Wer sich Saranda vorstellt, denkt möglicherweise an Sonne und Strand. Doch Kreuzfahrtgästen offenbart die Stadt im Süden Albaniens noch viel mehr: antike Geschichte, ein Naturphänomen, das tief unter die Erde reicht, und ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Sarandas Hotelzone
Saranda – Tor zum authentischen Albanien
Die lebhafte Küstenstadt Saranda liegt im äußersten Süden Albaniens, direkt gegenüber von Korfu. Seit einigen Jahren avanciert der Ort zur attraktiven Station für Mittelmeer-Kreuzfahrten. Kein Wunder: Die Palmenpromenade, das sanfte Licht, das türkisfarbene Ionische Meer – all das lädt ein zum Verweilen. Doch für Tagesgäste lohnt sich der Blick über die Strandliegen hinaus: Die Umgebung Sarandas steckt voller Naturwunder und archäologischer Schätze.
Ein Fenster zur Antike – die jüdische Synagoge von Saranda
Mitten im Stadtzentrum stoßen aufmerksame Besucher auf die Überreste einer der ältesten bekannten Synagogen Albaniens. Erst in den 1980er Jahren entdeckt, dokumentiert die Ruine aus dem 5. Jahrhundert nach Christus eine einst florierende jüdische Gemeinde. Besonders eindrucksvoll: Mosaike mit symbolischen Darstellungen wie dem siebernarmigen Menora-Leuchter, einem der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums, dem traditionellem Schofar (dem Widderhorn) und dem Etrog, der geheimnisvollen Zitronenfrucht.

Saranda - ehemalige jüdische Synagoge
Wahrscheinlich wurde die Synagoge im 6. Jahrhundert in eine christliche Basilika umgewandelt. Die jüdischen Ursprünge sind allerdings bis heute sichtbar geblieben. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurde das Gotteshaus jedoch durch kriegerische Handlungen zerstört.
Tipp: Der Synagogenplatz liegt zentral – ideal für einen kurzen geschichtlichen Exkurs beim Bummel durch Saranda.
Naturphänomen Syri i Kaltër – das „Blaue Auge“
Etwa 20 Kilometer außerhalb von Saranda wartet eines der eindrucksvollsten Naturwunder Albaniens: Syri i Kaltër, das „Blaue Auge“. Die Quelle entspringt aus einer Tiefe von mindestens 50 Metern – ihre schillernd türkise Farbe, umrahmt von alten Eichenwäldern, zieht Naturfreunde magisch an.
Das Quellwasser fließt in den Fluss Bistrica ab und fördert bis zu sechs Kubikmeter Wasser pro Sekunde – eine der wasserreichsten Quellen des Landes.

Naturphänomen Syri i Kaltër
Ob Wanderung, Picknick oder ein Mittagessen im angrenzenden Blue Eye Restaurant – die Quelle garantiert Naturerlebnisse. Schwimmen ist aus Naturschutzgründen verboten (und bei 12,75 Grad Celsius ohnehin nur etwas für Hartgesottene).
Butrint-See – Lagune voller Leben
Auf dem Weg zur berühmten Ausgrabungsstätte passieren Reisende den stillen Butrint-See – eine salzhaltige Lagune, die durch den schmalen Vivari-Kanal mit dem Meer verbunden ist. Der See ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch ökologisch bedeutend – hier leben Flamingos, Pelikane und zahlreiche Fischarten.
Empfehlung für ein Fotomotiv: Die Spiegelungen auf dem Wasser im frühen Morgenlicht – ein Traum für Naturfotografen.
Butrint – UNESCO Weltkulturerbe am Wasser
Eines der bedeutendsten archäologischen Areale des Balkans liegt nicht mehr als 20 Kilometer südlich von Saranda. Butrint, einst griechisch, römisch, byzantinisch und osmanisch, spiegelt auf engem Raum 2.000 Jahre Geschichte wider.Mit anderen Worten: Ein Freilichtmuseum der Extraklasse – eingebettet in mediterrane Vegetation, mit Blick auf den See.
