Autor: Karl W. P. Beyer

Bei unserem Besuch im russischen Sankt Petersburg im Jahr 2008 dockten Kreuzfahrtschiffe noch im Industriehafen inmitten von Containern, Lkws und Güterwagen. Neuerdings empfängt den Kreuzfahrer ein modernes Cruise Terminal mit zeitgemäßen und komfortablen Ausstattungen.

Hafen Sankt Petersburg

Hafen Sankt Petersburg


Am Cruise Terminal starten die Touren zu Sankt Petersburgs Attraktionen. Leider schränken zwei Probleme die Beweglichkeit von Individualtouristen, wie wir es sind, in der Millionenstadt ein. Problem Nr. 1 ist die Sprache. Wir sprechen kein Russisch und können uns vor Ort mit der englischen Sprache kaum verständlich machen. Problem Nr. 2 ist die in Russland geltende Visumspflicht. Für die wenigen Stunden, die wir in der Stadt zubringen, möchten wir kein Visum beantragen.

Allerdings werden Reisende von Kreuzfahrtschiffen privilegiert behandelt. Wenn ihre Schiffe weniger als 72 Stunden im Hafen liegen, sind sie von der Visumspflicht beim Eintritt in die RussischeFöderation befreit. Voraussetzung dafür ist, dass sie sich beim Eintritt ins Land einer autorisierten Gesellschaft bedienen und dabei von einem lizenzierten Fremdenführer begleitet werden. – Bucht man über die Kreuzfahrtgesellschaft Landausflüge, übernimmt diese grundsätzlich sämtliche Formalitäten für ihre Gäste. Schließlich gründet sich darauf das Geschäftsmodell. Die bekanntesten russischen Incoming Serviceagenturen sind Arctur Travel Ltd, Red October USA Tours und DenRus Ltd.

Diese Agenturen bieten allesamt Ausflüge mit großen, modernen Bussen an. Individualreisende kommen aber auch zum Zug. Red October und Den Rus Ltd. offerieren zusätzlich zum Standardprogramm „private“ VIP-Touren für 2 bis 12 Personen. Auf solchen Touren werden die Gäste besser, weil persönlicher betreut. Kleine Gruppen sind effizienter. Wartezeiten vor Sehenswürdigkeiten entfallen nahezu. Der Guide weiß um die besten Standorte für Fotos.

In einer kleinen Gruppe fließen Informationen und Erklärungen besser als in einer großen Gruppe. Voraussetzung für solche VIP-Touren ist, dass die Teilnehmer zuvor Kontakt zu diesen Gesellschaften aufnehmen. – Zwar bieten auch kleinere Unternehmen solche Dienste an. Sofern diese nicht lizenziert sind Gäste zu eskortieren, wird jedoch ein Visum benötigt.

Für Sankt Petersburg buchten wir zwei vom Schiff vermittelte Touren.

Sehenswertes in Sankt Petersburg von A bis Z

Das UNESCO-Weltkulturerbe Sankt Petersburgs „überwältigt“ mit seinen 2.300 Bauwerken die Besucher. Zu den Artefakten zählen Paläste, glanzvollen Bauten, Schlösser, Kirchen und Klöster. Allein 18 Kathedralen könnten besucht werden. Auch Bahnhöhe, Museen, Theater und militärische Einrichtungen fallen unter die Rubrik. Die nachfolgend genannten Tourenvorschläge stellen in erster Linie jene Sehenswürdigkeiten vor, die Kreuzfahrtpassagieren mit „engen“ Zeitfenstern präsentiert werden und deren Besuch immer lohnenswert ist.

  • Auferstehungskirche
    AuferstehungskircheDas alternativ Blutkirche, Erlöserkirche und Bluterlöser-Kirche genannte Gotteshaus wurde an jener Stelle errichtet, an der Zar Alexander II. am 1. März 1881 einem Attentat zum Opfer fiel. Alexander III., sein Sohn, befahl, zum Gedenken eine Kirche im altrussischen Stil mit Zwiebeltürmen zu errichten.

