Ein Tag in Recife und Olinda


Unser Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen von Recife, einer 1,65 Millionen Einwohner zählenden Stadt im Nordosten Brasiliens. Recife ist die zweitälteste Stadt des Landes und Hauptstadt des Bundesstaats Pernambuco. Der erste Eindruck vom Oberdeck des Schiffes: Wir besuchen eine Metropole; vor einer imposanten Hochhauskulisse gruppieren sich niedrige Bauten aus der Kolonialzeit. Es wird ein spannender Tag!

Die Skyline von Recife

Die Skyline von Recife


Olinda – unser erstes Tagesziel

Bevor wir uns Recife zuwenden, besuchen wir die Nachbarstadt Olinda. Der Altstadtbereich der Großstadt steht seit dem Jahr 1982 auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Um dorthin zu kommen, nehmen wir ein Taxi. Vor Recifes modernem Kreuzfahrt-Terminal warten genügend Fahrzeuge auf Kundschaft. Die Entfernung zwischen dem Terminal und Olinda beträgt weniger als zehn Kilometer. Die Fahrt dauert nicht lang.

Olinda ist mit historischen Bauten reich gesegnet. Die Stadt war bis zum Jahr 1823 der ursprüngliche Regierungssitz des Landstrichs Pernambuco. Danach ging die Hauptstadtfunktion auf Recife über. Olindas historische Altstadt liegt auf einer Anhöhe und war von Beginn an der bevorzugte Wohnort der geistlichen und wirtschaftlichen Elite des Landes. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert entstanden im Ort viele prunkvolle kirchliche und weltliche Bauten. Die interessantesten Gebäude werden wir bei einem Rundgang durch Olindas Altstadt kennenlernen.

Olinda - Igreja e Convento de Nossa Senhora de Conceição

Olinda - Igreja e Convento de Nossa Senhora de Conceição


Wir beginnen an der von Benediktinermönchen gegründeten Klosterkirche Convento e Basilica de São Bento. Das Glanzstück der Basilika Minor ist der reich geschmückte Hochaltar.

Olinda - Convento e Basilica de Sao Bento
Olinda - Convento e Basilica de Sao Bento - Altar
Olinda - Convento e Basilica de Sao Bento
Olinda - Convento e Basilica de Sao Bento - Kanzel

 

Die Kirche und das Kloster liegen, wie sollte es anders sein, an der Rua São Bento. Wir gehen weiter und passieren kurz darauf den Palácio dos Governadores. In dem Gebäude residierte einst der Generalgouverneur Pernambucos, heute wird das stattliche Bauwerk von Olindas Verwaltung als Rathaus genutzt.

Palácio dos Governadores


Palácio dos Governadores


Olinda - im Hintergrund Recifes Hochhäuser


Olinda - im Hintergrund Recifes Hochhäuser 


Die von der Rua Sao Bento abgehenden Seitenstraßen bieten fantastische Blicke auf die tiefer gelegenen Stadtteile, und im Hintergrund erblicken wir die aufragenden Hochhaustürme von Recife.

Wir folgen der Rua Sao Bento, einer ruhigen und sauberen Straße. Beide Straßenseiten sind mit zweigeschossigen Häusern dicht bebaut.. Die Farben der Häuser variieren in allen denkbaren Farbtönen. Beginnend mit zarten Pastellfarben, über Gelbtöne bis hin zum kräftigen Blau fehlt keine Farbe. Aus den Höfen ranken Bäume und Bougainvillea auf den Bürgersteig hinaus. Leider regnet es inzwischen ausgiebig; bei schönerem Wetter würden wir mit einem Farbrausch verwöhnt.

Olinda - Rua Sao Bento


Olinda - Rua Sao Bento


Olinda - Museu do Mamelungo


Olinda - Museu do Mamelungo 


Auf der rechten Seite der Straße liegt das Museu do Mamelungo. Das Museum pflegt die Tradition der Puppentheater, die im Staat Pernambuco hohe Popularität genießen.

