Unser Kreuzfahrtschiff liegt am Cruise Terminal von Tourelles, einer der beiden Kaianlagen für Kreuzfahrtschiffe in Fort-de-France, der Hauptstadt der Karibikinsel Martinique. Der Name ist Musik in unseren Ohren. Nach einem ausgiebigen Frühstück ist es an der Zeit, in den Tag zu starten.

Martinique - Fort-de-France - Cruise Terminial
Wir buchten keine organisierte Tour. Statt dessen wollen wir etwas auf eigene Faust unternehmen. Die Inselhauptstadt Fort-de-France und die ihr gegenüberliegende Pointe du Bout stehen auf unserem Tagesprogramm. Beides wollen wir kennenlernen.
Zu Fuß ins Zentrum von Fort-de-France
Um in das Stadtzentrum zu gelangen, ist es erst einmal erforderlich, den außerhalb des Zentrums befindlichen Quai des Tourelles zu verlassen. Der Liegeplatz ist, anders als die zentral gelegene Pointe Simon Pier, von seiner Lage her zwar nicht der Hit. Dennoch sind wir uns sicher, innerhalb einer halben Stunde das Stadtzentrum zu Fuß zu erreichen und auf dem Weg ganz nebenbei einige der erwarteten Sehenswürdigkeiten zu sehen. Nicht dass es hier keine Taxen gäbe. Die bewahren wir uns für später auf. Vielleicht. Übrigens: Die wesentlichen Attraktionen der Hauptstadt beschreiben wir unter Ausgewählte Sehenswürdigkeiten der Karibikinsel Martinique..
Die Umrundung des Hafengebiets auf der Avenue Maurice Bishop gerät eher zu einer langweiligen Pflichtübung. Abwechslungsreicher wird es, als wir danach links in die Rue Bouillé und danach rechts in die Rue Jacques Cazotte einbiegen. Zwischendurch sehen wir rechts von uns am Hang die Chapelle du Calvaire.

Martinique - Chapelle du Calvaire
Am Ende der Rue Cazotte sehen wir die Prefecture.

Martinique - Fort-de-France - La Prefecture
Dort biegen wir nach links in die Rue de la Liberté ein. Bald darauf passieren wir die Bibliothèque Schoelcher. Zur Linken liegt der Park La Savane mit dem kopflosen Marmorstandbild der Kaiserin Josephine, der ersten Ehefrau Napoleons, die von Martinique stammte.

