Wir gehören zu jenen Glücklichen, deren Kreuzfahrtschiff über Nacht am Pier Mauá in Rio de Janeiro liegt. Erst am Nachmittag um 15:00 Uhr wird die AIDAcara den Hafen mit dem Ziel Ilhéus verlassen. Bis dahin bleibt genug Zeit, um zuerst mit der Seilbahn auf den Pão de Açúcar, den Zuckerhut, zu fahren und danach einige sehenswerte Punkte im Zentrum der Stadt zu besuchen.

Früh am Morgen verlassen wir das Schiff. Schnell ist ein vorbeifahrendes Taxi gestoppt. Um diese Tageszeit staut sich der Verkehr in Richtung Zentrum noch nicht in dem Maße, wie wir es befürchtet hatten.

Rio de Janeiro - Der Montagsstau    

Rio de Janeiro - Der Montagsstau


Wir haben Glück und erwischen eine der ersten auf den Zuckerhut fahrenden Seilbahnen. Um diese Zeit fahren die Bahnen noch nach Fahrplan. Eine Stunde später sind die Warteschlangen schon sehr lang. Denn dann möchten die organisiert antretenden Besuchergruppen unseres Schiffs den Berg hinaufgebracht werden. Sobald sich Staus aufbauen, wird nach Bedarf gefahren. Feststellung am Rande: Personen über 60 Jahre zahlen nur den halben Fahrpreis. Im Jahr 2014 zahlen Erwachsene ohne Ermäßigung 62 Reais entsprechend circa 19 Euro.

Um auf den 394 Meter hohen Granitkegel des Zuckerhuts zu gelangen, steigt man auf halbem Wege, auf dem Morro da Urca, in eine zweite Seilbahn um. Die Bahnen bewältigen die Fahrtstrecke in jeweils drei Minuten. - Ebenso wie der Mirante Dona Marta unterhalb des Corcovado bietet auch der Zuckerhut exzellente Ausblicke auf Rio und seine Umgebung. Auch die überdimensionale Statue des Cristo Redentor ist an diesem Vormittag sehr gut zu sehen. Spaß macht es auch, den Flugzeugen beim Anflug auf den inländischen Flughafen Santos Dumont zuzusehen, wenn sie nach einem haarsträubenden Manöver vor den Bergen zur Landung ansetzen.

Rio de Janeiro - Zuckerhut und Mittelstation Morro da Urca    Rio de Janeiro - Mittelstation Morro da Urca    Rio de Janeiro - Streckenteil Morro da Urca - Zuckerhut

 

Rio de Janeiro - Guanabara Bucht    Rio de Janeiro - Augenweide    Rio de Janeiro - Flugzeug im Anflug auf Santos Dumont Airport

Die gepflegte Bergstation des Zuckerhuts und die weitläufige Mittelstation der Seilbahn bieten alles, was sich der Tourist wünscht: ein Veranstaltungszentrum auf dem Morro da Urca, Restaurants und Toilettenanlagen. Sogar Edelsteine kann man bei namhaften Anbietern in luftiger Höhe kaufen.

Rio de Janeiro - Gipfelgastronomie     Rio de Janeiro - Edelsteinverkauf in luftiger Höhe

Nach der Rückkehr zur Talstation empfiehlt es sich, dem etwa 200 Meter entfernt gelegenen Vermelha-Strand einen Besuch abzustatten. Dort am Offiziers-Club „Clube Circulo Militar“ liegt die Praia Vermelha. Über dem Strand bietet der gewaltige Felsen des Zuckerhuts einen fantastischen Anblick.

Rio de Janeiro - Vermelha Strand     Rio de Janeiro - Gruß des Militärs

Wieder drängt die Zeit. Mit dem Taxi geht es hinüber ins Zentrum von Rio. Unser erstes Ziel ist der Stadtteil Lapa mit dem ehemaligen Aquädukt Arco da Lapa und der Escadaria Selarón. 

Die historische Wasserleitung des Arco da Lapa, eine 270 Meter lange und knapp 18 Meter hohe Bogenkonstruktion, wurde nach ihrer Außerdienststellung Ende des 19. Jahrhunderts als Trambahnbrücke verwendet.

Rio de Janeiro - Arcos da Lapa

Rio de Janeiro - Arcos da Lapa


Die Tram verband das Zentrum der Stadt mit dem Vorort Santa Teresa.

Rio de Janeiro - Stadtteil Santa Teresa

Rio de Janeiro - Stadtteil Santa Teresa


Vor einigen Jahren kam es auf der wenig gesicherten Fahrtstrecke zu einem Unfall mit mehreren Toten. Seit dieser Zeit sind die pittoresken, offenen Straßenbahnwagen außer Dienst gestellt worden. Eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs wurde zugesagt, aber niemand weiß, wann das der Fall sein wird.

Die Escadaria Selarón ist das Werk des chilenischen Künstlers Jorge Rio de Janeiro - Escadaria SelarónSelarón. Er begann im Jahr 1990, die baufälligen Treppenstufen vor seinem Haus mit Fliesen zu verschönern. Aus der Renovierungs- und Verschönerungsmaßnahme entstand ein aus Tausenden Kacheln bestehendes Gesamtkunstwerk. 250 geflieste Stufen auf 125 Meter Länge verbinden die Stadtteile Lapa und Santa Teresa.

