Autor: Karl W. P. Beyer

Newa mit dem Eremitage Komplex

Newa mit dem Eremitage Komplex


Kreuzfahrtschiffe mit Kurs Sankt Petersburg passieren kurz vor Erreichen der Millionenstadt noch die Ostseeinsel Kotlin mit den UNESCO-Weltkulturerbestätten Kronstadt und der gleichnamigen Festung. Anschließend muss nur noch die Newabucht durchquert werden; danach macht das Schiff am modernen Cruise Terminal der russischen Millionenstadt fest.

Portait Peters des GroßenSankt Petersburg wurde nach dem Apostel Simon Petrus, dem Schutzheiligen von ZarPeter dem Großen, benannt. Mit dem Bau der heute 5 Millionen Einwohner zählenden Stadt wurde erst im Jahr 1703 begonnen. Durch die Erschließung des Sumpfgeländes der Newamündung wollte der Zar Russlands Anspruch auf einen Zugang zur Ostsee sichern und eine Hauptstadt errichten, die Europas Metropolen an Glanz weit übertreffen sollte. Zehntausende Leibeigene wurden für den Bau der Stadt rekrutiert. Tausende Arbeiter verloren bei den schwierigen Arbeitsbedingungen ihr Leben. Die besten Architekten und bekanntesten Künstler Europas waren an der Gestaltung der Stadt beteiligt.

Bereits im Jahr 1712 waren die Bauten soweit fortgeschritten, dass Sankt-Pieterburch, so der damalige deutsche Name, anstelle Moskaus zur neuen Hauptstadt des Russischen Zarentums ausgerufen wurde. Die Hauptstadtfunktion blieb bei Sankt Petersburg bis zum Jahr 1918, von einer kleinen Unterbrechung zwischen 1728 bis 1732 einmal abgesehen.

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In jener Zeit entstanden prächtige Bauten, die noch heute das Stadtbild prägen. Nach Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahr 1861 nahm die Bevölkerungszahl Petersburgs abrupt zu, was in der Folge zu Unruhen und Aufständen in der Stadt führte.

Mehr als 200 Jahre trug die Stadt den Namen Sankt-Pieterburch. Danach hieß sie Petrograd. Nach Lenins Tod wurde die Stadt ab 1924 in Leningrad umbenannt. Ihren historischen Namen erlangte die Stadt im Jahr 1991 nach einer Volksabstimmung wieder zurück.

Leningrad wurde im Zweiten Weltkrieg lange Zeit von deutschen Truppen belagert, bevor die Sowjetarmee die Stadt befreite. In jener Zeit verloren Millionen Menschen ihr Leben. Die Zerstörungen der Stadt müssen extrem gewesen sein. Nach Kriegsende wurde größter Wert darauf gelegt, die historischen Gebäude der Stadt schnell wieder aufzubauen.

Sankt Petersburg ist eine facettenreiche Stadt. Sie „glänzt“ als wissenschaftliches Zentrum. Mehr als 120 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen haben dort ihren Sitz.

Sankt Petersburg entwickelte sich zu einer führenden Industriestadt und zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Zentren des heutigen Russlands. Schwergewichte sind der Schiffs- und der Maschinenbau. Bedeutend für die Stadt sind auch Unternehmen, die Elektronik-, Informationstechnologie- und Medizintechnikprodukte fertigen. Ebenfalls großes Ansehen genießt die Lebensmittelindustrie. Darüber hinaus ist Sankt Petersburg ein beliebter Standort für Investitionsvorhaben westlicher Konzerne.

Entsprechend ihrer Bedeutung ist die Stadt ein entscheidender Verkehrsknotenpunkt. Der Port ist Russlands wichtigster Hafen. Jährlich werden dort mehr als 50 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen. In den letzten Jahren hat die Stadt zudem als Kreuzfahrt-Destination stetig an Bedeutung gewonnen.

Hafen Sankt Petersburg

Hafen Sankt Petersburg


Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dem Wiederaufbau und der Restaurierung der zerstörten nationalen Kulturobjekte größte Bedeutung bei gemessen. Bereits im Jahr 1989 wurde das Stadtzentrum unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1990 ist die Stadt UNESCO-Weltkulturerbe.

Arbeiten am UNESCO Weltkulturerbe

Arbeiten am UNESCO Weltkulturerbe


Verwaltungstechnisch ist die viertgrößte Stadt Europas in 18 Stadtbezirke (Rajons) gegliedert. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2002 wurden annähernd 4,7 Millionen Einwohnern ermittelt. Obwohl in der Stadt Zuzugssperre herrscht, zuziehen darf nur, wer Wohnung und Arbeit nachweisen kann, wird für das abgelaufene Jahr (2012) bereits mit 5 Millionen Einwohnern aus mehr als 100 ethnischen Gruppen gerechnet.