Ein Tag in Salvador da Bahia


Zwischen Ilhéus und Salvador da Bahia liegen 114 Seemeilen. Die meistert die AIDAcara wie im Fluge. Am 13. März 2014 liegt sie morgens um acht Uhr im Hafen der brasilianischen Millionenstadt. Um 18:00 Uhr wird das Schiff wieder ablegen. Knapp zehn Stunden können die Schiffsgäste die Stadt entdecken.

Salvador da Bahia - Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Salvador da Bahia      Salvador da Bahia - AIDAcara im Hafen von Salvador da Bahia
Was tun in dieser Zeit? An Bord wird für 49,95 Euro eine sechsstündige organisierte Tour durch den „Geburtsort Brasiliens“ angeboten. Die wichtigsten Touristenziele werden im Verlauf einer Rundtour besucht. Alternativ ist die gleiche Tour inklusive eines Mittagessen für 69,95 Euro zu buchen. Das Kurzprogramm, es dauert lediglich 3½Stunden, bekommt man für 35,50 Euro. Natürlich kann man auch im Cruise Terminal, wieder fanden alte Lagerhallen eine zweckgerechte Verwendung, eine geführte Tour buchen.

Salvador da Bahia - Touranbieter im Cruise Terminal

Salvador da Bahia - Touranbieter im Cruise Terminal


Wir haben uns wieder für eine individuelle Stadterkundung entschieden. Mit einem Stadtplan versehen gehen wir in Richtung des Schrägaufzugs Plano Goncalves. Der bringt uns für 15 Centavos in kürzester Zeit in die etwa 70 Meter höher gelegene Oberstadt, die Cidade Alta. Dort wurden im Lauf der letzten 20 Jahre annähernd 800 verfallene Häuser renoviert. Aus einer ehemaligen innerstädtischen Favela wurde ein angenehmes Wohngebiet, das wegen seiner Sehenswürdigkeiten gern von Touristen aufgesucht wird.

Salvador da Bahia - Schrägaufzug Plano Goncalves    Salvador da Bahia - Die restaurierte Oberstadt 

Die Bergstation des Aufzugs liegt versteckt hinter der Kathedrale. Vor der Hauptkirche des Erzbistums Salvador da Bahia öffnet sich der Blick auf den weitläufigen Praça Terreiro de Jesus. Im Inneren ist die ursprüngliche Jesuitenkirche Kirche wahrhaftig sehenswert. Bemerkenswert sind die weiträumige, klare Architektur, die Seitenkapellen mit Altären und eine Hallendecke, die die Initialen der Jesuiten zeigt. Hinter dem Kirchenschiff können in einem separaten, großen Raum Gemälde und sakrale Gegenstände bewundert werden.

Salvador da Bahia - Kathedrale    Salvador da Bahia - Kathedrale    Salvador da Bahia - Kathedrale - Das Wappen der Jesuiten

 

Salvador da Bahia - Kathedrale - Seitenaltar

Salvador da Bahia - Kathedrale - Seitenaltar


salvador 554 kathedrale ausstellungsraum

Salvador da Bahia - Kathedrale - Ausstellungsraum


Die Kathedrale verlassen wir durch eine seitliche Pforte. Vor uns liegt die Praça Terreiro de Jesus. Linkerhand ragt auf dem Gelände der medizinischen Universität eines der Fakultätsgebäude auf. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steht die Igreja da Ordem Terceira de Sao Domingos de Gusmao. Sie sieht von außen glanzvoll aus, gehört jedoch zu den weniger bedeutenden Kirchen.

Salvador da Bahia - Gebäude der medizinischen Fakultät     Salvador da Bahia - Igreja da Ordem Terceira de Sao Domingos de Gusmao

Von dort sind es nur wenige Meter bis zum Convento e Igreja de Sao Francisco. Der auf Franziskus von Assisi zurückgehende Orden wird allgemein mit dem kirchlichen Armutsideal in Verbindung gebracht. In Salvador da Bahia ließen es die Brüder jedoch prunkvoll angehen.

Salvador da Bahia - Convento e Igreja de Sao Francisco

Salvador da Bahia - Convento e Igreja de Sao Francisco


Nachdem holländische Eroberer die Kirche und das Kloster im 17. Jahrhundert zerstört hatten, wurde 1686 mit einem Neubau begonnen. Er dauerte 90 Jahre. In dieser Zeit ließen die frommen Brüder jedoch ein besonderes Kleinod errichten.

Das Kloster besitzt einen weitläufigen Kreuzgang. Er wurde mit aus Portugal importierten Azulejos ausgestattet.

