Am 11. September 2014 liegt die Celebrity Summit zwischen 9:30 und 17:30 Uhr im Hafen von Sydney auf Cape Breton Island. Letzteres ist ein Teil von Nova Scotia/Kanada. Bereits auf den ersten Blick ist es schwer vorstellbar, dass die 10.311 Quadratkilometer große Landfläche eine Insel sein soll. Die Dimensionen sind gewaltig, man fährt stundenlang im Auto herum, ohne etwas vom umgebenden Meer zu sehen.

Sydney/Cape Breton - Joan-Harris-Cruise-Pavilion

Sydney/Cape Breton - Joan-Harris-Cruise-Pavilion


Was sieht das heutige Ausflugsprogramm vor? Celebrity Cruises bietet den Gästen auf Cape Breton Island mehrere interessante Tagesausflüge. Da wäre zuerst eine Tour mit dem BIG Pink Bus. Für 59 US-Dollar pro Person werden die Ausfluggäste zu den vor einem Jahrzehnt stillgelegten industriellen Bereichen der Stadt gefahren. Gemeint sind die Kohleminen und die Stahlwerke. Zuvor gibt ein Museumsbesuch Aufklärung über die ursprüngliche Arbeitssituation in den Fabriken. Zum Abschluss steht noch ein Besuch im Indianerreservat Membertou auf der Agenda.

Eine andere Tour führt zu Leuchttürmen und zum Fortress of Louisbourg. Die wird für 85 US-Dollar angeboten. Das ist wahrlich keine schlechte Tour. Die Festung ist eine „National Historic Site of Canada“, also ein schützenswerter, historischer Ort. Die von Franzosen errichtete Festungsanlage wurde im Jahr 1758 von einem britischen Geschwader und 14.000 Mann eingenommen und zerstört. Zu Beginn der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurde ein Viertel der Anlage neu errichtet.

In der Hochsaison sind in der Festung Hunderte von Komparsen beschäftigt, die den Besuchern Einblicke in das Festungsleben im 18. Jahrhundert vermitteln sollen, bevor die befestigte Stadt geschleift wurde. Zuvor wird jedoch am Leuchtturm von Louisbourg gehalten. Dieser Turm war Kanadas erster Leuchtturm. - Da wir kurz zuvor jedoch die Zitadelle von Halifax besucht ist unser Interesse an Festungen fürs Erste gestillt.

Wesentlich interessanter wirkt dagegen ein Besuch im Highland Village Museum im schöngelegenen und gut 70 Kilometer entfernten Iona. Diese Fahrt würde das Bordkonto mit 69 US-Dollar pro Person belasten. Bereits vor Reiseantritt hatten wir entschieden, diese Tour auf eigene Faust zu absolvieren. Nun gilt es nur noch, ein Transportmittel zu finden.

Sydney/Cape Breton - Haus im Highland Village Museum

Sydney/Cape Breton - Haus im Highland Village Museum


Zuerst einmal überrascht Sydney die Tagesgäste mit einem modernen Kreuzfahrt Terminal, dem „Joan-Harris-Cruise-Pavilion“. Davor steht ein Mann im Schottenrock, der voller Hingabe seinem Dudelsack Töne entlockt. Ein zweiter Rockträger, eine Hüne von Mann, erteilt den Ankommenden Auskünfte. Noch mehr Auskünfte gibt es im Inneren des Terminals.

Sydney/Cape Breton - Ein Dudelsackspieler begrüßt die Tagesgäste

Sydney/Cape Breton - Ein Dudelsackspieler begrüßt die Tagesgäste


Zusammen mit einem amerikanischen Paar buchen wir vor dem Cruise Terminal ein Taxi. Die Fahrt kostet (wir sind in Kanada!) pro Paar 80 kanadische Dollar. Der Preis für die mehrstündige Tour ist akzeptabel, zumal unser Fahrer Bill für den Rückweg noch einige Überraschungen in petto hat.

Sydney/Cape Breton - Hier trägt Man(n) noch Rock

Sydney/Cape Breton - Hier trägt Man(n) noch Rock


Das Ende der circa 25.000 Einwohner zählenden Stadt ist schnell erreicht. Von da an fahren wir circa eine Stunde auf dem zweispurigen Grand Narrows Highway in nördlicher Richtung durch dünn besiedeltes Land bis zur Grand Narrows Waterfront am Bras d’Or Lake. An jener Stelle ist der bis zu dreißig Kilometer breite See nur gerade mal einen Kilometer breit. Dort kreuzen eine historische Eisenbahnbrücke und eine moderne Autobrücke die Schmalstelle des 1.100 Quadratkilometer großen Binnensees. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die Stadt Iona.

Sydney/Cape Breton - St. Columba - Katholische Kirche in Iona

Sydney/Cape Breton - St. Columba - Katholische Kirche in Iona


Und in Hanglage schräg darüber liegt das historische Museumsdorf, das Ziel unserer Reise.

