Heute sind wir mit der AIDAcara in der eineinhalb Millionen Einwohner zählenden Stadt Recife, dem zweitältesten Gemeinwesen Brasiliens angekommen. Sie ist die Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaats Pernambuco. Auffällig ist Recifes imposante Hochhauskulisse, vor der sich die in der Kolonialzeit entstandenen, deutlich niedrigeren Gebäude gruppieren.

Recife von See gesehen

Recife von See gesehen


Und die Relikte aus jener Zeit möchten wir in Recife und vor allem der benachbarten UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Olinda kennenlernen. Mit Olinda beginnen wir. Ein Taxi ist schnell gefunden; vor Recifes modernem Kreuzfahrt-Terminal warten genügend Fahrzeuge auf Kundschaft. Die Distanz zwischen dem Terminal und Olinda beträgt weniger als zehn Kilometer. Die Fahrt dauert somit nur wenige Minuten.

Olinda war der ursprüngliche Regierungssitz des Landstrichs Pernambuco, bevor 1823 die Hauptstadtfunktion auf Recife übertragen wurde. Das auf einer Anhöhe gelegene Olinda war von Beginn an der bevorzugte Wohnort der geistlichen und wirtschaftlichen Elite. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert entstanden im Ort viele prunkvolle kirchliche und weltliche Bauten. Was Olinda anbelangt, haben wir uns für einen Rundgang entlang der interessantesten Gebäude entschieden.

An der Klosterkirche Convento e Basilica de Sao Bento beginnen wir. Die Einrichtung wurde von Benediktinermönchen gegründet. Von besonderer Schönheit ist der Altar der Basilika.

Recife - Convento e Basilica de Sao Bento      Recife - Convento e Basilica de Sao Bento

Recife - Convento e Basilica de Sao Bento - Altar      Recife - Convento e Basilica de Sao Bento - Kanzel

Das Kloster liegt, wie sollte es anders sein, an der Rua Sao Bento. Nach einigen Schritten passieren wir den Palácio dos Governadores. In dem Gebäude residierte einst der Generalgouverneur Pernambucos. Heute dient das stattliche Bauwerk Olindas Stadtverwaltung als Rathaus.

Recife - Palacio dos Governadores

Recife - Palacio dos Governadores


In von der Rua Sao Bento abgehenden Seitenstraßen fällt der Blick in die tiefer gelegenen Stadtteile und auf die im Hintergrund aufragenden Hochhaustürme von Recife.

Recife - Olinda, dahinter die Hochhäuser von Recife

Recife - Olinda, dahinter die Hochhäuser von Recife


Einige Hundert Meter weiter könnten wir an der Rua Sete de Setembro nach rechts abbiegen, es wären nur wenige Schritte zur unauffälligen Igreja de São Pedro. Einen Besuch der Kirche ersparen wir uns jedoch; wir werden sie später von den höchsten Punkten Olindas noch gut sehen.

Recife - Igreja de Sao Pedro

Recife - Igreja de Sao Pedro


Stattdessen folgen wir weiter der Rua Sao Bento. Sie ist eine angenehme, ruhige und saubere Straße. Beide Straßenseiten sind dicht bebaut. Dabei überwiegt die zweigeschossige Bauweise. Die Häuser sind in allen denkbaren, Farben beginnend bei zarten Pastellfarben, über Gelbtöne bis hin zum kräftigen Blau gestrichen. Aus den Höfen reichen dann und wann Bäume und Bougainvillea auf den Bürgersteig hinaus. Bei schönerem Wetter, mittlerweile regnet es ausgiebig, müsste das alles einen einmaligen Farbrausch ergeben.

Recife - Olinda, Rua de Sao Bento

Recife - Olinda, Rua de Sao Bento


Rechter Hand liegt das Museu do Mamelungo. Das Museum pflegt die Tradition des Puppentheaters, das im Staat Pernambuco noch immer hohe Popularität genießt.

Recife - Museu do Mamelungo

Recife - Museu do Mamelungo


In einer Seitenstraße liegt die Igreja da Nossa Senhora do Amporo, deren barocke Elemente den Bau auszeichnen. Besonders gerühmt werden die wundervollen Schnitzarbeiten des Altars. Bei einer Renovierung kamen vor Jahren unter Holzvertäfelungen verborgene portugiesische Kacheln aus dem 17. Jahrhundert zum Vorschein.

Recife - Igreja Nossa Senhora do Amparo

Recife - Igreja Nossa Senhora do Amparo


Als Nächstes folgt die Igreja da Misericórdia, die Kirche der Barmherzigkeit. Was ihr außen an Farbe fehlt, macht sie im Inneren durch einen prachtvollen Altar wett. Es heißt, er sei der zweitschönste Altar Olindas.

