Autor: Karl W. P. Beyer

Zur einwöchigen Kanaren-Kreuzfahrt gehört häufig ein Zwischenstopp auf Lanzarote. AIDAstella, unser Kreuzfahrtschiff, legt an der unattraktiven Las Caletas-Mole im Hafen von Arrecife an. Etwas besser haben es die Passagiere der MS Albatros von Phoenix Reisen getroffen. Ihr Schiff liegt im Naos-Hafen, etwas näher zur Stadt.

Landschaft bei Teguise

Landschaft bei Teguise


Rundfahrt mit dem Taxi oder ein Auto mieten?

Für den Lanzarote-Aufenthalt legt AIDA Cruises unterschiedliche Tagesprogramme vor. Allerlei Interessantes ist dabei; doch wir sind Individualisten und suchen nach Alternativen. – Die eine Alternative wäre eine Rundfahrt mit einer der vielen Taxen, die vor dem Terminal warten. Es werden zwei Rundtouren anbieten. Eine führt in den Süden und hat die Montañas del Fuego, die „Feuerberge“, zum Ziel. Touren in den Norden führen zu den Jameos del Agua, zum Mirador del Rio und zum Jardin Cactus.

Die zweite Alternative ist die Anmietung eines Autos. Autovermieter haben ihren Standort am Hafen, nur wenige Meter hinter den Taxiplätzen. Ein wendiger Kleinwagen ist für 50 Euro zu haben. Hinzu kommen am Ende der Fahrt noch ein paar Euro für Benzin. Ein Mietwagen bietet grundsätzlich mehr Freiheit als ein Taxi, und preiswerter kommt er auch noch. Deshalb mieten wir ein Auto und starten zur Tour durch den Norden der Insel.

Den Mirador del Rio wollen wir als Erstes sehen

Zuerst fahren wir nach San Bartolomé. Der Ort liegt etwa in der Inselmitte. Uns interessiert das vom Architekten und Künstler César Manrique geschaffene Monumento al Campesino. Im Verlauf des Tages werden wir allerdings noch bedeutendere, mit dem Wirken von César Manrique verknüpfte Dinge sehen.

Monumento al Campesino

Monumento al Campesino


Für das etwa 15 Meter hohe Fruchtbarkeitsdenkmal wurden Wassertanks aus Fischerbooten verwendet. Um das weithin sichtbare Objekt wurden Nachbauten alter Häuser und ein Restaurant errichtet. In den Häusern wird Kunsthandwerk produziert. Das Monument würdigt die Leistung der Bauern.

Das nächste Ziel ist die vormalige Inselhauptstadt Teguise. Wir besuchen die Kleinstadt jedoch nicht wegen ihres weithin gerühmten Marktes, sondern wegen des Castillo de Santa Bárbara. Es thront in 135 Meter Höhe am Rande des Vulkankraters Guanapay. Die Festung mit Zugbrücke und kleinen Rundtürmen sollte vor allem im 16. Jahrhundert die Bevölkerung Teguises vor den regelmäßigen stattfindenden Piraten-Überfällen schützen. Das Bollwerk hielt allerdings nicht immer den Attacken stand. Es musste mehrfach wieder aufgebaut werden. Seit dem Jahr 1991 zeigt ein kleines Museum Wissenswertes über das Piratenwesen auf Lanzarote.

Teguise Castillo de Santa Bárbara

 

Unser hauptsächliches Tagesziel ist der Mirador del Rio im Norden der Insel. Zuerst passieren wir Haría, die Stadt der 1000 Palmen. Von der hochgelegenen Panoramastraße geht es in bequemen Serpentinen hinunter nach Haría. Uns erinnert der Ort mit den vielen Palmen und den kleinen, weißen Häusern an eine marokkanische Oasenstadt. Seine Palmen verdankt der Ort den Brautpaaren. Es ist Tradition, dass die Paare eine Palme pflanzen. Stellen sich später Kinder ein, folgen die nächsten Palmen. Mehrere Cafés und Restaurants bieten sich in Haría für eine Rast an. Auch wir nehmen dort eine Kleinigkeit zu uns.

Haría - Stadt der 1000 Palmen Haría - Straßenszene Das Rathaus von Haría Kirche in Haría

 

Hinter Haría steigt die Straße wieder an. Bis zum Mirador del Rio sind es nur noch wenige Kilometer. Die schmale Küstenstraße ist in gutem Zustand und einfach zu fahren. Nur bei Gegenverkehr wird es manchmal ein wenig eng. Linkerhand sehen wir den Abzweig zum Tropical Park von Guinate. Der ist heute nicht unser Ziel.

