Málaga - Panorama

Ein Tag in Malaga


Unser Kreuzfahrtschiff, MSC Poesia, liegt an einem Sonntag zehn Stunden in Málagas Hafen. MSC bietet organisierte Ausflüge in die Umgebung an: Ziele sind die Alhambra in Granada, Marbella & Puerto Banus oder die Höhlen von Nerja. Stadtrundfahrten in Málaga zählen ebenfalls zu den Tour-Favoriten.

Granada - Blick auf die Alhambra

Granada - Blick auf die Alhambra


Organisierte Tagesausflüge, speziell zur 140 Kilometer entfernten Alhambra, sind sinnvoll. Stadtrundgänge durch Málaga bedürfen indes, trotz der gebotenen Fülle der Sehenswürdigkeiten, aus unserer Sicht keiner Führung. Ein eintägiger Aufenthalt in Málaga erfordert zwar eine gewisse Vorbereitung, der Rest ist Staunen. Ein halbes Jahr zuvor besuchten wir Málaga mit Mein Schiff 1. Bei diesem Besuch sahen wir aus Zeitgründen nicht die Festung Gibralfaro. Damit beginnen wir heute, und anschließend werden wir uns ansehen, wie es an einem Sonntag in der Stadt zugeht.

Kreuzfahrt-Destination Málaga

Málagas Kreuzfahrthafen ist großzügig angelegt und gut organisiert. Im Hafen können an zwei Terminals zeitgleich mehrere Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die MSC Poesia liegt am Levante Cruise Terminal, grob geschätzt zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Reederei bietet einen Shuttlebus-Service zum Hafenausgang an. Die für den Service geforderten neun Euro sind überteuert; die Busse des öffentlichen Nahverkehrs kosten den halben Preis.

Málagas Levante-Kreuzfahrtterminal

Málagas Levante-Kreuzfahrtterminal


Castillo de Gibralfaro

Das Castillo de Gibralfaro thront hoch über der Stadt. Ein Taxi bringt uns hinauf zu der Anfang des 15. Jahrhunderts zum Schutz der Alcazaba und der Stadt errichteten Zitadelle. Das Castillo ist deutlich kleiner als uns bekannte Festungen wie Ehrenbreitstein in Koblenz oder Petrovaradin in Novi Sad. Davon abgesehen fasziniert uns die vor rund 600 Jahren erbrachte technische Leistung. Es fehlten Sprengstoff, Räumgerät, Kräne; es gab keinen Beton und moderne Baustoffe, sondern Steine, Steine und nochmals Steine. Die schweren Felsblöcke wurden in der Höhe von Hand bewegt und zu Mauern, Wehrgängen oder Gebäuden zusammengefügt. Phantastisch!

Castillo de Gibralfaro
Castillo de Gibralfaro
Panoramablick vom Castillo de Gibralfaro
Castillo de Gibralfaro


Der Zustand der Festung ist ausgezeichnet. Spaß bereitet es, auf den Wehrgängen zu gehen. Von der Höhe bieten sich weite Blicke in alle Himmelsrichtungen. Besonders fasziniert uns der Blick auf die unter dem Castillo liegende Alcazaba und die Stadt, aus deren Häusermeer die Kathedrale herausragt. Zwischendurch unterbrechen wir unsere Besichtigung für einen Café Solo in der kleinen Open-Air-Bar der Festung. Im Ausgangsbereich liegt das Centro de Interpretaçion, ein Besucherzentrum mit Geländemodell und einigen militärischen Ausstellungsstücken.

Málagas Alcazaba

Ein geschützter Gang verbindet das Castillo mit der am Fuß des Gibralfaro-Bergs liegenden Alcazaba. Diese Palastfestung entstand unter maurischer Herrschaft in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die Alcazaba beeindruckt ihre Besucher von außen mit uneinnehmbar wirkenden Mauern und Wehrtürmen. Im Inneren der Burganlage setzen begrünte Innenhöfe schöne Akzente. Die Anlage wird von einem archäologischen Museum genutzt. Zwar lässt die Alcazaba die Größe und Pracht der Alhambra in Granada vermissen, sehenswert ist sie allemal.

Alcazaba


Alcazaba


Gartenanlage der Alcazaba


Gartenanlage der Alcazaba


Besucher, die von den Ruinen des römischen Theaters im Zentrum der Stadt kommen, erreichen die Alcazaba durch die Puerta del Cristo. Zwischen dem römischen Theater und der Festung liegen zahlreichen Treppen und grobes Kopfsteinpflaster. Der „Ascensor a la Alcazaba“ erleichtert den Aufstieg.

Der öffentliche Aufzug liegt an der Calle Guillén Sotelo, zwischen der Banco de España und dem Rathaus.