Martinique - Fort-de-France - Marmorbild von Joséphine de Beauharnais
Zwei Blocks weiter biegen wir ab in die Rue Moreau De Jones. Auf der Höhe des ansehnlichen, ehemaligen Palais de Justice – es wird in der Gegenwart als Kulturzentrum genutzt – wenden wir uns nach links in die Rue Victor Schoelcher.
Kurz darauf biegen wir nach rechts in Rue Antoine Siger ab und stehen bald danach vor der Markthalle des Marché Couvert. Die Stände der Markthalle bieten vieles: Gewürze, Gemüse und Obst, karibische Arzneimittel, Spirituosen, Souvenirs, Kunsthandwerk und anderes mehr. Genug gestaunt:
Wir wenden uns in Richtung des Place Monseigneur Romero. Dort steht die römisch-katholische Kathedrale Saint-Louis de Fort-de-France.
Getreu unserem Motto, wo eine Kathedrale ist, gehen wir hinein, steigen wir die wenigen Stufen zum Portal hinauf. Die Kirche ist gerammelt voll. Es findet gerade ein Gottesdienst statt, klar es ist Sonntag. Da dürfen und wollen wir nicht stören. Bevor wir das Gebäude wieder verlassen, gelingt es uns, einen längeren Blick auf das Stahlskelett der Kirche zu werfen. Sehr interessant das Ganze. Etwas dunkel im Innenraum und keine üppigen Buntglasfenster, wie wir sie von europäischen Kirchen gewohnt sind. Hier hat sich die Amtskirche eher in Bescheidenheit und Verzicht geübt.
Nach Verlassen der Kathedrale halten wir uns noch ein wenig auf der Place Monseigneur Romero auf, freuen uns über die Werbung der nebenan liegenden Galeries Lafayette, die uns sehr vertraut vorkommt. Nur haben wir die Galeries an anderen Orten schon deutlich größer gesehen. Es ist wirklich schade, dass heute Sonntag ist. Die gesamte Stadt wirkt wie ausgestorben. Sie lässt sich auch nicht beleben. Wir geben auf und gehen die Straße hinunter zur Baie des Flamands.
Unsere anfänglich aufgekommene Langeweile ist verflogen. Wir gewinnen den Eindruck, durch eine französische Provinzstadt zu streifen. Gepflegte Straßen, die wie auf dem Reißbrett entworfen wirken, ordentliche und weniger ordentliche Häuser, einladende Parkanlagen etc. Wenn da nicht die Landschaft und die doch verdächtig tropisch anmutende Region wären, fühlten wir uns nach Südfrankreich versetzt.
Besuch der Pointe du Bout
An der Baie des Flamands legen nicht nur große Kreuzfahrtschiffe an; hier starten die Personenfähren, die uns für kleines Geld über die weite Bucht zur Pointe du Bout bringen. Die kleine Ansiedlung auf der anderen Seite der Bucht erinnert verblüffend an südfranzösische Ferienorte. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Eine Marina, hübsche Restaurants, Bars, Hotels, Appartmenthäuser, Wochenenddomizile und kleinere Strandstücke.
Wir entscheiden uns für einen Aufenthalt am Strand der Anse Mitan, einer in der Nähe gelegenen Bucht von knapp einem Kilometer Länge. Der Strand ist nicht einmal erstklassig. Für zwei bis drei Stunden Sonnenbad, Schwimmen und Entspannung reicht er allemal. Neben dem Strand verläuft eine Straße, die empfinden wir nicht als störend, eher förderlich. Um etwas zu essen oder zu trinken braucht man nur über die Straße zu gehen. Wir sehen genügend Restaurants und Bars, um Hundertschaften von Urlaubern zu beköstigen. Hier lässt es sich vermutlich gut entspannen.
Hinter den Häusern liegen in Hanglage Ferienanlagen und Häuser. Diese zweite, herausgehobene Lage sichert den besseren Blick auf die Bucht und auf das jenseits der Anse Mitan aufragende Massiv der Pitons du Carbet.

Martinique - Restaurant in Anse Mitan
Der Gedanke, dass unser Schiff nicht ohne uns abfahren soll, ruft uns in die Gegenwart zurück. Wir schlendern zurück zum Hafen und fallen erst einmal ins Restaurant La Marine ein, um einen Drink zu nehmen. Danach geht es mit der Fähre über die Bucht zurück nach Fort-de-France.

Martinique - La Marine Restaurant
Wir haben uns den Tag über noch nicht richtig bewegt. Also treten wir auch den Rückweg zum Schiff zu Fuß an. Vorher werfen wir aber noch einige Blicke auf das mächtige vom Wasser umgebene Fort Saint Louis, das von der Seeseite uneinnehmbar wirkt.

Martinique – Francaise Beach und Fort Saint Louis
Fazit
Alles in allem genossen wir einen schönen Tag. Noch besser wäre es gewesen, wenn wir Fort-de-France an einem Wochentag erlebt hätten. Wir sind überzeugt, unsere Wahrnehmungsgabe hätte noch mehr angenehme Eindrücke zutage gefördert. Es scheint uns durchaus vorstellbar, auf der 1.128 Quadratkilometer großen Insel einen längeren Urlaub zu verbringen. Langweilig dürfte es dabei überhaupt nicht werden, wenn wir einmal bedenken, was wir alles an diesem einen Tag nicht gesehen haben.
Update März 2025













