São Jorge

São Jorge / Azoren


São Jorge ist mit 244 Quadratkilometern Fläche die viertgrößte der Azoren-Inseln. Sie gehört zur Zentralgruppe der Azoren. Um São Jorge liegen im Uhrzeigersinn Graciosa, Terceira, Pico und Faial.      

São Jorges außergewöhnliche Landschaft

Einige Autoren beschreiben São Jorge als nadelförmig; andere vergleichen die Insel mit dem Rücken eines Wales oder eines feuerspeienden Drachens. Der Grund für diese ungewöhnlichen Beschreibungen: São Jorge misst 54 Kilometer in der Länge und maximal sieben Kilometer in der Breite. Die durchschnittliche Höhe der Insel beträgt 700 Meter. Aus der Kammlage wächst der Pico da Esperança als höchste Erhebung mit 1.053 Metern empor. Die Vogelperspektive zeigt im Hochland eine Reihe kleiner, aneinandergereihter Caldeiras.

São Jorges bezaubernde Landschaft


São Jorges bezaubernde Landschaft


Lagoa de Fajã de Caldeira de Santo Cristo


Lagoa de Fajã de Caldeira de Santo Cristo 


Anders als die übrigen Azoren-Inseln besitzt São Jorge keine weiten Caldeiras. Stattdessen steigt die Küstenlinie mit 400 bis 700 Meter Höhe abrupt aus dem Meer. Eine Besonderheit sind die vielen Fajãs, kleine durch Bergrutsche oder Lavaflüsse entstandene Landzungen.

São Jorge – Vergangenheit und Gegenwart

In welchem Jahr São Jorge besiedelt wurde ist unbekannt. Erwähnt wurde die Insel erstmals im Jahr 1439. Wie bei einigen anderen Azoren-Inseln ging auch auf São Jorge die Besiedlung von Flamen aus. Der wohlhabende flämische Kaufmann Willem van der Haegen gründete Ende des 15. Jahrhunderts gemeinsam mit Landleuten als Erstes die Siedlung Topo (Nossa Senhora do Rosário). São Jorges Boden erwies sich als außerordentlich fruchtbar. Weitere Ortsgründungen ließen nicht lange auf sich warten.

Topo - Kirche Nossa Senhora do Rosário

Topo - Kirche Nossa Senhora do Rosário


Im Laufe der Zeit gelangten die Bewohner São Jorges zu Wohlstand. Der lockte wiederum Piraten an. Den Überfällen der Freibeuter begegneten die Einwohner im 18. Jahrhundert mit dem Bau zahlreicher Festungen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Insel immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Katastrophal war das schwere Erdbeben des Jahres 1757. Es zerstörte vor allem die Siedlungen im Osten São Jorges. Angeblich starben an den Folgen der Naturkatastrophe mehr als 1.000, der damals 5.000 Einwohner.

Auf der dünnbesiedelten Insel wohnen aktuell wenig mehr als 8.000 Menschen, oder durchschnittlich 33 Einwohner pro Quadratkilometer. Große Teile der Insel wirken einsam, wenn man von den vielen Rindern und Schafen absieht.

São Jorges Milchproduzenten


São Jorges Milchproduzenten


São Jorges - Milchproduzent


São Jorge - Milchproduzentin


São Jorge – Landwirtschaft, Käse und Tourismus

São Jorge ist eine von Ackerbau und Viehzucht geprägte Insel. Widmeten sich die Bauern im 18. und 19. Jahrhundert im Wesentlichen den Orangenkulturen, dominieren in der Gegenwart der Anbau von Weizen und Wein. Vereinzelt werden auch tropische Früchte und Kaffee kultiviert. Der größte Teil der Milchproduktion aus der Rinderhaltung, auf São Jorge grasen dem Hörensagen nach 20.000 Kühe, wird für den wohlschmeckenden Käse der Insel, den „Queijo São Jorge, verwendet. Zwei Fabriken und mehrere kleine Manufakturen stellen den aromatischen Käse mit Qualitätssiegel her. Die Casa de Artesanato/Café Nunes in Fajã dos Vimes verkauft auf der Insel produzierten  Kaffee, Wein und Käse.