Wir verlassen die Alcazaba und gehen zu Fuß hinunter ins Stadtzentrum. Über uns ragen die Mauern und Türme der Festung auf. Auf dem Weg blicken wir nach links auf die von Hochhäusern umgebene Malagueta, Málagas Stierkampfarena. Links vor uns liegen die aus der Höhe gradlinig und streng wirkenden Jardines Pedro Luis Alonso, davor sehen wir das prächtige Rathaus. Das Gebäude daneben ist die Banco de España, und der Hafen im Hintergrund ist ebenfalls nicht zu übersehen.

La Malagueta - Málagas Stierkampfarena
Málaga - Jardines Pedro Luis Alonso
Málaga - Rathaus mit den Jardines Pedro Luis Alonso
Málagas Hafenpromenade

Rundgang durch Málagas historisches Zentrum

Wir beginnen unseren Rundgang durch Málagas Centro Histórico am römischen Theater bzw. dessen Überresten. Viel Bausubstanz der Arena fand beim Bau der Alcazaba eine zweite Verwendung.

Interessant sind die vor dem Theater liegenden Fragmente einer römischen Fischfabrik. Eine Glaspyramide gewährt vom Straßenniveau Einblicke in die darunter befindlichen Reste der ehemaligen Produktionsstätte. Beide historischen Objekte aus der Römerzeit, das Theater und die Fischfabrik, liegen an der Calle de la Alcazabilla, der wir nun bis zur Plaza de la Merced folgen.

Málagas römisches Theater


Málagas römisches Theater


Glaspyramide der römischen Fischfabrik


Glaspyramide der römischen Fischfabrik 


Dort angekommen betrachten wir Picassos Geburtshaus und den Obelisk Monumento a Torrijos. Danach wenden wir uns nach links und gehen auf der Calle Álamos bis zur Calle de Cárcer. Hier biegen wir erneut links ab und schlendern, unserem Gefühl folgend, in Richtung der Plaza de la Constitución. Nach einigem Suchen erreichen wir den „Platz der Verfassung“, der seit ewigen Zeiten das historische Zentrum Málagas ist. Inmitten des weitläufigen Platzes liegt die Fuente de Génova, ein Marmorbrunnen aus dem 16. Jahrhundert.

Plaza de la Merced


Plaza de la Merced


Plaza de la Constitución mit der Fuente de Génova


Plaza de la Constitución mit der Fuente de Génova 


 

 

Gratiskonzert der Banda Municipal de Música

Wir beabsichtigen, die Calle Marqués de Larios hinunterzugehen, um die Läden der Einkaufsstraße anzusehen. Plötzlich hören wir aus einer Seitenstraße klassische Filmmelodien. Wir folgen der Musik und erreichen bald darauf die Plaza de las Flores. Vor uns sitzen Hunderte Menschen auf Klappstühlen und lauschen den Orchestermusikern der Banda Municipal de Música. Das Orchester veranstaltet hier und heute ein Sonntagskonzert mit zeitlosen Filmmelodien. Kostenlos versteht sich, wir sind in Spanien!

Málaga - Konzert der Banda Municipal de Música

Málaga - Konzert der Banda Municipal de Música


Málagas bunt gemischte Kneipenszene

Nach einigen Minuten Zuhörens gehen wir zurück zur Plaza de la Constitución und wenden uns der Pasaje Chinitas zu. Hier und in den umliegenden Gassen reiht sich ein Lokal ans andere. Am Sonntag und um diese Zeit geht es eher beschaulich zu. Das haben wir beim vorherigen Besuch ganz anders wahrgenommen.

Eine von vielen


Eine von vielen


Traditionelle Eckkneipe


Traditionelle Eckkneipe 


Von Málagas Restaurant- und Barszene ist es nicht mehr weit bis zur Plaza del Obispo. Der Platz wird seitlich vom gelben Bischofspalast, daher der Name, und von vorn von der Kathedrale beherrscht. In der Taberna del Obispo gönnen wir uns einen Drink. Der repräsentative Bischofspalast, der Palacio Episcopal, wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Ein Teil des Gebäudes wird vom Diözesanmuseum für sakrale Kunst genutzt.