Recife - Igreja da Misericordia

Recife - Igreja da Misericordia


Mit der Misericórdia haben wir den höchsten Punkt unseres Weges erreicht. Die sich anschließende Rua Bispo Coutinho führt hinüber zur Catedral Sé de Olinda. Von dort oben genießen wir einen schönen Blick auf die grüne Stadtlandschaft. Am Ende einer Seitenstraße sehen wir die Klosterkirche Nossa Senhora da Conceição. Bald darauf folgt das ehemalige Observatorium. Das Teleskop befindet sich seit vielen Jahren im Torre Malakoff in Recife. Nur noch das im Jahr 1860 errichtete Gebäude ist Olinda geblieben.

Recife - Olinda, im Hintergrund Recife     Recife - Igreja e Convento de Nossa Senhora de Conceicao     Recife - Olinda, Markt und Observatorium

Schräg gegenüber ragen auf der anderen Straßenseite die Caixa d’Agua und der Elevador Panoramico empor. Caixa steht im Portugiesischen für „Schachtel“. Und genauso sieht das wabenförmige Konstrukt auch aus. Hinter den Waben verbirgt sich der städtische Wasserspeicher. Über den „Elevador“ genannten Aufzug gelangt man außerhalb der Caixa mühelos auf die Aussichtsplattform oberhalb des Wasserspeichers. Leider ist der Aufzug gesperrt und der angepriesene schöne Ausblick bleibt uns verwehrt.

Recife - Caixa d'Agua und Elevador Panoramico

Recife - Caixa d'Agua und Elevador Panoramico


Die Ursprünge der Kathedrale reichen bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück, als am Standort der heutigen Bischofskirche zuerst eine Kapelle errichtet wurde. Sie wurde aus- und umgebaut und schließlich von den Holländern, die kurze Zeit in Recife herrschten, zerstört. Nach deren Abzug wurde im Jahr 1676 mit dem Bau der Kathedrale begonnen. Nach den vielen auf unseren Reisen gesehenen, zumeist prunkvollen Kirchen, erscheint uns Olindas Kathedrale eher schlicht.

Recife - Catedral Sé da Olinda      Recife - Catedral Sé da Olinda

 

Recife - Catedral Sé da Olinda      Recife - Catedral Sé da Olinda

Unterhalb der Kathedrale liegt das Convento de São Francisco. Der Bau des ersten Franziskanerklosters Brasiliens wurde im Jahr 1585 begonnen. Geschätzt wird die Anlage wegen ihrer vielen Azulejos, die zu Bildern geformt sind. Außerdem zeichnen kunstvolle Schnitzarbeiten an den Decken die Kirche und andere Gebäudeteile aus.

Recife - Convento de Sao Francisco      Recife - Convento de Sao Francisco

Wer in Olinda die Touristeninformation sucht, findet sie nahe der Kirche Nossa Senhora do Carmo, der Karmeliterkirche. Sie liegt am Praça da Abolição, dem Platz der Sklavenbefreiung. Dem Anschein nach hätten wir Teile unseres Rundwegs mit einem Sightseeing-Bus, dem „Trenzinho de Olinda“, absolvieren können. Start und Ziel liegen vor dem Pavillon der Touristeninformation. Näheres wissen wir dazu jedoch nicht.

Recife - Touristeninformation in Olinda     Recife - Nossa Senhora do Carmo    Recife - Nossa Senhora do Carmo 

Unser Rundgang durch Olinda ist abgeschlossen. Mit einem Taxi fahren wir zurück nach Recife, wo wir noch einige Eindrücke sammeln möchten. Vor der Parkanlage der Praça da Republica lassen wir uns absetzen. An dem Platz stehen drei wichtige Gebäude Recifes. Es sind der Palácio do Campo das Princesas, das Teatro de Santa Isabel und der Palácio da Justiça.

Recife - Praca da Republica

Recife - Praca da Republica


Der Palácio do Campo das Princesas dient als Dienstsitz der Verwaltung des Bundesstaats Pernambuco. Das im Jahr 1850 eingeweihte Theater ist eines von 14 brasilianischen Theatern, die als nationales historisches und künstlerisches Erbe definiert werden. Im repräsentativen Justizpalast sitzt der Oberste Gerichtshof Pernambucos.

Recife - Palacio do Campo das Princesas     Recife - Teatro de Santa Isabel - Rückseite  Recife - Theater und Palacio da Justica 

Nach Verlassen des Parks biegen wir in die Rua Imperador Pedro Segundo ein, um die Capela Dourada und das Museu de Arte Sacra zu sehen. Leider sind beide kirchlichen Einrichtungen für Besucher geschlossen. Das ist sehr schade. Wir hätten doch sehr gern die Pracht der zwischen den Jahren 1696 und 1724 erbauten „Goldenen Kapelle“ bewundert. Im Laufe der Zeit erhielt die Kirche wundervolle mit Blattgold belegte Schnitzarbeiten, die den Namen Goldene Kapelle durchaus rechtfertigen.