Wegweiser zum Guinate Tropical Park

Wegweiser zum Guinate Tropical Park


Den ganzen Tag über ist das Wetter wolkig und trübe, auf die Sonne hoffen wir seit Arrecife vergebens. Dennoch bieten sich von der Höhe spektakuläre Blicke auf die Landschaft und das Meer. Die Farben der Vulkan-Berge des Famara-Massivs sind einmalig. Nicht vorstellbar, wie es aussähe, wenn die Sonne schiene!

Vor vierzig Jahren, im Jahr 1973, begannen in 475 Meter Höhe über dem Meer die Arbeiten am Aussichtspunkt Mirador del Rio. Initiiert wurde das in die Felslandschaft eingebundene Bauwerk von César Manrique. Rechte Winkel waren unerwünscht. Die Räume des Cafés, die Aussichtsplattform und das Andenkengeschäft sind gerundet. Selbst der Parkplatz lässt Eckiges vermissen.

Am Mirador del Rio Mirador del Rio - nichts ist eckig

 

Von der Höhe bieten sich wunderbare Blicke auf die Meeresenge zwischen Lanzarote und der Nachbarinsel La Graciosa. Am Fuß des Felsmassivs liegt eine der Salinen Lanzarotes. Benachbart ist der Playa del Risco, der mit dem Boot oder über einen Wanderweg entlang der Steilwand zu erreichen ist. Wer sich im Bereich des Aussichtspunkts genauer umsieht, erkennt noch die Reste von Geschützbatterien. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts dort installiert.

Blick auf La Graciosa - Caleta del Sebo

Blick auf La Graciosa - Caleta del Sebo


Cueva de Los Verdes – Lavahöhle mit tollen Lichteffekten

Das nächste Etappenziel ist die auf Meereshöhe liegende Cueva de Los Verdes. Eruptionen des Volcan de la Corona schufen eine circa sieben Kilometer lange Lavaröhre. Sie führt bis unter den Meeresspiegel. Die geologische Besonderheit gehört zu den längsten Lavatunneln der Welt. Ein Kilometer des Tunnels wurde im Jahr 1964 für den Tourismus erschlossen. Spezielle Lichteffekte heben die Farben des Gesteins und seine fantastischen Formen hervor.

Cueva de los Verdes

 Cueva de los Verdes


César Manriques Meisterwerke

 Jameos del Agua

Auch César Manrique bediente sich der Lavaröhre, als er 1966 nebenan die Kulturstätte Jameos del Agua schuf. Anziehungspunkte unter der Erde sind eine Grotte mit Restaurant und einem kleinen See. In dem lebt eine Spezies weißer Albinokrebse, die ansonsten nur in Meerestiefen ab 2.000 Meter vorkommen. Oberhalb der Höhle gibt es ein weißes Schwimmbecken, einen künstlichen Wasserfall und ein geologisches Museum. Wesentlicher Teil der Anlage ist der unterirdische Veranstaltungssaal Los Jameos. Er bietet bis zu 600 Personen Platz.

Jameos del Agua - Eingangsbereich Jameos del Agua - Ausgangsbereich

 

Jardin de Cactus

Auch unser nächstes Ziel wurde von César Manrique beeinflusst. Es ist der Jardin de Cactus. Er liegt etwa 11 Kilometer von Jameos del Agua entfernt. Bevor wir den Kaktusgarten erreichen, passieren wir den Küstenort Punta de Mujeres. Das „Kap der Frauen“ ist ein unbedeutender, aber hübscher Küstenort. Es lohnt sich, die Hauptstraße zu verlassen und einen Blick in den Ort und auf das Meer zu werfen.

Küstenort Punta de Mujeres

Küstenort Punta de Mujeres


Der Jardin de Cactus wurde in einen ausgebeuteten Steinbruch angelegt. Auf dem Gelände wurde ein ausgedehnter Garten mit Kakteen eingerichtet. Das weithin sichtbare Merkmal des Gartens ist die funktionsfähige Gofio-Mühle. Dort wird noch heute das begehrte, traditionell aus Gerste hergestellte Mehl erzeugt.

Jardin de Cactus - Eingang Jardin de Cactus - Gofio Mühle

 

Fundación César Manrique

Ein Tag auf Lanzarote sollte den Besuch der Fundación César Manrique in Tahíche einschließen. Der Künstler wurde 1919 in Arrecife geboren. Nach Jahren der Tätigkeit außerhalb Lanzarotes kehrte er 1966 auf die Insel zurück. Neben seinem künstlerischen Schaffen nahm er Einfluss auf die Raum- und Bauplanung der Insel. Lanzarote befand sich in jener Zeit gerade in der touristischen Erschließung.

