Ein Tag auf den Florida Keys


Anfang März 2012 bereiten wir uns unter der wärmenden Sonne Floridas auf eine Kreuzfahrt mit der Celebrity Equinox in die westliche Karibik vor. Es ist viel Zeit vergangen, seit wir zuletzt die Florida Keys besucht haben. Grund genug, um den gemieteten SUV zu starten und vom verkehrsgünstig gelegenen Florida City aus eine Tour nach Key West zu unternehmen.

Über den South Dixie Highway ist es ein Katzensprung zum US Highway 1, den Overseas Highway, der hinunter nach Key West führt, zum südlichsten Punkt des US-Kontinents. Die Entfernung beträgt etwa 130 Meilen. Wer will, kann noch einen Abstecher über die Card Sound Road nach North Key Largo machen (Mautstraße), vorbei am Crocodile Lake National Refuge (kein Zutritt). Die Schönheit der Landschaft macht den Umweg empfehlenswert. Wir allerdings sparen uns den Schlenker.

Overseas Highway

Overseas Highway


Weshalb fahren wir überhaupt nach Key West? Der Weg ist das Ziel. Es ist die faszinierende Landschaft, die uns erneut veranlasst, die Strecke zu fahren. Die Melange aus dem Grün der Inseln, dem türkisfarbenen Meer, den vorwitzigen Pelikanen, die in ihrem Segelflug auf unser Auto zuhalten, den 42 Brücken zwischen den Inseln und vielem anderen macht es. Das alles begeistert den Nordeuropäer, der zuvor der Kälte des alten Kontinents entronnen ist.
Florida Keys - Türkisfarbenes Meer     Florida Keys - Riskantes Flugmanöver   

Die flachen zwischen dem Atlantik und dem Golf von Mexiko gelegenen Inseln sind vor allem Orte der Entspannung und der Wassersportarten. Ach ja, und Tiere kann man beobachten. Delfine und alle möglichen Vogelarten. Allen voran Pelikane. Wir lieben Pelikane!

Florida Keys - Körperpflege

Florida Keys - Körperpflege


Nachdem wir nun den Zugang zu den Florida Keys erfolgreich hinter uns gelassen haben, geht es ab dem „Mile Marker“ 126 (126. Meile ab Key West) in bequemer Fahrt über die U.S. 1 hinüber nach Key West. Dabei passieren wir zuerst Key Largo.

Key Largo ist von türkisfarbenem Wasser umgeben. Taucher und Schnorchler aus aller Welt besuchen den größten Teil des Jahres die Inselgruppe mit dem davor liegenden Korallenriff. Als Attraktion gilt der im Osten liegende John Pennekamp Coral State Park, dem 1978 der Status eines Nationalen Meeresschutzgebiets zuerkannt wurde.

Auf Key Largo folgt Islamorada. Es gibt Stimmen, die Islamorada zum Ort mit der weltweit größten Sportfischerflotte innerhalb einer Quadratmeile erklären. Das dürfte alles beschreiben. Sehr bald sehen wir einen gigantischen Lobster, der vor vielen Jahren bereits einen Parkplatz zierte. Allerdings hätten wir ihn auf der anderen Straßenseite erwartet. Soviel zu unserem Erinnerungsvermögen.

Die Gemeinde mit dem wohlklingenden Namen ist ein Kunstgebilde bestehend aus den Inseln Plantation Key, Windley Key, Upper Matecumbe Key, Lower Matecumbe Key und Long Key. Im Norden an die Florida Bay und im Süden an den Atlantik grenzend wird nach allem gefischt, was Flossen hat: Mahimahi (Goldmakrelen), Kingfish, (verschiedene Makrelenarten), Haie usw. Öffentliche Strände ziehen die Nichtfischer an. Auf Höhe des Mile Markers 67,5 biegt die Straße zum Long Key State Park ab.
Florida Keys - Islamorada Künstlerdorf     Florida Keys - Lower Matecumbe Key   

Die auf Islamorada folgende Gemeinde Marathon Key wird als Mittelstück der Keys bezeichnet. Die Ursprünge gehen auf eine Fischersiedlung zurück. Wen es interessiert, besucht das Dolphin Research Center. Das Center ist eine Non-Profit-Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Delfine und Kalifornische Seelöwen zu schützen.

Florida Keys - Marathon Key

Florida Keys - Marathon Key


Auf dem Weg nach Südwesten fahren wir an Pigeon Island vorbei. Die 20.000 m² große Insel war einst der Dreh- und Angelpunkt von Henry Flaglers Florida East Coast Railway. Die Bahn verband einstmals Miami mit Key West. Heute ist sie schon längst Geschichte. Auf Pigeon Island lebten die 400 Arbeiter, die die Bahn in den Jahren zwischen 1908 und 1912 über die Keys bauten. 14 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche wurde gearbeitet. Auf der Insel erinnert ein kleines Museum an diese harte Zeit auf. Von Knight’s Key/Marathon ist die Insel mit der Fähre zu erreichen.

