Ein Tag in Salalah


Azamara Quest Am 5. Juli 2016 läuft unser Kreuzfahrtschiff, die Azamara Quest, Salalah in der südwestlich gelegenen Region des Oman für einen sechsstündigen Aufenthalt an. Azamara Cruises schildern den Ort als eine aus dem Handel mit Weihrauch entstandene Stadt, ausgestattet mit einem reichen, kulturellen Erbe, schöner Natur und angenehmen, das ganze Jahr über andauernden tropischen Temperaturen.

Der sehr kurze Aufenthalt bietet wenig Gelegenheit, die etwa 200.000 Einwohner zählende Großstadt und ihre Umgebung auf eigene Faust kennenzulernen. Für Salalah offeriert die Reederei drei Ausflüge. Sie sind betitelt mit …

Salalah und Umgebung

Strandaufenthalt in Salalah

fürstliches Salalah.

Dem Besuch eines Hotelstrands und einer Stadtrundfahrt durch das „fürstliche“ Salalah können wir wenig Reiz abgewinnen. Wesentlich interessanter scheint uns die erste Ausflugs-Variante, eine rund vierstündige Busfahrt durch Salalah und seine Umgebung. Wir erwarten, im Verlauf der Fahrt einen der kilometerlangen Sandstrände und Landschaften mit Kokospalmen, Papayabäumen und Bananenstauden zu sehen. Salalah interessiert uns aber auch als Verwaltungszentrum, Hochschulstandort, Freihandelszone, Hafen- und Industriestadt. Reiseführer beschreiben die Hauptstadt der Region Dhofar allgemein als moderne Stadt mit Hotels und Verwaltungsgebäuden.

Das moderne Salalah Grünzone von Salalah

Das alles mag wohl zutreffen. Zuerst aber sehen wir nur den zweckmäßigen Industrie-und Containerhafen, der seit den 1980er Jahren gemeinsam mit der dänischen Großreederei Maersk entwickelt wird. Auf ein Kreuzfahrt-Terminal, wie zuvor in Dubai (sehr pompös) und Maskat (gediegene Ausstattung) wurde bislang verzichtet. Die Abfertigung erfolgt vor dem Schiff, alles andere wäre wohl nur Luxus.

Salalah - Der Hafen von Salalah vorausSalalah - Der Hafen von Salalah voraus

Das Stadtzentrum von Salalah und den Hafen trennen circa 15 Kilometer staubige, durch öde Industriezonen führende Straßen. Vor Salalah zweigt die Straße in Richtung der Küste ab. Die Fahrt führt etwa 20 Kilometer durch steppenähnliches Ödland. Urplötzlich liegt er aber vor uns, der mehrere Kilometer lange, feinsandige Strand. Zwischen ihm und dem dahinter aufragenden Gebirge liegt eine im Aufbau befindliche Stadt. Am westlichen Ende geht der Strand in eine bizarre, fantastische Felsküste über. Die Küstenlandschaft ist an diesem Ort einzigartig schön.

Salalah - Industriekomplex Salalah - Strand

Hinter einem überhängenden Felsen hat die Meeresbrandung den Fels ausgehöhlt. Dabei entstanden eine Höhle und Blaslöcher. Diese erdgeschichtlich ausgesprochen selten auftretenden „Blowholes“ können von einem eingezäunten Terrain aus betrachtet werden. Je nach Wucht der Brandungswellen fallen die durch die Löcher schießenden Wasserfontänen unterschiedlich stark aus.

Salalah - Küste bei Mughsail Salalah - Küste bei Mughsail

Salalah - Fels bei Mughsail Salalah - Blowhole bei Mughsail

Der wesentliche Programmpunkt des Tages ist das Grab des Propheten Hiob. Das im Arabischen Nabi Ayoub genannte Mausoleum liegt auf 780 Meter Höhe im Dhofar-Gebirge, etwa 30 Kilometer nördlich von Salalah. Wieder führt die Straße durch eine nur schwach bebaute Region. Die Gebäude sind überwiegend niedrig gehalten. Links und rechts der Durchgangsstraße sehen wir über eine längere Distanz einfach aussehende Imbisslokale. Der uns begleitende Reiseführer erklärt, dass die sich trotz ihrer Lage außerhalb der Stadt Salalah eines regen Zuspruchs erfreuen würden.

Außsenbezirk von Salalah Straßenrestaurants vor Salalah

Plötzlich wird die Straße sehr steil; der Busfahrer ist gezwungen, in den ersten Gang zurück zu schalten, um die letzten Höhenmeter zu bewältigen. 

