Ein Tag in Liverpool


Unser Kreuzfahrtschiff, die MS Astor, liegt vor dem „Pier Head“ am 350 Meter langen Ponton des Liverpooler Kreuzfahrtterminals. Passagiere, die eines der Sorglos-Ausflugspakete der Reederei gebucht haben, freuen sich auf geführte Liverpool Touren, mit oder ohne Beatles. Angeboten werden außerdem Fahrten zum 90 Meilen entfernten Lake District, zu den Schlössern und Landschaften von Wales oder zum idyllischen Tudorerbe Speke Hall in der Umgebung Liverpools.

Wir verbringen den Tag in Liverpool

Uns interessiert ausschließlich Liverpool. In der Stadt gibt es genug zu sehen. Vor dem Terminalgebäude begrüßt Liverpools prächtig gewandeter „Town Crier“ die Schiffsgäste. Von einem „Stadtausrufer“ wurden wir zuvor noch nie begrüßt. Im lichten Terminal liegen brauchbare Broschüren aus. Wer zusätzliche Informationen benötigt, erhält diese am Serviceschalter. Liverpools Willkommenskultur ist beispielhaft.

Der Liverpools Town Crier

Der Liverpools Town Crier


Die stadtnahe Lage des Terminals empfinden Tagesgäste als sehr angenehm. Es ist keine Übertreibung: Die hauptsächlichen Attraktionen der 580.000 Einwohner zählenden Stadt liegen in fußläufiger Entfernung vom Liegeplatz der Kreuzfahrtschiffe entfernt. Im Verlauf eines Tages sieht man die Top-Sehenswürdigkeiten Liverpools.

Liverpool mit dem City Sightseeing-Bus entdecken

Am Pier Head starten die preisgünstigen Hop On-Hop Off Busse. Das Vergnügen kostet aktuell 11 ₤ pro Person. Für das Geld gibt es viel zu sehen. Zuerst werden wir mit einem der Busse eine Runde drehen.

Liverpools Gebäudemix vom Oberdeck des Hop On-Hop Off Busses gesehen

Liverpools Gebäudemix vom Oberdeck des Hop On-Hop Off Busses gesehen


Die Bustour führt am Albert Dock vorbei und passiert danach mehrere Haltepunkte im Zentrum. An der William Brown Street könnten wir den Bus verlassen, um die St Georges Hall, das World Museum, die Central Library und die Walker Art Gallery anzusehen, ausnahmslos hockkarätige Sehenswürdigkeiten. Wir fahren weiter über Brownlow Hill bis zum Mount Pleasant. Eine Anmerkung am Rande: Die englischsprachigen Ansagen in den Bussen werden life gegeben. Es läuft kein Tonband. Wir treffen auf unseren Busfahrten in Liverpool drei Sprecher. Sie alle machen einen richtig guten Job. Ihnen hören wir gern zu.

Besuch der Metropolitan Cathedral

Am Mount Pleasant verlassen wir den Bus, um die Metropolitan Cathedral zu besichtigen. Auf unseren Reisen besuchen wir, wann immer es möglich ist, die am Weg liegenden Kirchen. Wir unterscheiden dabei nicht zwischen einfachen Kirchen oder prächtigen Kathedralen. In der Rückschau betrachtet, möchten wir Liverpools Metropolitan Cathedral in der Liste der von uns besuchten Kirchen wirklich nicht missen. Die Mutterkirche der nordenglischen Katholiken ist eine sehenswerte Kathedrale. Näheres zur Kathedrale: siehe Liverpool Sehenswürdigkeiten.

Liverpool - Blick in die Krone der Metropolitan Cathedral

Liverpool - Blick in die Krone der Metropolitan Cathedral


An dieser Stelle nur so viel: Die Metropolitan Cathedral ist ein rundes Bauwerk, das 2.300 Menschen Platz bietet. Der Altarraum liegt gut sichtbar im Zentrum. Die Anordnung des Altars soll dem neuen Geist der katholischen Liturgie entsprechen. Von außen besehen, gleicht die Kathedrale einem umgekehrten Trichter. Zum Dach hin verjüngt sich der Bau in eine Krone, die Jesus Dornenkrone symbolisieren soll. Der Volksmund nennt die Kirche respektlos aber liebevoll ihrer Form wegen „Paddy’s Wigwam“. – Um den Altarraum herum gruppieren sich von zeitgenössischen Künstlern gestaltete Kapellen. Der Kathedrale fehlt in ihrer zweckbestimmten Form jeglicher Prunk; stattdessen laden prächtige Buntglasfenster zum Betrachten ein. – Uns fehlte lediglich die Sonne, um die Strahlkraft der Fenster zu würdigen.

