Autor: Karl W. P. Beyer

Skagway – Nord-Amerikas nördlichster eisfreier Tiefwasserhafen

An der Alaska Inside Passage liegen Destinationen wie Glacier Bay, Juneau, Ketchikan oder Skagway. Der kleine Ort ist die nördlichste Kreuzfahrtdestination der Inside Passage und unser heutiges Kreuzfahrtziel. In der Sommersaison des Jahres 2018 werden mindestens 410 Kreuzfahrtschiffe Skagways Hafen anlaufen. An die 800.000 Passagiere und unzählige Crew Mitglieder werden sich in dem kleinen, circa 850 Einwohner zählenden Ort umsehen. In den Vorjahren gingen an Spitzentagen bis zu 8.000 Passagiere an Land, und auch für die Zukunft ist Ähnliches zu erwarten, zumal die in Alaska eingesetzten Schiffe an Größe zulegen.

Der Broadway - Skagways Einkaufs- und Flaniermeile

 Der Broadway - Skagways Einkaufs- und Flaniermeile


Die dem Anschein nach bedeutungslose Kleinstadt stellt in der Gegenwart die Verbindung des Seewegs mit den Landwegen in das kanadische Yukon-Gebiet sowie in die nordwestliche Arktisregion dar. Vor etwa 120 Jahren kam Skagway eine andere Bedeutung zu. Die Gemeinde war ihres eisfreien Hafens wegen der Ausgangspunkt für die zum Klondike River ziehenden Goldsucher. Obwohl die Zeit der ergiebigen Goldfunde längst vergangen ist, genießt Skagway als touristisches Ziel erneut besonderes Ansehen.

Centennial Statue am Broadway Monument eines Goldgräbers mit Hund

 

 

Sehenswertes in Skagway und Umgebung

Skagways Zentrum

Aus der Luft gesehen wirkt Skagway wie auf dem Reißbrett entworfen. Fünf Parallelstraßen führen in nordöstlicher Richtung durch den Ort. Dreiundzwanzig Avenues, jede ordentlich von 1 bis 23 durchnummeriert, queren die fünf Straßen in regelmäßigen Abständen. Die Hauptdurchgangsstraße ist die in Richtung der kanadischen Grenze verlaufende State Street.

Skagway - Main Street

Skagway - Main Street


Bars, Kneipen, die urige Touristeninformation und teilweise recht ausgefallene Läden findet der Besucher dagegen an Skagways Broadway. Am Broadway präsentiert das Klondike Gold Rush National Historical Park Visitor Center den Mascot Saloon. Dort wird anhand lebensgroßer Puppen in zeitgenössischer Kleidung gezeigt, wie es während des Gold Rush in einem Lokal ausgesehen haben mag. An der Ecke 2nd Ave und Broadway steht der Red Onion Saloon. Wo es sich heutzutage vor allem die Tagestouristen bei Bier, Speisen, musikalischer Unterhaltung und leichtgeschürzten Bedienungen gut gehen lassen, befand sich von 1897 an Skagways feinstes Bordell. Die Räume des pikanten Etablissements können besichtigt werden.

Nicht zu verfehlen - Der Red Onion Saloon Tagsüber im Red Onion Saloon

 

Kettenläden fehlen völlig; sie würden auch nicht in den Ort passen. Vom Broadway zweigen Seitenstraßen ab. Sie beherbergen u. a. die Historic Moore Homestead oder das Skagway Museum. Interessant ist auch das Betriebsgeländer der White Pass & Yukon Route Railway. Es liegt wie der Red Onion Saloon ebenfalls an der Ecke 2nd Ave und Broadway. Eine riesige, trotz ihres Alters noch immer betriebsbereite Schneefräse, Dampflokomotiven und Wagen bieten Impressionen der wechselhaften Geschichte der Bahnlinie. Die Kleinstadt Skagway bietet tatsächlich einige Überraschungen.

Skagways Broadway Skagway-Souvenirs Alaskan Fudge Company Schneefräse der White Pass & Yukon Route Railway

 

Der Gold Rush Cemetery

Vor allem in den Anfangsjahren waren Goldsucher vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Die Friedhöfe der Region zeugen davon. Beispielsweise riss am Palmsonntag des Jahres 1898 eine riesige Lawine am Chilkoot Trail mehr als 60 Stampeder in den Tod. Wie jung die Abenteurer damals starben, zeigen die Inschriften auf den Grabkreuzen von Skagways Gold Rush Cemetery, auf dem 133 Menschen ihre letzte Ruhestätte fanden. Der Friedhof liegt in fußläufiger Entfernung vom Zentrum.

Der Gold Rush Cemetery in Skagway Der Gold Rush Cemetery in Skagway

 

Die Fahrt zum White Pass und darüber hinaus

Regelmäßig werden in der Kreuzfahrtsaison Fahrten mit den Zügen der White Pass & Yukon Route Railway sowie mit Bussen zur kanadischen Staatsgrenze bei White Pass und darüber hinaus angeboten. Auf dem kurzen über 20 Meilen (32 Kilometern) führenden ersten Streckenteil erklimmen die Züge und die Busse eine Passhöhe von 873 Metern.

