Panamakanal


Der 82 Kilometer lange Panamakanal durchschneidet die Landenge von Panama und verbindet den Atlantischen Ozean, genauer gesagt das Karibische Meer, mit dem Pazifischen Ozean. Seit 1995 zählt die ASCE, die American Society of Civil Egineers, den Panamakanal neben dem Empire State Building in New York oder der Golden Gate Bridge in San Francisco zu den sieben architektonischen Weltwundern der Moderne.

Hafenanlagen bei Panama City

Hafenanlagen bei Panama City


Der Panamakanal – eine Herausforderung

Von jeher galten die Umrundung von Kap Hoorn oder die Fahrt durch die Magellanstraße als gefährlich und zeitaufwendig. Deshalb wurde bereits im Jahr 1527 über einen Kanal an der schmalsten Stelle Mittelamerikas nachgedacht. Der kühne Gedanke wurde jedoch wegen mangelnder Erfolgsaussichten verworfen. Nach dem Bau und der Einweihung des Sueskanals im Spätherbst 1869 kam der Gedanke eines die mittelamerikanische Landbrücke durchschneidenden Kanals erneut auf den Tisch.

Üppige Flora in der Kanalzone

Üppige Flora in der Kanalzone


Ein erster erfolgloser Versuch

Ein französisches Konsortium erhielt im Jahr 1878 die Konzession zum Bau des Panamakanals. Die Planungen sahen vor, einen Kanal ohne Schleusen zu bauen. Mit den Arbeiten wurde im Jahr 1881 begonnen. Acht Jahre später wurde das Vorhaben wegen unüberwindlicher finanzieller und technischer Probleme abgebrochen. Der erfolglose Versuch kostete 22.000 Arbeitern das Leben. Sie starben an Gelbfieber und Malaria.

Der Culebra Cut - ein wesentliches Problem des Kanalbaus

Der Culebra Cut - ein wesentliches Problem des Kanalbaus


Mit neuem Konzept zum Erfolg

Im Jahr 1902 starteten die Vereinigten Staaten von Amerika, getrieben von strategischen Erwägungen, einen zweiten Anlauf. Die Arbeiten dauerten von 1904 bis 1914. Das verbesserte Konzept sah Schleusen vor. Die vom Atlantik kommenden Schiffe werden zuerst um 26 Meter auf das Niveau des Gatún-Stausees angehoben; anschließend werden sie wieder auf die Seehöhe des Pazifischen Ozeans abgesenkt. Die Planung bedingte den Bau von drei Schleusenanlagen. Am 15.08.1914 waren die Arbeiten vollendet; als erstes Schiff durchfuhr das Paketboot „Ancon“ den Panamakanal. Der zweite Anlauf kostete erneut Tausende Menschenleben. Es heißt, dass im Verlauf der Bauphase mehr als 5.600 Arbeiter an Unfällen und Krankheiten starben.

Inseln im Gatúnsee

Inseln im Gatúnsee


 

 

Die Erweiterung des Kanals

Zwischen den Jahren 2007 und 2016 wurde der Kanal an die gewachsenen Schiffsgrößen angepasst. Ursprünglich waren Schiffsgrößen von maximal 294 Meter Länge und 32,30 Meter Breite („Panamax-Schiffe“) zulässig. Nach dem Ausbau befahren „Postpanamax-Schiffe“ von bis zu 366 Meter Länge, 49,10 Meter Breite und 15,20 Meter Tiefgang den Kanal. Für Containerschiffe heißt das: Vor dem Ausbau waren maximal 4.500 Standardcontainer zulässig, und nach dem Ausbau sind maximal 14.000 Container zugelassen.

Der Miraflores Lake mit Frachtschiff, dahinter ein Containerschiff im neuen Kanal

Der Miraflores Lake mit Frachtschiff, dahinter ein Containerschiff im neuen Kanal


Die Schiffsgröße entscheidet, ob die alten oder die neuen Schleusenkammern genutzt werden.

Die Bedeutung des Panamakanals für die Schifffahrt und den Welthandel

Der Panamakanal wurde gebaut, um die Transportdauer zwischen der Ost- und Westküste der Vereinigten Staaten zu reduzieren. Der Kanal verkürzt den Seeweg zwischen beiden Ozeanen. Vor dem Bau des Kanals umrundeten Schiffe auf dem Weg von New York nach San Francisco Kap Hoorn oder fuhren durch die Magellanstraße. Das entspricht einer Distanz von rund 25.000 Kilometern. Der Panamakanal reduziert die Entfernung um 15.000 auf 10.000 Kilometer. Obendrein ist der Panamakanal von großem Wert für den Frachtverkehr zwischen Asien und den USA.

Miraflores-Schleuse und Miraflores Lake

Miraflores-Schleuse und Miraflores Lake


Zahlen und Fakten zum Panamakanal

Jährlich durchfahren annähernd 14.000 Schiffe den Kanal. Die durch den Kanal transportierte Gütermenge entspricht sechs Prozent des Welthandels bzw. 300 Millionen Tonnen. Zwei Drittel aller Waren die in US-Häfen be- oder entladen werden passieren den Kanal.