Und noch eine Kathedrale – die Liverpool Cathedral

Zwei Busstationen liegen zwischen der Metropolitan und der Liverpool Cathedral. Die auf einem Hügel errichtete anglikanische Kathedrale ist lagebedingt und wegen ihres 101 Meter hohen Kirchturms weithin sichtbar. Gemessen an der Grundfläche gehört sie zu den größten Kirchen der Welt, und sie übertrifft die Kathedrale von Canterbury bei Weitem. Insgesamt wurde 74 Jahre an dem Gotteshaus gebaut. Gut Ding will Weile haben.

Im Hauptschiff der Liverpool Cathedral

Im Hauptschiff der Liverpool Cathedral


Die Größe und die Wucht des Gebäudes überwältigen uns. Wir wissen nicht, wohin wir zuerst blicken sollen. Im Gegensatz zur Metropolitan Cathedral wurden in dieser Kirche die Glasfenster konventionell gestaltet. Trotz der äußeren, diffusen Lichtverhältnisse besitzen die Fenster dieser Kathedrale eine besondere Strahlkraft. Gut ausgebildete, ehrenamtliche Führer assistieren den Besuchern. Was noch auffällt: Nichts Weltliches ist den Kirchenoberen fremd. Ein großer Laden innerhalb der Kathedrale verkauft Bücher und vieles andere mehr. Das Mezzanine Café/Bar und ein kleines Restaurant stillen die leiblichen Bedürfnisse der Kirchenbesucher.

Zurück zum Schiff

Wir könnten Stunden in dieser gewaltigen Kirche zubringen. Dennoch nehmen wir schweren Herzens Abschied und springen in den nächsten Bus. Die Fahrt geht vorbei an Chinatown, Europas ältester chinesischer Enklave. Ein mächtiger chinesischer Torbogen, der größte außerhalb Chinas, markiert den Eingang zum Wohn- und Lebensraum von etwa 25.000 bis 35.000 Menschen chinesischer Herkunft. Exakte Zahlen gibt es nicht. Der Bus steuert in Richtung des Mersey River. Am Albert Dock endet unsere Rundfahrt.

Liverpool - der Chinese Arch

Liverpool - der Chinese Arch


Liverpool zu Fuß entdecken

Wir nutzen die Nähe zum Cruise Terminal, um uns auf dem Schiff frisch zu machen. Danach steuern wir zwischen dem Atlantic Tower auf der linken und dem Royal Liver Building auf der rechten Seite auf Our Lady and St Nicholas Church of England, kurz St Nick's, zu. In dieser Kirche steht der dritte der Liver Birds. Die beiden anderen gewaltigen Vögel krönen in schwindelerregender Höhe die Türme des Royal Liver Buildings.

Liverpool - Our Lady and St Nicholas Church

Liverpool - Our Lady and St Nicholas Church


Wären wir an der Geschichte des Zweiten Weltkriegs aus britischer Sicht interessiert, könnten wir das Western Approaches Museum besuchen. Das nahe bei St Nick’s in der Rumford Street gelegene Museum präsentiert ein ehemals geheimes, unterirdisches Hauptquartier Liverpools. In dem verworrenen System von Gängen und Räumen wurde im Zweiten Weltkrieg die Schlacht um den Atlantik befehligt.

Wir verzichten auf den Besuch des Museums. Wir wollen etwas von der Stadt sehen und die Impressionen vertiefen, die wir zuvor im Verlauf der Busfahrt erlangt haben. Erste Ziele sind die Liverpool Town Hall in der High Street und das Victoria Monument am Derby Square. Das Denkmal ist der 1901 verstorbenen Königin Victoria gewidmet.

Liverpools Town Hall
Jiverpool - Victoria Monument

Beide Sehenswürdigkeiten liegen im historischen „Commercial District“. Sehenswerte Bauten aus viktorianischer Zeit säumen unseren Weg. Auf deren Existenz gründet sich u. a. die Verleihung des UNESCO Weltkulturerbes an die Stadt Liverpool.

Unser Weg führt uns weiter zum „Stanley Street Quarter“. Dort steht in North John Street das von den Beatles inspirierte Hard Days Night Hotel. Von den Gebäudesimsen grüßen lebensgroße Statuen der Rockgruppe das vorbei defilierende Volk. Ganz in der Nähe liegt der „Cavern Club“, in dem die Musikgruppe zu Beginn ihrer Karriere auftrat.

Liverpool - das Hard Days Night Hotel

Liverpool - das Hard Days Night Hotel


 

 

Wir schlendern hinüber zu den St John’s Gardens im „St George’s Quarter“. Dort liegen an der William Brown Street das World Museum, die Central Library und die Walker Art Gallery. – Ein zentraler Bestandteil der Kulturszene Liverpools ist St George’s Hall. Das im neoklassizistischen Stil errichtete Bauwerk entsprang einer Initiative generöser Liverpooler Kaufleute, die eine Stätte für Veranstaltungen, Festlichkeiten und Konzerte schaffen wollten.