Eingang zur Fundación César Manrique

Eingang zur Fundación César Manrique


Die im Jahr 1982 gegründete Manrique-Stiftung fördert die künstlerische Tätigkeit in ihrem natürlichen und kulturellen Umfeld. Sie nutzt dazu das 1.800 Quadratmeter große ehemalige Wohnhaus César Manriques. Das Gebäude und andere Bauten stehen auf einem 30.000 Quadratmeter großen Grundstück. Das zweigeschossige Wohnhaus nutzte im unteren Teil fünf erschlossene Lavablasen zu Wohnzwecken. Besuchern wird sowohl der Wohnbereich als auch das im oberen Stockwerk ausgestellte künstlerische Werk Manriques gezeigt. Terrassen und eine schöne Gartenanlage runden das Ensemble ab. Einer Broschüre ist zu entnehmen, dass die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern und die Erlöse aus dem Museumsladen und der Buchhandlung der Finanzierung von künstlerischen, kulturellen und umweltschützenden Maßnahmen dienen, die die Stiftung organisiert.

Fundación César Manrique - Untergeschoss - die weiße Blase Fundación César Manrique - Untergeschoss - die rote Blase Das Schwimmbecken im Untergeschoss Fundación César Manrique - Ausstellungsbereich

 

Manriques bewegliche Metallobjekte sollen nicht unerwähnt bleiben. Vor der Fundación sind an einem Kreisverkehr zwei besonders beeindruckende Windspiele installiert worden.

Metallobjekte nahe der Fundación César Manrique

Metallobjekte nahe der Fundación César Manrique


Arrecife – Endpunkt unserer Tagestour

Unsere Tour durch Lanzarotes Norden neigt sich dem Ende zu. Wir sahen bislang grandiose Landschaften und Beispiele von César Manriques künstlerischem und gestalterischem Werk. Es bleibt noch Zeit für einen Abstecher in das acht Kilometer entfernte Arrecife. Die mehr als 50.000 Einwohner zählende Inselhauptstadt ist dem Anschein nach wenig vom Tourismus geprägt. Arrecife besteht vor allem aus einer kompakten Innenstadt, der Hauptgeschäftsstraße Calle León y Castillo, Lokalen, Bars und kleinen Geschäften.

Arrecife Zentrum - am Stadtstrand

Arrecife Zentrum - am Stadtstrand


Die Stadt kann kaum mit historischen Bauten aufwarten. Erwähnenswert sind in dieser Hinsicht lediglich das Castillo de San Gabriel und das Castillo de San José. Beide sollten Arrecife vor Piratenüberfällen bewahren. Nicht immer konnten sich die Einwohner auf die Schutzfunktion der Forts verlassen.

Castillo de San Gabriel Castillo de San José

 

Seit Anfang des Jahres 2017 ist Arrecife um eine Attraktion reicher. Gemeint ist das Museo Atlántico, das erste europäische Unterwasser-Museum für Kunst. In 14 Metern Wassertiefe errichtete der für seine Unterwasserinstallationen bekannte Brite Jason deCaires Taylor einen Skulpturenpark. Der besteht aus mehreren Installationen, darunter einer 30 Meter langen Mauer, der Skulptur eines botanischen Gartens und einer kreisförmig angeordneten Komposition aus etwa 200 lebensgroßen menschlichen Figuren. Die auf 50 mal 50 Meter Fläche angeordnete Ausstellung hat einen Haken: Sie kann nur tauchend oder schnorchelnd genossen werden. Interessenten sollten ein autorisiertes Tauchzentrum konsultieren. Das Projekt wurde von der kanarischen Inselregierung kofinanziert. Offiziell fungiert es als künstliches Riff und Schutzraum der Fische.

Einen Blick wert ist noch das Wohnviertel Charco de San Ginés. Kleine Häuser, ursprünglich Fischerhütten, liegen an einem natürlichen Hafenbecken. Die Siedlung wirkt sehr gefällig.

Charco de San Ginés

Charco de San Ginés


Vom Charco de San Ginés sind es nur wenige Kilometer zur Mole mit der Station des Autovermieters. Am Ende unserer insgesamt siebenstündigen Rundtour zeigt der Tageskilometerzähler 100 gefahrene Kilometer. - Wir sahen unsere Top-Ziele, und für einen Imbiss blieb ebenfalls genügend Zeit.

Unser Fazit: Es macht viel Sinn, auf Lanzarote ein Auto zu mieten.

(Update – Februar 2019)