In einer Seitenstraße sehen wir die Barockkirche Igreja da Nossa Senhora do Amporo. Besonders gerühmt werden die wundervollen Schnitzarbeiten des Altars. Bauarbeiter entdeckten bei Renovierungsarbeiten unter Holzvertäfelungen verborgene portugiesische Kacheln, die dem 17. Jahrhundert entstammen.

Olinda - Nossa Senhora do Amporo


Olinda - Nossa Senhora do Amporo


Olinda - Igreja da Misericórdia


Olinda - Igreja da Misericórdia 


Als Nächstes sehen wir die Igreja da Misericórdia, die Kirche der Barmherzigkeit. Was ihr außen an Farbe fehlt, macht sie im Inneren durch einen prachtvollen Altar wett. Mit der Misericórdia haben wir den höchsten Punkt unseres Rundgangs erreicht. Wir folgen nun der Rua Bispo Coutinho bis wir die Catedral Sé de Olinda vor uns sehen.

Catedral Sé de Olinda

Catedral Sé de Olinda


Vom Aussichtspunkt Alto Da Sé vor der Kathedrale genießen wir den schönen Blick auf die unter uns liegende grüne Stadtlandschaft und die Karmeliterkirche Igreja do Carmo. Wir erblicken an der Praça do Alto Da Sé den Kuppelbau des ehemaligen Observatoriums. Das Himmelsteleskop befindet sich seit vielen Jahren im Torre Malakoff in Recife. An der Praça do Alto Da Sé findet regelmäßig ein Kunstgewerbemarkt statt.

Igreja Nossa Senhora do Carmo


Igreja Nossa Senhora do Carmo


Olinda - Caixa d’Agua mit dem Elevador Panoramico


Olinda - Caixa d’Agua mit dem Elevador Panoramico 


Auf der anderen Straßenseite steht die Caixa d’Agua mit dem Elevador Panoramico. Caixa steht im Portugiesischen für „Schachtel“. Und so sieht die wabenförmige Konstruktion aus. Hinter den Waben verbirgt sich das städtische Wasserreservoir. Der separate, „Elevador“ genannte Aufzug, befördert Besucher auf die Aussichtsplattform des Wasserspeichers. Leider ist der Aufzug gesperrt und der angepriesene schöne Ausblick bleibt uns verwehrt.

Zurück zur Kathedrale: Die Ursprünge des Gotteshauses reichen bis in das frühe 16. Jahrhundert zurück, als am Standort der heutigen Bischofskirche zuerst eine Kapelle errichtet wurde. Sie wurde aus- und umgebaut, und während der mehr als 20 Jahre währenden Herrschaft der holländischen Besatzer zerstört. Mit dem Bau der Kathedrale wurde nach deren Abzug im Jahr 1676 begonnen. Olindas Kathedrale wirkt schlicht, ihr fehlt der Glanz der Bischofskirchen im mediterranen Raum.

Olinda - Catedral Sé - Kirchenschiff


Olinda - Catedral Sé - Kirchenschiff


Olinda - Catedral Sé - Relief des Heilands


Olinda - Catedral Sé - Relief des Heilands 


Unterhalb der Kathedrale liegt das Convento de São Francisco. Der Bau des ersten Franziskanerklosters auf brasilianischem Boden begann im Jahr 1585. Berühmt ist das Kloster wegen seiner vielen zu Bildern geformten Azulejos. Kunstvolle Schnitzarbeiten an den Decken der Kirche und anderer Gebäudeteile fördern den Ruhm des Klosters.

Olinda - Convento de São Francisco


Olinda - Convento de São Francisco


Olinda - Convento de São Francisco


Olinda - Convento de São Francisco 


Unseren Rundgang beenden wir an der Praça da Abolição, dem Platz der Sklavenbefreiung. Am Platz liegen die Kirche Nossa Senhora do Carmo, die Karmeliterkirche, und Olindas Touristeninformation.