Die Transitzeit zwischen dem nördlichen Zugang bei Colón (Atlantik) und dem südlichen Zugang bei Balboa/Panama City (Pazifik) dauert zwischen zehn bis zwölf Stunden.

Hafenanlagen von Panama City
Gatun-Schleuse vor dem Kanalausgang bei Cólon

 

Die Kammern der „alte“ Schleusen sind maximal 328 Meter lang und 33,50 Meter breit. Die „neuen“ Schleusenkammern messen 427 Meter in der Länge und 55 Meter in der Breite. Ihre Tiefe beträgt 18,30 Meter. Gigantische Schiebetüren schließen die neuen Kammern. Sie sind 57 Meter lang, 10 Meter breit und zwischen 22 und 33 Meter hoch. Die 4.000 Tonnen wiegenden Tore öffnen und schließen innerhalb von fünf Minuten.

Gatún-Schleuse

Gatún-Schleuse


Die Schleusenkammern werden mit Süßwasser aus dem aufgestauten Gatúnsee gespeist. Mittels mehrerer Auffangbecken wird seit dem Ausbau des Kanals ein gehöriger Teil des Wassers eingespart. In den alten Schleusenanlagen ziehen Treidellokomotiven, sogenannte Mulis, die Schiffe durch die Schleusen, und sie stabilisieren die Lage der Schiffe in den Schleusenkammern. In den neuen Schleusen übernehmen Schlepper die Arbeit. Für das Befahren des Kanals besteht Lotsenpflicht. Die Kanalbehörde beschäftigte Stand Mai 2012 insgesamt 212 Lotsen.

Einer von mehr als 100 Mulis

Einer von mehr als 100 Mulis


Über den Panamakanal führende Brücken

Drei beeindruckende Brücken queren den Panamakanal. Es sind von West nach Ost die

  • Punte de las Américas – seit 1962 ist die 1.654 Meter lange Stahlbrücke bei Balboa Teil der berühmten „Panamericana“.
  • Puente Centenario – die 1.052 Meter lange Schrägseilbrücke nahe Panama City wurde im Jahr 2004 eingeweiht.
  • Puente del Atlántico – die 2.820 Meter lange Schrägseilbrücke steht bei Colón. Fertiggestellt wurde sie im August 2019.
Puente de las Américas
Centennial Bridge
Bugbereich der MS Rotterdam und Centennial Bridge
Puente del Atlántico

 

Panamakanal – wirtschaftlicher Nutzen

Die USA blieben bis zum 31.12.1999 Herren des Kanals und der 16 Kilometer breiten Kanalzone. Seit dem Jahr 2000 verwaltet die panamaische Kanalbehörde ACP den Panamakanal. Der leistet mit acht Prozent des panamaischen Bruttoinlandsprodukts einen bedeutenden Beitrag zu Panamas Wirtschaft.

Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1914 haben mehr als eine Million Schiffe die Wasserstraße passiert. Die Kanalgesellschaft Autoridad del Canal de Panamá (ACP) beschäftigt 9.000 Menschen. Vor dem Abschluss der Ausbauarbeiten im Jahr 2015 lagen die Einnahmen aus den Passage-Gebühren bei rundgerechnet zwei Mrd. US-Dollar. Hapag-Lloyd beziffert die Passagekosten für ein Containerschiff mit 10.000 Standardcontainern auf rundgerechnet 800.000 US-Dollar.

Container Frachter fährt im neuen Kanal

Container Frachter fährt im neuen Kanal


Passagiere von Fahrgastschiffen werden - differenziert nach alten oder neuen Schleusen - mit 138 bzw. 148 US-Dollar pro Person gerechnet (Stand 1. April 2016). Für ein Schiff von der Größenordnung der MS Rotterdam machen die Kosten eines Transits alles in allem 230.000 US-Dollar aus.

MS Rotterdam

MS Rotterdam


Panamakanal für Kreuzfahrer und Schaulustige

Die Passage des Panamakanals mit dem Kreuzfahrtschiff zählt zu den Höhepunkten einer Seereise. Die gewaltigen Schleusensysteme, die den Kanal querenden Brücken, die üppige Flora der Kanalzone und der riesige Gatúnsee überwältigen die Schiffsreisenden. – Um den Kanal zu sehen, bedarf es allerdings keiner Schiffspassage. An der Gatún- und der Miraflores Schleuse erwarten zwei „Visitor Center“ interessierte Besucher.

Visitor Center der Miraflores-Schleuse
Visitor Center der Gatún-Schleuse

 

Wer mag, unternimmt Schiffstouren auf Teilabschnitten des Kanals. Diese Fahrten schließen zwei Schleusungen mit ein. 

Update Februar 2020