Rio de Janeiro - Escadaria Selarón     Rio de Janeiro - Escadaria Selarón

Wer mag, geht noch bis zur Kirche Santa Teresa hinauf, die über dem Stadtteil thront.

Rio de Janeiro - Igreja Santa Teresa

Rio de Janeiro - Igreja Santa Teresa


In Sichtweite des Arco da Lapa und nur wenige Hundert Meter entfernt, steht Rios moderne, ungewöhnlich gestaltete Kathedrale. Das Gotteshaus ist ein nach vier Seiten offener, 92 Meter hoher, himmelwärts aufragender Betonbau mit frei stehendem Glockenturm.

Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana

Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana


Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana - Der Glockenturm

Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana - Der Glockenturm


Tragende Säulen sind nicht zu erkennen. Geweiht wurde die Catedral Metropolitana vor ihrer Fertigstellung im Jahr 1976. Mehr als 20.000 Menschen sollen in dem Rundbau Platz finden. Sehenswert sind die vier aufwärts strebenden riesigen Fensterblöcke.

Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana

Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana


Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana - Die Buntglasfenster     Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana - Die Buntglasfenster     Rio de Janeiro - Catedral Metropolitana - Die Buntglasfenster

Uns erinnert der Kirchenbau von der Optik und der Bauausführung stark an die römisch-katholische Kathedrale von Liverpool/England.

Rios Kathedrale liegt neben einem modernen Büroviertel. Ein Blick auf das benachbarte Gebäude des Energiekonzerns Petrolbras zeigt, wie Architektur heute in Lateinamerika definiert wird.

Rio de Janeiro - Das Petrobras-Gebäude

Rio de Janeiro - Das Petrobras-Gebäude


In einer kleinen Parkanlage durchqueren wir die Bürostadt, um zur Praça Floriano im Stadtteil Cinelândia zu gelangen. Wir passieren die linkerhand auf einem Hügel liegende Igreja e Convento de Santo Antônio. Es heißt, sie sei die älteste Kirche Rios.

Rio de Janeiro - Igreja e Convento de Santo Antonio

Rio de Janeiro - Igreja e Convento de Santo Antonio


Sehenswert an der Praça Floriano sind das der Pariser Oper nachempfundene Teatro Municipal, das Museu Nacional de Belas Artes und die Biblioteca Nacional.

 Rio de Janeiro - Teatro Municipal    Rio de Janeiro - Museo Nacional de Belas Artes    Rio de Janeiro - Biblioteca Nacional

Wer es bislang geschafft hat, unbeschadet durch das quirlige Rio zu gelangen, dem empfehlen wir einen Besuch der Confeitaria Colombo. Sie liegt in der Rua Gonçalves Dias, 32. Das im 1893 in Jugendstilbauweise eröffnete Kaffeehaus und Restaurant versteht sich als Teil des historischen und künstlerischen Erbes der Stadt. Es gilt als eine der Institutionen Rios. Der Gast sollte viel Zeit mitbringen, um den Aufenthalt an diesem stilvollen Ort zu genießen. Aus Zeitmangel zogen wir das schräg gegenüberliegende „Starbucks“ dem Colombo vor.

Rio de Janeiro - Confeitaria Colombo    Rio de Janeiro - Confeitaria Colombo    Rio de Janeiro - Confeitaria Colombo 

Uns bleibt auch noch genug Zeit, um die Kirche Nossa Senhora da Candelaria zu sehen. Sie liegt an der von der Avenida Rio Branco abgehenden Praça Pio X. Sie ist eine wichtigen römisch-katholischen Kirchen der Stadt. Außen wird die Kirche von einer Barockfassade dominiert. Im Inneren überwiegen neoklassizistische und Neorenaissance-Elemente. Allgegenwärtig ist der üppig verwendete, vielfarbige Marmor. Das gegenwärtige Erscheinungsbild entstand im Jahr 1898.

Rio de Janeiro - Igreja Nossa Senhora da Candelaria

Rio de Janeiro - Igreja Nossa Senhora da Candelaria


In der Nähe der Candelaria-Kirche liegt die Praça XV de Novembro. An diesem Platz steht der Paço Imperial. Der im 18. Jahrhundert errichtete Residenzbau diente dem König von Portugal als Regierungssitz, nachdem er und sein Hofstaat sich zeitweise im brasilianischen Vizekönigreich vor Napoleon in Sicherheit bringen mussten.

Genug gesehen. Wir nehmen das nächste Taxi und lassen uns zurück zum Schiff bringen.

Zum Schluss ein offenes Wort: Im Internet wird viel über die Kriminalität in Brasiliens Städten berichtet. Wir verzichteten auf das Tragen von Schmuck und teurer Uhren. Außerdem führten wir nur so wenig Geld mit uns, wie wir für unsere Ausflüge brauchten. Die Kreditkarte trugen wir versteckt in unserer Kleidung und die teure Kamera war nicht auf den ersten Blick zu sehen. Und vor allem, wir bewegten uns nicht in der Nähe der Favelas. Wir waren zu keiner Zeit Attacken ausgesetzt und genossen unseren Aufenthalt in Rio sehr.