São Jorge - Kaffeetrocknung vor der Casa de Artesanato


São Jorge - Kaffeetrocknung vor der Casa de Artesanato


São Jorge - Casa de Artesanato


São Jorge - Casa de Artesanato 


Aus touristischer Sicht ist die Insel ein Ziel für Individualtouristen und Wanderer. Die meisten Besucher reisen über den Inselflughafen auf São Jorge ein. Andere Gäste erreichen die Insel mit Fähren und auch mit kleinen Kreuzfahrtschiffen. Die Schiffe steuern vor allem den Hafen von Velas an.

São Jorge - Velas aus der Vogelperspektive

São Jorge - Velas aus der Vogelperspektive


Die Individualisten unter den Urlaubern widmen sich hauptsächlich den Wassersportarten, wie Fischen, Kanufahren, Segeln, Surfen oder Tauchen. Die Insel besitzt keine Badestrände, stattdessen laden Naturpools zum Baden ein. Unerschrockene Zeitgenossen beschäftigen sich mit Canyoning, Paragliding und Mountain Biking. Beispielhaft ist das Netz der Wanderwege: Bevorzugte Wanderungen führen zur Fajã de Santo Cristo, zur Fajã dos Vimes oder zum Pico da Esperança. Die Great Route of São Jorge umfasst mit mehr als 40 Kilometern Wegstrecke die Hälfte der Insel.

Unsere Top-Sehenswürdigkeiten São Jorges

Fünf faszinierende Fajãs

Viele der fruchtbaren Fajãs sind schwer zu erreichen, ein Umstand, der kaum in die Gegenwart passt. Seit dem Erdbeben im Jahres 1980 wurden viele der zuvor bewohnten und bäuerlich genutzten Fajãs von ihren Bewohnern verlassen. Seit dem Jahr 2016 sind São Jorges Fajãs als UNESCO Biosphärenreservat anerkannt. Das mit der Anerkennung verbundene Biosphären-Projekt der UNESCO soll der Landflucht entgegen wirken. Aus der Masse der Fajãs nennen wir unsere Top-Fünf.

Fajã Caldeira de Santo Cristo

Eine der schönsten Landzungen der Insel ist die Fajã Caldeira de Santo Cristo. Die Fajã liegt an der Nordküste, auf Höhe der gegenüberliegenden Kleinstadt Calheta. Das besondere Merkmal des Landstücks ist die mit dem Meer verbundene Salzwasser-Lagune. Im Centro de Interpretação da Fajã da Caldeira de Santo Cristo erhalten Besucher Informationen zur Geschichte aller Fajãs der Insel. Außerdem gilt die Fajã wegen der beständigen, langen Wellen als Pilgerstätte der Surfer.

Fajã Caldeira de Santo Cristo
Fajã Caldeira de Santo Cristo
Fajã Caldeira de Santo Cristo - Ermida
Fajã Caldeira - Ermida de Santo Cristo

Fajã dos Cubres

Faszinierend ist auch die 34 Hektar große Fajã dos Cubres. Sie liegt westlich der Fajã Caldeira de Santo Cristo an der Nordküste der Insel. Die Fajã dos Cubres kann wie die Fajã Caldeira de Santo Cristo über eine serpentinenreiche Straße mit dem Auto angesteuert werden. Beim Erdbeben des Jahres 1757 wurde der kleine Ort zerstört. Nach dem Wiederaufbau entstanden beim „Neujahrsbeben“ des Jahres 1980 erneut Schäden an den Häusern. Die Lagune wird durch einsickerndes Meerwasser und durch Süßwasser gespeist. Die Wasserfläche ist Lebensraum einheimischer Seevögel.

Fajã dos Cubres
Fajã dos Cubres
Lagune von Fajã dos Cubres
Fajã dos Cubres - Ermida de Nossa Senhora de Lourdes

Fajã do Ouvidor

Die Fajã do Ouvidor liegt ebenfalls an der Nordküste unterhalb der Gemeinde Norte Grande. Auch dieser Ort besitzt eine Zufahrt, weshalb die Region stets gut besucht ist. Vor allem in den Sommer-Monaten ist sie eine der letzten bewohnten Fajãs auf São Jorge. Sogar einen kleinen Fischerhafen und zwei Naturschwimmbecken gibt es.