    Der Befehl verstieß zwar gegen ein Gebot Peter des Großen, der den Bau derartiger Kirchen in Sankt Petersburg verboten hatte, aber einem Wunsch des Zaren mochte sich auch niemand widersetzen. Die im Rang einer Kathedrale befindliche Kirche wurde zwischen 1883 und 1912 am Gribojedow-Kanal errichtet.

    Von Beginn an war das Bauwerk als Denkmal geplant worden. In seiner Historie war es danach alles mögliche, u.a. ein Konzerthaus, später ein Museum, Theater und zwischendurch auch mal ein Lagerhaus für Kartoffeln. Das Beeindruckendste an diesem Bauwerk ist die innere und äußere Ausgestaltung mit Mosaiken im Ikonenstil.

  • Eremitage
    Katharina die Große gab den Anstoß zum Aufbau der Kunstsammlung Eremitage. Der Mittelpunkt des Gebäudeensembles ist der Winterpalast, die im russischen Barock erbaute ehemalige Residenz der Russischen Zaren. Das Ensemble der Eremitage liegt an der Newa gegenüber der Peter-und-Paul-Festung.

    Die Eremitage gilt in unserer Zeit als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. An die 3 Millionen Objekte lagern in ihren Depots. Mehr als 60.000 Exponate werden in 350 Sälen ausgestellt. Vor allem die klassische europäische Kunst ist gut vertreten. Künstler von Rang und Namen werden in der Eremitage ausgestellt. Hier einige Namen: Gauguin, Matisse, Monet, Picasso, Rembrandt, Rubens oder Leonardo da Vinci.

    Der Winterpalast

    Der Winterpalast
  • Isaakskathedrale
    IsaakskathedraleDie dem Heiligen Isaak von Dalmatien geweihte Kathedrale ist die größte Kirche der Stadt. Die Maße sind: 111 m Länge, 97 m Breite und 102 m Höhe. Der Durchmesser der Hauptkuppel misst 26 m. Sie gehört zu den größten sakralen Kuppelbauten der Welt. In ihrem Inneren sollen 14.000 Menschen Platz finden.

    Mit dem Bau einer Vorgängerkirche wurde auf Veranlassung Peters des Großen schon im Jahr 1707 begonnen. Umbauten, Neubauten und Brände sorgten für regelmäßige Änderungen an der Bausubstanz. Letztmalig wurden ab 1818 aufwendige Baumaßnahem begonnen. Abgeschlossen wurden diese im Jahr 1858. Nach der Oktoberrevolution wurde in der Kirche ein antireligiöses Museum eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg diente sie als Depot für Kunstgegenstände. Seit 1990 werden in den Räumen der Kirche an hohen Feiertagen wieder Gottesdienste abgehalten.

  • Kasaner Kathedrale
    Dieses russisch-orthodoxe Kirchengebäude wurde zwischen den Jahren 1801 und 1811 nach dem Vorbild des Petersdoms am Newskiprospekt errichtet. Von 1932 an bis heute wird die Kasaner Kathedrale als Museum zweckentfremdet. Die Inneneinrichtung gleicht eher einem Palast als einem Gotteshaus. Fahnen und Trophäen aus erfolgreichen Feldzügen werden ausgestellt. Gottesdienste werden in einem Seitenflügel abgehalten.

  • Großer Katharinenpalast
    Katharinenhof - Eingangstor zum Ehrenhof In Puschkin, dem vormaligen Zarskoje Selo, liegt der Katharinenpark, einer von fünf Landschaftsparks der Stadt. Im Park erstreckt sich die frühere Sommerresidenz der Zaren, der mehr als 300 m lange Große Katharinenpalast.