Salvador da Bahia - Convento e Igreja de Sao Francisco - Kreuzgang

Salvador da Bahia - Convento e Igreja de Sao Francisco - Kreuzgang


Aus den Fliesen wurden sinnhafte Bilder gestaltet . Unter den Fliesenfeldern angebrachte Texte erklären das jeweilige Bild. Das Innere der Kirche präsentiert sich mit einer überwältigenden Pracht. Der riesige Altar und aufwendige Schnitzarbeiten nehmen den Betrachter gefangen. Der besseren Wirkung wegen sollen 600 Kilogramm Blattgold im Kircheninneren verarbeitet worden sein.

Salvador da Bahia - Convento e Igreja de Sao Francisco - Altarraum

Salvador da Bahia - Convento e Igreja de Sao Francisco - Altarraum


Wir wechseln hinüber in die benachbarte Igreja da Ordem 3 a Secular de São Francisco. Auch sie hat einen kleinen, mit schönen Fliesenbildern verzierten Kreuzgang. Der Kirchenraum ist im Vergleich zur Nachbarkirche sehr schlicht gehalten. Dafür weist der angeschlossene Kapitalsaal eine feine Ausstattung auf.

 Salvador da Bahia - Igreja da Ordem 3 a     Salvador da Bahia - Igreja da Ordem 3 a - Kapitelsaal

Zu Salvadors beliebtesten touristischen Zielen zählt der Largo do Pelourinho. Den dreieckigen Platz erreichen wir nach einem kurzen Spaziergang durch die verwinkelten Altstadtstraßen. Am Pelourinho, das Wort stand ursprünglich für den Pranger, steht die himmelblau gestrichene Igreja de Nossa Senhora do Rosário des Pretos. Die „Kirche unserer lieben Frau vom Rosenkranz der Schwarzen“ wurde in den Jahren zwischen 1704 und 1796 im Barockstil von Sklaven für Sklaven gebaut. Weitere den Platz bestimmende Gebäude sind das Museu da Cidade und die nach dem weltberühmten brasilianischen Schriftsteller benannte Casa Jorge Amado.

Salvador da Bahia - Altstadtstraße    Salvador da Bahia - Igreja de Nossa Senhora do Rosario des Pretos     Salvador da Bahia - Pelourinho 

In der Umgebung des Pelourinhos könnten wir uns wesentlicher länger aufhalten, wären da nicht noch die anderen sehenswerten Ziele der Stadt. 

Salvador da Bahia - Pelourinho - Umgebung

Pelourinho - Umgebung


Wir gehen zurück zur Kathedrale und sind bald danach an der Praça da Sé. Von einer weitläufigen Terrasse blicken wir auf die Unterstadt. Auf der Terrasse steht das Monumento da Cruz Caida. Das gigantische Denkmal steht am Platz der „alten“ Kathedrale. Diese musste im Jahr 1933 der Wendeschleife einer Straßenbahn weichen. Schon zwanzig Jahre später wurde die Trambahn eingestellt, und der Abriss der Kirche wurde im Nachhinein als „Verbrechen an der Geschichte Salvadors“ bezeichnet. Zur Erinnerung an diesen Frevel wurde das „gefallene Kreuz“ aufgestellt.

Salvador da Bahia - Praca da Sé     Salvador da Bahia - Cruz Caida

Hinter der Praça da Sé tut sich der Blick auf die Praça Tomé de Souza auf, den nach dem Stadtgründer benannten Platz. Die bedeutendsten Gebäude der Platzes sind der Paço Municipal, das Rathaus, und der imposante Palacio Rio Branco, der ehemalige Gouverneurspalast.

Salvador da Bahia - Paco Municipal - Das Rathaus    Salvador da Bahia - Palacio Rio Branco 

Mit dem Elevador Lacerda fahren wir die 70 Höhenmeter hinunter zur Unterstadt. Das Aufzugsystem wird täglich von 50.000 Menschen genutzt. Die Fahrt kostet 15 Centavos, das sind gerade einmal 5 Eurocent.

Salvador da Bahia - Elevador Lacerda

Salvador da Bahia - Elevador Lacerda


In der Unterstadt angekommen, begeben wir uns zum gegenüber liegenden Mercado Modelo. Von ihm hatten wir uns mehr versprochen. Im Angebot der 60 Läden rangieren die Souvenirs an erster Stelle; das Kunsthandwerk macht sich rar. Im Gebäude war ehemals die Zollabfertigung untergebracht. Auf der der Bucht zugewandten Rückseite des Mercado liegt ein großer Restaurantbereich. Oben ist das Restaurant, unten der überdachte Sitzbereich für den Kaffee oder das Bier zwischendurch.

