Autor: Karl W. P. Beyer

Am 19. September 2014 läuft die Celebrity Summit Portland, die größte Stadt im US-Bundesstatt Maine an. Als Ankunftszeit ist 10:00 vorgesehen. Die „späte“ Ankunft lässt uns die Einfahrt nach Portland durch die weitläufige, von vorgelagerten Inseln geschützte, Casco Bay bei strahlendem Sonnenschein besonders genießen.

Portland - Fischerboote in der Casco Bay

Portland - Fischerboote in der Casco Bay


Zehn Stunden wird das Kreuzfahrtschiff am Portland Ocean Gateway, dem modernen Fähr-und Kreuzfahrtanleger der 66.000 Einwohner zählenden Hafenstadt liegen. Vom Kreuzfahrtschiff sehen wir eine größere Anzahl von Piers für Fischer- und Ausflugsboote, Fährlinien und Motoryachten. Ob der Masse der Sportboote und Yachten drängt sich unwillkürlich der Gedanke auf, dass jeder Einwohner wenigstens ein Boot sein eigen nennen muss.

Portland - Portlands Fähr- und Kreuzfahrtanleger      Portland - Sportboote und Yachten en masse

Das im Jahr 1632 von Briten zuerst als Handels- und Fischereiposten gegründete Portland wurde im Jahr 2003 vom amerikanischen National Historic Trust als eines von zwölf „unverkennbaren“ Zielen der USA benannt. Der malerische Old Port District mit Büros, Läden, Bars und Restaurants zieht jährlich Hunderttausende Besucher an. Die Stadt besitzt mit dem Portland Museum of Art, dem Portland Symphony Orchestra und der Portland Stage Company ein reichhaltiges kulturelles Leben. Portland bietet seinen Einwohnern erkennbar eine hohe Lebensqualität.

Portland Museum of Art

Portland Museum of Art


Wegen kultureller Themen besuchen Tagesgäste wie wir nur selten einen Hafen. Wir möchten vor allem schöne Landschaften, interessante sichere Städte sowie freundliche Menschen erleben, an die wir uns noch lange gern erinnern. Das alles bietet Portland tatsächlich. Diejenigen, die die Stadt bereits kennen, werden möglicherweise einen Ausflug in die 50 Kilometer entfernte, südlich von Portland gelegene Kleinstadt Kennebunkport unternehmen oder in den Freeport Shopping Outlets auf Schnäppchenjagd gehen. Wir dagegen kommen das erste Mal nach Portland. Unser Programm sieht vormittags eine Bootstour durch die Casco Bay und nachmittags einen ausgiebigen Stadtrundgang vor.

Rortland - Bootstour in der Casco Bay

Rortland - Bootstour in der Casco Bay


Celebrity Cruises bietet den Gästen folgende Touren an: Eine Fahrt nach Kennebunkport mit Stadtrundgang und Bootsfahrt vor der Küste belastet das Bordkonto mit 61 US-Dollar. Der Transfer ins L.L. Bean Freeport Shopping Center wird zu 35 US-Dollar angeboten. Das „Beste“ von Portland und Kennebunkport schlägt mit 68 US-Dollar zu Buche. Das Highlight im Tourenangebot stellt eine Fahrt zum White Mountain National Forest dar. Nach zweistündiger Fahrt wird an der Marshfield Base Station in die Mt. Washington Zahnradbahn umgestiegen, die die Gäste auf kühle 1.917 Meter Höhe befördert. Diese Tagestour kostet 168 US-Dollar.

Portland - Am Kreuzfahrtterminal stehen die Tourbusse bereit

Portland - Am Kreuzfahrtterminal stehen die Tourbusse bereit


Bootstour durch die Casco Bay

Nachdem unser Schiff am modernen Fähranleger und Kreuzfahrt-Terminal vertäut ist, müssen wir uns, da wir aus dem Ausland (Kanada) kommen, einer langwierigen Immigration-Prozedur unterziehen, bevor wir erneut US-Boden betreten dürfen.

Nach der Überprüfung durch die Behörden statten wir dem Visitor Information Center einen Besuch ab, um einen Stadtplan und weiteres Informationsmaterial zu ergattern. Danach folgen wir der Commercial Street in Richtung der Docks, die in Portland praktischerweise ans Stadtzentrum angrenzen. Auf dem Weg zum Schiffsanleger Long Wharf an 170 Commercial Street passieren wir diverse Anbieter von Touren. Walbeobachtungen, Stadtrundfahrten mit einer ausgedienten Feuerspritze, Brauerei- und Brennerei-Touren und vieles mehr können gebucht werden. Wir gehen an Lobster-Restaurants, Bars und hübschen Läden vorbei. Ambulante Händler bieten neben dem Fußweg geschmackvolles Kunstgewerbe an. Kurzum, es ist eine angenehme, beinahe südlich wirkende Atmosphäre.