Fajã do Ouvidor


Fajã do Ouvidor


Fajã do Ouvidor - der Hafen


Fajã do Ouvidor - der Hafen 


Fajã de São João

Im Südosten der Insel liegt in der Nähe des Weilers São Tomé die Fajã de São João. Auf den umgebenden Feldern werden Obst und Gemüse angebaut. An den Berghängen reifen Wein und Kaffee. Die Fajã besitzt eine Kirche und einen kleinen Hafen. Wohlhabende Familien wählten die Fajã als ihre Sommerresidenz.

Fajã de São João

Fajã de São João


Fajã de João Días

Nördlich der Gemeinde Rosais stehen an der Nordwestküste der Insel mehrere Dutzend Häuser. Die meisten werden an den Wochenenden und in den Ferien genutzt. Eine Zufahrt zur Fajã gibt es nicht. Vom 450 Meter hohen Kliff führt ein Pfad hinab zur Landzunge. Lasten werden den Weg hinab mit Packtieren oder von See mit Booten transportiert. Auf den Feldern werden Korn, Feigen und Wein angebaut.

Fajã de João Días


Fajã de João Días


Fajã de João Días


Fajã de João Días 


 

 

Weitere Sehenswürdigkeiten von West nach Ost

Farol dos Rosais und Vigia da Baleia

An der äußersten Nordwestspitze der Insel thront in mehr als 250 Meter Höhe der nach der Landspitze benannte Leuchtturm von Rosais. Das Leuchtfeuer wurde im Jahr 1958 in Betrieb genommen. Mehrere Erdstöße führten im Jahr 1964 zum vorübergehenden Stillstand des Leuchtturms. Weitere Erdbeben im Jahr 1980 und dadurch bedingte Felsabbrüche erzwangen die Aufgabe des Standorts. Seitdem verfallen der Turm und die dazugehörigen Gebäude. Der Zugang zum Gelände ist nicht gestattet. Die Ponta dos Rosais ist als portugiesisches „Monumento Natural“ klassifiziert. An der schwer zugänglichen Landzunge nisten viele Seevögel.

Farol dos Rosais


Farol dos Rosais


Vigia da Baleia


Vigia da Baleia 


Aus der Zeit des Walfangs stammt der weißgestrichene Aussichtspunkt Vigia da Baleia. Er liegt wenige Hundert Meter vom Leuchtturm entfernt. Die Beobachtungsposten dienten in der Vergangenheit nicht allein dem Auffinden der Wale sondern auch der Entdeckung von Piratenschiffen.    

Parque Florestal das Sete Fontes

Die zwölf Hektar messende, dicht bewaldete Parkanlage erstreckt sich zwischen dem Farol dos Rosais und der Stadt Velas. Die gegebene Pflanzenvielfalt beeindruckt die Besucher. Im Park liegen eine kleine Kapelle, ein Auswanderer-Denkmal sowie ein Tiergehege.

Parque Florestal das Sete Fontes


Parque Florestal das Sete Fontes


Parque Florestal das Sete Fontes - Wildgehege


Parque Florestal das Sete Fontes - Wildgehege 


Inselhauptstadt Velas

Der Hauptort der Insel ist die ungefähr 1.800 Einwohner zählende Kleinstadt Velas. Die im Südwesten São Jorges gelegene Gemeinde erhielt im Jahr 1500 ihre Stadtrechte. Velas zählt zu den ältesten Orten der Azoren. Die Altstadt ist in einem guten Zustand. Sehenswert sind die Herrenhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts sowie das im Barockstil errichtete Rathaus. Die Herrenhäuser zeugen vom Zeitalter des Orangenexports, der unter den Landbesitzern zu bemerkenswertem Wohlstand führte.

Die Innenstadt von Velas auf São Jorge


Die Innenstadt von Velas auf São Jorge


Der Hafen von Velas


Der Hafen von Velas 


An Velas mögen wir den Jardim da República, eine kleine Parkanlage am Rande des Zentrums. Ihr Hauptmerkmal ist der von Blumenbeeten und Bänken umgebene rotweiße Pavillon. Vom Jardim da República führt der direkte Weg zur Pfarrkirche und zur Marina des Ortes.

Velas - Jardim da República


Velas - Jardim da República


Velas - Jardim da República


Velas - Jardim da República 


Prinz Heinrich der Seefahrer ließ die Pfarrkirche Igreja Matriz de São Jorge als erstes Gotteshaus auf São Jorge errichten. Die dreischiffige Kirche erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Erweiterungen und Ergänzungen. Der Glockenturm wurde beispielsweise erst im Jahr 1825 vollendet. Die Kirche ist dem Heiligen Georg geweiht, dem Schutzpatron der Insel. An das Gotteshaus schließt das Museu de Arte Sacra an. Ausgestellt werden Heiligenfiguren, Umhänge und Möbel.