    Katharina I. gab im Jahr 1717 den Auftrag, ein Jagdschlösschen mit 16 Zimmern für sie zu errichten. Repräsentationspflichten genügte der Peterhof. - Katharinas Nachfolgerin, Elisabeth I. sorgte, nachdem sie 1741 Kaiserin geworden war, für eine wesentliche Erweiterung und Umgestaltung des Schlosses und des Parks. Das Schloss galt zu jener Zeit als einer der schönsten Barockpaläste Europas. Weitere Verbesserungen und Umgestaltungen wurden durch Katharina II. veranlasst. Davon waren auch die Parkanlagen betroffen. Der Park wurde zum englischen Landschaftsgarten ummodelliert.

    Je nach Interessenlage der nachfolgenden Herrscher wurden im Lauf von gut 100 Jahren bauliche Veränderungen und Verbesserungen am Palast vorgenommen. Gerühmt wird der Palast vor allem wegen seines Bernsteinzimmers. Preußens König Friedrich Wilhelm I. schenkte es im Jahr 1716 dem russischen Zaren Peter dem Großen. Zuerst wurde es im Winterpalast installiert. Danach war es nahezu 200 Jahre Bestandteil des Katharinenpalasts. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Bernsteinzimmer verschollen. Seit 2003 kann eine originalgetreue Nachbildung des Zimmers im Schloss besichtigt werden.

    Ein Flügel des Katharinenpalasts Katharinenhof - Gartenterrasse Katharinenhof - Grotte am großen Teich

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  • Mariinski-Theater
    Das am Theaterplatz gelegene Mariinski-Theater zählt zu den weltweit berühmtesten Opern- und Balletthäusern. Eröffnet wurde es im Jahr 1860. Viele wichtige Opern und Ballette wurden im Theater in Szene gesetzt. Unter dem Namen „Kirow-Ballett“ ist die Balletttruppe international bekannt geworden. Offiziell nennt sie sich heute „Ballett-Kompagnie des Mariinski-Theaters“.
    Nach aufwendigen im Jahr 2009 abgeschlossenen Restaurierungen und Umbauten fasst das im Inneren in den Farben blau, weiß und gold ausstaffierte Theater 2.000 Zuschauer.

  • Marmorpalast
    Kaiserin Katharina II. ließ den im Stil des Frühklassizismus geplanten Marmorpalast für den Grafen Grigorij Orlow, ihren Günstling, errichten. Bis zur Fertigstellung vergingen 17 Jahre, Dabei wurden 30 Sorten edelsten Marmors verbaut. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude umgestaltet. Lediglich die „Große Treppe“ und der Marmorsaal blieben von der Veränderung verschont. Heute beherbergt der Palast einen Teil des Russischen Museums. Am Ort werden Werke Moderner Kunst aus der Sammlung Peter Ludwig sowie russischer Künstler der Nachkriegs-Ära ausgestellt.

    Marmorpalast

    Marmorpalast
  • Museumsschiff Aurora
    Panzerdeckkreuzer AuroraDer am Ufer der Newa liegende Panzerdeckkreuzer Aurora ist das Symbol der Oktoberrevolution. Seit 1960 steht das Kriegsschiff der ehemaligen Kaiserlich Russischen Marine unter Denkmalschutz. Seine Gestalt wurde durch umfangreiche Rekonstruktionen der Außenhülle oberhalb der Wasserlinie erhalten. Die Aurora dient heute als Marine- und Seefahrtsmuseum.

  • Newskiprospekt
    Ein gern präsentiertes Glanzlicht Sankt Petersburgs ist der Newskiprospekt. Die 4,5 km lange Prachtstraße im geschichtsträchtigen Zentrum Sankt Petersburgs ist eine der berühmtesten Straßen Russlands. Sie stellt die Verbindung zwischen der Admiralität und dem Alexander Newski-Kloster dar. An dieser Straße wurden von der Mitte des 18. Jahrhunderts an prachtvolle Residenzen errichtet. Am Newskiprospekt liegt beispielsweise die Kasaner Kathedrale.

