Autor: Karl W. P. Beyer

recifeRecife, die zweitälteste Stadt Brasiliens, ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Pernambuco. Die Hafenstadt liegt im Nordosten des Landes, dort wo die Flüsse Capibaribe und Beberibe in den Atlantik münden.Die Einwohnerzahl der Stadt wird ausgehend vom Zensus des Jahres 2007 mit 1,5 Millionen angegeben. Im Großraum Recife leben annähernd 3,5 Millionen Menschen.

Recife vom  Meer gesehen

Recife vom  Meer gesehen


Ursprünglich war die Entwicklung hin zur Millionenstadt nicht vorauszusehen. Portugiesen besiedelten die Region ab 1537. Zwischen den Jahren 1630 und 1654 herrschten holländische Eroberer über das Land. Obwohl sie sich nur für kurze Zeit festsetzen konnten, reichte die Epoche aber aus, um das sumpfartige Gebiet durch die Anlage von Kanälen bewohnbar zu machen. Prosaisch veranlagte Gemüter sprechen bezüglich der 50 Kanäle und 39 Brücken Recifes vom „Venedig“ Brasiliens.

Recife - Brücken am Capibaribe-Fluss

Recife - Brücken am Capibaribe-Fluss


Der Recife von den Holländern gegebene Name Mauritsstad (portugiesisch Maurícia) leitet sich vom Namen des Gouverneurs Johan Maurits van Nassau-Siegen ab. Der Name hielt sich bis ins Jahr 1710, als die Stadt in Vila do Recife umbenannt wurde. Vom Jahr 1823 an ist Recife die Hauptstadt von Pernambuco.

Anfangs waren der Anbau von Zuckerrohr und die Zuckerproduktion Garanten der wirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstands der gesamten Region. Die Zuckermonokultur verhinderte über lange Zeit das Entstehen anderer, zukunftsträchtigerer Industrien. Heute ist Recife jedoch Standort für Schlüsselindustrien, zu denen Autozubehör, Kommunikationstechnik, Nahrungsmittel, Textil und Verpackungen gehören.

Zwischen Sevilla / Spanien und Recife wurde 1930 eine Transatlantikverbindung für Luftschiffe eingerichtet. Der mächtige Zeppelinturm, der Ankermast für die Zeppeline, steht noch in Sichtweite des Kreuzfahrtterminals im Pátio das Esculturas, dem Skulpturenpark.

Recife - Der Zeppelinturm im Pátio das Esculturas

Recife - Der Zeppelinturm im Pátio das Esculturas


Eingemeindet wurde das benachbarte Olinda. Es zählt zu den ältesten Städten Brasiliens und ist eines der kulturellen und kirchlichen Zentren des Landes. Seit 1676 ist Olinda Bischofssitz und bis ins Jahr 1823 war Olinda die Hauptstadt von Pernambuco. Danach ging die Hauptstadtfunktion auf Recife über.

Straße in Olinda - Dahinter die Hochhäuser von Recife

Straße in Olinda - Dahinter die Hochhäuser von Recife


Während in früheren Jahrhunderten Recife „nur“ der Hafen war, bevorzugte die privilegierte Oberschicht lange Zeit Olinda als Wohnsitz und administratives Zentrum. Viele marode Bauten aus jenen glanzvollen Zeiten prägen heute das Stadtbild. Seit 1982 steht das an den europäischen Baustilen des 17. und 18. Jahrhunderts orientierte Olinda auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. 

Olinda - Igreja e Convento de Nossa Senhora de Conceicao

Olinda - Igreja e Convento de Nossa Senhora de Conceicao