Ein Tag in Sorrent


Die Sorrentiner Halbinsel schließt im Südosten die weitläufige Meeresbucht des Golf von Neapel ab. Der zentrale Ort der Region ist die auf vulkanischen Steilklippen errichtete, knapp 17.000 Einwohner zählende Stadt Sorrent.

Sorrent - Auf Klippen errichtetSorrent - Auf Klippen errichtet

In deren Nähe hausten die legendären Sirenen, jene weiblichen Sagengestalten, die Seefahrern mit betörendem Gesang den Kopf verdrehten. Die Folgen sind bekannt. Die Boote zerschellten auf den umliegenden Klippen und die Seeleute verloren ihr Leben. Nur der listige Odysseus entkam ihnen mit Not. – Soweit zur Sage. Fakt ist, dass der Ort in der Antike als Sommersitz der römischen Oberschicht gerühmt wurde. Auf den Niedergang des römischen Imperiums folgten unruhige Zeiten. Plündernde Völker suchten die Gegend heim. Stellvertretend für die Angreifer seien die Langobarden, die Normannen und die Türken genannt.

Doch irgendwann kehrte Ruhe ein, die Stadt und das umliegende Land gediehen. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde Sorrent zuerst von den Bildungsbürgern „entdeckt“. Die Stadt wurde Bestandteil der „Grand Tour“. Die schloss jene bedeutenden Orte ein, die adelige, europäische Sprösslinge zur Vervollständigung ihrer historischen und literarischen Bildung zu besuchen hatten. Auf Sorrent fiel die Wahl, weil dort der berühmteste Sohn der Stadt, der Dichter Torquato Tasso, er lebte zwischen 1544-1595, geboren wurde.

Sorrent - Torquato Tasso der große Sohn der StadtSorrent - Torquato Tasso der große Sohn der Stadt

Den bildungswilligen Adligen schlossen sich Dichter und Denker wie Lord Byron, Goethe oder Nietzsche an. Und in der heutigen Zeit gelten Sorrent und die Halbinsel als touristische Ziele von höchstem Rang. Von den über dem Meer gelegenen Aussichtsterrassen bieten sich grandiose Blicke auf die weitläufige Meeresbucht und den die Landschaft bestimmenden Vulkan Vesuv.

Monte Vesuvio - Von der Bahn gesehenMonte Vesuvio - Von der Bahn gesehen

Doch nicht nur das Terrain hält viel Sehenswertes bereit. Auch die Stadt mit ihren engen, schattigen Gassen, den vielseitigen Läden, Bars, Pizzerien, Restaurants und Hotels ist einen längeren Besuch wert.

Sorrent - Piazza Torquato TassoSorrent - Piazza Torquato Tasso

Sorrent bietet viel zu viel für einen Tag. Sehen sollte man …   

die Cattedrale dei Santi Filippo e Giacomo;
Sorrent - Portal der Kathedraleder nach den Heiligen Philippus und Jakobus benannte romanische Dom wurde zwischen dem Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtet. Er folgte einer im 11. Jahrhundert erbauten Domkirche nach. Das von außen etwas unscheinbar wirkende Gotteshaus beeindruckt im Inneren durch verschwenderische Marmorapplikationen und großartige Deckenmalereien sowie Gemälde der neapolitanischen Schule aus dem 17. Jahrhundert. Der erzbischöfliche Thron wurde im 16. Jahrhundert aus Marmor gefertigt; das hölzerne Chorgestühl zeigt aufwendige Intarsien-Arbeiten der Region.  In der Kirche wird das Taufbecken präsentiert, in dem der Dichter Torquato Tasso getauft wurde, und im Eingangsbereich findet sich eine liebevoll gestaltete Krippenlandschaft. Die Kathedrale liegt am Corso Italia.

Sorrent - Hauptschiff der Kathedrale Sorrent - Seitenaltar der Kathedrale Sorrent - Hauptaltar der Kathedrale

 

 

 

Sorrent - Marmor und Deckenmalereien in der Kathedrale Sorrent - Orgel der Kathedrale Sorrent - Hauptaltar der Kathedrale

den Uhrturm der Kathedrale;
deren Turm steht abseits. Vermutlich war er Teil des zuvor an anderer Stelle errichteten Doms. Es wird angenommen, dass der Turm bereits zur Römerzeit entstand und dass er danach mehrfach umgestaltet wurde.

Sorrent - Uhrturm der Kathedrale Sorrent - Uhrturm der Kathedrale

das Convento di San Francesco;
die Ursprünge des Klosters gehen auf das 8. Jahrhundert zurück. Schön ist der Kreuzgang, der Teile heidnischer Tempel enthält. Die neben dem Kloster errichtete Kirche des Heiligen Franziskus entstand im 16. Jahrhundert. In der ersten der rechtsseitig gelegenen drei Kapellen ist eine hölzerne Statue des Heiligen zu sehen, die ihn mit dem gekreuzigten Heiland zeigt. Das Kloster liegt an der von der Via San Francesco abgehenden öffentlichen Parkanlage Villa Comunale.

sorrent 329 kirche san francesco Sorrent - Kirche San Francesco Sorrent - Convento di San Francesco

 

 

 

die Kirche del Carmine;
die einschiffige Kirche der Karmeliter wurde vermutlich auf antiken Tempelruinen errichtet. Sie besitzt Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert und zwei mit Intarsien-Arbeiten versehene kostbare Reliquienschreine aus dem 16. Jahrhundert. Ihr Standort ist die Piazza Tasso.