  • Peter-und-Paul-Festung
    Die Peter-und-Paul-Festung wurde ab 1703 auf der „Haseninsel“ errichtet. Sie sollte die zukünftige Stadt vor den schwedischen Truppen schützen. Die Grundsteinlegung wird als offizielles Gründungsdatum Sankt Petersburgs angesehen. Zuerst bestand sie aus Erdwällen und Holzbefestigungen. Zwischen den Jahren 1706 und 1740 wurde sie aus Stein neu errichtet. Dabei erhielt sie ihre unregelmäßige sechseckige Form. Später diente sie auch als Kaserne und als Gefängnis.

    Peter und Paul Festung Peter und Paul Festung - Kathedrale

    Ungewöhnlich für eine Festung ist die auf dem Gelände errichtete Peter-und-Paul-Kathedrale. Seit dem 18. Jahrhundert wurden in ihr die meisten russischen Kaiser begraben. Auch Mitglieder der Zarenfamilie fanden dort ihre letzte Ruhe. Der Innenraum der Kathedrale ist mit Trophäen aus dem Nordischen Krieg und mit Wandmalereien aufwendig gestaltet worden. Auffällig ist der markante 122,50 m hohe Turm mit der Goldspitze, den das 7 m hohe Standbild eines Engels ziert.

    Innrenraum der Peter und Paul Kathedrale Peter und Paul Kathedrale - Zarengräber

    Auf dem Gelände der Festung befinden sich diverse Museen. In den Kasematten wurde eine Druckerei installiert, die mit alten Maschinen historische Drucke fertigt, die zum Kauf angeboten werden. Auch eine Münzprägeanstalt befindet sich auf dem Areal.

    Raumfahrtmuseum   

  • Russisches Museum
    Diese umfassende Sammlung russischer Kunst geht auf Zar Alexander III. zurück, der die Sammlung anlegte. Objekte die sich zuvor in der Eremitage und im Alexander-Palast in Puschkin befanden, wurden dem Russischen Museum übergeben. Als passender Ausstellungsort wurde der Michailowski-Palast erworben. Auch die nach der Oktoberrevolution enteigneten Kunstobjekte des russischen Adels wurden den Sammlungen des Russischen Museums zugeschlagen.
    Der Fundus der Sammlungen wird mit 315.000 Exponaten angegeben. Er umfasst die Bereiche Malerei, Grafik, Skulpturen, Kunsthandwerk und Volkskunst. Neben dem Michailowski-Palast gehören noch drei weitere ehemalige Paläste zum Russischen Museum. Es sind das Stroganow-Palais, das Michailowski-Schloss und der bereits zitierte Marmorpalast. Filialen des Museums bestehen an anderen Orten. Im nationalen Vergleich kann nur noch die Tretjakow-Galerie in Moskau Vergleichbares bieten.

  • Schloss Peterhof
    Angrenzend an den Finnischen Meerbusen, 30 Kilometer westlich von Sankt Petersburg, liegt in der gleichnamigen Stadt der Peterhof. Der auf Veranlassung von Zar Peter I.(der Große) ab 1714 errichtete Palast wird gern das „russische Versailles“ genannt. Seit 1990 rangiert er auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste.

    Es ist das exquisiteste Zarenschloss in der Region Sankt Petersburg. Aus einem kleinen Landhaus entwickelte sich ein Schloss, das Russlands Anspruch, eine Großmacht zu sein, zum Ausdruck brachte. Am Bau wurde je nach Interessenlage der Regenten noch im 19. Jahrhundert gearbeitet. Deutsche Truppen plünderten und zerstörten im Zweiten Weltkrieg Schloss Peterhof. Die Restaurierungsarbeiten nach Kriegsende nahmen eine lange Zeit in Anspruch.

    Beeindruckend ist der zur Ostsee gelegene Schlosspark mit seinen Wasserspielen und seinen 150 Fontänen. Die Wasserkunst wird durch unterirdische Zuleitungen, die das natürliche Gefälle des Parks ausnutzen, gespeist. In seinen Ursprüngen handelt es sich um einen Barockpark. Katharina die Große ließ Schloss Peterhof zusätzlich um einen Landschaftsgarten erweitern.