Salalah - Grabmal des Hiob - Stammbaum der ProphetenVor einem eingezäunten, mit Bäumen und Büschen dicht bestandenes Gelände verlassen wir den Bus. Die kleine Moschee fällt uns sofort auf. Das einfache, schmucklose Memorial des Propheten erkennen wir erst beim genaueren Hinsehen. Nabi Ayoub ist eine Pilgerstatte für Muslime, wenngleich der Prophet Hiob auch von Christen und Juden verehrt wird. Ein im Inneren des schlichten Mausoleums aushängender Stammbaum der Propheten zeigt die Stellung von Adam, Mohammed und Jesus – allesamt Propheten – aus Sicht des Islam. Auffällig ist die Länge der mit einem grünen Tuch bedeckten Grabstätte. Das Grab misst gut vier Meter in der Länge.

Salalah - Blick auf das Hiob-Mausoleum und die Moschee Salalah - Zugang zum Hiob-Mausoleum und zur Moschee

Salalah - Moschee beim Hiobs-Grab Salalah - Hiobs-Grab mit grünem Tuche verhängt

Es bleibt noch ausreichend Zeit einen Blick auf die umgebende, wilde Berglandschaft und die wenigen Häuser unterhalb des Mausoleums zu werfen. Zum Flecken gehören ein Restaurant, einige Farmhäuser und Gruppen frei laufender Dromedare.

Salalah - Stadt im Jabal Al Qara-Gebirge Salalah - Begegnung mit Dromedaren

Die Trampeltiere gaben den Ausschlag. Auf dem Rückweg gibt unser Reiseführer, ein wahrer Gemütsmensch, ausführliche Hinweise zum Schlachten von Dromedaren und zum Geschmack von Dromedar Fleisch. Nicht etwa, dass das irgendjemanden in unserer englischsprachigen Reisegruppe wirklich interessiert hätte, unserem Guide ist es aber offenbar ein Herzensanliegen, darüber zu sprechen.

Etwa eine halbe Stunde später fahren wir wieder durch die Außenbezirke von Salalah. Von fern wird der Flughafen sichtbar; dann folgt das Al Maruj genannte, gewaltige Amphitheater. Nachdem wir bislang nur staubige Straßen und Bauten von niedriger Bauweise wahrgenommen haben, folgen zum Zentrum hin in den Neubaugebieten moderne, breite Avenuen, beeindruckende Kreisverkehre und deutlich höhere Gebäude als zuvor.

Der Flughafen von Salalah Salalah - Al Maruj Amphitheater Salalah - Die Neustadt

Natürlich darf der Al Husn-Palast des Sultan Qaboos nicht im Programm fehlen. Anders als der in Alt-Maskat errichtete und den Blicken der Öffentlichkeit zugängliche Sultanspalast ist der Palast von Salalah hinter hohen Mauern verborgen. Ein Blick auf Google Maps zeigt, dass die weitläufige Palastanlage an das Arabische Meer grenzt. Es heißt, dass Sultan Qaboos sich in den klimatisch gemäßigten Sommermonaten während des Khareef regelmäßig in dem Palast aufhält. Die Umgebung der Palastmauern ist von viel Grün umgeben.

Salalah - Außenmauer des Sultanspalasts Salalah - Wappen an der Außenmauer des Sultanspalasts Salalah - Außenmauer des Sultanspalasts

Bald darauf durchfahren wir den landwirtschaftlich genutzten Grüngürtel der Stadt. Wir sehen vor allem Bananenstauden, Kokospalmen und Zuckerrohr. Aber auch Papaya und andere landwirtschaftliche Produkte mehr werden in der Region angebaut.

Salalah - KokosplantagenSalalah - Kokosplantagen

Für die als exquisit bezeichnete Sultan-Qaboos-Moschee bleibt keine Zeit mehr. Der Bus hat wohl unterwegs zu viel getrödelt. Stattdessen wird noch für kurze Zeit am Al Husn-Souk von Salalah gehalten. Dieser Markt ist ein typischer arabischer Souk mit Friseuren, Schneidern und freundlichen Händlern, die Weihrauch und Myrrhe, Schals und T-Shirts verkaufen. Er bietet alles, was er bieten sollte, aber an die Souks von Dubai, Mutrah oder Marrakesch und Fès in Marokko reicht er nicht im Entferntesten heran.

Souk von Salalah Souk von Salalah

Die Rundfahrt neigt sich ihrem Ende zu. Vorbei an modernen Hotels in Strandlagen fährt unser bequemer Bus auf der breiten Ausfallstraße in Richtung des Hafens. Erneut sehen wir die gewaltigen Industriekomplexe (vor allem der Zementindustrie), dann folgt ein letzter Blick auf die Container-Kräne und kurz danach halten wir vor unserer Azamara Quest, die bereits zum Auslaufen bereit ist. Es ist schade, dass die Liegezeit so knapp kalkuliert war. Salalah mag nicht unbedingt ein Kreuzfahrtziel sein, vom „wilden“ Südwesten des Oman nahe der jemenitischen Grenze hätten wir dennoch gern mehr gesehen.

Salalah - Hafen mit Containerterminal

Salalah - Hafen mit Containerterminal