Autor: Karl W. P. Beyer

Vulkanausbrüche schufen vor mehr als 15 Millionen Jahren die 846 km² große Kanaren-Insel Lanzarote. Regelmäßige Eruptionen formten die aus mehr als 100 Vulkantrichtern bestehende einzigartige Landschaft. Zu letzten Ausbrüchen kam es im Jahre 1824.

Wegen des beispiellosen Terrains ist Lanzarote ein karges Land, auf dem ein wenig Weinbau und kleinteilige Formen der Landwirtschaft vorkommen. Im Architekten, Künstler und Umweltschützer César Manrique besaß Lanzarote einen unermüdlichen Fürsprecher. Seit 1993 ist die Insel ein von der UNESCO anerkanntes Biosphärenreservat.

Landwirtschaft im Norden Lanzarotes

Landwirtschaft im Norden Lanzarotes


Die Insel ist ein anerkanntes Touristen-Ziel. Den Besuchern, unter denen viele Passagiere der Kreuzfahrtschiffe sind, bietet Lanzarote erstaunliche Sehenswürdigkeiten. Mehr als man in einem Tag schaffen kann.

Sehenswürdigkeiten im Südwesten Lanzarotes 

Monumento National de Montaña de Fuego

In den Jahren zwischen 1730 und 1736 wurde der Südwesten Lanzarotes von schweren Vulkanausbrüchen heimgesucht. Die Eruptionen verwüsteten elf Ortschaften, und nahezu 170 Quadratkilometer Ackerland gingen verloren. Noch heute gleicht das Gelände einer Mondlandschaft. Auf mehr als 50 Quadratkilometern Fläche können sich Besucher seit dem Jahr 1974 im Nationalpark Timanfaya an der einmaligen Kraterlandschaft erfreuen. Seit 1987 ist das Gebiet Teil des Parque Natural de los Volcanes. Der Name ist Programm. Das Terrain weist über 30 Vulkankegel von bis zu 500 Meter Höhe auf. Am Fuß der Kegel erstrecken sich weitläufige Lavafelder.

Touristen, die auf eigene Faust den Nationalpark erkunden möchten, fahren mit dem Mietwagen bis zum Islote del Hilario. An einem Kontrollpunkt ist der Eintritt in das Reservat zu entrichten. Abgestellt wird der Wagen am Parkplatz des Islote del Hilario.

Besucherparkplatz im Timanfaya Nationalpark

Besucherparkplatz im Timanfaya Nationalpark


Das gesamte Gelände darf außerhalb der Publikumsbereiche nicht betreten werden. Stattdessen bringen Busse die Besucher auf einer 14 Kilometer langen und 50-minütigen Rundfahrt zu einigen bemerkenswerten Aussichtspunkten. Die mehrsprachig kommentierten Busfahrten sind im Eintrittspreis inkludiert.

Rundfahrtbusse im Timanfaya Nationalpark Basaltfelsen im Timanfaya Nationalpark Farbenspiel im Timanfaya Nationalpark Krater im Timanfaya Nationalpark

 

Am Islote del Hilario steht das von César Manrique geplante Restaurant El Diablo. In dessen Umgebung beträgt die Temperatur wenige Meter unter der Erde schon mehr als 400 °Celsius. Zur Demonstration des Natur-Phänomens wird Wasser in eine Metallröhre gegeben, das danach wie ein Geysir emporschießt. Ranger der Parkverwaltung stecken auch Dornbüsche in Erdlöcher. Die Erdwärme lässt die Büsche zum Erstaunen und zur Freude der Zuschauer schnell in Flammen aufgehen. Wir meinen: eine unvergessliche Landschaft!

Restaurant El Diablo - Timanfaya Nationalpark

Restaurant El Diablo - Timanfaya Nationalpark


Informationszentrum von Mancha Blanca

Vor dem Nationalpark liegt bei dem Ort Mancha Blanca ein Besucherzentrum. Es informiert über den Vulkanismus im Allgemeinen und die geologische Situation der Insel im Speziellen. Eine empfehlenswerte Einrichtung!

Centro de Visitantes de Mancha Blanca Centro de Visitantes de Mancha Blanca - Innenbereich

 

Der Eintritt ist kostenfrei.
Öffnungszeiten: täglich zwischen 9:00 und 17:00 Uhr.
Besucher sollten etwas Zeit mitbringen! 

Echadero de los Camellos

Neben der Landstraße LZ 67, der „Ruta de los Volcanes“, liegt der Echadero de los Camellos, der „Kamelstall“. Vom Ruheplatz der Dromedare neben der Straße ziehen regelmäßig die Karawanen der Lasttiere mit Besuchern auf dem Rücken etwa 15 bis 20 Minuten in die Vulkanregion.