Portland - Hummer überall      Portlands Waterfront - Commercial Street

Um 11:30 Uhr startet der „Islander“ der Portland Discovery Tours zur neunzigminütigen Lighthouse Lovers Cruise. Erwachsene zahlen für die empfehlenswerte Rundfahrt 24,00 US-Dollar. Vor der Abfahrt des Bootes bleibt noch Zeit, um einen Blick auf einen Rest der Berliner Mauer zu werfen und um DiMillo’s Floating Restaurant, eine ehemalige Autofähre, und die dazugehörige Marina zu betrachten.

Portland - Ein Bruchstück der Berliner Mauer    Portland - DiMillos Floating Restaurant 

Unser Boot ist für maximal 52 Passagiere ausgelegt. Bei schlechtem Wetter sitzen die Fahrgäste im geschützten Unterdeck, bei schönem Wetter, wie heute, spielt sich das Leben hauptsächlich auf dem offenen Oberdeck hinter der Brücke ab. Ein freundlicher Guide gibt während der Fahrt umfassende Informationen zu den angesteuerten Sehenswürdigkeiten.

Portland - Unser Boot, der Islander

Portland - Unser Boot, der Islander


Nach dem Verlassen des Hafenbeckens läuft die Islander entlang der Südküste der Stadt auf Portland Head Light, den ältesten Leuchtturm des Bundesstaates Maine zu. In größerer Entfernung sehen wir Willard Beach und bald darauf fahren wir unterhalb repräsentativer Wohnsitze entlang. Diese und der Leuchtturm liegen oberhalb der zerklüfteten Küstenlinie. Das Leuchtfeuer, es strahlt aus 28 Metern Höhe, und das daneben befindliche Leuchtturmwärterhaus finden allgemeine Bewunderung der Fahrgäste.

Portland - Häuser an der Südküste Portland Head Light Portland Head Light

In kurzer Distanz liegt Halfway Rock mit dem Ram Island Ledge Light. Ein nebenstehender, bizarrer Anlegesteg dient Kormoranen als sicherer Rückzugort.

Portland - Ram Island Ledge Light & Halfway Rock

Portland - Ram Island Ledge Light & Halfway Rock


Der Skipper steuert Peaks Island an. Es ist die größte und bekannteste Insel der Casco Bay. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Insel zu einem populären Sommerziel. Man gab ihm sogar in Anlehnung an Brooklyns Südzipfel den Namen „Coney Island of Maine“.

Portland - Häuser auf Peaks Island

Portland - Häuser auf Peaks Island


Nicht einmal tausend Menschen leben ständig auf der Insel. Peaks Island verfügt über eine Primarschule, Polizeistation und eine Bibliothek. Im Zweiten Weltkrieg wurden wirkungsvolle Verteidigungsanlagen auf der Insel eingerichtet, die dem Anschein nach nicht gebraucht wurden. Die Insel wirkt friedlich und angenehm. Einige der Wohnhäuser wirken sehr aufwendig; um die Bankkonten der Eigentümer muss man sich wohl nicht sorgen.

Portland - Häuser auf Peaks Island

Portland - Häuser auf Peaks Island


Nach Peaks Island macht das Boot einen weiten Bogen und hält unterhalb der Küste von Little Diamond Island, Golf Cars sind dort das Hauptverkehrsmittel, auf Fort Gorges zu. Die auf Hog Island Ledge errichtete Festungsanlage wurde in der Zeit zwischen 1858 bis 1865 erbaut. Aus heutiger Sicht müsste man sagen, dass es eine Fehlinvestition war. Eine Gefährdungslage bestand definitiv nicht und deshalb wurden nach 1865 die Mittel für die Fertigstellung der Anlage eingefroren. Seit 1960 gehört die Festung der Stadt Portland, die das ehemalige Fort als Parkanklage ausweist.

Portland - Personenfähre Aucocisco III vor Little Diamond Island      Portland - Fort Gorges

20 Minuten später liegt d as Schiff wieder im Hafen von Portland. Die Schifffahrt ist bei guten Wetterbedingungen sehr empfehlenswert und selbst das Fehlen der Seehunde auf Pomroy Rock wird nicht als Manko empfunden. Stattdessen ließen es sich Dutzende Kormorane auf der Festplatte gut gehen.

Portland - Pomroy Rock    Portland - Sportboote 

 

Stadtrundgang durch Portland

Nach einem kurzen Zwischenstopp auf der Celebrity Summit starten wir zum Stadtrundgang. Dem Terminal gegenüber liegt in Sichtweite das Betriebsgebäude Maine Narrow Gauge Railroad Co & Museum. Die Schmalspurbahn startet regelmäßig zu Fahrten. Die Bahn interessiert uns jedoch nicht. Wir wollen das Portland Observatory aus dem Jahr 1807 besuchen. Es ist die einzige erhalten gebliebene maritime Signalstation der USA. In dem einem Leuchtturm ähnelnden Gebäude werden täglich zwischen 10:00 bis 17:00 Uhr geführte Touren angeboten. Die Eintrittspreise betragen für Erwachsene neun US Dollar. Bauarbeiten am Turm halten uns von einem Besuch ab.