Málaga - Catedral Basílica de la Encarnación


Málaga - Catedral Basílica de la Encarnación


Málaga - Palacio Episcopal


Málaga - Palacio Episcopal 


La Manquita – die „einarmige“ Kathedrale

Die Catedral Basílica de la Encarnación wird im Volksmund La Manquita, die „Einarmige“, genannt. Die merkwürdige Bezeichnung resultiert daraus, dass, im Gegensatz zum 93 Meter hohen linken Turm der rechte Turm wegen Geldmangels nicht fertiggestellt wurde. Die Kathedrale steht an der Stelle der ehemaligen maurischen Hauptmoschee. Die erwies sich nach der Rückeroberung Andalusiens durch die katholischen Könige als nicht geeignet für Gottesdienste. Der Bau der Kathedrale dauerte insgesamt 254 Jahre, weshalb sie mehreren Stilepochen zuzuordnen ist. Besucher betreten die Kirche durch einen von drei aus rötlichem Marmor geformten Torbögen. Die drei Kirchenschiffe sind 42 Meter hoch. Das mittlere Schiff ist breiter als die seitlich angefügten. In einem Satz: Die prachtvoll ausgestattete Kathedrale sollte Bestandteil jedes Besuchsprogramms sein. Leider bleibt uns heute wegen des Gottesdienstes der Zugang verwehrt.

Eintrittspreis: Sechs Euro; bestimmte Personengruppen zahlen reduzierte Preise.

Málagas Kathedrale


Málagas Kathedrale


Málagas Kathedrale - Frontbereich


Málagas Kathedrale - Frontbereich 


Málagas vielfältige Museen

Zu Málagas mehr als 20 Museen zählt das von einer Stiftung getragene Picasso Museum. Picassos Erben stellten der Kunstsammlung 204 Kunstwerke aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung. Das Museum präsentiert auf effektvolle Weise die unterschiedlichen Mal- und Zeichentechniken des Künstlers einschließlich der keramischen Arbeiten. Die ausgestellten Werke decken alle Etappen des künstlerischen Schaffens Picassos ab. Das Museum ist allerdings nur ein Beispiel für die Vielfalt der musealen Schätze, die Málaga bietet.

Standort: Palacio de Buenavista, Calle San Agustin 8

Zurück zum Kreuzfahrtschiff

Das Picasso Museum ist abgehakt; wir gehen zurück zum Schiff. Dazu orientieren wir uns nach Süden in Richtung des Hafens. Wir passieren das Museo de Málaga und erreichen den Paseo del Parque, eine von Palmen und Bäumen gesäumte Promenade. Das Zwitschern der wilden, in den Bäumen lebenden Sittiche begleitet uns beinahe bis zum Hafeneingang, den die protzige Hafenverwaltung und dekorative Säulen markieren. Im Umfeld der nun folgenden Muelle Uno entstand eine moderne Promenade mit Springbrunnen, Skulpturen und dem Palmenhain Palmeral de las Sorpresas. Die schöne Gartenanlage besteht aus 420 Palmen sowie Tausenden Pflanzen und Gehölzen. Bei Bedarf wird die Mole als zweiter Terminalbereich für kleinere Kreuzfahrtschiffe genutzt.

Málaga - Palmenhain Palmeral de las Sorpresas


Málaga - Palmenhain Palmeral de las Sorpresas


Málaga - Kai Palmeral de las Sorpresas


Málaga - Kai Palmeral de las Sorpresas 


Gleich vorne an der Muelle Uno liegt auf Dauer die Santisima Trinidad, der Nachbau eines historischen Segelschiffs, das als Restaurantschiff genutzt wird. Das Original war ein im Jahr 1769 auf Kuba gebautes Kriegsschiff. Es sank bei der Schlacht von Trafalgar. Hinter der Santisima Trinidad liegen drei weitere Schiffe. Es sind die Clara Campoamor, ein unter spanischer Flagge fahrendes SAR-Schiff von 80 Meter Länge. Es folgt das Segelschiff Christian Radich. Das ehemalige norwegische Schulschiff fährt seit 1999 unter Charter und bietet Touren für Gäste an. An letzter Position liegt die Akademik Shokalskiy, ein ehemaliges russisches Forschungsschiff der Eisklasse. Es fährt im Auftrag von Quark Expeditions, einem Unternehmen, das Kreuzfahrten in die Arktis und Antarktis anbietet.

Málaga - Schiffe an der Muelle Uno

Málaga - Schiffe an der Muelle Uno


Málagas Hafen ist weitläufig. Vom Hafeneingang bis zu unserem Schiff gehen wir knapp zwei Kilometer. Zur Linken sehen wir das futuristisch wirkende Centre Pompidou Málaga, es folgen die kleine Kirche Capilla del Puerto und der Leuchtturm. Bald darauf betreten wir das Kreuzfahrtterminal.

Málagas Leuchtturm

Málagas Leuchtturm


Málaga – Fazit

Malaga, Andalusiens zweitgrößte Kommune, ist eine außerordentlich anziehende, saubere und interessante Stadt. Wir bedauern es, dass wir Málaga bislang nur viermal im Zusammenhang mit Kreuzfahrten sehen durften. Leider zieht uns unser Fernweh gewohnheitsmäßig an neue Orte; ein Aspekt, den wir sehr schätzen.

Update März 2021