„Wenn auf Capri die rote Sonne im Meer versinkt ...“, mit diesen unsterblichen Worten wurde in den 1950er Jahren das 10 km² große Eiland im Golf von Neapel besungen. Die Maße der südlichen Schönheit sind wie folgt: Mehr als sechs Kilometer lang, knapp drei Kilometer breit und - am Monte Solaro - maximal 589 Meter hoch. Zwei Orte prägen die Insel: Das legendäre Capri in 142 m Höhe über dem Meer und das 275 m hoch gelegene beschauliche Anacapri.

Molo Angioino in NeapelKleinere Kreuzfahrtschiffe ankern vor Capris Küsten und bieten ihren Gästen schnellen Zugang zur Insel. Große Schiffe legen an Neapels Molo Angioino an. Neben dem sanierten Cruise Terminal liegt der Beverello-Hafen, von dem Fährschiffe regelmäßig zu den Inseln des Golfes und nach Sorrent oder in Richtung Amalfi-Küste ablegen.

Preisgünstig aber langsam sind die Personenfähren unterwegs. Die Fahrten mit schnellen Schiffen, den Aliscafi, Catamaranen und Jets, sind deutlich teurer. Fahrkarten dieser Boote können sowohl online gebucht werden, als auch durch altmodisches Anstellen an den Warteschaltern der Diensteanbieter erworben werden.

Schnellfähre nach CapriIm Mai 2013 trafen wir mit der Celebrity Silhouette in Neapel ein. Vom Cruise Terminal gingen wir circa fünf Minuten bis zu den Abfertigungsschaltern an der Molo Beverello. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir unsere Fahrkarten gekauft und durften den "Jet" der Navigazione Libera del Golfo (NLG) besteigen. Für die Hin-und Rückfahrt wurden 39,50 Euro pro erwachsene Person berechnet. Um uns herum saßen Gäste unseres Kreuzfahrtschiffes, die ein Ausflugspaket nach Capri für weit mehr Geld gebucht hatten.

Der „Jet“ braucht für die Fahrt nach Capris Hafen Marina Grande etwa eine dreiviertel Stunde. In Sichtweite der Mole liegt die Funicolare, die den Besucher innerhalb von vier Minuten über 140 Höhenmeter bergan nach Capri bringt. Den dazu gehörenden Ticketschalter findet man nach einigem Suchen neben der Mole, wo man ihn am allerwenigsten erwartet hätte.

Capri - Marina Grande

Capri - Bergstation der FunicolareWer will, erspart sich die 1,80 Euro Fahrtkosten mit der modernen Standseilbahn und steigt über einen schönen Serpentinenweg und diverse Treppen hinauf in die 7.000 Einwohner zählende Stadt Capri. Das ist unsere Sache nicht. Schließlich möchten wir etwas von Capri sehen und keine Zeit verlieren.

Die Seilbahnfahrt endet vor der Piazza Umberto I. Dort befindet sich eine winzige Touristeninformation, in der für wenig Geld eine vorzügliche Karte der Insel mit dem Hinweis auf die touristischen Attraktionen verkauft wird. Und dann laufen wir kreuz und quer durch Capri. Es gibt allerhand zu sehen: Ein schönes Stadtbild, reizvolle Läden, Bars, Restaurants und gepflegte Hotels. Autos fehlen völlig. Lediglich Elektrokarren werden für Lieferungen auf den engen Straßen des Orts eingesetzt.

Capri - Piazza Umberto I Idylle im Ort Capri

Capri ist seit Langem ein Traumziel von Besuchern aus aller Welt. Der erste bedeutende Gast Capris war wohl der römische Kaiser Tiberius, der Stiefsohn von Kaiser Augustus. Er verlegte im Jahr 26 n. Ch. kurzerhand seinen Regierungssitz von Rom nach Capri. Bis zu seinem Tod im Jahr 37 n. Ch. blieb er der Insel treu. Während seiner Anwesenheit sollen diverse kaiserliche Villen auf der Insel entstanden sein. - Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an galt es als schick und bekömmlich, den Winter über auf Capri zu verbringen. Dieses Privileg genossen Schriftsteller und Künstler. Der Name des deutschen Industrielle Friedrich Alfred Krupp ist ebenfalls eng mit dem Namen Capris verbunden.

Die Top-Sehenswürdigkeit Capris, die Blaue Grotte, ersparen wir uns dieses Mal. Ebenso den Arco Naturale, der seine Entstehung einer eingestürzten Grotte verdankt. Für die bezaubernde Landschaft Capris sollte man mehr Zeit und Muße zum Entdecken mitbringen, als die wenigen Stunden, die der Aufenthalt eines Kreuzfahrtschiffs in Neapel ermöglicht.

Sehenswert erscheinen uns die Giardini di Augusto, die Gärten des Augustus und die Certosa di San Giacomo, die Kartause des hl. Jakob.