Sorrent - Kirche del CarmineSorrent - Kirche del Carmine

die Sedile Dominova;
an der Via San Cesareo liegt die „Loge“, der letzte erhaltene Versammlungsort der Adeligen in der Region Kampanien. Das im gotischen Stil errichtete Gebäude entstand zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert; die Angaben hierzu differieren. Es ist nach zwei Seiten offen, Rundbögen ersetzen das Mauerwerk. Die beiden anderen Seitenwände sind mit Freskenmalereien, Ornamenten, Figuren und den Wappen der bedeutendsten Familien Sorrents versehen. In dem Logenhaus kamen die Adelspersonen zusammen, um Aktuelles aus Politik und Verwaltung zu besprechen und zu regeln. Heute dient der Bau als Sitz und Versammlungsort eines privaten Arbeitervereins.

Sorrent - Fresco im Sedil DominovaSorrent - Fresco im Sedil Dominova

die Villa Comunale;
kein öffentlicher Park wie jeder andere. Von der Höhe der gepflegten, überschaubaren Anlage blickt man auf den Golf von Neapel, die unterhalb des Felsplateaus im Meer gelegenen Badestege und auf den 1.281  Meter hohen Monte Vesuvio. Mit einem kostenpflichtigen Lift oder über Treppen gelangen die Besucher des Parks hinunter auf die Ebene der öffentlichen Badeanstalten und der Marina Piccola.

Sorrent - Villa Comunale

Sorrent - Blick auf die Steilküste Sorrent - Badeanstalten

die Piazza Tasso;
ursprünglich stand auf dem zentralen Platz Sorrents eine im 15. Jahrhundert erbaute Burg. Die wurde im Jahr 1843 abgerissen, und an ihrer Stelle wurde der dem Dichter Torquato Tasso gewidmete Platz angelegt.

Sorrent - Piazza Torquato TassoSorrent - Piazza Torquato Tasso

die Marina Grande;
im Westen Sorrents liegt der Stadtteil Marina Grande. Von der Antike bis heute ist er authentischer Wohnort und Arbeitsstelle der Fischer.

Sorrent - Marina Grande Sorrent - Marina Grande

Sorrent - Marina Grande Sorrent - Marina Grande mit Vesuv

die Marina Piccola;
in dem „kleinen Hafen“ legen Sportboote und Jachten sowie die Schnellfähren nach Capri, Ischia, Neapel und zu anderen begehrten Orten der Umgebung an. Nach Westen erstrecken sich die Pontons der Badeanstalten.

Mit Edel- und Luxusschiffen in Sorrent anreisende „Kreuzfahrer“ haben es gut. Deren Schiffe liegen unterhalb der Stadt auf Reede. Die Gäste werden ähnlich wie im nahe gelegenen Capri, mit Tendern zur Stadt übergesetzt. Die weniger privilegierten Schiffsreisenden gehen in Neapel an Land und nehmen eine circa 50 Kilometer lange Anreise in Kauf, um das wunderbare Fleckchen Erde zu sehen. Angereist wird mit dem Auto, der Bahn, dem Bus und der zwischen Neapel und Sorrent verkehrenden Schnellfähre.

Die attraktivste Form der Anreise, zumindest bei ruhiger See, aber auch die weitaus teuerste ist die Fähre. Die Tragflächenboote verkehren in der Saison von Neapel regelmäßig etwa alle zwei Stunden. Sie starten an der neben dem Kreuzfahrt-Terminal gelegenen Molo Beverello. Schiffsgäste könnten auch ein Auto mieten; die Fahrzeit ist mit einer Stunde zu veranschlagen. - Als ausgesprochen angenehm und preiswert empfinden wir die Fahrt mit der S-Bahn Circumvesuviana. Die Fahrt dauert im Durchschnitt ebenfalls eine Stunde. Die modernen Züge fahren alle 30 Minuten und passieren auf ihrer Fahrt die historischen Stätten von Ercolano (Herculaneum) und Pompeji. Im Jahr 2015 waren für die einfache Fahrt 3,60 Euro zu entrichten. Eingestiegen wird in Neapel an der Stazione Circumvesuviana am Corso Garibaldi. Mit den Linien der Circumvesuviana kann man im Übrigen ebenfalls für wenig Geld den Vulkan umrunden.

Neapel - Bahnhof der CircumvesuvianaNeapel - Bahnhof der Circumvesuviana

In Sorrent halten die Züge in Zentrumsnähe. Bis zur Stadtmitte läuft man nur wenige Hundert Meter. Beim Stadtrundgang helfen die von www.Sorrentotourism.com in Deutsch vorgelegte Stadt-Präsentation oder eine vor Ort erhältliche Broschüre. An der Grammatik hapert es zwar häufig, aber man versteht, was gemeint ist. Es empfiehlt sich, dem vorgeschlagenen Rundgang zu folgen. Die genannten und gut ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten liegen am Weg.

Sorrent - BahnhofsnäheSorrent - Bahnhofsnähe

Bars, Pizzerien und Restaurants gibt es in Sorrent in Hülle und Fülle. Die Läden locken mit dem schmackhaften Limoncello Zitronenlikör und passablen Keramikarbeiten. Ein Besuch Sorrents ist kein verlorener Tag.

Sorrent  - Gasse im Zentrum Sorrent - Via Padre Reginaldo Giuliani Sorrent - Delfin-Brunnen

Eines dürfte Gäste von Kreuzfahrtschiffen vielleicht noch interessieren. Ein weiterer bedeutender Sohn der Stadt ist der 1940 in der Nähe von Sorrent geborene Gianluigi Aponte. Er ist der Gründer der Mediterranean Shipping Company (MSC), der zweitgrößten Container-Reederei weltweit und des größten privat geführten Kreuzfahrt-Unternehmens Europas.