Portland  - Maine Narrow Gauge Railroad & Museum Portland Observatory

Die Schiffsmelde-Station liegt an der Congress Street. Der folgen wir in Richtung des Zentrums der Stadt. Am Wege liegt ein historischer Friedhof, der Eastern Cemetery. Auf diesem Friedhof wird unter anderem der Toten des Amerikanischen Bürgerkriegs gedacht.

Portland - Eastern Cemetery

Portland - Eastern Cemetery


Am Weg liegt auch das Maine Jewish Museum und die Etz Chaim Synagoge. Wenig später folgt ein mächtiger Steinbau, die anglikanische Kirche Old St. Pauls. Das nächstfolgende Gotteshaus am Weg ist Portlands katholische Kathedrale Immaculate Conception.

Portland - Maine Jewish Museum Portland - Olde St Paul's Anglican Church

Kurz darauf sehen wir das Federal Courthouse, das Oberste Gericht des Bundesstaates Maine. Danach passieren wir die prächtige Feuerwache. Ihr gegenüber liegt das viergeschossige, 1895 erbaute Rathaus. Die City Hall wurde im Stil der amerikanischen Renaissance gebaut.

Portland - Federal Court House Portland - Die Feuerwache

 

Portland - Das Rathaus Portland - Resurgam - Das Leitmotto der Stadt

Circa 200 Meter weiter erreichen wir den Monument Square, auf dem ein Our Lady of Victories genanntes Standbild aufgestellt ist. Als Beinamen trägt es die Bezeichnung The Portland Sailors and Soldiers Monument. Die überdimensionale Bronzefigur steht auf einem Granitsockel. Kleinere Bronzefiguren umgeben das Denkmal. Es ist jenen 5.000 Söhnen der Stadt gewidmet, die im Bürgerkrieg ihr Leben verloren.

Portland - Monument Square Portland - Monument Square - Our Lady of Victories

Im Arts District ist das sich über einen Straßenblock erstreckende, rot geklinkerte Portland Museum of Art, unübersehbar. Neben dem Museum liegt das Children’s Museum & Theatre of Maine. Der Portikus des Gebäudes wird von vier Säulen getragen. An den Seiten wurden Pfeiler aus Backsteinen errichtet.

Portland - Portland Museum of Art Portland - Childrens Museum & Theatre of  Maine

Wir gehen die High Street in Richtung der Waterfront hinunter. An der Kreuzung High Street/Spring Street steht das McLellan-Sweat Mansion. Ein reicher Reeder ließ sich dieses repräsentative und geradlinige konzipierte Wohnhaus zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichten. Seit dem Jahr 1908 ist das dreistöckige Gebäude ein Teilbereich des Portland Museum auf Art.

Portland - McLellan Sweat Mansion

Portland - McLellan Sweat Mansion


Ein weiteres bemerkenswertes Haus ist das an 109 Danforth Street gelegene Victoria Mansion. Ein wohlhabender Hotelier aus New Orleans ließ das Herrenhaus 1858 im Stil einer italienischen Villa bauen. Ein in der Vorderfront des Hauses integrierter vierstöckiger Turm ist das Markenzeichen des Gebäudes. Das Bauwerk ist im Inneren verschwenderisch mit exquisiten Holzarbeiten, Wandmalereien und historischen Gaslichtern ausgestattet. Seit dem Jahr 1941 ist es ein Museum, das den Namen der englischen Königin Victoria trägt.

Portland - Victoria Mansion

Portland - Victoria Mansion


Wir wissen nicht warum, wieso und weshalb in Portland und Umgebung von kleinen Privatbrauereien so gutes Bier gebraut wird. In der Fore Street testeten wir in einem Lokal ein dunkles, süffiges und wohlschmeckendes Bier. Gut gefiel uns eine hinter dem Tresen angebrachte Tafel mit der Aufschrift „No CHECKS! When Was The Last Time You Had A Beer At The Bank?” Erstaunlich, auf was für Ideen die Menschen kommen.

Portland - Ohne Worte

Portland - Ohne Worte


Danach folgen wir der Fore Street bis zum Custom House Square. Neben Bars und Restaurants säumen hübsche kleine Läden die Straße. Wer ein Andenken an das schöne Portland sucht, wird hier fündig.

Portland - Restaurant in der Fore Street Portland - Die Fore Street mit Läden und dem Custom House Portland - Spiegelung des United States Custom House

Unser Weg zurück zum Schiff neigt sich dem Ende zu. Wir müssen nun noch eine Verbindungsstraße zur parallel verlaufenden Commercial Street nehmen und schon sehen wir in der Ferne unser Schiff liegen. Bevor wir die Celebrity Summit erreichen, dürfen wir uns noch zwei übermütigen amerikanischen Grauhörnchen erfreuen, die die Straße und einen Parkplatz zu ihrem Spielfeld erkoren haben.

Portland - Amerikanische Grauhörnchen

Portland - Amerikanische Grauhörnchen


Unser Fazit:
Portland ist eine der angenehmsten und abwechslungsreichsten Städte, die wir auf unseren Kreuzfahrten kennengelernt haben. Wir könnten uns vorstellen, eine längere Zeit in Portland zu verbringen.