Málaga - Panorama

Ein Tag in Malaga


Kreuzfahrt-Destination Málaga 

Málaga ist Vieles in einem. Es ist die geographische Hauptstadt der Ferienregion Costa del Sol, die zweitgrößte Stadt Andalusiens und sechstgrößte Stadt Spaniens. Die 570.000 Einwohner zählende Großstadt ist eine der am besten entwickelten Kommunen Andalusiens. Die durchschnittlichen Temperaturen gehören zu den höchsten in Spanien und die Sonne verwöhnt die Málagenser an etwa 300 Tagen im Jahr. Noch etwas Wissenswertes: Málaga ist der Geburtsort des Malers Pablo Picasso.

Málagas Rathaus und El Parque

Málagas Rathaus und El Parque


Im März 2011 liegt unser Schiff, die MSC Poesia, zehn Stunden in Málagas weitläufigem Hafen. Gäste wie wir, die keine Fahrt zur Alhambra in Granada, nach Marbella & Puerto Banus, zu den Höhlen von Nerja oder wenigstens eine Stadtrundfahrt durch Málaga gebucht haben, die müssen sehen, wie sie zurechtkommen. Uns fällt das leicht; erst ein halbes Jahr zuvor besuchten wir mit Mein Schiff 1 die Stadt. Dabei schafften wir es allerdings nicht, die Festung Gibralfaro zu besichtigen. Damit werden wir heute beginnen, und anschließend werden wir uns ansehen, wie es sonntags in der Stadt zugeht.

Málagas Kreuzfahrthafen ist wirklich großzügig angelegt. Wir halten ihn für einen der besten Häfen, die wir kennen. Er kann zeitgleich mehrere Schiffe versorgen. Die Position unseres Schiffes liegt circa zwei km von der Kathedrale entfernt. Die Reederei bietet einen Shuttlebus-Service für 9 Euro an. Das ist überteuert; die Busse des öffentlichen Nahverkehrs kosten den halben Preis.

Cruise Termnal Málaga

Cruise Termnal Málaga


Besuch des Castillo de Gibralfaro

Uns schert es heute nicht. Ein Taxifahrer bringt uns für 15 Euro hinauf zum im 14. Jahrhundert von den Mauren zum Schutz der Alcazaba und der Stadt errichteten Castillo de Gibralfaro. Wer Festungen wie Ehrenbreitstein in Koblenz oder Petrovaradin in Novi Sad kennt, wird dieses Bauwerk eher niedlich finden. Die Ausmaße hier sind nicht so gewaltig wie die an den genannten Orten. Dennoch sollte die damalige Leistung nicht unterschätzt werden. Kein Caterpillar, kein Liebherr, kein Beton, sondern Steine, Steine und nochmals Steine, die in beachtlicher Höhe von Hand bewegt werden mussten. - Der Eintritt kostet 1,50 Euro pro Person. Das zahlen wir gern.

Castillo de Gibralfaro und Ausläufer der Stadt

Castillo de Gibralfaro und Ausläufer der Stadt


Der bauliche Zustand der Festung ist vorzüglich. Spaß bereitet es, auf den sicheren Wehrgängen zu gehen. Hier oben bieten sich exzellente Ausblicke in alle Himmelsrichtungen. Faszinierend ist vor allem der Blick auf die unter dem Castillo liegende Alcazaba und die Stadt, aus deren Häusermeer die Kathedrale herausragt. Zwischendurch machen wir einen kurzen Stopp auf einen Café Solo in der kleinen Open-Air-Bar der Festung. Vor dem Ausgang liegt das Centro de Interpretaçion, ein Besucherzentrum mit Geländemodell und einigen militärischen Ausstellungsstücken. Wir finden es nicht sonderlich interessant.

Castillo de Gibralfaro - Interpretationszentrum

Castillo de Gibralfaro - Interpretationszentrum


Die Festung ist mittels eines bewehrten Gangs mit der darunter liegenden Alcazaba verbunden. Die beeindruckt ihre Besucher mit mächtigen Mauern und vielen in die Mauern eingelassenen Türmen. Begrünte Innenhöfe setzen schöne Akzente, und in der inneren Anlage hat ein archäologisches Museum Quartier bezogen. Den Hauptzugang zur Alcazaba bildet die Puerta del Christo. Die findet man unten in der Stadt bei den Ruinen des Römischen Theaters. Wer den Aufstieg über die zahlreichen Treppen und das grobe Kopfsteinpflaster meiden möchte, nutzt den Ascensor a la Alcazaba. Der liegt an der Calle Guillen Sotelo, zwischen der Banco de España und dem Rathaus.