Olinda - Nossa Senhora do Carmo


Olinda - Nossa Senhora do Carmo


Olinda - Touristeninformation


Olinda - Touristeninformation


Anmerkung: Wir hätten Teile unseres Rundwegs mit einem kleinen, farbenfrohen Sightseeing-Zug, dem „Trenzinho de Olinda“, absolvieren können. Die Fahrt dauert 50 Minuten, und an elf Stationen darf aus- und zugestiegen werden. Start und Ziel der Bahn liegen vor dem Pavillon der Touristeninformation. Die Züge fahren im 30-Minuten-Takt.

 

 

Recife – unser zweites Tagesziel

Unser Rundgang durch Olinda ist abgeschlossen. Wer sich wie wir ausschließlich im historischen Stadtzentrum aufhält, lernt das andere Olinda nicht kennen. Olinda ist eine Großstadt mit mehr als 380.000 Einwohnern.

Ein Taxi bringt uns zurück nach Recife. An der mit hohen Bäumen umstandenen Parkanlage der Praça da Republica lassen wir uns absetzen. An dem Platz stehen drei wichtige Gebäude Recifes. Es sind der Palácio do Campo das Princesas, das Teatro de Santa Isabel und der Palácio da Justiça.

Recife - Praça da Republica

Recife - Praça da Republica


Den Palácio do Campo das Princesas nutzt die Verwaltung des Bundesstaats Pernambuco. Das im Jahr 1850 eingeweihte Teatro de Santa Isabel ist eines von 14 brasilianischen Theatern, die als nationales historisches und künstlerisches Erbe des Landes definiert werden. Im von einer 45 Meter hohen Kuppel gekrönten Justizpalast sitzt Pernambucos Oberster Gerichtshof.

Palácio do Campo das Princesas
Teatro de Santa Isabel
Justizpalast
Justizpalast - allegorische Figuren

 

Nach Verlassen des schattigen Parks, mittlerweile scheint die Sonne, biegen wir in die Rua Imperador Pedro Segundo ein, um als Nächstes die Capela Dourada und das Museu de Arte Sacra zu sehen. Beide kirchlichen Einrichtungen sind allerdings geschlossen. Wir hätten zu gern die Pracht der zwischen den Jahren 1696 und 1724 erbauten „Goldenen Kapelle“ bewundert.

Recife - Museu de Arte Sacra


Recife - Museu de Arte Sacra


Recife - Capela Dourada


Recife - Capela Dourada 


Etwas später passieren wir das Gabinete Português de Leitura. Es entstand aus dem Bedürfnis heraus, den im Land lebenden Portugiesen einen Treffpunkt und ein Literaturzentrum zu bieten.

Recife - Gabinete Português de Leitura

Recife - Gabinete Português de Leitura


Wir gehen in Richtung der Praça da Independência und stehen kurz danach vor der Kirche Matriz de Santo Antônio. Auf sie folgt die vom Orden der Karmeliter errichtete Basilica de Nossa Senhora do Carmo. Der Bau der prachtvollen Kirche währte annähernd 100 Jahre.

Recife - Kirche Matriz de Santo Antônio


Recife - Kirche Matriz de Santo Antônio


Recife - Basilica de Nossa Senhora do Carmo


Recife - Basilica de Nossa Senhora do Carmo 


Auf unserem Rundgang fehlt uns noch die am Patio de São Pedro gelegene Co-Kathedrale São Pedro dos Clérigos. Die Kathedrale zählt zu den wichtigsten sakralen Bauwerken im Bundesstaat Pernambuco. Die Bauzeit der Kirche betrug 56 Jahre. Wegen umfassender Renovierungsarbeiten ist es uns jedoch nicht möglich, die Kathedrale von innen zu sehen. Das Gotteshaus steht am Patio de São Pedro. Dieser Platz steht auf der Liste des brasilianischen nationalen, kulturellen Erbes. Neunundzwanzig restaurierte, koloniale Bauten rahmen den Platz ein.