Liverpool - St George's Place mit St George's Hall
Liverpool - St George's Hall
Liverpool - World Museum
Liverpool - St John's Gardens

Am Weg, genauer gesagt am Bold Place, stoßen wir auf die Reste der im gotischen Stil erbauten St Luke’s Church. Sie trägt den Beinamen „Bombed Out Church“. Den erhielt sie nach anhaltenden Bombenangriffen der deutschen Luftwaffe auf Liverpool im Zweiten Weltkrieg. Die zerbombte und ausgebrannte Kirche wurde zur Erinnerung an den Krieg gesichert und nicht wieder aufgebaut.

St. Luke's bombed out Church

St. Luke's bombed out Church


Vom „St George’s Quarter“ gehen wir durch die Stadt in Richtung Albert Dock. Wir erinnern uns, dass Liverpool zu den zehn ärmsten Städten im Vereinigten Königreich gehört. Die Vielzahl der Shopping Malls und das teils hochwertige Angebot ließen stattdessen anderes erwarten.

Albert Dock – ein Komplex für sich

Das Albert Dock war ehemals ein gewaltiger Lagerhauskomplex. Die Verwaltungsbauten und Lagerhäuser wurden von 1846 an in nicht brennbarer Bauweise errichtet. Für die damalige Zeit handelte es sich um eine revolutionäre Konstruktion. Während des Zweiten Weltkrieges nutzte die Admiralität die Einrichtungen. Nach dem Krieg waren die Docks nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Im Jahr 1972 folgte das Aus. Um die imposante Anlage nicht verfallen zu lassen, wurden zu Beginn der 1980er-Jahre Pläne für die Nachnutzung der Dockanlagen entwickelt. Die Verleihung des UNESCO Weltkulturerbe-Titels an Liverpool bezog ausdrücklich die maritime und merkantile Geschichte des historischen Albert Docks ein. Heutzutage gilt Albert Dock als eine der meist besuchten Kulturstätten des Vereinigten Königreichs.

Liverpool - Tradition trifft Moderne
Liverpool - Albert Dock
Liverpool - Albert Dock
Liverpool - Albert Dock

Im angrenzenden Canning Dock liegt die „Mersey Planet“, Englands letztes bemanntes Feuerschiff. Zwischen 1960 bis 1975 tat es an der Mersey BAR und danach im Ärmelkanal Dienst. Nun dient es als Museum, Café/Bar, Eventlocation und Blickfang des Hafens.

Liverpool - Canning Dock mit Mersey Planet Lightship
Liverpool - Canning Dock mit Mersey Planet Lightship

Liverpools Memorials

Wir schätzen die Briten für ihr anhaltendes Traditionsbewusstsein. Zwischen Albert Dock und Pier Head rufen mehrere Memorials die Schicksale von Zivil- und Militärpersonen sowie der Mannschaften von Handelsschiffen ins Gedächtnis. Am meisten bewegt uns der Obelisk für die „Heroes of the Marine Engine Room“. Mit diesem Denkmal sollte zuerst nur den 244 Männern im Maschinenraum der havarierten RMS Titanic gedacht werden, die trotz Todesgefahr auf ihren Plätzen verharrten und ihr Leben ließen. Später wurden zusätzlich die umgekommenen Maschinenraumbesatzungen der RMS Empress of Ireland und der RMS Lusitania in das Gedenken einbezogen.

Liverpool - das Podest des All Heroes of the Engine Room Memorials

Liverpool - das Podest des All Heroes of the Engine Room Memorials


Time to say goodbye

Am späten Nachmittag verlässt MS Astor ihren Liegeplatz, um Kurs auf Belfast zu nehmen. Zeit für ein Resümee: Von den unbefriedigenden Wetterbedingungen abgesehen, sind wir voller Lob über Liverpool.

Liverpool - Moderne Bauten an der Strand Street
Liverpool - das historische Albion House

Wenn man bedenkt, dass die ökonomischen Bedingungen der Stadt nicht befriedigen, erscheint Liverpool dem Tagestouristen als eine angenehme, gepflegte und vor allem gut überschaubare Stadt. Das Nebeneinander der historischen Distrikte und Gebäude sowie der modernen Bauten wirkt gelungen. Der öffentliche Nahverkehr ist leistungsfähig und funktioniert hervorragend. Die Stadt ist voller Sehenswürdigkeiten, die einen mehrtägigen Aufenthalt rechtfertigen. Liverpool ist nicht nur einen Besuch wert.

Update – Juli 2020