort weniger als 1.600 Einwohner. Die Zahl beinhaltet die Ortsteile Manarola, Volastra und Groppo.  Oberhalb des Hafens drängen sich farbenfrohe, hochaufragende Bauten auf engem Raum. Hinter dem kleinen Hafen liegen in sicherer Höhe Boote. Und weiter oben erstrecken sich die rekultivierten Oliven- und Weinterrassen. Auf mittlerer Höhe verläuft die markante Brücke der Küstenstraße. Vom Boot betrachtet wirkt die Kleinstadt sehr identisch.

Riomaggiore Panorama Riomaggiore Riomaggiore Riomaggiore - Strand

 

Die Via dell’Amore, ein am Uferfelsen entlang führender Fußweg, verbindet Riomaggiore mit dem westlich gelegenen Ortsteil Manarola. Es heißt, dass der Weg traumhaft schöne Ausblicke auf die Landschaft und das Meer ermöglicht.

Cinque Terre - Riomaggiore Via dell'Amore

Cinque Terre - Riomaggiore Via dell'Amore


Möglicherweise erproben wir den Weg am Nachmittag. Einstweilen bleiben wir an Bord.

 

Manarola – Küstenort in traumhafter Lage

Die zwischen Pisa und Genua verkehrenden Züge der Trenitalia halten auch im kleinen Manarola. Die Gemeinde ist Weinbauregion und Heimstatt von Fischern. Schon die Römer schätzten die hier gekelterten Sciacchetrà genannten Weiß- und Süßweine.

Cinque Terre - Manarola

Cinque Terre - Manarola


 

Vernazza – Endpunkt unserer Bootstour

Das ursprüngliche Fischerdorf Vernazza entstand um 1000 n. Chr. herum. Oberhalb des geschützten Hafens steht auf einem Felsvorsprung das Kastell Doria. Die sehenswerte Kirche der 900-Seelen-Gemeinde wurde im 13. Jahrhundert errichtet.

Vernazza - Kastell und Weinberge Vernazza Vernazza - Doria Turm Vernazza - Kirche Santa Margherita di Antiochia

 

Vernazza - Hafen Vernazza - Platz vor der Kirche Vernazza - Linienboot legt ab Vernazza - Kirchenschiff der Santa Margherita di Antiochia

 

In Vernazza verlassen wir das Boot, um mit dem Zug in westlicher Richtung in das benachbarte Corniglia zu fahren.

 

Corniglia – Zu Fuß entdecken

Die Lage des 250-Einwohnerortes unterscheidet Corniglia von den anderen Gemeinden der Cinque Terre. Der Ort liegt auf einem Felsvorsprung in etwa 100 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Auch dort umgeben weitläufige Weinterrassen den Ort.

Cinque Terre - Corniglia

Cinque Terre - Corniglia


Der Bahnhof von Corniglia liegt abseits, knapp über dem Meer. Ein Kleinbus bringt die mit dem Zug anreisenden Besucher regelmäßig hinauf ins Zentrum. Das ist die einfachste und zügigste Verfahrensweise. Schwieriger wäre ein Aufstieg über die Lardarina. Bei der handelt es sich um eine gemauerte Steintreppe mit mehreren Hundert Stufen; 377 Stufen und 33 Rampen sollen es exakt sein.

Cinque Terre - Kleinbus in Corniglia

Cinque Terre - Kleinbus in Corniglia


Urig geht es im Ortszentrum zu. Hübsche Läden, Bars und Restaurants säumen die Via Fieschi, die schmale zwischen den Häusern verlaufende Fußgängerstraße. Überwältigend ist der Ausblick von der Höhe auf das glasklare Meer. An nennenswerten Sehenswürdigkeiten mangelt es dagegen.

Corniglia - Via Fieschi Corniglia - Gefallenendenkmal in der Via Fieschi Corniglia - Ausblick in westlicher Richtung Corniglia - Ausblick in östlicher Richtung

 

Wir legen eine Rast im Caffé Matteo an einem kleinen Platz neben der Via Fieschi ein und lassen uns mit Essen und Wein verwöhnen, bevor wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof machen. Diesmal verzichten wir auf den Bus und steigen stattdessen die vielen Stufen der Lardarina hinunter.

Cinque Terre -Corniglia - Einstieg in die Lardarina

Cinque Terre -Corniglia - Einstieg in die Lardarina


Der Zug bringt uns am Nachmittag zurück nach La Spezia. Die Via dell’Amore sparen wir uns für einen Folgebesuch auf. In La Spezia bleibt uns noch genügend Zeit um durch die Stadt zu schlendern und um auf einer Terrasse einen Kaffee zu genießen.

 

Fazit

In Regionen wie den Cinque Terre bedauern wir es gelegentlich, dass im nahe gelegenen Hafen ein Kreuzfahrtschiff auf uns wartet, an dessen Fahrplan wir uns unbedingt halten müssen. Die fünf Dörfer wären eines jener Gebiete, in denen wir es ein paar Tage aushielten. Jene Schiffsgäste, die sich gegen die Cinque Terre und alternativ für gleichfalls organisierte Touren nach Florenz und Pisa entschieden haben, beneiden wir trotz der Strahlkraft dieser Städte nicht unbedingt.

 

Nützliche Hinweise

Die Busse der Linie 11 fahren regelmäßig in 10- bis 30-Minutenabständen nach Portovenere. In guter Lage zum Kreuzfahrtterminal hält die Linie 11 in der Via Vittorio Veneto am Haltepunkt Comune zwischen der Piazza Europa und der Piazza Bayreuth.

Das Tagesticket kostet 2,50 Euro. Die Fahrkarten kauft man im nahegelegenen Tabacchi. Nicht vergessen: Die Tickets sind im Bus zu entwerten.

Boote des Consorzio Marittimo Turistico verkehren mehrfach täglich zwischen La Spezia und den Cinque Terre. Der Startpunkt für solche Fahrten liegt in der Nähe des Kreuzfahrtterminals an der Wasserlinie am Yachthafen. Der Fußweg zum Ausflugsschiff nimmt circa acht Minuten in Anspruch.

Das Tagesticket für Erwachsene wird im Jahr 2017 zu 35 Euro verkauft.

Die einfache Bootsfahrt ab Portovenere nach Vernazza kostet für Erwachsene 18 Euro.

Für eine einfache 2. Klasse-Bahnfahrt mit Trenitalia von La Spezia nach Corniglia oder in umgekehrter Richtung sind 4 Euro aufzuwenden. Alle Bahnhöfe der Cinque Terre sind gut zugänglich.

 

(Karl Beyer – November 2017)