Recife - Co-Kathedrale São Pedro dos Clérigos


Recife - Co-Kathedrale São Pedro dos Clérigos


Recife - historische Bauten am Patio de São Pedro


Recife - historische Bauten am Patio de São Pedro 


Zuletzt besuchen wir das Centro de Artesanato de Pernambuco. Um dorthin zu gelangen, entscheiden wir uns wieder für ein Taxi. Wegen der vom Fahrer zu beachtenden Einbahnstraßen kommen wir in den Genuss einer kleinen Stadtrundfahrt. Die Straße führt am Capibaribe entlang. Auf dem Fluss fahren Ausflugsboote mit Touristen. Sie sehen Kanäle und Brücken und genießen Recifes Flair als „Venedig des Südens“.

Recife - Capibaribe - Rückseite des Teatro de Santa Isabel
Recife - Capibaribe - Theater und Justizpalast
Recife - Ausflugsboot auf dem Capibaribe
Recife - Brücke am  Capibaribe

 

Das Centro de Artesanato de Pernambuco liegt im Stadtteil Recife Antigo. Von dort nahm die Entwicklung der Stadt ihren Anfang. Den Hauptplatz des Quartiers, die Praça Rio Branca, umstehen gepflegte historische Bauten. Bemerkenswert ist das Gebäude der Alten Börse, das in der Gegenwart als Kulturzentrum genutzt wird. Von diesem Platz wurden in der Kolonialzeit die Entfernungen zu anderen Zielen im Staat Pernambuco gemessen. Der alte und noch immer gebräuchliche Name des Platzes lautet „Praça do Marco Zero“ (Meilenstein Null).

Recife - Bauten an der Praça Rio Branca - rechts die Alte Börse


Recife - Bauten an der Praça Rio Branca - rechts die Alte Börse


Recife - Centro de Artesanato de Pernambuco


Recife - Centro de Artesanato de Pernambuco 


Das Centro de Artesanato de Pernambuco nutzt eine ehemalige Lagerhalle der Hafengegend. Im Centro werden hochwertige, in Pernambuco hergestellte Kunstobjekte und Souvenirs verkauft.

Dem Centro gegenüber liegt auf der anderen Flussseite der Parque de Esculturas. Der Skulpturenpark steht auf einem Wellenbrecher, der den Fluss vom offenen Meer trennt. Im Skulpturenpark sind Kunstwerke namhafter brasilianischer Künstler aufgestellt. Die Objekte gruppieren sich um den Torre de cristal, einen 32 Meter hohen Obelisken. Kleine Booten bringen Kunstliebhaber gegen geringes Entgelt hinüber zu den Skulpturen.

Recife - Parque de Esculturas


Recife - Parque de Esculturas


Recife - Zubringerboote zum Parque de Esculturas


Recife - Zubringerboote zum Parque de Esculturas 


Die letzte Station unseres Rundgangs ist der wenig spektakuläre Torre Malakoff. Der Turm wurde nach einem Turm der Festung von Sebastopol auf der Krim benannt. Ursprünglich diente er der brasilianischen Marine als Zeughaus.

Recifes Kreuzfahrtterminal

Recifes Kreuzfahrtterminal


Unser Rundgang durch Recife neigt sich dem Ende zu. Wir gehen hinüber zum modernen Cruise Terminal, wo unser Schiff wartet.

Unser Fazit: Es bedarf keiner teuren, organisierten Tour, um die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Olindas und Recifes zu entdecken. Die individuelle Tourenplanung erfordert allerdings eine intensive Vorbereitung. Die im Vergleich zu Deutschland preiswerten Taxitarife unterstützen die Mobilität. Wir sind uns sicher, die markantesten Sehenswürdigkeiten der Städte Olinda und Recife im Laufe eines Tages gesehen zu haben.

Update April 2021