Panamakanal


Panamakanal - Miraflores SchleuseViele Kreuzfahrt-Touristen dürften wohl davon träumen, mit einem Kreuzfahrtschiff den 82 km langen Panamakanal zu durchfahren. Die Panamakanal-Gesellschaft bezeichnet den Kanal als 8. Weltwunder der Neuzeit. Dieses Wunderwerk kennen wir sowohl aus der Perspektive des Kreuzfahrers als auch aus der Sicht des Besuchers der Gatunschleusen. Über den faszinierenden Kanal möchten wir an dieser Stelle berichten.

Was ist der Nutzen des Panamakanals, wofür wird er gebraucht? Entscheidend ist der Kanal für den Schiffstransport von der Ost- zur Westküste der USA. Der Kanal verkürzt die Seeverbindung zwischen beiden Küsten um ca. 20.000 km. Vor der Öffnung des Kanals mussten Schiffe auf dem Weg von New York nach San Francisco ursprünglich durch die Magellanstraße fahren. Das entspricht einer Distanz von rund 30.000 km. Die Panamakanal Passage reduziert die Strecke auf 10.000 km. Obendrein hat der Kanal für den wachsenden Frachtverkehr zwischen Asien und den USA an strategischer Bedeutung gewonnen. Der Kanal wird jährlich von circa 14.000 Schiffen genutzt. Die durch den Kanal transportierte Warenmenge macht 6 % des Welthandels aus. Zwei Drittel aller Waren, die in US-Häfen be- oder entladen werden gehen durch den Kanal.

Die Transitzeit zwischen dem südlichen Zugang bei Balboa / Panama City (Pazifik) und dem nördlichen Zugang bei Cólon (Atlantik) dauert allgemein zwischen 10 bis 12 Stunden.

Panamakanal und die Puente de las AméricasPanamakanal Kreuzfahrtschiffe in Colón

Auf dem Weg sind die folgenden Schleusen (Locks) mit insgesamt 12 paarweise angelegten Schleusenkammern zu passieren:

  • Miraflores Locks
  • Pedro Miguel Locks
  • Gatun Locks.

Gegenwärtig haben die Kammern folgende Maße:

Länge: 305,0 m
Breite:    33,5 m.

Die maximale Größe der für den Panamakanal zugelassenen Schiffe (Panamaxschiffe) beträgt:

Länge: 294,13 m
Breite:    32,31 m.

Panamakanal - Die Tarpon erreicht die Höchstmaße

Panamakanal - Die Tarpon erreicht die Höchstmaße


Das Fassungsvermögen der Kammern liegt bei je 101.000 m³ Süßwasser. Diese unvorstellbar große Menge Wasser geht gegenwärtig pro Schleusung verloren. Dabei braucht es nur acht Minuten, um eine Schleusenkammer zu füllen. Die Schleusenkammern werden aus dem aufgestauten Gatúnsee gespeist. Die insgesamt 46 Schleusentore sind 25 m hoch und wiegen jeweils über 730 Tonnen. Treidellocks, sogenannte Mulis, schleppen die Schiffe durch die Schleusen bzw. stabilisieren die Lage der Schiffe innerhalb der Schleusen. Für das Befahren des Kanals besteht Lotsenpflicht.

Panamakanal - Schwergewichtige Schleusentore

Panamakanal - Schwergewichtige Schleusentore


Die Schiffsneubauten legen an Größe zu. Deshalb wird der Kanal seit dem 04.09.2007 für die Generation der Post-Panamaxschiffe erweitert und umgebaut. Die Baumaßnahmen sollen zum 100 jährigen Jubiläum des Panamakanals abgeschlossen sein. Die Schleusenkammern werden dann erheblich größere Schiffe mit folgenden Ausmaßen aufnehmen können:

Länge: 366 m
Breite:    49 m.

Die Anzahl der Schleusen wird reduziert. Die Miraflores und Pedro Miguel Schleusen werden zu den Pazifikschleusen zusammengefasst. Zukünftig sind die Schleusen mit einem Rückgewinnungssystem ausgestattet, das 60% des eingesetzten Wassers einsparen hilft.

Die Kanalzone ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor Panamas. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1914 haben mehr als 1 Million Schiffe den 82 km langen Isthmus von Panama passiert. Die Kanalgesellschaft bringt 9.500 Menschen in Lohn und Brot. Bereits im Jahr 2005 wurden Passagegebühren in Höhe von 1,36 Mrd. US$ von der panamesischen Kanalgesellschaft erwirtschaftet.

Dabei verlief der Beginn des Kanalbaus anfangs sehr holperig. Nur wenige Jahrzehnte nach der Entdeckung der "Neuen Welt" gab König Carlos I de España bereits im Jahr 1534 den Auftrag, die Möglichkeiten eines Kanalbaus durch den Isthmus von Panama zu prüfen. Wir kennen nicht das Ergebnis, zu dem die Expertenrunde gelangt ist. Es dauerte dann aber mehr als 300 Jahre, bevor der Gedanke an einen Kanal wieder aufgenommen wurde. Inspiriert durch den Erfolg des im Jahr 1869 eröffneten Suezkanals begann ein französisches Konsortium ab dem Jahr 1881 mit dem Bau des Kanals. Geplant war ein 73 km langer, schleusenloser Kanal. Die folgenden Jahre entwickelten sich für die Initiatoren zum Desaster. Gelbfieber, Malariaerkrankungen und Unfälle brachten 22.000 Arbeitern den Tod. Riesige technische Probleme behinderten die Arbeiten. Für die damaligen Zeiten unvorstellbare 287 Mio. US$ wurden ohne ein greifbares Ergebnis investiert. Infolge der technischen Probleme fanden sich keine weiteren Investoren. Das Konsortium ging im Jahr 1889 bankrott. Die Arbeiten am Kanal wurden eingestellt.

Das Niveau des Pazifik und des Karibischen Meers differiert nur um 24 cm. Zum technischen Problem gerieten beim ersten Versuch des Kanalbaus die extrem harten Felsformationen, die es unmöglich machten, den Kanal wie vorgesehen auf direktem Weg durch die Felsen zu treiben.

Der Gedanke an einen Kanalbaus blieb aber weiter in den Köpfen. Von amerikanischer Seite wurde deshalb der Einbau von drei Schleusensystemen erwogen, mit denen die kontinentale Wasserscheide passiert werden konnte. Das später beim Bau des Panamakanals erfolgreich umgesetzte Konzept sah vor, die Schiffe zuerst um 26 Meter auf das Niveau des Gatun-Stausees anzuheben und danach wieder auf Meeresniveau abzusenken.

Die Arbeiten dauerten von 1906 bis 1914. In dieser Zeit starben an Unfällen und Krankheiten zwar wieder mehr als 5.600 Arbeiter. Das Bauvorhaben konnte jedoch erfolgreich beendet werden.  Am 15.08.1914 war es soweit, dass ein erstes Schiff, das Paketboot Ancona, den Panamakanal in voller Länge passieren konnte. Die Amerikaner blieben bis zum 31.12.1999 Herren des Kanals und der Kanalregion. Seit dem Jahr 2000 wird der Kanal von der panamesischen Kanalbehörde ACP verwaltet.

Panamakanal - Sitz der Kanalbehörde

Panamakanal - Sitz der Kanalbehörde