Autor: Karl W. P. Beyer

Martinique, der Name ist Musik in unseren Ohren. Nach einem ausgiebigen Sonntags-Frühstück wird es Zeit, in den Tag zu starten. Wir haben keine organisierte Tour gebucht. Statt dessen wollen wir etwas auf eigene Faust unternehmen. Die Inselhauptstadt Fort-de-France und die ihr gegenüberliegende Pointe du Bout stehen auf unserem Programm. Beides wollen wir kennenlernen. Dazu ist es erst einmal erforderlich, den außerhalb des Zentrums befindlichen Quai des Tourelles zu verlassen. Der Liegeplatz ist von seiner Lage her zwar nicht der Hit, wir sind uns jedoch sicher, innerhalb einer halben Stunde das Stadtzentrum zu Fuß zu erreichen. Nicht dass es hier keine Taxen gäbe. Die bewahren wir uns aber für später auf. Vielleicht.

Die Umrundung des Hafengebiets auf der Avenue Maurice Bishop gerät eher zu einer langweiligen Pflichtübung. Abwechslungsreicher wird es, als wir danach links in die Rue Bouillé und danach rechts in die Rue Jacques Cazotte einbiegen. Zwischendurch sehen wir rechts von uns am Hang die Chapelle du Calvaire. Am Ende der Cazotte sehen wir die Prefecture.

Martinique-Chapelle du Calvaire     Martinique-La-Prefecture

Hier biegen wir nach links in die Rue de la Liberté ein. Bald darauf kommen wir an der Bibliothèque Schoelcher vorbei. Zur Linken liegt der Park La Savane mit dem kopflosen Marmorstandbild der Kaiserin Josephine, der ersten Ehefrau Napoleons, die von Martinique stammte. Zwei Blocks weiter geht es in die Rue Moreau De Jones. Auf der Höhe des ansehnlichen Palais de Justice wenden wir uns nach links in die Rue Victor Schoelcher und stehen kurz danach auf der Place Monseigneur Romero vor dem Westwerk der Kathedrale Saint-Louis de Fort-de-France.

Martinique-Palais Justice      Martinique-Kathedrale

Die anfängliche Langeweile ist verflogen. Wir gewinnen den Eindruck, durch eine französische Provinzstadt zu streifen. Gute Straßen, die wie auf dem Reißbrett entworfen wirken, ordentliche und weniger ordentliche Häuser, gepflegte Parkanlagen etc. Wenn da nicht die Landschaft und die doch verdächtig tropisch anmutende Region wären, fühlten wir uns nach Südfrankreich versetzt.

Getreu unserem Motto, wo eine Kathedrale steht, müssen wir hineingehen, steigen wir die paar Stufen zum Portal hinauf. Die Kirche ist gerammelt voll. Es findet gerade ein Gottesdienst statt. Da dürfen und wollen wir nicht stören. Bevor wir das Gebäude wieder verlassen, gelingt es uns, einen längeren Blick in die auf einem Stahlskelett aufgebaute Kirche zu werfen. Sehr interessant das Ganze. Etwas dunkel im Innenraum und keine allzu üppigen Buntglasfenster. Hier hat sich die Amtskirche eher in Bescheidenheit und Verzicht geübt.

Martinique-Gottesdienst in der Kathedrale

Martinique - Gottesdienst in der Kathedrale


Nach Verlassen der Kathedrale lungern wir noch ein wenig auf der Place Monseigneur Romero herum, freuen uns über die Werbung der nebenan liegenden Galeries Lafayette, die uns sehr vertraut vorkommt. Nur haben wir die Galeries an anderen Orten schon deutlich größer gesehen. Es ist wirklich schade, dass heute Sonntag ist. Die gesamte Stadt wirkt wie ausgestorben. Sie lässt sich auch nicht beleben. Also gehen wir die Straße hinunter zur Baie des Flamands. Hier nehmen wir das nächstbeste Fährschiff, das uns für kleines Geld über die weite Bucht zur Pointe du Bout bringen soll.

Baie de Flamands

Baie de Flamands


Die kleine Ansiedlung auf der anderen Seite der Baie erinnert verblüffend an südfranzösische Ferienorte. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Eine Marina, hübsche Restaurants, Bars, Hotels, Appartmenthäuser, Wochenenddomizile und kleinere Strandstücke.

Martinique-Marina an der Pointe du Bout     Martinique-Restaurant la Marine

Wir entscheiden uns für den Strand an der Anse Mitan, einer in der Nähe gelegenen Bucht von knapp 1 km Länge. Der Strand ist nicht einmal erstklassig. Für 2 bis 3 Stunden Sonnenbad, Schwimmen und Entspannung reicht es allemal. Am Strand entlang verläuft eine Straße, die wir nicht als störend empfinden. Eher förderlich für einen gepflegten Strandtag ist hier, dass man nur über die Straße zu gehen braucht, um etwas zu essen oder zu trinken. Wir sehen genügend Restaurants und Bars, um Hundertschaften von Urlaubern zu beköstigen. Hier lässt es sich vermutlich gut entspannen. Hinter den Häusern liegen in Hanglage Ferienanlagen und Häuser. Diese zweite, herausgehobene Lage sichert den besseren Blick auf die Bucht und auf das jenseits der Anse Mitan aufragende Massiv der Pitons du Carbet.

Martinique - Anse Mitan     Martinique - Restaurant an der Anse Mitan    

Der Gedanke, dass Mein Schiff nicht ohne uns abfahren soll, ruft uns in die Gegenwart zurück. Wir schlendern zurück zum Hafen und fallen erst einmal ins Restaurant La Marine ein, um einen Drink zu nehmen. Danach geht es mit der Fähre über die Bucht zurück nach Fort-de-France. Wir haben uns den Tag über noch nicht richtig bewegt. Also treten wir auch den Rückweg zum Schiff zu Fuß an. Vorher werfen wir aber noch einige Blicke auf das mächtige vom Wasser umgebene Fort Saint Louis, das von Seeseite uneinnehmbar wirkt.

Martinique - Fort Saint Louis

Das war heute alles in allem ein schöner Tag. Wir hätten die Großstadt Fort-de-France gern an einem Wochentag erlebt. Wir sind überzeugt, unsere Wahrnehmung hätte noch mehr angenehme Eindrücke zutage gefördert. Es scheint uns durchaus vorstellbar, auf Martinique einen längeren Urlaub zu verbringen. Langweilig dürfte es dabei überhaupt nicht werden, wenn wir einmal bedenken, was wir alles an diesem einen Tag nicht gesehen haben.