Recife - Capela Dourada     Recife - Capela Dourada - Detail     Recife - Museu Franciscano de Arte Sacra

Wenig später passieren wir den bemerkenswerten Bau des Gabinete Português de Leitura. Es entstand aus dem Bedürfnis heraus, den im Land lebenden Portugiesen einen angemessenen Treff- und Literaturstützpunkt zu bieten.

Recife - Gabinete Portugues de Leitura

Recife - Gabinete Portugues de Leitura


Nun wenden wir uns in Richtung der Praça da Independência und stehen kurz danach vor der Kirche Matriz de Santo Antônio. Auf sie folgt die Basilica de Nossa Senhora do Carmo. Sie geht auf das Konto der Karmeliter. Wie zu lesen ist, dauerte es circa 100 Jahre, um die prachtvolle Kirche fertigzustellen.

Recife - Praca da Independencia     Recife - Matriz de Santo Antonio     Recife - Basilica de Nossa Senhora do Carmo

Eine Kirche fehlt noch. Es ist die Co-Kathedrale am Patio de São Pedro. Die Kathedrale ist eines der wichtigsten sakralen Bauwerke im Staat Pernambuco. Sechsundfünfzig Jahre brauchte es, um die Kirche zu bauen. Wir können sie wegen umfassender Renovierungsarbeiten leider nicht von innen sehen. – Der Patio de São Pedro davor gilt als „Complexo Cultural“, weshalb er in die Liste des nationalen, kulturellen Erbes aufgenommen wurde. Er wird von 29 restaurierten kolonialen Bauten eingerahmt.

Recife - Die Türme der Co-Kathedrale      Recife - Co-Kathedrale      Recife - Reinigungsarbeiten auf dem Patio de Sao Pedro

Im letzten Abschnitt unseres Besuches in Recife wollen wir noch das Centro de Artesanato de Pernambuco sehen. Wir entscheiden uns wieder für eine der vielen Taxen. Durch die maßgebliche Einbahnregelung kommen wir in den Genuss, einer kleinen „Stadtrundfahrt“. Auf dem Capibaribe-Fluss sehen wir Ausflugsboote, mit denen Touristen das euphemistisch „Venedig des Südens“ genannte Recife präsentiert wird. Der Fluss, diverse Kanäle und 39 Brücken machen allerdings noch kein Venedig.

Recife - Der Capibaribe Fluss     Recife - Ausflugsboot auf dem Capibaribe Fluss

Das Centro de Artesanato de Pernambuco liegt im Hafenviertel Recifes am Capibaribe. Von dort aus nahm die Entwicklung der Stadt ihren Anfang. Der Hauptplatz, die Praça Rio Branca, ist von gepflegten historischen Bauten umstanden. Besonders gut gefällt uns das Gebäude der Alten Börse, das heute als Kulturzentrum dient. Am Platz, der zur Erinnerung an das Geschehen in New York neuerdings auch „Ground Zero“ genannt wird, wurde in einer ehemaligen Lagerhalle das Centro de Artesanato de Pernambuco eingerichtet. In der öffentlichen Einrichtung werden hochwertige, im Staat Pernambuco hergestellte Kunstobjekte und Souvenirs verkauft.

Recife - Historische Häuser an der Praca Rio Branca     Recife - Der Capibaribe hinter dem Centro de Artesanato

Dem Centro gegenüber liegt auf der anderen Flussseite der Parque de Esculturas. Mit kleinen Booten kann man ihn ansteuern. Der Skulpturenpark stellt Kunstwerke namhafter brasilianischer Künstler aus. Die Figuren gruppieren sich um den künstlerisch gestalteten Landemast für Zeppeline. Ab 1930 verband eine Luftschiffroute Recife mit dem spanischen Sevilla.

 Recife - Parque de Esculturas

Recife - Parque de Esculturas


Wir reißen uns von dem ungewohnten Anblick eines Ankermasts für Luftschiffe los und schlendern am Torre Malakoff vorbei zurück zum Cruise Terminal. Der Torre Malakoff wurde nach einem Turm der Festung von Sebastopol auf der Krim benannt. Ursprünglich diente er der Marine als Zeughaus.

Recife - Kreuzfahrtterminal      Recife - Wartezone im Cruise Terminal

Unser Fazit: Es bedarf keiner teuren, organisierten Tour, um die Schönheiten Olindas und Recifes zu entdecken. Die vorherige Tourplanung bedarf einiger Vorbereitungszeit. Die im Vergleich zu Deutschland preiswerten Taxen garantieren die Mobilität. - Wir genossen beide Städte und sind uns sicher, die markantesten Punkte der Städte gesehen zu haben.