Sydney/Cape Breton - Häuser am Grand Narrows Highway     Sydney/Cape Breton - Landschaft am Grand Narrows Highway 

Sydney/Cape Breton - Grand Narrows Waterfront     Sydney/Cape Breton - Eisenbahnbrücke und Strassenklappbrücke an der Grand Narrows Waterfront

In einem Besucherzentrum wird Eintritt gezahlt. Wer mag, kann Kunsthandwerk erstehen, ein Einführungs-Video ansehen oder ein wenig mit den netten Mitarbeitern des Centers plaudern. Über Gras und Schotterwege werden die Besucher zu den am Hang gelegenen Häusern der Anlage geleitet. Für Rollstuhlfahrer oder Personen mit Handicaps sind die Wege nicht geeignet. Wir dagegen genießen bei herrlichem Wetter den weiträumigen, wunderschönen Blick auf den Bras d’Or Lake und das an dieser Stelle recht nahe gelegene südliche Ufer.

Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum    Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Malagawatch Church    Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Blick auf den Bras d'Or Lake

Über uns thront die holzverkleidete, weiße Malagawatch Kirche. Das erste Wohnhaus ist eine einem Iglu gleichende, aus Felssteinen errichtete und mit Grassoden bedeckte winzige Wohnstätte. Sie diente den ersten schottischen Siedlern als Behausung. Erbaut wurde es in der Zeit ab 1770. Im Inneren sehen wir eine Schlafstätte, Tisch und Stuhl sowie einfachstes Küchengerät. Es ist unvorstellbar, wie in jener Zeit Menschen unter solchen Bedingungen sommers wie winters auf dem ihnen geschenkten Land leben konnten.

Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Scottish Home - Das erste Haus

Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Scottish Home - Das erste Haus


Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Ausstattung des Scottish Home

Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Ausstattung des Scottish Home


Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Mahlstein im Scottish Home

Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Mahlstein im Scottish Home


In der Folgezeit wurden Blockhäuser errichtet, auf die zu einem späteren Zeitpunkt stabilere und größere Häuser folgten. Auch ein Schulhaus, ein Gemischtwarenladen, die Kirche, eine Schmiede und eine Wollkämmerei wurden im Laufe der Zeit errichtet. - In den Häusern geben historisch gewandete Männer und Frauen Auskunft über die Häuser, ihre Geschichte und die Ausstellungsobjekte. Es sind Angestellte der „National Historic Site“, die während der Touristensaison einen der begehrten Arbeitsplätze im Museumsdorf gefunden haben.

Sydney/Cape Breton - Blockhaus im Highland Village Museum    Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Gemischtwarenladen    Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum

 

Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Landwirtschaftliche Gerätschaften   Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum -Küchenutensilien    Sydney/Cape Breton - Highland Village Museum - Innenraum der Malagawatch-Kirche 

Die Zeit vergeht wie im Fluge; unser Fahrer drängt zur Rückfahrt. Er nimmt dieselbe Route wie zuvor auf dem Hinweg. Oberhalb des St Andrew Channels hält er auf einen Kaffee an einem Mittelding zwischen Gemischtwarenladen und Schnellimbiss. Man kennt sich, die Atmosphäre ist gelöst. Alles wirkt so, wie wir uns die Weiten Kanadas vorgestellt haben. Etwas anderes wäre es, dort auf Dauer wohnen zu müssen.

Sydney/Cape Breton - Haus vor dem St. Andrews Channel     Sydney/Cape Breton - Laden am Grand Narrows Highway

In Sydney wird am Membertou Trade & Convention Centre gehalten. Das Zentrum wurde nach dem Indianerhäuptling Membertou (1510 bis 1611) benannt. Die ersten Bewohner der Insel waren Mi’kmaq-Indianer. Sie verloren ihr Land an die Franzosen und später an die britischen Kolonisatoren. Danach führten die Nachkommen der Ureinwohner ein unterprivilegiertes, verarmtes Leben. Vom Jahr 1995 an wurden von der kanadischen Regierung Programme zur Integration der circa 750 Nachkommen der Ureinwohner in die Gesellschaft und zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage aufgelegt.

Das Convention Centre ist für diese Bevölkerungsgruppe der Mittelpunkt des städtischen Lebens. Das große, schmucklose Gebäude ist geeignet für Tagungen und Veranstaltungen. Wer mag, kann vor Ort indianisches Kunstwerk kaufen. Bill, unser Fahrer, legt Wert darauf, dass wir auch die Wohnlagen der Indianer inklusiv eines Wigwams sehen sollten. Leider müssen wir jedoch gestehen, dass uns die Gegend nicht sonderlich beeindruckte. Im Übrigen unterschied sie sich kaum von den Wohngebieten der Nachkommen der Einwanderer.

Nach der Jahrtausendwende wurden Sydneys Kohlengruben und Stahlfabriken geschlossen. Den Außenbereich der Stadt „zieren“ große Industriebrachen. Das freie Gelände wird von der Nova Scotia Music Week genutzt. Mit über 100 Künstlern und vielen Bühnen ist das Festival das größte der Region. Zur Zeit unseres Besuches werden gerade Vorbereitungen für das Event getroffen.

