Autor: Karl W. P. Beyer

Kurz vor Weihnachten 2018 legt unser Kreuzfahrtschiff, die Celebrity Eclipse, in Puerto Madryn an. Die mehr als 80.000 Einwohner zählende Provinzstadt liegt im argentinischen Teil Patagoniens. Unser erster Eindruck: Steppenartige Landschaft umgibt das Tagesziel und im Hintergrund ist eine Hügelkette auszumachen.

Puerto Madryn - Küste und Hinterland vom Schiff gesehen

Puerto Madryn - Küste und Hinterland vom Schiff gesehen


Puerto Madryn gilt als Tor zur weiter nördlich gelegenen Halbinsel Valdés. Die touristischen Attraktionen auf der Halbinsel sind circa 150 Kilometer entfernt. Im Süden Puerto Madryns liegt die mehrere Hunderttausend Tiere zählende Pinguinkolonie von Punta Tombo. Bis dahin sind es sogar 180 Kilometer. Unter Puerto Madryn gehen wir näher auf diese Sehenswürdigkeiten ein.

Beides sind zwar interessante Ziele; die Distanzen schrecken uns jedoch ab. Wir bleiben in der Nähe und besuchen auf eigene Faust die Seelöwen von Punta Loma. Danach besichtigen wir die Fundación EcoCentro von Madryn. Von dort wandern wir etwa fünf Kilometer zurück ins Stadtzentrum. Zuerst aber fahren wir mit einem der bereit stehenden kostenlosen Shuttle-Busse vier Kilometer in das Stadtzentrum. Der Fußweg ins Zentrum ist definitiv nicht zu empfehlen.

Besuch der Seelöwen und Kormorane von Punta Loma

Im Zentrum, in der Nähe der Luis Piedra Buena Pier, stehen Taxen für Rundfahrten bereit. Dispatcher regeln die Verteilung der Fahrgäste auf die Taxen. Wir nennen die „Lobos Marinos“ als Ziel und erhalten sofort ein Taxi zugewiesen. Und wir haben Glück: Unser Fahrer fährt umsichtig, ist freundlich und er versteht sogar ein paar Worte Englisch. Andernfalls hätten wir ein Problem, denn wir sprechen kein Spanisch. Aber, wo ein Wille ist, ist ein Weg.

Fahrtkosten: 50 US-Dollar. Aufenthaltsdauer in Punta Loma: 45 Minuten.

Luis Piedra Buena Pier

Luis Piedra Buena Pier


Die Steilküste von Punta Loma liegt 20 Kilometer südlich der Stadt. Auf Vorsprüngen der Steilküste hausen Kormorane. Unterhalb der Vögel faulenzen auf einem Strandabschnitt und in vom Atlantik ausgewaschenen Höhlen viele Seelöwen. Vorsichtig geschätzt dürften es weit mehr als 100 halbwüchsige und ausgewachsene Tiere sein, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Auch Möwen und andere Vögel leben oberhalb des Kliffs. Von zwei auseinanderliegenden Aussichtspunkten oberhalb der Küste können Tierbeobachtungen gemacht werden. Im Gelände, gleich neben den Parkplätzen gibt es einen Kontroll- und Informationsposten der Naturschützer. Die Gäste der Celebrity Eclipse werden ausdrücklich begrüßt. Klar, ein Kreuzfahrtschiff ist gut für das Geschäft.

Unterwegs in der Steppenlandschaft Patagoniens Seelöwen und Magellan-Kormorane Aussichtspunkt Kontrollposten der Naturschützer

 

Besuch der Fundación EcoCentro

Die Rückfahrt verläuft wie der Hinweg etwa zur Hälfte auf staubigen Schotterpisten. Wir bitten unseren Fahrer, uns am südlichen Ortsanfang von Puerto Madryn an der Fundación EcoCentro abzusetzen.

