Autor: Karl W. P. Beyer

Besucher der 2.800-Seelengemeinde Honningsvåg kommen sicherlich nicht wegen des angenehmen Klimas. Sie reisen auch nicht wegen der baumlosen Landschaft oder wegen des bemerkenswerten Fischereihafens in den äußersten Norden Norwegens. Sie kommen, weil sie Europas offiziell nördlichsten Punkt sehen wollen: das Nordkap. Nur 34 Straßenkilometer trennen Honningsvåg vom Kap.

Honningsvåg voraus

Honningsvåg voraus


Honningsvåg das Tor zum Nordkap

An Honningsvåg führt kein Weg vorbei. Es ist das Tor zum Nordkap. Die auf der Insel Magerøya gelegene Gemeinde ist vor allem ein Fischereihafen. Die Einwohner leben von der Fischerei, der Fischverarbeitung, dem Handel mit Fischprodukten und dem Tourismus. Das Städtchen besitzt Molen für die Hurtigruten-Postschiffe und für die etwa 50 Kreuzfahrtschiffe, die vorwiegend in den Sommermonaten den Hafen anlaufen. Neben dem Anleger der Kreuzfahrtschiffe wurde ein großer Busparkplatz für die Nordkap-Bustouren eingerichtet. Es gibt eine Touristen-Information, eine Kirche sowie einige Läden und Kneipen. Die Fahrt zum Kap führt vom Hafen über eine gut ausgebaute Straße durch karge Landschaft hinauf in 307 Meter Höhe.

Fischereihafen Honningsvåg

Fischereihafen Honningsvåg


Dort, an der Position 71‘10’21 nördlicher Breite, liegt das Nordkap. Vor dem Kap erstreckt sich die Weite der Barentssee. Von der Symbolkraft ist das 2.093 Kilometer südlich des Nordpols gelegene Reiseziel vergleichbar mit Afrikas Kap der Guten Hoffnung und Südamerikas Kap Horn. Mehr als 200.000 Menschen besuchen jedes Jahr vorwiegend in den Sommermonaten das Nordkap.

Das Nordkap – Europas angeblich nördlichster Punkt

Die Koordinaten-Position 71‘10’21 wurde zu Europas nördlichstem Punkt bestimmt, obwohl die Lage definitiv nicht Europas nördlichster Punkt ist. Denn neben dem Nordkap ragt die Landzunge Knivskjellodden noch weiter in die Barentssee hinein. Und auch die zu Norwegen gehörenden Inseln Spitzbergens sind noch gut 800 Kilometer Luftlinie weiter nördlich gelegen.

Blick vom Nordkap

Blick vom Nordkap


Davon abgesehen ist das mit dem charakteristischen Globus markierte Nordkap eines der Top-Reiseziele Norwegens. Besucher können allerdings nicht gewiss sein, in dieser unwirtlichen Gegend die Sonne zu sehen. Denn an den meisten Tagen dominiert schlechtes Wetter.

Der Nordkap-Globo im Regen

Der Nordkap-Globo im Regen


Die Entdeckung des Nordkaps

Das Nordkap entdeckte der britische Seefahrer Richard Chancellor. Auf der Suche einer ihn nach China führenden Nordostpassage umrundete er erstmals im Jahr 1553 das Felsplateau. Er gab dem auffälligen, aus dem Meer ragenden Felsen den Namen North Cape. Seine Reise endete im Übrigen nicht im Norden Asiens, sondern im russischen Archangelsk. Er fand heraus, dass es keine Nordostpassage nach Asien gibt. Später, im Jahr 1664 bereiste und beschrieb der italienische Forschungsreisende und Geistliche Francesco Negri das Nordkap.

Das Nordkap - Wie die Seeleute es sehen

Das Nordkap - Wie die Seeleute es sehen


Der Nordkap-Tourismus

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts besuchten gut gestellte Reisende aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland die Region des Nordkaps. Zwar fehlten Straßenverbindungen, doch den „Herrschaften“ wurde geholfen: Sie reisten erstmalig im Jahr 1875 mit Passagierschiffen an. Die ankerten in der Hornvika-Bucht unterhalb des Felsens. Dort wurden die Passagiere ausgebootet; danach legten sie den Weg bis zur Höhe des Kaps kletternd zurück. Dem Küchenpersonal der Schiffe oblag es, gewisse Grundnahrungsmittel wie Hummer und Champagner auf 300 Meter Höhe zu schleppen. Schließlich sollten die Gäste ein authentisches Erlebnis verspüren und sich dabei wohlfühlen.

Zum Schutz dieser „Entdecker“ wurde im Jahr 1892 ein Pavillon errichtet, der jedoch den Wetterbedingungen nicht Stand hielt. Erst im Jahr 1959 wurde mit einem Unterstand aus Stein ein dauerhafter Schutzraum geschaffen. Im Lauf der Jahre erfuhr diese, Nordkaphallen genannte Anlage, mehrfach Veränderungen und Erweiterungen. Eine Straße zum Nordkap wurde allerdings erst 1965 gebaut.

Die Nordkapphallen

Die Nordkapphallen


Nordkap – wie hinkommen?