Blick auf die Alcazaba

Blick auf die Alcazaba


Uns interessiert die Anlage heute nicht, wir kennen sie. Stattdessen gehen wir zu Fuß hinunter zur Stadt, vorbei an den hoch über uns aufragenden Mauern der Alcazaba. Auf dem Weg sehen wir über die linke Schulter hinunter auf die von Hochhäusern umgebene Malagueta, Málagas Stierkampfarena. Links vor uns liegt der aus der Höhe so gradlinig und streng wirkende Jardin Pedro Luis Alonso, davor sehen wir das prächtige Rathaus. Das Gebäude daneben ist die Banco de España. Der Hafen im Hintergrund ist nicht zu übersehen.

Blick auf die Hafenpromenade

Blick auf die Hafenpromenade


Stadtrundgang durch Málagas historisches Zentrum

Bald darauf stehen wir wieder im historischen Zentrum Málagas vor den Ruinen des Römischen Theaters. Nett, man muss es aber nicht gesehen haben. In Kleinasien, vor allem in Ephesus, haben wir ganz andere Dimensionen bestaunen dürfen. Da sind wir nun doch ein klein wenig mäkelig, weil verwöhnt.

Das Römische Theater

Das Römische Theater


An unsere Gibralfaro-Visite schließt sich der Stadtrundgang durch das Centro Historico an. Wir starten vor dem Römischen Theater auf der Calle de la Alcazabilla. Diese gehen wir hinauf bis zur Plaza de la Merced.

Plaza de la Merced

Plaza de la Merced


Leider wird gerade jetzt dieser schöne Platz umgebaut. Wir orientieren uns nun nach links und gehen auf der Calle Álamos bis zur Calle de Cárcer. Hier biegen wir wieder links ein und gehen, unserem Gefühl folgend, in Richtung der Plaza de la Constitución. Es kann nicht viel schief gehen. Nach etwas Suchen haben wir den „Platz der Verfassung“ erreicht. Seit ewigen Zeiten ist der Platz das historische Zentrum Málagas. Inmitten des weiten Platzes liegt der Brunnen Karls V., der auch Fuente de Genua genannt wird.

Plaza de la Constitución und Fuente de Genova

Plaza de la Constitución und Fuente de Genova


Gratiskonzert der Banda Municipal de Música 

Wir wollen noch die Calle Marqués de Larios, eine Einkaufsstraße mit schicken Läden, hinuntergehen. Doch plötzlich dringen aus einer Seitenstraße klassische Filmmelodien an unsere Ohren. Wir gehen der Musik nach und stehen bald darauf auf der Plaza de las Flores. Vor uns sitzen Hunderte Menschen und hören gebannt den Orchestermusikern der Banda Municipal de Música zu, die hier heute ein Sonntagskonzert mit berühmten Filmmelodien geben. Kostenlos versteht sich.

Die Banda Municipal de Música in Aktion

Die Banda Municipal de Música in Aktion


Málagas bunt gemischte Kneipenszene

Wir gehen zurück zur Plaza de la Constitución und tauchen in die Pasaje de Chinitas ein. Hier und in den umliegenden Gassen reiht sich ein Lokal ans andere; die reinste „Fressgass“. Um diese Zeit ist noch nicht so viel Betrieb. Das haben wir beim Besuch zuvor ganz anders erlebt. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Plaza del Obispo. Der Platz wird seitlich vom gelben Bischofspalast und von vorn von der Kathedrale dominiert. Jetzt wird es aber Zeit für einen Drink in der Taberna del Obispo. Zwei Glas Wein in exponierter Lage machen 5,50 Euro. OK. Für den Preis hätten wir in Deutschland an einem vergleichbaren Ort nur leere Gläser zu sehen bekommen.

