Unser Kreuzfahrtschiff liegt einen Tag in Neapel. Als Tagesziel entscheiden wir uns für Sorrent. Die 16.000 Einwohner zählende Kleinstadt liegt auf der Halbinsel von Sorrent, 50 Kilometer von Neapel entfernt. Der Ort wurde 700 Jahre vor Christus von den Phöniziern auf vulkanischen Steilklippen errichtet. Sorrent und die angrenzende Amalfiküste sind seit langer Zeit touristische Anziehungspunkte von hohem Rang. Schriftsteller und Maler haben den Ort in ihrem künstlerischen Schaffen verewigt.

Sorrents Steilkueste
Sorrent – Sage und Gesichte
In der Nähe Sorrents hausten die legendären Sirenen, jene weiblichen Sagenwesen, die Seefahrern mit betörendem Gesang den Kopf verdrehten. Die Folgen: Die Boote zerschellten an den umliegenden Klippen und die Seeleute verloren ihr Leben. Nur der listige Odysseus und seine Begleiter entkamen den Sirenen mit Not. Soweit zur Sage. Fakt ist: Schon im Altertum schätzte die römische Elite Sorrent als ihren bevorzugten Sommersitz.
Auf den Niedergang des Römischen Reiches folgten unruhige Zeiten; Eroberer mühten sich häufig, die von Griechen errichtete Stadtmauer zu durchbrechen. Den Normannen gelang schließlich ein Durchbruch im Jahre 1133.
Bildungsbürger entdeckten Sorrent
Bildungsbürger „entdeckten“ im Laufe des 18. Jahrhunderts Sorrent. Die Stadt wurde ein Bestandteil der „Grand Tour“. Die Grand Tour schloss jene bedeutenden Orte ein, die adelige Sprösslinge zur Vervollständigung ihrer historischen und literarischen Bildung besuchen mussten. Auf Sorrent fiel die Wahl, weil dort der Dichter Torquato Tasso, geboren wurde.

Sorrent - Monument des Dichters Torquato Tasso
Den Spuren der bildungswilligen Adligen folgten Dichter und Denker wie Lord Byron, Goethe oder Nietzsche nach. In der Gegenwart gelten Sorrent und die gleichnamige Halbinsel als bedeutende touristische Ziele.
Unsere Sehenswürdigkeiten in Sorrent
Sorrent ist aus unserer Sicht ein unvergessliches Tagesziel. Die über dem Meer gelegenen Aussichtsterrassen bieten grandiose Blicke auf den Golf von Neapel und den Vesuv. Und Sorrents Altstadt lädt mit engen, schattigen Gassen, Läden, Bars, Pizzerien, Restaurants und Hotels zu Aufenthalten ein.
Cattedrale dei Santi Filippo e Giacomo
Der nach den Heiligen Philippus und Jakobus benannte romanische Dom wurde im Übergang vom 14. auf das 15. Jahrhundert errichtet. Er folgte auf eine im 11. Jahrhundert erbaute Domkirche. Das von außen unspektakulär wirkende Gotteshaus bezaubert uns durch die Gestaltung des Innenraums. Wir sehen verschwenderische Marmorapplikationen, großartige Deckenmalereien sowie Gemälde der Neapolitanischen Schule des 17. Jahrhunderts.
Der erzbischöfliche Thron wurde im 16. Jahrhundert aus Marmor gefertigt; das hölzerne Chorgestühl zeigt aufwendige Intarsien-Arbeiten. In der Kathedrale steht das Taufbecken, an dem der Dichter Torquato Tasso (1544 – 1595) getauft wurde, und im Eingangsbereich finden wir im Sommer eine liebevoll gestaltete Krippenlandschaft.
Standort: Die Kathedrale liegt am Corso Italia.
Uhrenturm der Kathedrale
Der zur Kathedrale gehörende Uhrenturm steht frei. Es wird angenommen, dass er ein Bestandteil des zuvor errichteten Doms war. Vermutlich wurde der Turm bereits zur Römerzeit gebaut, und danach mehrfach umgestaltet.

Sorrent - Uhrenturm der Kathedrale
Convento di San Francesco
Die Ursprünge des Klosters gehen auf das 7. Jahrhundert zurück. Im Kreuzgang finden sich Teile heidnischer Tempel. Im 16. Jahrhundert wurde neben dem Kloster die Barockkirche des Heiligen Franziskus errichtet. In der ersten der rechtsseitig gelegenen drei Kapellen ist eine hölzerne Statue des Heiligen zu sehen, die ihn zusammen mit dem gekreuzigten Heiland zeigt. Das Kloster liegt an der kommunalen Parkanlage Villa Comunale.
Standort: Via San Francesco 12
Villa Comunale
Von der Aussichtsterrasse der Villa Comunale blicken Besucher auf die unterhalb des Felsplateaus im Meer gelegenen Badestege, die Inseln Ischia und Procida sowie auf den 1.281 Meter hohen Monte Vesuvio. Mit einem kostenpflichtigen Lift oder über Treppen gelangen die Besucher auf die Ebene der tiefer gelegenen Marina Piccola und der öffentlichen Badeanstalten.
Santuario del Carmine
Die 1572 errichtete einschiffige Barockkirche der Karmeliter steht vermutlich auf antiken Tempelruinen. Angrenzende Gebäude, darunter eine Bar, beeinträchtigen den Blick auf das Gotteshaus.

