Kurz vor Weihnachten legt unser Kreuzfahrtschiff, die Celebrity Eclipse, in Puerto Madryn an. Die mehr als 81.000 Einwohner zählende Hafenstadt liegt am Golfo Nuevo im argentinischen Teil Patagoniens. Unser erster optischer Eindruck: Steppenartige Landschaft der patagonischen Meseta umgibt das Tagesziel und im Hintergrund ist eine Hügelkette auszumachen.
Puerto Madryn gilt als Tor zur weiter nördlich gelegenen Halbinsel Valdés. Die touristischen Attraktionen der Halbinsel sind circa 150 Kilometer entfernt. Im Süden Puerto Madryns liegt die mehrere Hunderttausend Tiere zählende Pinguinkolonie von Punta Tombo. Bis dahin sind es sogar 180 Kilometer. Unter Puerto Madryn gehen wir näher auf diese Sehenswürdigkeiten ein.
Beides sind zwar interessante Ziele; die Distanzen schrecken uns jedoch ab. Wir bleiben in der Nähe und besuchen auf eigene Faust die Seelöwen von Punta Loma. Im Anschluss daran besichtigen wir die etwas außerhalb von Puerto Madryn gelegene Fundación EcoCentro. Von dort gehen wir etwa fünf Kilometer zurück ins Stadtzentrum.

Puerto Madryn - Wartende Busse im Hafenbereich
Besuch der Seelöwen und Kormorane von Punta Loma
Im Zentrum, in der Nähe der Luis Piedra Buena Pier, stehen Taxen für Rundfahrten bereit. Dispatcher regeln die Verteilung der Fahrgäste auf die Taxen. Wir nennen die „Lobos Marinos“ als Ziel und erhalten sofort ein Taxi zugewiesen. Und wir haben Glück: Unser Fahrer fährt umsichtig, ist freundlich und er versteht sogar ein paar Worte Englisch. Andernfalls hätten wir ein Problem, denn wir sprechen kein Spanisch. Aber, wo ein Wille ist, ist oftmals ein Weg.
Fahrtkosten im Jahr 2018: 50 US-Dollar. Aufenthaltsdauer in Punta Loma: 45 Minuten.

Luis Piedra Buena Pier
Die Steilküste von Punta Loma liegt 20 Kilometer südlich der Stadt. Auf Vorsprüngen der Steilküste hausen Kormorane. Unterhalb der Vögel faulenzen auf einem Strandabschnitt und in vom Atlantik ausgewaschenen Höhlen viele Seelöwen. Vorsichtig geschätzt dürften es weit mehr als 100 halbwüchsige und ausgewachsene Tiere sein, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Auch Möwen und andere Vögel leben oberhalb des Kliffs. Von zwei auseinanderliegenden Aussichtspunkten oberhalb der Küste können Tierbeobachtungen gemacht werden. Im Gelände, gleich neben den Parkplätzen gibt es einen Kontroll- und Informationsposten der Naturschützer. Die Gäste der Celebrity Eclipse werden ausdrücklich begrüßt. Klar, ein Kreuzfahrtschiff ist stets gut für das Geschäft.
Besuch der Fundación EcoCentro
Die Rückfahrt verläuft wie der Hinweg etwa zur Hälfte auf staubigen Schotterpisten. Wir bitten unseren Fahrer, uns am südlichen Ortsanfang von Puerto Madryn an der Fundación EcoCentro abzusetzen.
Die hinter der Stiftung stehende private Non-Profit Organisation macht es sich seit dem Jahr 2000 zur Aufgabe, den Respekt und das Verständnis für die maritime Meereswelt Patagoniens zu fördern. Video-Installationen, Schaubilder, Skelette von Walen sowie Delfinen, ein Gezeitenpool und vieles mehr informieren die Besucher. Aufsichtspersonen bieten sich unaufgefordert in gutem Englisch für Auskünfte an. Es gibt eine kleine Caféteria, und von einem Turmzimmer und einer offenen Aussichtsplattform lässt sich das Meer beobachten.
Eintritt Stand 2024: 9500 argentinische Peso (ca. 10,50 Euro).
Puerto Madryns weitläufiger Strand und einige Denkmäler
Den Weg zurück ins Zentrum gehen wir zu Fuß. Dazu folgen wir einfach der knapp fünf Kilometer langen Uferpromenade. Das EcoCentro liegt auf einer Klippe oberhalb des Meeres. Langsam fällt der gepflegte Fußweg bis auf Meeresniveau ab.
Auf halber Höhe passieren wir den Parque Histórico Punta Cuevas. Wer mag, kann sich dort die Höhlenwohnungen der ersten aus Wales stammenden Siedler ansehen. Die Waliser ließen sich im Jahr 1865 in der Gegend nieder. Ein kleines, unscheinbares Museum kann besichtigt werden. In der Nähe steht das den Tehuelche-Indianern gewidmete Monument „El Indio“. Die Tehuelche waren der indigene Stamm, der ursprünglich Patagonien bevölkerte.
Auf Seehöhe angekommen bewundern wir den breiten, naturbelassenen Strand. Wir passieren Bars, Restaurants und Tauchschulen. Puerto Madryn ist ein bedeutendes Tauchzentrum in Argentinien.
Neben uns verläuft die breite, schwach befahrene Uferstraße. In der Straßenmitte sehen wir plötzlich ein Denkmal Don Quijotes und seines Knappen Sancho Panza. Welche Verbindung Cervantes‘ „Ritter von der traurigen Gestalt“ zu Puerto Madryn hat, erschließt sich uns jedoch nicht.
Später sehen wir noch Villarino’s Propeller sowie das Denkmal der walisischen Siedler. Villarino’s Propeller ist eine Schiffsschraube. Sie gehörte zum Schiff ARA Villarino der argentinischen Marine. Das Schiff brachte im Jahr 1880 die sterblichen Überreste des argentinischen Freiheitskämpfers San Martín von Frankreich zurück nach Argentinien.

Villarino's Propeller
Auf der Höhe der Luis Piedra Buena Pier, sehen wir in einem Kreisverkehr ein mächtige stilisierte Walfluke. Kein Wunder, vor Puerto Madryn lassen sich in der Saison Walbeobachtungen machen. Und auch die Skulptur eines Pinguins darf an der Promenade nicht fehlen. Schließlich siedeln viele der putzigen Vögel im Süden Lateinamerikas und in der Antarktis.
Ein letztes und besonderes Denkmal steht an der Ausfallstraße nach Norden. Es ist das Monumento a Caídos en Malvínas. Es ist den auf argentinischer Seite Gefallenen des Falklandkriegs (April bis Juni 1982) gewidmet.

Puerto Madryn - Monumento a Caídos en Malvínas
Puerto Madryn bietet im Innenstadtbereich sehr wenig. Deshalb brechen wir den Rundgang ab und fahren mit dem Shuttle-Bus vorbei am Aluminiumwerk und einem Schiffsfriedhof zurück zum Schiff.
Fazit
Wir haben Eindrücke von der Steppenlandschaft Patagoniens erhalten. Die Seelöwen von Punta Loma, das EcoCentrum und die Wanderung zurück in die Stadt gefielen uns gut. Puerto Madryn als Stadt hat uns dagegen nicht überzeugt.
Update Februar 2024