Plaza del Obispo - Erzbischöflicher Palast

Plaza del Obispo - Erzbischöflicher Palast


La Manquita – Die „einarmige“ Kathedrale

Die Catedral de la Encarnación, wird volkstümlich La Manquita (die Einarmige) genannt. Der merkwürdige volkstümliche Name resultiert daraus, dass der rechte Turm nicht vollständig fertiggestellt wurde. Die Kathedrale wurde an der Stelle der ehemaligen maurischen Hauptmoschee errichtet, nachdem diese sich nach der Einnahme Málagas durch die Truppen der spanischen Könige im Jahr 1487 nicht als geeignet für Gottesdienste erwiesen hatte. An dem Gotteshaus wurde annähernd 250 Jahre gewerkelt, weshalb es auch nicht einer Stilepoche zugeordnet werden kann. Die Kathedrale ist im Inneren wirklich sehenswert. Davon haben wir uns ein halbes Jahr zuvor überzeugen dürfen. Leider ist das Bauwerk an Sonn- und Feiertagen für Besucher geschlossen. Somit wird es heute nichts mit dem Besuch. Nebenbei gesagt, es wird ein Eintritt von 4 Euro für die Kirche erhoben. Rentner zahlen weniger.

Kathedrale

Kathedrale


Málagas vielfältige Museumslandschaft

An Sonntagen ist aber das Picasso Museum geöffnet. Nicht weit von der Kathedrale entfernt finden wir das Museum im Palacio de Buenavista in der Calle San Agustin 8. Das Museum wird von einer Stiftung getragen. Die Erben haben dem Museum 204 Kunstwerke aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Das Museum präsentiert die unterschiedlichen Mal- und Zeichentechniken des Künstlers einschließlich der keramischen Arbeiten auf effektvolle Weise. Die ausgestellten Werke decken alle Etappen des künstlerischen Schaffens Picassos ab.

Zurück zum Kreuzfahrtschiff

Der Museumsbesuch ist zu Ende. Wir wollen zurück zum Schiff. Wir brauchen uns nur südlich in Richtung Meer zu halten. Vorbei am Museo de Malaga gelangen wir zum Paseo del Parque, eine von Palmen und anderen Bäumen gesäumte Promenade. Begleitet vom Zwitschern wilder Sittiche gehen wir hier in Richtung Westen, um zurück zum Hafenzugang zu gelangen. Der Eingangsbereich des Hafens ist dekorativ mit Säulen gestaltet worden. Im Bereich der Muelle Uno finden umfangreiche Bauarbeiten statt. Dort entsteht ein supermodernes Geschäftszentrum. In der Entwicklung befindlich ist auch der neugeschaffene Palmenhain Palmeral de las Sorpresas. Hierfür mussten 420 Palmbäume sowie Tausende Pflanzen und Gehölze angepflanzt werden.

Paseo del Parque

Paseo del Parque


Gleich vorn im Hafenbecken liegt die Santisima Trinidad, der Nachbau eines historischen Segelschiffs, das als Restaurantschiff sein Dasein fristet. Dahinter liegen weitere Schiffe. Heute dürfen wir die Clara Campoamor bewundern, ein unter spanischer Flagge fahrendes SAR-Schiff von 80 Meter Länge. Es folgt das Segelschiff Christian Radich. Das ehemalige norwegische Schulschiff fährt seit 1999 unter Charter und bietet Touren für Gäste an. An letzter Position liegt die AKADEMIK SHOKALSKIY ein ehemaliges Forschungsschiff mit Eisklasse. Es fährt im Auftrag von Quark Expeditions, einem Unternehmen, das Kreuzfahrten in die Arktis und Antarktis anbietet. In Deutschland können Touren von Quark bei verschiedenen Anbietern, darunter e-hoi, gebucht werden.

Muelle Uno und SAR-Schiff Clara Campoamor

Muelle Uno und SAR-Schiff Clara Campoamor


Vom Hafeneingang bis zu unserem Schiff sind es knapp 2 km. Der Weg zieht sich ein klein wenig. Wir hätten ihn auch mit dem Taxi machen können, dann hätten wir uns jedoch nicht so intensiv mit den vorher besprochenen Schiffen beschäftigen können.

Unser Fazit

Malaga ist eine außerordentlich schöne, saubere und interessante Stadt. Es ist sehr schade, dass wir hier nicht öfter sein können. Leider zieht uns unser Fernweh an immer neue Orte; ein Aspekt, der allerdings auch nicht zu verachten ist.

(Karl Beyer - Update September 2017)