Florida Keys - Pigeon Island

Florida Keys - Pigeon Island


Auf der Höhe des Mile Markers 50 könnten wir in Richtung Atlantik zum Sombrero Beach abbiegen. Das Areal ist eingezäunt, es gibt Picknickplätze, Spielplätze und einen strahlend weißen Sandstrand mit Kokospalmen. Das Wasser fällt steiler ab, als an anderen Stränden der Florida Keys. Im Sommer legen hier Schildkröten ihre Eier ab. Leider drängt die Zeit. Wir müssen weiter fahren.

Südlich von Marathon folgt die gigantische „neue“ Seven Mile Bridge. Es dauert eine Weile, bis wir sie passiert haben. Hinter der Brücke schließen sich die Lower Keys an. Von allen Keys ist diese Inselgruppe, das am wenigsten touristisch entwickelte Areal.

Florida Keys - Seven Mile Bridge

Florida Keys - Seven Mile Bridge


Am Mile Marker 37 liegt der Bahia Honda State Park. Der Name hat nichts mit einer japanischen Automarke zu tun sondern ist spanischen Ursprungs. Im Spanischen bedeutet Bahia Honda „tiefe Bucht“. Das Wasser vor der Insel erreicht tatsächlich bis zu 12 Meter Tiefe.

Der Park ist bekannt für seine herrlichen Strände und die großartigen Gelegenheiten zum Schnorcheln. Auf 212 ha lassen sich hier Rosa Löffler, Pelikane und diverse Reiherarten beobachten. Besuchern ist es gestattet, am Strand zu picknicken und zu fischen. Vom Eisenbahnbetrieb ist die 1,5 km lange Old Bahia Honda Bridge übrig geblieben. Ein Stück weit kann sie begangen werden. Die Eintrittsgebühr für den Park beträgt 8 US$ pro Auto (max. 8 Personen).

Florida Keys - Old Bahia Honda Bridge

Florida Keys - Old Bahia Honda Bridge


Auf Big Pine Key leben im Key Deer Refuge die Key Deers. Bei ihnen handelt es sich um kleine Hirsche. Es heißt, dass diese bedrohte Tierart zwischen den Inseln herumschwimmen kann. Leider haben wir weder das Eine noch das Andere gesehen.

Wir erreichen in Kürze Key West. Unübersehbar zur Linken die ausgedehnte Naval Air Station. Darauf folgt Stock Island mit dem Botanischen Garten und dann endet der Overseas Highway nach 126 Meilen am S. Roosevelt Boulevard, in den wir nach links einbiegen.

Unser erstes Ziel in Key West ist der Southernmost Point of Continental USA. Der ist einfach zu erreichen. Wir folgen dem Roosevelt Blvd und passieren das Best Western Hotel und den Key West International Airport. Endet die Straße auf der wir gerade fahren, biegen wir nach rechts ab. Danach nehmen wir sofort die nächste Straße nach links. Das setzen wir einige Male fort, bis wir dann der South Street folgend direkt am Southernmost Point anlangen. Zuerst einmal muss das Auto geparkt werden. Das erweist sich trotz der vielen Menschen nicht als schwierig. Zweimal um die Ecke, und wir haben unseren Parkplatz gesichert und können uns ins Getümmel stürzen.

florida keys 711 schlangenbildung am southernmost point

Florida Keys -Schlangenbildung am Southernmost Point


Etwa 15 Jahre zuvor war der Punkt ein Ort der Ruhe. Heute sieht das anders aus. Zig Menschen versammeln sich an der monumentalen Boje, um sich gegenseitig abzulichten. Es fällt schwer, die Landmarke ohne einen einzigen Menschen zu fotografieren. Um die Boje herum ist alles „Southernmost“. Der Southernmost Point, das Southernmost House Grand Hotel & Museum (J.F.K. schlief hier, ob mit Marilyn wissen wir nicht), der Southernmost Beach (hier nahm Tennessee Williams jeden Morgen ein Bad), das Southernmost Hotel, the Closest Gift Shop to Cuba, usw. Dazwischen auf dem Fußweg eine Henne mit ihren Küken, die sich durch den Trubel nicht beirren lässt.