Sorrent - Santuario del Carmine
Die Kirche besitzt Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert und zwei mit Intarsien-Arbeiten versehene kostbare Reliquienschreine aus dem 16. Jahrhundert.
Standort: Piazza Tasso.
Sedile Dominova
Die Sedile Dominova, die „Loge“, ist der letzte erhaltene Versammlungsort der Adeligen in der Region Kampanien. Das im gotischen Stil errichtete Bauwerk entstammt der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Bei dem nach zwei Seiten offenen Gebäude ersetzen Rundbögen das Mauerwerk. Die beiden Seitenwände zeigen Freskenmalereien, Ornamente, Figuren und die Wappen der bedeutendsten Familien Sorrents. Die Fresken wurden vom 18. Jahrhundert an originalgetreu restauriert. In dem Logenhaus kamen die Adelspersonen zusammen, um Aktuelles aus Politik und Verwaltung zu besprechen und zu entscheiden. Heute dient der Bau als Sitz und Versammlungsort eines Arbeitervereins.
Standort: Via San Cesareo
Piazza Tasso
Der dem Dichter Torquato Tasso gewidmete Platz ist der zentralen Platz Sorrents. Ursprünglich stand auf dem Platz eine im 15. Jahrhundert erbaute Burg.

Sorrent - Piazza Torquato Tasso
Stadtteil Marina Grande
Im Westen Sorrents liegen im Stadtteil Marina Grande seit ewigen Zeiten die Wohnungen und Arbeitsstellen der Fischer. Hinzu kamen Hotels und Restaurants, die an der am Hafen vorbeiführenden Via Marina Grande touristische Anziehungspunkte bilden.
Marina Piccola
In der Marina Piccola, dem „kleinen Hafen“, legen Sportboote und Jachten sowie die zu den benachbarten Orten fahrenden Schnellfähren an. Nach Westen sehen wir die Pontons der Badeanstalten.

Sorrent - Pontons der Badeanstalten
Sorrent für Gäste von Kreuzfahrtschiffen
Sorrent meint es gut mit den Passagieren der kleinen Luxusschiffe. Die Schiffe liegen unterhalb der Stadt auf Reede. Die Gäste werden, ähnlich wie im fünf Kilometer entfernten Capri, mit Tenderbooten zur Stadt übergesetzt. Die weniger privilegierten Schiffsreisenden, zu denen wir uns zählen, gehen in Neapel an Land. Die Passagiere nehmen eine circa 50 Kilometer lange Anreise in Kauf, um das wunderschöne Fleckchen Erde zu sehen. Angereist wird mit dem Auto, der Regionalbahn, dem Bus und der zwischen Neapel und Sorrent verkehrenden Schnellfähre.
Die attraktivste Form der Anreise, und die weitaus teuerste, ist ohne Zweifel die Fähre. Die Tragflächenboote verkehren in der Saison von Neapel regelmäßig im Zwei-Stunden-Takt. Die Boote starten an der neben Neapels Kreuzfahrt-Terminal gelegenen Molo Beverello.
Unsere Empfehlung – die Regionalbahn Ferrovia Circumvesuviana
Die modernen Züge fahren im 30-Minuten-Takt und passieren auf ihrer Fahrt die historischen Stätten von Ercolano (Herculaneum) und Pompeji. Die Fahrt bis Sorrent dauert annähernd eine Stunde. Eingestiegen wird in Neapel an der Stazione Circumvesuviana Porta Nolana am Corso Giuseppe Garibaldi. Der Bahnhof ist zwei Kilometer vom Kreuzfahrtterminal entfernt. Im Jahr 2021 kostet die einfache Fahrt 3,90 Euro. – Die Circumvesuviana ermöglicht im Übrigen die Umrundung des Vesuvs per Bahn.
In Sorrent halten die Züge in Zentrumsnähe. Bis zur Stadtmitte laufen Besucher wenige Hundert Meter. Beim Stadtrundgang hilft die vom Sorrento Tourist Office herausgegebene Broschüre. Es empfiehlt sich, dem vorgeschlagenen Rundgang zu folgen. Die genannten und gut ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten liegen am Weg.
Bars, Pizzerien und Restaurants gibt es in Sorrent in Hülle und Fülle. Die Läden locken mit Limoncello-Zitronenlikör und Keramikarbeiten. Ein Besuch in Sorrent ist kein verlorener Tag.