Zug der White Pass & Yukon Route Railway am Kreuzfahrthafen

Zug der White Pass & Yukon Route Railway am Kreuzfahrthafen


Unterschiedliche Fahrten sind im Angebot. Eine Reihe der Touren endet vor der Staatsgrenze auf amerikanischem Terrain. Andere Fahrten führen weiter nach Kanada hinein. Maximal 67,5 Meilen ins Landesinnere werden heutzutage von dem Bahnunternehmen erschlossen.

Historische Eisenbahnwagen

Historische Eisenbahnwagen


Die Bahnlinie erstreckte sich von Skagway bis zu den Goldfeldern von Whitehorse in der kanadischen Yukon-Region. Es bedurfte nur der kurzen Zeit von 26 Monaten, um die 110 Meilen lange Bahnstrecke zu bauen. Später wurden am Yukon auch Silber, Kupfer und Blei abgebaut. In Abhängigkeit von der Nachfrage nach den Metallen verliefen die Geschäfte der Bahn sehr wechselhaft. Einerseits fuhren in Spitzenzeiten bis zu 34 Züge am Tag und andererseits verkehrte zur Zeit der Weltwirtschaftskrise nur ein Zug in der Woche auf der Bahnstrecke. Im Jahr 1982 wurde die Bahn schließlich stillgelegt. Erst mit dem Aufkommen der Kreuzfahrtschiffe stieg das Interesse an Bahnfahrten sprunghaft an. Inzwischen reisen jährlich mehr als 400.000 Menschen auf unterschiedlichen Routen mit der Schmalspurbahn.

Die Pitchfork Falls mit der Eisenbahnbrücke

Die Pitchfork Falls mit der Eisenbahnbrücke


Deutlich budgetfreundlicher als die Bahnfahrt, allerdings auch von kürzerer Dauer, ist die Fahrt mit dem Kleinbus hinauf zum White Pass. Spektakuläre Blicke auf die grandiose Felslandschaft, die Pitchfork Falls, die Moore Creek Bridge und auf die Eisenbahntrasse werden dabei geboten. Der Bus passiert die subarktische Tundra des Tormented Valley und den kristallklaren Summit Lake. Am „Welcome to Alaska-Schild“ endet die Reise noch auf amerikanischem Staatsgebiet. Zwischendurch wird an den zitierten Aussichtspunkten gehalten. Die Fahrtstrecke entspricht einer der Routen, die die Goldsucher auf ihrem Weg zum Yukon River nehmen mussten. Es scheint uns heute unvorstellbar, dass die Digger 500 Kilogramm Ausrüstungsgegenstände und Proviant auf Pferden und Maultieren auf ihrem Weg mit sich führten. - Wie dem auch sei, wir haben die Busfahrt getestet und empfehlen sie uneingeschränkt.

Kleinbus zum White Pass Bus der Skagway Alaska Street Car Tour Felslandschaft vor White Pass Welcome to Alaska

 

Die Pitchfork Falls - Unterer Bereich Die Pitchfork Falls - Oberer Bereich Der Summit Lake am White Pass Am vom Nebel verhüllten White Pass

 

Yakutania Point

Lust auf eine kurze Wanderung in Skagway? Der Yakutania Point am Lynn Canal ist quasi nur ein paar Steinwürfe vom Kreuzfahrt-Dock entfernt. Vor Skagways Regionalflugplatz quert man auf einer soliden Fußgängerbrücke den Skagway River. Mit Blick auf den Fluss führt der Weg hinüber zum Yakutania Point. Hat man Glück, sieht man nicht nur die jenseits des Lynn Canal liegenden Chilkat Mountains, sondern im Meeresarm auch Robben, Buckelwale oder sogar Orcas. Auch Weißkopf-Seeadler lassen sich ab und an blicken. Den Hin- und Rückweg zu dem Aussichtspunkt bewältigen auch ungeübte Wanderer wie wir in weniger als einer Stunde.

Der Skagway River Fußweg zum Yaketania Point Ausblick am Yaketania Point Yaketania Point - Blick auf den Lynn Canal

 

Gesamtwertung

Anfangs bestehen Zweifel, warum so viele Kreuzfahrtschiffe eine 850-Seelen-Gemeinde im Südosten Alaskas anlaufen. Nach dem Besuch Skagways steht fest, dass der Ort seinen Gästen durch Kombination mehrerer Aktivitäten ein abwechslungsreiches Programm bieten kann. Skagway ist eine durchaus empfehlenswerte Kreuzfahrtdestination.

Kreuzfahrtschiff Norwegian Sun am Ore Dock

Kreuzfahrtschiff Norwegian Sun am Ore Dock