Florida Keys -Southernmost House

Florida Keys -Southernmost House


Das Verlässliche an vielen US-Städten sind die geradlinig angelegten Straßen. Wir biegen in die Whitehead Street ein und gleiten vorbei am Hemingway House nach Nordwest. Rechts und links Läden, Restaurants, Bars, Guesthouses. Dann knickt die Straße nach rechts in die Front Street ab und am Cayo Hueso Habana finden wir direkt neben dem Mallory Square einen guten Parkplatz. Nicht billig, aber ausreichend Platz für einen großen Wagen. Hätten wir die parallel verlaufende Duval Street genommen, könnten wir behaupten, vom Atlantik zum Golf von Mexiko gefahren zu sein. - Die Front des Historischen Hafens wurde bis hinauf zum Mallory Square wirkungsvoll durch einen Boardwalk aufgewertet. Restaurants, Bars und Läden schmücken das Areal. Schön ist es hier geworden. Jeden Abend wird der Sonnenuntergang am Mallory Square von Gästen, Musikern, Straßenkünstlern und T-Shirt-Verkäufern zelebriert.

Florida Keys -Mallory Square

Florida Keys -Mallory Square


Nach den „Must-see" um den Southernmost Point herum findet der Besucher auch hier oben allerlei Sehenswertes, z. B. Mel Fisher’s Treasures Schatzmuseum. Im Museum wird die Ausbeute einer 16jährigen Suche nach einer im Jahr 1622 in den Küstengewässern vor Key West gesunkenen Schatzflotte ausgestellt.

Interessant ist auch ein Besuch im Key West Shipwreck Museum in der Nähe des Mallory Square. Das Museum ist ob seiner Holzkonstruktion eines 20 m hohen Beobachtungsturms nicht zu übersehen. Das Museum kombiniert und präsentiert Darsteller, Filme und Fundstücke der Isaac Allerton, die 1856 vor den Florida Keys versank.

Florida Keys -Shipwreck Museum

Florida Keys -Shipwreck Museum


In den Hochzeiten der Seefahrt passierten täglich 100 Segelschiffe die trügerischen Gewässer um Key West. Durchschnittlich havarierte 1 Schiff pro Woche. Aus den Schiffshavarien entwickelte sich der lukrative Wirtschaftszweig der „Wrecker“. Von bis zu 27 m hohen Türmen wurde die Umgebung nach Wracks abgesucht. Wurde ein gestrandetes Schiff gesichtet, begann der Wettlauf um die Bergung. Die Seeleute wurden von Bord geholt. Die geretteten Waren wurden in Sicherheit gebracht und auktioniert. Je nach Schwierigkeitsgrad des Rettungseinsatzes verblieben den „Wreckern“, also den professionellen „Rettern,“ zwischen 25 bis 50 Prozent des Erlöses. Mit diesem Geschäftsmodell rückte Key West zu einer der wohlhabendsten Städte Amerikas auf, mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen des Landes. Erst im Jahr 1921 endeten diese merkwürdigen Praktiken. Für 15 US$ erfährt man dieses und vieles mehr über das Museum.

Nahe am Mallory Square liegt das Key West Museum of Art & History. Das unübersehbare Gebäude aus roten Backsteinen diente zuvor als Zollhaus, Postamt, Gerichtsgebäude und als Verwaltungsstelle. Heute werden dort die Werke der Künstler Mario Sanchez und Paul Collins ausgestellt. Des weiteren ist eine Dauerausstellung dem Leben des Ernest Hemingway gewidmet.

Florida Keys -Key West Museum

Florida Keys -Key West Museum


Amüsant finden wir den Key West Historic Memorial Sculpture Garden nahe dem Mallory Square. Seit dem Jahr 1997 sind den bedeutendsten Menschen Key Wests hier 36 Bronzebüsten errichtet worden. Die Anlage finanziert sich u. a. aus Stiftungen und durch den Verkauf von Pflastersteinen. Im Frühjahr 2012 sind die Büsten mit Häkelarbeiten verziert worden. Inmitten der Anlage wurde den „Wreckern“ ein Denkmal gesetzt.

Florida Keys - The Wreckers

Florida Keys - The Wreckers


Einen Besuch wert wäre Fort Jefferson im 70 Meilen vor Key West gelegenen Dry Tortugas National Park. Da ein solcher Besuch das Tagesprogramm gesprengt hätte, verzichten wir darauf.

Zu Mittag essen wir im Bar & Restaurant „Red Fish Blue Fish“. In einem Patio werden uns von freundlichen Kellnern gutes Essen und gute Getränke serviert. Das Restaurant steht nicht auf unserer Besuchsliste. Umso besser, dass der Praxistest positiv endet.

Unser Fazit: Die Fahrt nach Key West ist zu empfehlen. Der Ort hat durch die Sanierung der Front des Historischen Hafens sehr gewonnen. In Key West könnten wir noch viel mehr Zeit verbringen.

Zurück geht es mit vielen Stopps nach Florida City. Dort wartet bereits ein angenehmes Abendessen im „Mutineer“. Den „Meuterer“ haben wir vom ersten Abend an ins Herz geschlossen. Live Musik, gute Stimmung, gutes Essen, gute Getränke, flinke Kellnerinnen. Was will man mehr?