Während unserer Kreuzfahrt an Bord der Costa Favolosa besuchen wir die nordenglische Stadt Newcastle. Die Favolosa legt im Port of Tyne in North Shields an, etwa 15 Kilometer südlich vom Stadtzentrum. Der Hafen dient hauptsächlich zur Abfertigung der DFDS-Fähren für die täglichen Verbindungen mit Ijmuiden in den Niederlanden. Im Jahr 2025 sind außerdem 42 Kreuzfahrtschiffe im Port of Tyne gemeldet. Wir haben keinen Landausflug bei Costa gebucht und wollen Newcastle auf eigene Faust entdecken.

Newcastle - Port of Tyne
Auf eigene Faust nach Newcastle
Infrastruktur für Kreuzfahrtschiffe und deren Passagiere sucht man in North Shields vergeblich. Es gibt kein Terminal, keine Shops und ähnliches. Auch private Touranbieter fehlen. Die nächste Metrostation ist mehr als einen Kilometer entfernt. Dieser Weg reizt uns nicht. Es ist kühl, und die Wolken sehen nach Regen aus.
Die Formalitäten der Einreise werden in einem Zelt abgewickelt. Am Zeltausgang haben sich einige Mitreisende gesammelt, die auf ein freies Taxi warten. Die Taxen kommen regelmäßig zum Hafen, aber es dauert doch etwa 20 Minuten, bis wir an der Reihe sind. Wir wollen Newcastle in unserer Geschwindigkeit ansehen. Im Zentrum soll es einen sehr guten Hop-on-hop-off-Bus geben, der alle 30 Minuten an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt stoppt. Wie sich später herausstellt, fährt dieser Bus ab September eines Jahres nur noch an den Wochenenden. Es ist Mittwoch, also werden wir Newcastle zu Fuß erkunden.
Der Engel des Nordens
Zunächst bringt uns der Taxifahrer nach Gateshead zum Angel of the North. Wir fahren durch das Stadtzentrum von Newcastle, überqueren den Tyne und erreichen 15 Minuten später unser Ziel. Das ungewöhnliche und durchaus umstrittene Kunstwerk wurde im Jahr 1998 auf einem Hügel an den Autobahnen A1 und A167 errichtet.
Der Künstler Antony Gormley sah darin ein Symbol für das industrielle Erbe des englischen Nordostens. Der Engel des Nordens ist 20 Meter hoch und hat eine Flügelspannweite von 54 Metern. Wir sind beeindruckt. Nach einem ausführlichen Fotostopp bringt uns der Taxifahrer zurück ins Zentrum von Newcastle.
Besichtigung der Kathedrale
An der Kathedrale verlassen wir das Taxi. Inzwischen hat leichter Regen eingesetzt, so dass die Besichtigung der Kathedrale zur rechten Zeit kommt. Die Cathedral Church of St Nicholas – so der offizielle Name - ist wunderschön. Seit über 900 Jahren steht an diesem Ort eine Kirche, die ältesten Teile stammen aus dem 14. Jahrhundert. Wir bewundern das alte Taufbecken und die kunstvollen Schnitzarbeiten am Altar und im Chorumgang. Besonders gut gefallen mir die Grabplatten, die in den Seitenschiffen der Kathedrale den Boden bedecken.
Der Kirchenraum wird auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. So werden in einem der Seitenschiffe Videos über die Entstehung der Kirche und ihre Veränderungen im Lauf der Zeit gezeigt. Ein weiteres sehr mutiges Projekt ist LOUDfence: es thematisiert den sexuellen Missbrauch insbesondere an Kindern und die von der anglikanischen Kirche ergriffenen Schutzmaßnahmen.
Außen ist die Kathedrale von Newcastle ebenso beeindruckend wie innen. Auffällig ist der Lantern Tower, ein Laternenturm in Form einer mittelalterlichen Krone aus dem 15. Jahrhundert. Dieser Turm prägt das Stadtbild.

Newcastle - Laternenturm der Kathedrale
Castle – das ganz alte Newcastle
Wir verlassen die Kathedrale und gehen in Richtung Tyne, der sich weit unter uns durch Newcastle schlängelt. Gleich hinter der Kathedrale beginnt das Areal der neuen Burg (New Castle), die ab dem Jahr 1080 errichtet wurde und der Stadt Newcastle ihren Namen gab. In den folgenden Jahrhunderten wurde die mittelalterliche Festung immer wieder um- und ausgebaut. Als die Eisenbahn Newcastle erreichte, mussten große Teile der Burg dem Schienenstrang weichen.