Fundación EcoCentro

Fundación EcoCentro


Die dahinter stehende private Non-Profit Organisation macht es sich zur Aufgabe den Respekt und das Verständnis für die maritime Meereswelt Patagoniens zu fördern. Video-Installationen, Schaubilder, Skelette von Walen sowie Delfinen, ein Gezeitenpool und vieles mehr informieren die Besucher. Aufsichtspersonen bieten sich unaufgefordert in gutem Englisch für Auskünfte an. Es gibt eine kleine Caféteria, und von einem Turmzimmer und einer offenen Aussichtsplattform lässt sich das Meer beobachten.

Eintritt: 400 argentinische Peso (ca. 9,50 Euro)

Skelett eines Südkaper Wals Delfinskelett

 

Puerto Madryns weitläufiger Strandabschnitt und einige Denkmäler

Um ins Zentrum zurück zu gelangen, folgen wir der knapp fünf Kilometer langen Uferpromenade. Das EcoCentro liegt auf einer Klippe oberhalb des Meeres. Langsam fällt der gepflegte Fußweg bis auf Meeresniveau ab.

Auf halber Höhe passieren wir den Parque Histórico Punta Cuevas. Wer mag, kann sich dort die Höhlenwohnungen der ersten aus Wales stammenden Siedler ansehen. Die Waliser ließen sich im Jahr 1865 in der Gegend nieder. Ein kleines, unscheinbares Museum kann besichtigt werden. In der Nähe steht das den Tehuelche-Indianern gewidmete Monument El Indio. Die Tehuelche waren der indigene Stamm, der ursprünglich Patagonien bevölkerte.

Skulptur El Indio Museo del Desembarco

 

Auf Meeresniveau angekommen bewundern wir den breiten, naturbelassenen Strand. Wir passieren Bars, Restaurants und Tauchschulen. Die Stadt ist ein bedeutendes argentinisches Tauchzentrum.

Kilometerlanger Strand Strandbar Yoaquina

 

Neben uns verläuft die breite, schwach befahrene Uferstraße. In der Straßenmitte sehen wir plötzlich ein Denkmal Don Quijotes und seines Knappen Sancho Panza. Welche Verbindung Cervantes „Ritter von der traurigen Gestalt“ zu Puerto Madryn hat, erschließt sich uns jedoch nicht.

Uferstrasse Av. Julio Argentino Roca Don Quichote und Sancho Panza

 

Später sehen wir noch Villarino’s Propeller sowie das Denkmal der walisischen Siedler. Villarino’s Propeller ist eine Schiffsschraube. Sie gehörte zum Schiff ARA Villarino der argentinischen Marine. Das Schiff brachte im Jahr 1880 die sterblichen Überreste des argentinischen Freiheitskämpfers San Martín von Frankreich zurück nach Argentinien.

Villarino's Propeller

Villarino's Propeller


Später, auf Höhe der Luis Piedra Buena Pier, sehen wir in einem Kreisverkehr ein mächtige stilisierte Walfluke. Kein Wunder, vor Puerto Madryn lassen sich in der Saison Walbeobachtungen machen. Und auch die Skulptur eines Pinguins darf an der Promenade nicht fehlen. Schließlich siedeln viele der putzigen Vögel im Süden Lateinamerikas und in der Antarktis.

Walfluke im Zentrum Puerto Madryns Pinguinstandbild

 

Ein letztes und besonderes Denkmal steht an der Ausfallstraße nach Norden. Es ist das Monumento a Caídos en Malvínas. Gewidmet ist es den (argentinischen) Gefallenen des Falklandkriegs (April bis Juni 1982).

Monumento a Caídos en Malvinas

Monumento a Caídos en Malvinas


Im Innenstadtbereich bietet Punta Arenas Zentrum sehr wenig. Deshalb brechen wir den Rundgang ab und fahren mit dem Shuttle-Bus vorbei am Aluminiumwerk und einem Schiffsfriedhof zurück zum Schiff.

Hafengebiet und Schiffsfriedhof

Hafengebiet und Schiffsfriedhof


Fazit

Wir haben Eindrücke von der Steppenlandschaft Patagoniens erhalten. Die Seelöwen, das EcoCentrum und die Wanderung zurück in die Stadt gefielen uns gut. Puerto Madryn als Stadt hat uns dagegen nicht überzeugt.