Dromedare warten im Timanfaya Nationalpark Timanfaya Nationalpark - die Karawane zieht in die Vulkanregion

Geöffnet: 9:00 bis 16:00 Uhr.
Zusätzlich gibt es einen Laden und ein kleines Museum.

Lagune bei El Golfo

Von intensiv grüner Farbe ist die Charco de los Clicos genannte Lagune beim Fischerort El Golfo. Die Wasserfläche entstand, als ein teilweise im Meer versunkener Krater sich mit Meereswasser füllte. Die Farbgebung entstand durch Algen. Mittlerweile ist der Wasserzufluss gestört; die Lagune schrumpft.

Lagune Charco de los Clicos

Lagune Charco de los Clicos


Los Hervideros

Nahe El Golfo liegen Los Hervideros, die „Kochlöcher“ der südlichen Lavaküste. Der Seegang des Atlantiks formte das Gestein zu spektakulären Grotten, Löchern und Felsgebilden.

Los Hervideros

Los Hervideros


Salinas de Janubio 

Südlich des Timanfaya-Nationalparks liegen die Salzpfannen der Salinas de Janubio. Eine Landzunge trennt die terrassenförmig angelegten Salzgärten vom Meer. Die Salzgewinnung wird seit 1895 betrieben. Für die Region hat die Bedeutung des Salzes zwar nachgelassen; die EU unterstützt allerdings noch heute die Salzproduktion. Jährlich werden etwa 2.000 Tonnen Salz durch Verdunstung gewonnen.

Salinas de Janubio

Salinas de Janubio


La Geria

Wein gedeiht bekanntlich gut auf Vulkanasche. Das mehrere tausend Hektar große Weinanbaugebiet, die Zahlenangaben zur Größe schwanken, liegt am Rande des Timanfaya-Nationalparks. La Geria ist unbestritten die größte Weinbauregion der Kanaren. In künstlichen Vertiefungen, geschützt von Mauern, werden die Rebstöcke gehegt und gepflegt. „Bodega“ genannte Weinkellereien können besucht werden.

La Geria Weinbaugebiet von La Geria - Bodega Stratus Weinbau im Gebiet von La Geria Im Gebiet von La Geria

 

 

Sehenswürdigkeiten im Norden und Nordosten Lanzarotes

Haría im Tal der tausend Palmen

Im Norden Lanzarotes liegen die weißen Häuser des Ortes Haría. Die Kleinstadt ist von Arrecife kommend über eine serpentinenreiche Straße zu erreichen. Ein wenig erinnert uns Haría an eine marokkanische Oasenstadt. Warum wachsen gerade in diesem Ort so viele Palmen? Brautpaare pflanzen traditionell eine Palme; und wenn sich später Kinder einstellen, werden weitere Bäume gepflanzt.

Haria - die Stadt der tausend Palmen

Haria - die Stadt der tausend Palmen


Mirador del Rio - Aussichtspunkt im Inselnorden

Weit im Norden, gegenüber der kleinen Nachbarinsel La Graciosa, liegt in 475 Meter Höhe der Aussichtspunkt Mirador del Rio. Entworfen haben ihn César Manrique sowie einige Kollegen. Der im Jahr 1974 an der Steilküste eröffnete Bau wurde im typischen Manrique-Stil in das umgebende Felsmassiv eingebettet. Bauseitig wurde auf rechte Winkel verzichtet; alle Räume und Flächen sowie der Parkplatz sind rund. Sehenswert!

Das Ziel - der Mirador del Rio Restaurant des Mirador del Rio Blick über das Dach des Mirador del Rio auf die Westküste Blick vom Mirador del Rio nordwärts und auf La Graciosa

 

Cueva de Los Verdes

Die im Nordosten Lanzarotes gelegene,  etwa sieben Kilometer lange Lavaröhre Cueva de Los Verdes ist eines der längsten natürlichen Tunnelsysteme der Welt. Ursprünglich ein Versteck der Inselbewohner bei Piratenüberfällen im 16. und 17. Jahrhundert, avancierte die Höhle im 19. Jahrhundert zum Pflichtprogramm für Gelehrte und Wissenschaftlicher. Im Jahr 1964 wurde sie auf einer Länge von circa einem Kilometer für Besucher erschlossen. Eine ausgeklügelte Beleuchtung betont die Farben des Gesteins und seine fantastischen Formen.

Cueva de los Verdes

Cueva de los Verdes


Eintrittspreis: 9,50 Euro; Kinder (7 bis 12 Jahre) zahlen die Hälfte; ab 15:00 Uhr 20 % Nachlass.
Öffnungszeiten: 10:00 bis 17:00 Uhr; in den Sommermonaten bis 18:00 Uhr.
Nur geführte Touren in spanischer und englischer Sprache.
Gruppengrößen bis zu 50 Personen.
Festes Schuhwerk wird empfohlen.