Zum Abschluss unserer Rundfahrt kurvt Bill mit uns durch den historischen Teil Sydneys, um uns einen Blick auf die wichtigsten aus alter Zeit stammenden Bauwerke werfen zu lassen.

Sydney/Cape Breton - Straßenzug    Sydney/Cape Breton - Anglican Church of St George    Sydney/Cape Breton - Historische Häuser

Wir sahen im Verlaufe unserer Fahrt keine spektakulären Bauten, keine Schlösser und keine Kathedralen. Anstelle dessen sahen wir eine wunderschöne, friedliche Landschaft, an die wir uns noch lange erinnern werden.

Sydney/Cape Breton - Boardwalk neben dem Joan Harris Cruise Pavilion

Sydney/Cape Breton - Boardwalk neben dem Joan Harris Cruise Pavilion


Nach einer kurzen Erfrischungspause auf dem Schiff durchstreiften wir nochmals die hinter dem Kreuzfahrt-Terminal gelegenen Straßen des historischen Stadtteils.

Wir sahen in der Nähe des Terminals das St Patrick’s Church Museum. Bei diesem Bauwerk handelt es sich um die ursprünglich im Jahr 1828 gebaute katholische Kirche Saint Patricks’s. An Sonntagen diente sie den Einwohnern Sydneys als Ort des Gebets und der Besinnung. Die Gläubigen kamen, um die Andacht zu hören, in jener Zeit mit Booten aus den entlegeneren Regionen. Es kamen schließlich so viele Gläubige, dass im Jahr 1874 eine neue Kirche gebaut werden musste. Im Jahr 1966 kam die Idee auf, die ungenutzte Kirche zu restaurieren und als Museum zu nutzen.

Sydney/Cape Breton - St Patrick's Church Museum

Sydney/Cape Breton - St Patrick's Church Museum


Ein weiteres Museum findet man zwei Querstraßen vom Terminal entfernt in der Charlotte Street. Es ist das Cossit House. Dieses Gebäude ist das älteste Haus der Stadt. Ein Geistlicher ließ das Haus im Jahr 1785 errichten. Der Bauherr sollte sich um die wachsende britische Kolonie kümmern, da lag es nahe, für eine standesgemäße Unterkunft des Herrn zu sorgen. Seine Nachkommen lebten bis zum Jahr 1975 im Cossit House. Danach wurde das Gebäude restauriert, mit authentischen Möbeln ausgestattet und in ein Museum umgewandelt. Historisch gekleidete Guides berichten den Besuchern vom Leben der Familie Cossit. In den im Obergeschoss gelegenen Schlafzimmern Uniformen und Bekleidung aus jener Zeit ausgestellt.

Sydney/Cape Breton - Cossit House Museum

Sydney/Cape Breton - Cossit House Museum


Dem Cossit House schräg gegenüber liegt das 225 Jahre alte Jost Heritage House. Es war einst das Haus eines wohlhabenden Händlers und gehört zu den ältesten Häusern der Stadt. Wer das Haus heute sieht, verknüpft nicht unbedingt den damaligen Wohlstand mit dem Haus. Von außen wirkt es eher unspektakulär. Im Inneren präsentieren kostümierte Guides das Leben der damaligen Zeit. Die Küche befindet sich im Keller. Die Räume im Erdgeschoss, ein Salon, ein Speisezimmer und ein Schlafzimmer sind im viktorianischen Stil eingerichtet. Im oberen Geschoss befinden sich weitere Schlafzimmer. In einem der Räume werden Schiffsmodelle ausgestellt. In einem anderen Raum wird eine gut ausgestattete Apotheke aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gezeigt.

Sydney/Cape Breton - Jost Heritage House

Sydney/Cape Breton - Jost Heritage House


Nicht versäumen sollte man einen Rundgang durch das Craft Center des Cruise Terminals. Ein Imbiss und ein Restaurant sorgen für das leibliche Wohl. Wifi ist verfügbar. Ein Kunsthandel offeriert sehenswerte Malereien und Skulpturen.

Sydney/Cape Breton - Im Joan-Harris-Cruise-Pavilion

Sydney/Cape Breton - Im Joan-Harris-Cruise-Pavilion


Am besten hat uns jedoch die Verkaufsausstellung für Kunstgewerbe in einem Saal des Cruise Centers gefallen. Hier kann, was das Herz begehrt, in guter Qualität und bester Ausführung erworben werden. Der Autor dieser Zeilen hat ein weites Herz für gutes Schreibwerkzeug. Es kam wie es kommen musste: An einem Stand entdeckte er vorzüglich gearbeitete Kugelschreiber. Die Schreibgeräte bestehen zum Teil aus Holz. Die Qualitätsanmutung und die Haptik der Produkte unterscheiden sich keineswegs von den hochklassigen Erzeugnissen zweier weltbekannter deutscher Unternehmen. Das Ganze gibt es inklusive einer bekannten Großraum-Kugelschreibermine für gerade einmal 40 kanadische Dollar. Da muss Man(n) doch zugreifen.