Sehenswert in Butrint – unsere Top 5
1. Griechisches Theater (3. Jh. vor Christus)
Das Theater stammt aus hellenistischer Zeit und wurde in einen natürlichen Hang gebaut, mit Blick auf die antike hellenistische Agora. Es zählt zu den eindrucksvollsten Bauwerken der Welterbestätte. Die halbrunde Freilichtbühne bot rund 1.500 Zuschauern Platz und wurde sowohl für Theateraufführungen als auch für Bürgerversammlungen genutzt. Die gut erhaltene Orchestra, ein antiker Tanzplatz, und die Inschriften in den Sitzreihen geben Aufschluss über Sponsoren und lokale Eliten.
2. Römisches Badehaus (2. Jh. nach Christus)
Wir springen in die Römerzeit: Die römischen Thermen, auch als Teil eines größeren städtischen Komplexes erkennbar, sind durch Hypokausten (Fußbodenheizungen) und Mosaikreste gekennzeichnet. Sie dienten nicht nur der Körperpflege, sondern waren zugleich wichtige soziale Treffpunkte. Wellness war auch damals ein gesellschaftliches Ereignis. – Nahebei befindet sich ein kleines Nymphäum, ein Wasserheiligtum.
3. Byzantinische Basilika (6. Jh. nach Christus) und Baptisterium
Die gut erhaltenen Reste einer monumentalen Basilika zählen zu den bedeutendsten frühchristlichen Bauwerken Albaniens. Das Gotteshaus misst etwa 27 Meter in der Länge und beeindruckt durch seine schlichte, aber kraftvolle Architektur. Erhalten sind mehrere Säulenbasen, Apsisstrukturen und Reste von Bodenmosaiken. Auf den Punkt gebracht zeugt die Basilika von der Bedeutung Butrints als christliches Zentrum in der Spätantike.
Ein optisches Highlight ist das nahegelegene Baptisterium. Der ursprünglich kreisförmige Mosaikboden ist zwar nur teilweise erhalten. Er gilt noch heute als Höhepunkt frühchristlicher Kunst im Balkanraum. Markant wirken dagegen die Säulenreste des Gebäudes.
4. Löwentor
Eines der historisch bedeutendsten Bauwerke von Butrint ist das in der westlichen Stadtmauer eingelassene Löwentor. In der Antike diente es, anders als es heutzutage den Anschein hat, sowohl als Verteidigungslinie als auch als einer der Hauptzugänge zur Stadt.
Ein Steinblock oberhalb des Tores zeigt einen jagenden Löwen, der sich in ein anderes Tier verbissen hat.
5. Museum von Butrint (im venezianischen Turm)
Das Museum befindet sich in einem restaurierten Venezianischen Turm im Zentrum des archäologischen Parks. Es wurde modern gestaltet und vermittelt einen Überblick über die Geschichte Butrints – von der Prähistorie bis zur osmanischen Zeit. Ausgestellungsobjekte sind Inschriften, Keramiken, Statuen, Münzen und Rekonstruktionsmodelle. Interaktive Tafeln unterstützen die Darstellung der städtebaulichen Entwicklung.
Mittelalterliche Festung (Ali-Pascha-Burg)
Am nördlichen Rand des Areals befindet sich, getrennt vom Vivari-Kanal, die Venezianische Festung. Sie diente ursprünglich allein der Kontrolle des Wasserweges. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Verteidigungsanlage durch den osmanischen Gouverneur albanischer Herkunft – Ali Pascha von Tepelena – erweitert.
Kurz & knapp – Wissenswertes für Landausflügler
🕒 Dauer des Ausflugs: Ganztägig (ideal für organisierte Tour oder Mietwagen)
🚌 Anreise: Taxis, geführte Ausflüge oder private Fahrer direkt am Hafen
🌿 Natur: Sonnenschutz und festes Schuhwerk empfohlen
💡 Eintritt: Butrint kostet Eintritt, Kombitickets möglich
Saranda – unser Fazit
Saranda ist viel mehr als nur Sonne und Meer. Die Region öffnet ein Fenster zu Albanien, wie es nur wenige kennen: voller Geschichte, unberührter Natur und überraschender Kontraste. Wer die Gelegenheit zu einem Landausflug nutzt, wird mit unvergesslichen Eindrücken belohnt – fernab der typischen Touristenpfade.
→ Reisetipp-Redaktion:
Nehmen Sie sich Zeit – selbst wenn es nur ein Tag ist. Saranda ist das perfekte Sprungbrett für unvergessliche Erlebnisse in Südalbanien.
Juni 2025












