Autor: Karl W. P. Beyer

Von Menschen geschaffene Schifffahrtskanäle sind für die Hochseeschiffart ungemein nützlich, weil sie Umwege vermeiden helfen und Kosten einsparen. Einer der weltweit wichtigsten Kanäle ist der Sueskanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet.


Geschichte des Sueskanal

Sueskanal - Weltraumfoto der NASA

Schon die ägyptische Pharaonen erkannten den Nutzen einer Wasserverbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer zur Intensivierung von Handelskontakten. Beginnend etwa um 1.850 v. Chr. wurde mit damaliger Technik und unter der Einbeziehung geografischer Gegebenheiten mit dem Kanalbau begonnen. Weit mehr als 1.000 Jahre vergingen, bis gegen 500 v. Chr. eine Verbindung beider Meere geschaffen war. Allerdings dürften die Faktoren Arbeit und Zeit in dieser Epoche wohl kaum eine Bedeutung gehabt haben.

Einige Hundert Jahre später war der Kanal schon wieder versandet. Es folgten regelmäßige Phasen der Wiedereröffnung und der Versandung. Am Ausbau und der Instandhaltung des Kanals versuchten sich nach den ägyptischen Pharaonen auch die Perser, Römer sowie einige islamische Regenten.

Unter Napoleon Bonaparte wurde das Kanalprojekt neu angegangen und bald wieder verworfen, weil infolge falscher Berechnungen der Wasserstand beider Meere mit zehn Metern Niveauunterschied falsch ermittelt wurde. Erst nachdem erneute Studien keinen eklatanten Unterschied der Wasserstände beider Meere nachwiesen, wurde am 25. April 1859 definitiv mit dem Kanalbau begonnen.

Einfahrt in den Sueskanal bei SuesEinfahrt in den Sueskanal bei Sues

Es gab viele Rückschläge und Tausende Arbeiter verloren ihr Leben. Die Größenordnung der Verluste variiert nach unterschiedlichen Quellen zwischen 20.000 und 120.000 Menschenleben. Nach zehnjähriger Bauzeit erfolgte am 17. November 1869 der Kanaldurchstich. Das 9 Meter tiefe, 30 Meter breite und 160 Kilometer lange Bauwerk war mit Erfolg zu Ende gebracht worden.

Sueskanal - WestuferSueskanal - Westufer

Der Sueskanal war ursprünglich von französischen und englischen Investoren finanziert worden, was im Jahr 1956 den damaligen ägyptischen Machthaber Gamal Abd El Naser nicht hinderte, den Kanal zum ägyptischen Eigentum zu erklären. Die sich daraus ergebenden internationalen Kontroversen führten zu einer zeitweiligen Schließung des Wasserwegs. Zu einer zweiten wesentlich längeren Betriebsunterbrechung kam es zwischen Januar 1967 und Juli 1975 aufgrund und wegen der Folgen des Sechstagekriegs zwischen Israel und den Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien.

Sueskanal - Ostufer

Sueskanal - Ostufer


Technische Angaben

Beide Meere haben nahezu das gleiches Niveau, somit kommt der Sueskanal, anders als der Panamakanal, ohne Schleusen aus. Er führt von Port Said am Mittelmeer bis zu dem mehr als eine halbe Million Einwohner zählenden El Suweis (Sues) am Golf von Sues. Der Sueskanal ist der längste schleusenlose künstliche Wasserweg der Welt. Ohne seine nördlichen und südlichen Zufahrtskanäle misst er in der Länge163 Kilometer. Seine Breite beträgt an der schmalsten Stelle 195 Meter, und seine Tiefe liegt bei 24 Metern. Seit 2015 besitzt der Kanal auf einer Länge von 37 Kilometern zwei voneinander unabhängige Fahrrinnen. Zwei Brücken, ein Tunnel und 14 Fährverbindungen kreuzen den Kanal.

Sueskanal - Al Salam BrückeSueskanal - Al Salam Brücke

Der Verkehr im Kanal wird mittels der „Rules of Navigation“ geregelt. Die „Regeln“ sehen u.  a. das Konvoi-Fahren vor. Täglich fährt je ein Konvoi in nördlicher und südlicher Richtung. Solange sich die Schiffe in zwei getrennten Fahrrinnen bewegen, ist die Kanalfahrt unproblematisch. Im wesentlich längeren einspurig verlaufenden Kanalbereich gilt für die Schiffskonvois das Prinzip der Einbahnstraße. Im Großen Bittersee warten die Schiffe den Wechsel der Fahrtrichtung ab. Die Kanaldurchfahrt dauert etwa elf Stunden.

Sueskanal - Containerschiff in separater Fahrrinne Sueskanal - Schiffe im Grossen Bittersee Autofrachter im Sueskanal

Zur sicheren Kanalpassage beschäftigt die Kanalgesellschaft 200 Lotsen; je vier Lotsen sind für ein Schiff zuständig. Geregelt sind ebenfalls die Geschwindigkeiten und die Reihenfolge der Schiffe. Kriegsschiffe führen einen Konvoi an; ihnen folgen Kreuzfahrtschiffe, Autotransporter sowie die anderen Schiffstypen. Die Schiffsabstände müssen jeweils drei Kilometer betragen.

Sueskanal - Konvoifahren ist obligatorisch

Sueskanal - Konvoifahren ist obligatorisch


Wirtschaftlicher Nutzen

Im Fiskaljahr 2014/15 nutzten insgesamt 17.544 Schiffe den Kanal. Die Betriebseinnahmen lagen bei 5,41 Milliarden US-Dollar. Von dem unschätzbarem Nutzen für Ägypten abgesehen, bietet die Kanalpassage auch den Reedereien erhebliche Vorteile. Zum einen verzichten die Schiffe auf den Umweg um die Südspitze Afrikas und erzielen damit wesentliche Zeitgewinne sowie Kosteneinsparungen. Durch die Kanalpassage verkürzt sich beispielsweise die Strecke Singapur-Rotterdam um 3.474 auf 8.281 Seemeilen. - Infolge der Fertigstellung der 37 Kilometer langen, parallel zum Kanal verlaufenden zweiten Fahrrinne geht die Kanalbehörde von steigenden Einnahmen aus.

Sueskanal - Gigantisches Neubauvorhaben am Ostufer

Sueskanal - Gigantisches Neubauvorhaben am Ostufer

Wer jemals das Vergnügen hatte eine Nilkreuzfahrt von Luxor nach Assuan zu unternehmen, dürfte sich bei der Passage des Suezkanals an den an den Nil anschließenden Streifen grünen Kulturlandes und die dahinter beginnenden endlos weiten Wüsten Ägyptens erinnert fühlen. Zugegeben, entlang des Sueskanals gibt es weniger Grüngürtel als am Nil, dennoch ist das kein Grund, die Sueskanal-Passage nur im SPA zu verbringen. Schließlich gibt es in der Kanalzone genug zu sehen. 

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