Capri - Giardini di AugustoVon den Gärten des Augustus genießt man einen herrlichen Ausblick auf die Faraglioni-Felsen und die Marina Piccola. Zur Bergseite blickt man nach Cesina und zum MonteTuoro. Von den Gärten des Augustus führt die Via Krupp in Serpentinen hinunter zur Marina Piccola. Der deutsche Industrielle Friedrich Alfred Krupp veranlasste den Bau des Weges.

Capri - Die Faraglioni-Felsen Capri - Via Krupp

Die Kartause wurde in landschaftlich schönster Lage vermutlich auf den Ruinen eines Kaiserpalastes errichtet. Es wird berichtet, dass die ursprüngliche Anlage schon während der Sarazeneneinfälle im Jahr 500 n. Ch. Schaden genommen hätte. Die Klosteranlage und das Museo Diefenbach des deutschen Malers und Sozialreformers können besichtigt werden.

Capri - Landschaft nahe der Via Krupp Capri - Certosa di San Giacomo

Nicht unbedingt eine Sehenswürdigkeit, dennoch eines Hinweises wert ist die Deutsche Evangelische Kirche. Sie wurde im Auftrag der deutschen Kolonie im Jahr 1899 errichtet.

Capri - Deutsche Evangelische Kirche

Capri - Deutsche Evangelische Kirche


Ein Besuch der Insel wäre unvollständig ohne eine Visite des Ortes Anacapri. Mit einem winzigen Bus geht es auf verwinkelter Straße entlang atemberaubend tief abstürzender Felsen in den 275 m über dem Meeresniveau liegenden Ort. Der Busfahrer könnte die Strecke vermutlich blind fahren. Dennoch ist die Straße nichts für Angsthasen.

Capri - Bergziege Capri - Straße hinauf nach Anacapri

Am Ziel der Wünsche angekommen wenden sich die Besucher wohl am ehesten der Villa San Michele zu, dem Haus des schwedischen Arztes und Schriftstellers Axel Munthe, der bereits im Jahr 1876 die Villa Capodimonte des Kaisers Tiberius für sich entdeckte. Später war es ihm möglich, ein repräsentatives Wohnhaus, einen großen Terrassengarten, Säulengänge und Galerien zu bauen. Der Grund und die aufstehenden Gebäude sind schwedisches Staatseigentum und können täglich besichtigt werden.

Capri - Villa San Michele in Anacapri -Detail

Capri - Villa San Michele in Anacapri -Detail


Von der Piazza Vittoria führt der Sessellift auf den 589 m hohen Monte Solaro. Von dort oben bietet sich dem Besucher bei Sonnenschein ein grandioser Ausblick auf die Insel, den Golf von Neapel bis hinüber nach Ischia.

Capri - Monte Solaro Seilbahn in Anacapri

Capri - Monte Solaro Seilbahn in Anacapri


Capri - Sankt-Michaels-Kirche in AnacapriHübsch anzusehen ist auch die vor beinahe 300 Jahren erbaute achteckige Erzengel Michael Kirche an der Via Orlandi, die vor allem wegen ihres Majolikabodens gerühmt wird. Der Boden beschreibt die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies. Blumen, Pflanzen und Tiere, darunter Einhörner, zeichnen ein stimmungsvolles Bild des Garten Eden.

Capri - Casa Rossa in AnacapriZu den weiteren Sehenswürdigkeiten Anacapris zählt die Casa Rossa. Auf Initiative des amerikanischen Obersten J. C. Mackowen wurde das Haus in der Zeit von 1876 bis 1898 um den Aragonesischen Turm herum errichtet. Es dient heute als Museum und zeigt, wie Maler die Insel im 19. und 20 Jahrhundert sahen. Seit 2008 werden leihweise drei antike römische Statuen ausgestellt, die zwischen 1964 und 1974 in der Blauen Grotte gefunden wurden.

Wer gut zu Fuß ist, verzichtet auf den Bus nach Capri und steigt stattdessen über Hunderte von Stufen hinab zur Marina Grande. Wir anderen fahren mit dem Bus zurück nach Capri und nehmen von dort die Funicolare oder steigen über die Treppen zur Marina Grande hinab. Letzteres taten wir. Der Weg führt vorbei an zweckmäßigen Terrassenkulturen mit Wein- und Obstbäumen und schönen Häusern. Vor unbefugtem Betreten der Grundstücke wird nachhaltig gewarnt.

Capri - Abstieg zur Marina Grande Capri - Wohlgefälliger Ratschlag Capri - Marina Grande Capri - Restaurants in Marina Grande Capri - Giro dell'Isola - Der aktuelle Preis

Sofern uns eine Kreuzfahrt ein weiteres Mal nach Neapel führen sollte, würden wir erneut nach Capri übersetzen und bei ruhiger See von Marina Grande aus eine Fahrt mit dem Boot um die Insel unternehmen. Der Giro dell’Isola dauert zwei Stunden und offenbart die Schönheit der Insel mit ihrer beeindruckenden Landschaft aus zerklüfteten Felswänden, Grotten und Spalten. Für die Fahrt bezahlt man im Jahr 2013 gerade einmal 17,00 Euro.