Jameos del Agua

Die Jameos del Agua sind ein von César Manrique geschaffenes Zentrum für Kunst und Kultur auf dem Lavafeld des Volcán de la Corona. Die im Jahr 1966 eröffnete Anlage besteht aus einer unterirdischen Grotte mit Restaurant und See. In dessen Wasser leben blinde Albinokrebse. Der See ist über einen Tunnel mit dem Meer verbunden. Der Wasserspiegel des Sees verändert sich mit den Gezeiten.

Oberirdisch werden ein weißes Schwimmbecken, ein künstlicher Wasserfall und ein geologisches Museum geboten. Zur Anlage gehört ein Auditorium. In dem unterirdischen Konzert-, Ballett- und Theatersaal finden bis zu 600 Zuhörer Platz.

Jameos del Agua Jameos del Agua

 

Eintrittspreis: 9,50 Euro; Kinder (7 bis 12 Jahre) zahlen die Hälfte;
Öffnungszeiten: 10:00 bis 18:30 Uhr.

Jardin de Cactus

Elf Kilometer trennen die Jameos del Agua vom Jardin de Cactus. Unter Mitwirkung Manriques wurde ein ausgebeuteter Steinbruch in einen riesigen Kaktusgarten umgewandelt. Die auf dem Gelände befindliche Gofio-Mühle mahlt auch heute noch Gofio, das begehrte, traditionell aus Gerste hergestellte Mehl.

Gofio-Mühle im Jardin de Cactus

Gofio-Mühle im Jardin de Cactus


Sehenswürdigkeiten im Großraum Arrecife 

Fundación César Manrique

Das ehemalige Wohnhaus des Architekten und Künstlers im Ort Tahiche dient heute als Zentrum einer Stiftung und Museum. Manrique errichtete das 1.800 m² große Wohnhaus auf einem Vulkanfeld. Dabei bezog er natürliche Vulkanblasen in die Raumgestaltung ein.

Eingangsbereich der Fundación César Manrique

Eingangsbereich der Fundación César Manrique


Monumento al Campesino

Zwischen den Orten San Bartolomé und Mozaga, neun Kilometer nördlich von Arrecife, schuf César Manrique das Monumento al Campesino. Das etwa 15 Meter hohe Fruchtbarkeitsdenkmal ist den Bauern gewidmet.

Am Monumento al Campesino

Am Monumento al Campesino


Das Denkmal wurde aus Wassertanks alter Fischerbote gefertigt. Um das Denkmal stehen Nachbauten alter Häuser. Dort wird Kunstgewerbe gefertigt und verkauft; auch ein Restaurant ist vorhanden.

Castillo de Santa Bárbara

Lanzarote war im 16. Jahrhundert kein sicheres Land. Regelmäßig suchten Piraten die Insel heim. Zum Schutz der Bevölkerung von Teguise, der vormaligen Inselhauptstadt, wurde in 135 Meter Höhe auf dem Rand des Vulkans Guanapy das Castillo de Santa Bárbara errichtet. Das Kastell ist eine Burganlage mit Zugbrücke und kleinen Rundtürmen. Nicht immer hielt das Bollwerk Piratenüberfällen stand. Es musste mehrfach erneuert werden. Seit 1991 ist es Sitz eines Museums, das die Geschichte der Piraterie und ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung aufzeigt.

Castillo de Santa Bárbara

Castillo de Santa Bárbara


Castillo de San Gabriel

Viele Sehenswürdigkeiten besitzt die Inselhauptstadt Arrecife nicht. Immerhin hat sie das Castillo de San Gabriel. Es wurde auf der Islote de Fermina erbaut. Die Festung sollte Arrecife vor Überfällen von Freibeutern beschützen. Piraten machten lange Zeit die Handelswege in die Neue Welt unsicher. Sie plünderten hemmungslos Schiffe und Städte. Der Schutz war aber nicht immer wirkungsvoll.

Castillo de San Gabriel

Castillo de San Gabriel


Castillo de San José

Erbaut wurde das Castillo de San José zwischen 1774 und 1779 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Der nach den Vulkanausbrüchen der Jahre 1730 bis 1736 erwerbslosen und hungernden Bevölkerung sollten eine sinnvolle Aufgabe sowie Lohn und Brot gegeben werden. Das mag ihren Beinamen „Hungerfestung“ erklären. – Im Jahr 1975 wurde im Kastell ein von César Manrique gestaltetes Museum für zeitgenössische Kunst (MIAC) eingerichtet.

Castillo de San José

Castillo de San José


Zum Schluss - Manriques Metallobjekte

An den Kreisverkehren sieht man sie dann und wann: vom Wind bewegte Metallobjekte unterschiedlicher Größe.

Metallobjekte nahe der Fundación César Manrique

Metallobjekte nahe der Fundación César Manrique


Cesar Manrique hat sich offenbar viel Mühe gegeben, solch „nutzlos“ scheinende Dinge zu entwerfen.

(Update – Februar 2019)