Salvador da Bahia - Mercado Modelo

Salvador da Bahia - Mercado Modelo


In Sichtweite des Mercado Modelo residiert die Hafenverwaltung in einem schönen, historischen Gebäude. Zwischen dem Mercado und der Hafenverwaltung steht ein modernes, riesiges und gegenstandsloses Kunstwerk. Die Einwohner Salvadors haben es wegen seiner üppigen Rundungen den „Hintern des Bürgermeisters“ getauft.

Salvador da Bahia - Die Hafenverwaltung     Salvador da Bahia - Skulptur - Der Hintern des Bürgermeisters

Vom Stadtzentrum haben wir bislang genug gesehen. Es drängt uns in den Stadtteil Barra. Barra liegt am Eingangsbereich der „Allerheiligenbucht“. Ein Taxi bringt uns nach Barra. Das Taxifahren in Salvador bereitet keine Probleme. Die Taxen sind mit Taxametern ausgestattet. Zwar sprechen die Fahrer kaum ansatzweise Englisch und wir kennen nur ein paar Worte Portugiesisch, dennoch fanden wir uns immer gut zurecht.

An der Einfahrt zur Bucht steht an exponierter Lage das massige Forte de Santo Antônio da Barra. Inmitten des Forts steht der 22 Meter hohe Leuchtturm Farol da Barra. Barra gehört zu den noblen Wohnlagen der Stadt. Neben dem Leuchtturm erstreckt sich ein schöner, gepflegter und durch ein vorgelagertes Riff geschützter Strand.

Salvador da Bahia - Farol da Barra     Salvador da Bahia - Strandabschnitt neben dem Farol da Barra

In den letzten Jahren ist in der Region eine gepflegte Promenade hoch über dem Strand entstanden. Der folgen wir bis zur nächsten (kleinen) Festung, dem Forte Santa Maria. Nebenan liegt der Porto da Barra, an den sich ein kleiner, stark besuchter Strand anschließt.

Salvador da Bahia - Forte Santa Maria     Salvador da Bahia - Strandabschnitt am Porto da Barra

In dieser Region finden wir problemlos das nächste Taxi, das uns in die entgegengesetzte Richtung der Stadt, zur im nördlichen Stadtteil Bonfim liegenden Igreja de Nosso Senhor do Bonfim bringen soll.

Unser Taxifahrer fragt nach unserer Herkunft. Als wir ihm antworten, dass wir aus Deutschland seien, lässt er es sich nehmen, uns an der Itaipava Arena Fonte Nova vorbeizufahren. In jenem Fußballstadion treten am 16. Juni die Mannschaften von Deutschland und Portugal zum Spiel gegeneinander an.

Salvador da Bahia - Itaipava Arena Fonte Nova

Salvador da Bahia - Itaipava Arena Fonte Nova


Vor der Arena liegt der 100.000 Quadratmeter große Dique do Tororó, der „Teich des großen Regens“. Er ist die Versammlungsstätte der Anhänger des Candomblé-Glaubens. Dieser fußt auf afrikanischen Naturreligionen und Elementen der christlichen Lehre. Die von Weitem sichtbaren aus dem See herausragenden Figuren stellen Gottheiten dar.

Salvador da Bahia - Dique do Tororó    Salvador da Bahia - Dique do Tororó 

Der Kirche Nosso Senhor do Bonfim werden heilende Kräfte zuerkannt. Menschen mit körperlichen Leiden hoffen auf ein Wunder des „Herrn vom Guten Ende“. Zuvor erstehen sie ein oder mehrere farbige, am Handgelenkt zu tragende Wunschbänder. Sobald diese zerfallen sind, hat sich der Wunsch erfüllt. So jedenfalls lautet die Ansage.

Salvador da Bahia - Igreja de Nosso Senhor do Bonfim     Salvador da Bahia - Igreja de Nosso Senhor do Bonfim - Wunschbänder

Die am Meer liegende Festung Forte Monte Serrat sparen wir uns aus Zeitgründen für einen nächsten Aufenthalt auf. Stattdessen lassen wir uns von unserem Taxifahrer zur Bucht hinunterfahren, um den grandiosen Blick auf die Unter- und Oberstadt, den Hafen und die dort liegenden Kreuzfahrtschiffe zu genießen.

Salvador da Bahia - Forte Monte Serrat     Salvador da Bahia - Blick auf Salvador da Bahia

Unser Fazit: Zur Zeit lesen und sehen wir Berichte über Protestaktionen und regelrechte Unruhen, die in bedeutenden brasilianischen Städten anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden. Auch Salvador da Bahia ist betroffen. Wir lernten Salvador im März 2014 als eine liebenswerte, sichere und hoch interessante Stadt kennen. Wir möchten unseren Aufenthalt nicht missen. Zu anderen Zeiten als diesen können wir die Stadt für individuelle Besuche nur empfehlen. Salvador da Bahia bedarf keiner geführten Touren.