Von Menschen geschaffene Schifffahrtskanäle sind für die Hochseeschiffart ungemein nützlich, weil sie Umwege vermeiden helfen und erhebliche Kosten einsparen. Einer der weltweit wichtigsten Kanäle ist der Sueskanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet. Schiffe, die den Sueskanal durchfahren, meiden den zeitaufwendigen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung.
Geschichte des Sueskanal
Die ägyptischen Pharaonen erkannten als Erste den Nutzen einer Wasserverbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer für die Intensivierung von Handelskontakten. Beginnend etwa um 1.850 vor Christus wurde mit damaliger Technik und unter der Einbeziehung geografischer Gegebenheiten mit dem Kanalbau begonnen. Weit mehr als 1.000 Jahre vergingen, bis gegen 500 vor Christus eine Verbindung beider Meere geschaffen war. Allerdings dürften die Faktoren Arbeit und Zeit in jener Epoche wohl kaum eine Bedeutung gehabt haben.

Einfahrt in den Sueskanal bei Sues
Wenige Hundert Jahre später war der Kanal wegen Versandung nicht mehr nutzbar. In der Folge gab es regelmäßige Phasen der Nutzung und der Versandung. Am Ausbau und der Instandhaltung des Kanals versuchten sich nach den ägyptischen Pharaonen auch die Perser, Römer sowie einige islamische Regenten.
Unter Napoleon Bonapartes Regentschaft wurde das Kanalprojekt neu angegangen und bald danach wieder verworfen. Der Grund: Infolge falscher Berechnungen wurde der Wasserstand beider Meere mit zehn Metern Niveauunterschied falsch ermittelt. Erst nachdem erneute Studien keinen eklatanten Unterschied der Wasserstände beider Meere ergaben, wurde am 25. April 1859 definitiv mit dem Kanalbau begonnen.

Provinzhauptstadt Sues
Es gab viele Rückschläge, und Tausende Arbeiter verloren ihr Leben. Die Größenordnung der Verluste variiert nach unterschiedlichen Quellen zwischen 20.000 und 120.000 Menschenleben. Nach zehnjähriger Bauzeit erfolgte am 17. November 1869 der Kanaldurchstich. Das 9 Meter tiefe, 30 Meter breite und 160 Kilometer lange Bauvorhaben war mit Erfolg abgeschlossen worden.
Sueskanal - Westufer
Der Sueskanal wurde ursprünglich von französischen und englischen Investoren finanziert. Das hinderte im Jahr 1956 den damaligen ägyptischen Machthaber Gamal Abd El Naser allerdings nicht, den Kanal zum ägyptischen Eigentum zu erklären. Die sich daraus ergebenden internationalen Kontroversen führten zu einer zeitweiligen Schließung des Wasserwegs. Zu einer zweiten wesentlich längeren Betriebsunterbrechung kam es zwischen Januar 1967 und Juli 1975 aufgrund und wegen der Folgen des Sechstagekriegs zwischen Israel und den Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien.

Sueskanal - Ostufer
Gegenwärtig wird der Sueskanal von der Suez Canal Authority einer Anstalt des ägyptischen öffentlichen Rechts betrieben und verwaltet.
Technische Angaben
Beide Meere haben nahezu das gleiches Niveau, somit kommt der Sueskanal, anders als der Panamakanal, ohne Schleusen aus. Er führt von Port Said am Mittelmeer bis zu der Provinzhauptstadt As-Suweis (Sues) am Golf von Sues. Der Sueskanal ist der längste schleusenlose künstliche Wasserweg der Welt. Ohne seine nördlichen und südlichen Zufahrtskanäle misst er in der Länge163 Kilometer. Seine Breite beträgt an der schmalsten Stelle 195 Meter, und seine Tiefe liegt bei 24 Metern. Seit 2015 besitzt der Kanal auf einer Länge von 37 Kilometern zwei voneinander unabhängige Fahrrinnen. Zwei Brücken, ein Tunnel und 14 Fährverbindungen kreuzen den Kanal.
Sueskanal - Al Salam Brücke
Der Verkehr im Kanal wird mittels der „Rules of Navigation“ geregelt. Die „Regeln“ sehen unter anderem das Konvoi-Fahren vor. Täglich fährt je ein Konvoi in nördlicher und südlicher Richtung. Solange sich die Schiffe in zwei getrennten Fahrrinnen bewegen, ist die Kanalfahrt unproblematisch. Im wesentlich längeren einspurig verlaufenden Kanalbereich gilt für die Schiffskonvois das Prinzip der Einbahnstraße. Im Großen Bittersee warten die Schiffe den Wechsel der Fahrtrichtung ab. Die Kanaldurchfahrt dauert in der Regel zwölf Stunden.
Zur sicheren Kanalpassage beschäftigt die Kanalgesellschaft 200 Lotsen; je vier Lotsen sind für ein Schiff zuständig. Geregelt sind ebenfalls die Geschwindigkeiten und die Reihenfolge der Schiffe. Kriegsschiffe führen einen Konvoi an; ihnen folgen Kreuzfahrtschiffe, Autotransporter sowie die übrigen Schiffstypen. Die Schiffsabstände müssen jeweils drei Kilometer betragen.

Sueskanal - Konvoifahren ist obligatorisch
Wirtschaftlicher Nutzen
Laut dem IFW Kiel, dem Institut für Weltwirtschaft verlaufen etwa zwei Drittel aller Importe zwischen Deutschland und Ostasien auf dem Seeweg. Containerschiffe, die zwischen Deutschland und China fahren, nutzen zu 98 Prozent den Sueskanal.
Gemäß „tagesschau.de“ passierten im Jahr 2021 mehr als 20.000 Schiffe den Kanal. Die Kanalbehörde erzielte Einnahmen von rund 6,3 Milliarden US-Dollar, entsprechend 5,8 Milliarden Euro. Von dem unschätzbarem Nutzen für Ägypten abgesehen, bietet die Kanalpassage auch den Reedereien erhebliche Vorteile. Die Schiffe ersparen sich den Umweg um die Südspitze Afrikas. Wesentliche Zeitgewinne sowie Kosteneinsparungen sind die Folgen. Durch die Kanalpassage verkürzt sich beispielsweise die Strecke Singapur-Hamburg um 3.425 Seemeilen. Das entspricht bei einer veranschlagten Geschwindigkeit von 13 Knoten einer Zeitersparnis von elf Tagen. Unsicherheit besteht allerdings hinsichtlich der Angriffe von Huthi-Terroristen auf die Schifffahrt. Reedereien dürften sich zukünftig gezwungen sehen, ihre Schiffe um Südafrika fahren zu lassen.

Sueskanal - Gigantisches Neubauvorhaben am Ostufer
Sueskanal – aus der Sicht eines Kreuzfahrtpassagiers
Wer jemals das Vergnügen hatte eine Nilkreuzfahrt von Luxor nach Assuan zu unternehmen, dürfte sich bei der Passage des Suezkanals an den an den Nil anschließenden Streifen grünen Kulturlandes und die dahinter beginnenden endlos weiten Wüsten Ägyptens erinnert fühlen. Zugegeben, entlang des Sueskanals gibt es weniger Grüngürtel als am Nil, dennoch ist das kein Grund, die Sueskanal-Passage nur im SPA zu verbringen. Schließlich gibt es in der Kanalzone genug zu sehen.
Update Juni 2026