Southampton


Der große Feldherr und Staatsmann Gaius Julius Caesar gab im Jahr 55 v. Chr. seinen Truppen Order, das Land Britannien einzunehmen.

Das war offenbar kein einfaches Unterfangen, denn es bedurfte noch circa eines weiteren Jahrhunderts bis überwiegende Teile des Landes von Rom kontrolliert wurden. Etwa im Jahr 70 n. Chr. musste im Süden des eroberten Landes ein Hafen für die damals bereits existierenden Städte Salisbury und Winchester eingerichtet werden. Die Wahl fiel auf das Gebiet, an dem die Flüsse Itchen und Test zusammentreffen. Clausentum nannten die Römer die Ansiedlung. Aus ihr heraus entwickelte sich das heutige Southampton.

Southampton - Blick auf Hafen und StadtSouthampton - Blick auf Hafen und Stadt

Der Hafen liegt an der Südküste des Landes an dem von den beiden Flüssen gebildeten Southampton Water. Das mündet in den English Channel, und die Isle of Wight schützt die Mündung. Nachdem im 10. und frühen 11. Jahrhundert das benachbarte Winchester zur Hauptstadt Britanniens erkoren wurde entwickelte sich Southampton zum wichtigsten Hafen des Landes. Die normannische Invasion im Jahr 1066 begünstigte in der Folge die Stellung des Hafens und der Stadt. Ihre herausragende Position verlor die Stadt jedoch an Hafenstädte wie Liverpool und Plymouth, als die Interessen der Nation nach Asien und Nordamerika zielten.

Southampton - Kreuzfahrtschiff Arcadia vor der HafenkulisseSouthampton - Kreuzfahrtschiff Arcadia vor der Hafenkulisse

Southampton holte wieder auf, als gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die Stadt als Werftstandort interessant wurde und der Handelsverkehr auf den Nordatlantikrouten anwuchs. Von großer Bedeutung für die Stadt war es zudem, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts Passagier-Reedereien ihren Firmensitz nach Southampton verlegten. Als erste Gesellschaft siedelte sich 1907 die White Star Line an. Im Jahr 1919 folgte die Cunard Line deren Beispiel.

Queen Mary 2 am Queen Elizabeth Terminal in SouthamptonQueen Mary 2 am Queen Elizabeth Terminal in Southampton

In Southampton leben heute nach Angaben der Stadtverwaltung ca. 236.000 Menschen. Jeder 15. Einwohner ist ein Student. In der sich um den Solent erstreckenden, erweiterten Metropolregion „Southampton Urban Area“ werden mehr als 850.000 Einwohner gezählt. – In der Rangfolge der englischen Häfen nahm die Stadt im Jahr 2014 beim Güterumschlag mit 14 Mio. Tonnen den vierten Rang ein. Beim Containerumschlag landet der Hafen mit mehr als 1,5 Millionen Containern p. a. auf dem zweiten Platz, und mehr als 820.000 Kraftfahrzeuge werden jährlich in Southampton verladen. Große Bedeutung kommt dem Hafen ferner beim Ölumschlag zu; die Ölkonzerne BP und Esso betreiben in der Region Erdöl-Raffinerien. Und last, but not least, unter Großbritanniens Häfen ist Southampton der Nummer-Eins-Kreuzfahrt-Hafen.

Southampton - Blick auf den HafenSouthampton - Blick auf den Hafen

Bezüglich der Passagierschifffahrt lässt sich allerhand Interessantes aus Southampton berichten. Dort startete die Mayflower am 16. September 1620 mit den Pilgervätern an Bord zu ihrer Reise in die Neue Welt. Im Jahr 1840 verließ erstmalig ein Passagierschiff der Peninsular Steam Navigation Company (P&O) Southamptons Hafen. Und von Southampton aus brach im Jahr 1912 die Titanic der White Star Line mit mehr als 500 Bürgern der Stadt an Bord zu ihrer verhängnisvollen Jungfernfahrt nach Amerika auf.

Die Zeiten haben sich seitdem geändert. Heute rühmt sich Southampton, innerhalb des Vereinigten Königreichs die „Hauptstadt der Kreuzfahrten“ zu sein.  Im Jahr 2015 passieren voraussichtlich mehr als 1,7 Millionen Passagiere die vier Terminals der Stadt. Zwar tun sich diese Abfertigungsanlagen nicht durch besondere Schönheit oder gelungene Architektur hervor, ihr großer Vorteil ist, dass sie in relativer Nähe zur Stadt liegen. Als Service bietet die Stadt ihren Besuchern regelmäßig verkehrende Shuttle-Busse zum Stadtzentrum. Wer flink auf den Füßen ist und die Abfahrt der Busse nicht abwarten möchte, schafft den Weg in etwa 20 Minuten.

Southampton - Hafenkulisse Southampton - Cruise Terminal

Leider mangelt es Southampton an Attraktivität. Die historische Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen komplett zerstört. Der Neuaufbau wurde nach dem Krieg allzu pragmatisch angegangen und Schönheitsüberlegungen blieben dabei auf der Strecke. Dennoch hat die Stadt neben den häufig zitierten Shopping-Aktivitäten einiges zu bieten. Was das ist, lesen sie unter Southampton – Sehenswertes.