Die Europastraße 69 schließt das Nordkap an Europas Straßennetz an. Eine steinerne Wegmarke weist auf den am Kap beginnenden 7.000 Kilometer langen Europäischen Fernwanderweg E1 hin. Der Flughafen Honningsvåg Valan liegt circa 30 Kilometer entfernt. Kreuzfahrtschiffe und Schiffe der Hurtigruten laufen den Hafen von Honningsvåg an. Die Schiffspassagiere werden mit Charter- oder Linienbussen zum Nordkap befördert. Mietwagen sind verfügbar und auch Helikopter-Flüge zum Nordkap sind im Angebot.

Die Hurtigruten-Mole Kreuzfahrtschiff Costa Pacifica in Honningsvåg

 

Nordkap – die Sehenswürdigkeiten

Nordkaphallen – das Erlebniszentrum

Nur wenige Schritte geht man von den geräumigen Parkplätzen zur modernen Nordkapphallen. In dem großzügigen über- und unterirdischen Erlebniszentrum fühlen sich die Besucher wohl. Im oberen Stockwerk der Halle liegen das „Kompasset-Restaurant“, eine Kaffeebar und ein großer Laden mit Nordkap-Andenken. Im unteren Bereich befindet sich ein Tunnel, an den die „Grotten“ anschließt. Die Grotten ist ein 350 Sitzplätze bietender, unterirdischer Veranstaltungsraum. An den Tunnel grenzen eine schlichte, interkonfessionelle Kapelle sowie historische und naturwissenschaftliche Ausstellungen. In einem Kinosaal wird ein Panoramafilm gezeigt. Er nimmt die Gäste auf eine Zeitreise durch die vier Jahreszeiten der Kap-Region mit.

Nordkapphallen Caféteria Nordkapphallen Gift Shop Nordkapphallen - Die Grotten Nordkapphallen - Diorama eines Vogelfelsens

 

Der Globo

Nahe am Kap steht auf einem Podest ein „Globo“ genannter Stahl-Globus. Die Konstruktion präsentiert die Längen- und Breitengrade und zeigt die natürliche Neigung der Erdachse. Die Weltkugel stammt aus dem Jahr 1978.

Der Globo

Der Globo


Barn av Jorden

Etwas versetzt von der Halle steht das Monument „Barn av Jorden“ („Kinder der Erde“). Sieben Kinder aus unterschiedlichen Bereichen der Erde erarbeiteten gemeinsam im Juni 1988 die Entwürfe zu einem Denkmal. Es zeigt sieben große, im Halbkreis angeordnete, kreisrunde Reliefs sowie eine Mutter mit einem Jungen. Das Kind zeigt mit einer Hand auf die Reliefs. Das Denkmal symbolisiert die Begriffe Freundschaft, Hoffnung, Zusammenarbeit und Freude.

Die Barn av Jorden Reliefs Barn av Jorden - Mutter mit Kind

 

Vogelkolonie Gjesværstappan und Felsentor Kirkeporten

Vor Gjesvær im Westen der Insel Magerøya leben im Naturreservat Gjesværstappan auf kleinen Inseln Hunderttausende Vögel: darunter Papageientaucher, Basstölpel, Tordalken und Trottellummen. „Birdsafaris“ zu den Vogelfelsen werden angeboten. In Kirkeporten nahe dem Fischerort Skarsvåg steht ein natürliches Felsentor, durch das man das Nordkap sieht.

Nützliches & Wissenswertes

Das gesamte Gelände des Nordkaps erfordert Eintritt. Erwachsene zahlen im Jahr 2018 für sämtliche Angebote 275 NOK. Bei der Buchung pauschaler Nordkap-Touren ist die Eintrittsgebühr im Ticketpreis enthalten.

Das Nordkap kann auch mit Nahverkehrsbussen erreicht werden. Vor der Touristen-Information in Honningsvåg starten Busse der Linie 330 täglich zu mehreren Fahrten zum Kap. Zu beachten ist, dass die Busfahrpläne möglicherweise nicht mit den Liegezeiten der Kreuzfahrtschiffe harmonieren.

Touristen Information in Honningsvåg

Touristen Information in Honningsvåg


Neben der Touristen-Information von Honningsvåg steht das lebensgroße Denkmal des Bernhardinerhundes Bamse. Er wuchs in Honningsvåg auf. Sein Eigentümer war Kapitän eines in Tromsø stationierten Marineschiffs. Dort tat der Hund als offizielles Besatzungsmitglied während des Zweiten Weltkriegs Dienst. Es heißt, er erwarb sich viele Verdienste im Kreis seiner menschlichen Kameraden.

Bamse

Bamse


Etwa 15 Kilometer vor dem Nordkap liegt Skarsvåg, der nördlichste Fischerhafen der Welt.

Landschaft am Nordkap Das Nordkap-Plateau Fischerboote in Skarsvåg Same mit jungem Rentier

 

Eine Wettervorhersage für die Nordkap-Region bietet: https://www.yr.no/place/Norway/Finnmark/Nordkapp/Nordkapp/forecast.pdf