Newcastle - Castle
Bis heute sind das Kernstück Castle Keep, das Torhaus mit dem Black Gate und die Castle Stairs, die zum Tyne führenden Treppen, erhalten. In den restaurierten Gebäuden befinden sich Ausstellungsräume. Das Dach des Castle Keep darf bestiegen werden und soll bei klarem Wetter schöne Panoramablicke über Newcastle und den Tyne bieten. Obwohl es inzwischen nicht mehr regnet, verzichten wir auf den Turm. Es gibt noch viel zu sehen, und wir können nicht einschätzen, wie lange das Wetter einigermaßen stabil bleibt.
Auf der High Level Bridge und am Tyne
Vor uns liegt die High Level Brücke. Es handelt sich um eine der ersten Brücken, die Eisenbahn- und Straßenverkehr kombinierten. Auf der oberen Ebene befindet sich die Bahnstrecke, darunter die Straße. Der Verkehr auf dieser denkmalgeschützten Brücke ist inzwischen eingeschränkt. Nur Busse, Taxis und Fußgänger dürfen sie nutzen. Wir gehen bis etwa zur Mitte der Brücke.

Newcastle - Tyne Bridge
Unter uns liegt der Tyne, und stromabwärts blicken wir auf die Swingbrücke, die Tynebrücke und die Millenniumbrücke. Am Ufer sehen wir die Quayside Promenade, die Guildhall und die Konzerthalle The Sage. Ein schöner Blick.
Wir gehen die Castle Stairs hinunter bis zum Tyne. Dabei passieren wir das Castle Gate, ein Steintor in der alten Stadtmauer. Die Stufen enden an der Swingbrücke. Diese hydraulische Drehbrücke kann in Flussrichtung gedreht werden und gibt dadurch Schiffen die Fahrt frei.
Spaziergang zur Grey Street
Wir gehen am Tyne entlang und dann die Dean Street hinauf bis zur Grey Street. Grey Street gilt wegen ihrer Architektur, Harmonie und historischen Bedeutung als eine der schönsten Straßen Englands. Der Straßenverlauf folgt einem alten Bach, der früher hier floss und in den Tyne mündete. Dadurch besitzt die Straße eine sanfte Kurve und ein leichtes Gefälle. Wir bewundern die aufwändig restaurierten Gebäude, die eleganten Läden und Restaurants. Das Theatre Royal mit der markanten Säulenfassade gefällt uns besonders gut.

Newcastle - Grey Street - Theatre Royal
Am oberen Ende der Grey Street, am Grey’s Monument, beenden wir unseren Stadtrundgang. Das Denkmal erinnert an den ehemaligen Premierminister Earl Grey, der zugleich Namensgeber des berühmten Tees war. Ein Taxi bringt uns zurück nach North Shields.
Newcastle und DCI Vera Stanhope
Seit 2011 gibt es die englische Serie Vera. Detective Chief Inspector Vera Stanhope, dargestellt von der Schauspielerin Brenda Blethyn, ermittelt in kniffligen Mordfällen und löst sie mit ihrem Team. Im Jahr 2025 wurde die Serie nach 56 Folgen eingestellt. Die Filme spielen in Newcastle und in der Region Northumberland. Viele Orte und Gebäude sind fiktiv, so zum Beispiel der Sitz der Northumberland & City Police. Viele Landschaften und Orte, die in den Filmen vorkommen, gibt es tatsächlich. So werden immer wieder die Brücken über den Tyne gezeigt, und auch der Engel des Nordens oder der Yachthafen Royal Quays in North Shields waren schon zu sehen.
Ich bin ein begeisterter Vera-Fan, und ich war das erste Mal in meinem Leben in Newcastle. Es hat viel Spaß gemacht, eine Stadt zu erkunden, die mir nicht so unbekannt war wie ich dachte.
Newcastle Fazit
Newcastle hat uns überrascht. Unsere Erwartungen nach der Ankunft im Port of Tyne in North Shields waren nicht besonders hoch. Wir hatten den Eindruck, dass Touristen in Newcastle nicht geschätzt werden. Dann finden wir jedoch eine sehenswerte Stadt vor mit einer außergewöhnlichen Kathedrale, einer mittelalterlichen Burg und einer gut restaurierten Altstadt. Auch der Wandel von einer Industrieregion zu einem kulturellen und touristischen Anziehungspunkt scheint auf einem guten Weg.

Newcastle - Tyne Bridge
September 2025