Velas - Kirchplatz

Velas - Kirchplatz


Selbst in den kleinsten Orten Portugals treffen wir häufig auf moderne, futuristische Bauten. In Velas beansprucht das Auditorio Municipal unsere Aufmerksamkeit. Das Kulturzentrum steht auf den Grundmauern der Hafenfestung Forte de Nossa Senhora da Conceição. Der Bau besitzt ein vielseitig nutzbares Auditorium mit 200 Sitzplätzen, eine Bibliothek und Ausstellungsflächen.

Velas - Auditorio Municipal

Velas - Auditorio Municipal


Pico da Esperança

Der einfach zu besteigende Pico da Esperança, der „Berg der Hoffnung“, ist 1.053 Meter hoch. Der höchste Berg São Jorges liegt beinahe auf halbem Wege zwischen der Nordwest- und der Südostspitze der Insel. An klaren Tagen sind sämtliche Inseln der zentralen Gruppe der Azoren zu sehen. Beeindruckend ist der Blick auf die Insel Pico und ihren Vulkan. Im Krater des Pico da Esperança liegen zwei kleine Seen.

São Jorge - Pico da Esperança


São Jorge - Pico da Esperança


São Jorge - Lagoa do Pico da Esperança


São Jorge - Lagoa do Pico da Esperança 


Urzelina

Der Name des Dorfes Urzelina leitet sich von der Nutzpflanze Urzela ab. Die Gewächse wurden in der Vergangenheit zur Herstellung brauner Farbstoffe verwendet. Auch in Urzelina gibt es einige von den wohlhabenden Pflanzern erbaute Herrenhäuser.

São Jorge - Urzelina vom Meer gesehen

São Jorge - Urzelina vom Meer gesehen


Beim Vulkanausbruch des Pico da Esperança im Jahr 1808 wurden Teile des Ortes zerstört, und 30 Menschen verloren ihr Leben. Ein Zeuge der Eruptionen ist der Turm der Igreja de São Jorge Mateus. Während das Kirchenschiff unter der Lava begraben wurde, überstand der Turm den Ausbruch. Im Übrigen ist Urzelina Standort der sechseckigen Festung Forte de Urzelina. Das Fort liegt neben dem Hafen.

Calheta

Die zweitgrößte Stadt auf São Jorge ist Calheta. Der etwa 1.300 Einwohner zählende Ort liegt im Südosten der Insel. Er besitzt ebenso wie Velas den politischen Status einer Kreisstadt. Vom Hafen verkehren ganzjährig die „Triangulo-Fähren“ zur Nachbarinsel Terceira. Vor Piratenüberfällen schützte die erhaltene Festung Forte da Preguiça. Der Ort wurde mehrfach im Laufe der Jahrhunderte durch Erdbeben und zuletzt im Oktober des Jahres 1945 durch einen Tsunami in Mitleidenschaft gezogen.

Östlich des Hafens liegt das im Jahr 1991 eröffnete Francisco de Lacerda-Museum. Dauerausstellungen sind der Inselgeschichte und speziell der Konservenindustrie gewidmet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Musik der Azoren und im Besonderen auf dem Werk des Komponisten und Dirigenten Francisco de Lacerda, einem Sohn der Insel.

Topo

Die weniger als 500 Einwohner zählende Gemeinde im Südosten São Jorges ist bekannt für die vorgelagerte Vogelinsel Ilhéu da Ponta do Topo und für den Leuchtturm Farol da Ponta do Topo.

São Jorge - Ilhéu da Ponta do Topo


São Jorge - Ilhéu da Ponta do Topo


São Jorge - Farol da Ponta do Topo


São Jorge - Farol da Ponta do Topo 


Die 20 Hektar große, flache Vogelinsel ist mittlerweile nach übermäßiger Beweidung streng geschützt. Der oberhalb des Ortes erbaute Leuchtturm versieht seit dem Jahr 1927 seinen Dienst. Das 16 Meter hohe Leuchtfeuer reicht 20 Seemeilen weit.

August 2021

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