Unsere Kreuzfahrt mit MS Zuiderdam der Holland America Line beginnt in Quebec und endet in Fort Lauderdale. Eines unserer Reiseziele ist Sydney auf Cape Breton Island. Vor einigen Jahren waren wir schon einmal in Sydney. Während einer privaten Taxifahrt haben wir viel von der landschaftlich schönen Insel gesehen. Und wir besichtigten das historische Viertel von Sydney. Im Detail berichten wir darüber in unserem Beitrag Ein Tag in Sydney und auf Cape Breton.

Sydney Cruise Terminal - die größte Fiedel der Welt
Ein schönes Kreuzfahrtterminal erwartet uns
Morgens um 8:00 Uhr erreichen wir Sydney. Es ist noch recht kühl, aber der Himmel ist klar, und mittags steigen die Temperaturen auf 22 Grad. Am Anleger sehen wir die 17 Meter hohe Fiedel, die charakteristisch für Sydneys Kreuzfahrterminal ist. Sie ist die größte Fiedel der Welt und steht für die Menschen, die im späten 18. Jahrhundert aus Schottland und Irland einwanderten. Bis heute ist Gälisch als Sprache präsent ebenso wie die keltische Kultur.
Wir möchten uns heute die historische Festung Louisbourg ansehen. Da uns die Ausflugsangebote der Reederei nicht überzeugen, werden wir wie schon vor etlichen Jahren einen örtlichen Anbieter suchen. Vor dem Kreuzfahrtterminal warten Taxen auf Kundschaft. Die Preise der verschiedenen Touren sind festgelegt, und wir werden schnell handelseinig.
Der historische Nationalpark Festung Louisbourg
Die vierstündige Fahrt nach Louisbourg, zur gegenüberliegenden Geschützstellung, dem ältesten Leuchtturm Kanadas und weiteren von uns gewünschten Fotostopps soll 240 Kanadische Dollar (168 EUR) kosten. Dazu kommt der Eintritt zur Festungsanlage. Der Historische Nationalpark Festung Louisbourg liegt gut 40 Kilometer südöstlich von Sydney. Auf der gut ausgebauten Straße 22 kommen wir schnell voran. Nach 30 Minuten fahren wir durch den neuen Ort Louisbourg und erreichen wenig später das große Areal der Festungsanlage.

Fortress of Louisbourg
Geschichte der Stadt und der Festung
Im 17. Jahrhundert kamen die ersten französischen Siedler nach Cape Breton. Sie nutzen die Insel als Ausgangsbasis für den Fischfang vor Neufundland. Im Jahr 1719 begannen sie mit dem Bau der befestigten Stadt und des Hafens Louisbourg. Fischfang und Fischverarbeitung führten in kurzer Zeit zu wachsendem Wohlstand.
Dazu kam Handel mit Frankreich, Québec und der Karibik. Das rief schnell Neider auf den Plan. Schon im Jahr 1746 belagerten Engländer die Siedlung, und im Jahr 1758 wurde sie endgültig eingenommen. Die Befestigungsanlagen wurden zerstört und verfielen.
Das blieb so bis ins 20. Jahrhundert. Im Jahr 1928 wurde das gesamte Gebiet zur nationalen historischen Stätte erklärt. 1961 begann die Organisation Park Canada mit dem Projekt des Wiederaufbaus der Stadt, und zwar so, wie sie um 1740 ausgesehen hatte. Als Grundlage für den Wiederaufbau dienten archäologische Ausgrabungen von Resten der Festungsanlagen und der Gebäude sowie historische Dokumente, Karten und Baupläne.
Stadtmauern, die Zitadelle, der Stadtkai, Straßen, Häuser und Lagergebäude wurden mit Hilfe von Original-Material detailgetreu nachgebaut. Etwa ein Viertel der ursprünglichen Stadt und der Befestigungsanlagen wurde bisher wiedererrichtet.
Ein mit Leben erfülltes Freiluftmuseum
Heute verwalten die National Historic Sites of Canada das Freiluftmuseum Louisbourg. Die Festung dient als lebendes historisches Museum und ist das ganze Jahr für Besucher geöffnet. Geführte Besichtigungstouren mit historisch kostümierten Guides, verschiedene Museen, in denen Original-Fundstücke aus Louisbourg zu sehen sind, und eine kleine Schänke gehören zu den Attraktionen.
In den restaurierten Gebäuden sehen die Besucher, wie vor 300 Jahren gebacken, gesponnen oder Fässer hergestellt wurden. Insbesondere in der Saison arbeiten Hunderte Menschen als Komparsen in der historischen Anlage.
Wir streifen gut zwei Stunden durch das weitläufige Areal und sind begeistert von dem, was wir sehen. Hier könnten wir wesentlich mehr Zeit verbringen. Die Gebäude sind wunderschön restauriert. Viele Räume sind mit Original-Gegenständen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, dekoriert. Und in der Schänke gibt es sogar Wein aus der Region.
Sydney und Louisburg Railway Museum
Wir fahren wieder durch den neuen Ort Louisbourg, der gegenüber dem historischen Nationalpark an der weiten Bucht liegt. In dem kleinen Fischereihafen wurde früher Kohle verschifft. Auf Cape Breton führten rund 140 Kilometer Bahnschienen zu den Häfen Sydney und Louisbourg. Die Minen wurden unrentabel und Versuche, die alten Bahnstrecken als Touristenattraktion umzugestalten, waren auch kein Erfolg. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts erinnert nur noch das Museum an die alten Zeiten.
Battery Island
Weiter geht es um die Bucht nach Battery Island. Gegenüber der alten Festung Louisbourg sicherte eine zusätzliche Geschützbatterie die Hafenzufahrt und die Stadt. Wenige Reste davon sind noch vorhanden.
Daneben steht das Louisbourg Lighthouse. Der schöne alte Leuchtturm ist seit Jahren nicht mehr in Betrieb. Er ist der vierte an dieser Stelle und gut 100 Jahre alt. Der erste wurde 1734 gebaut und war damit der älteste Leuchtturm Kanadas.
Membertou Trade & Convention Centre
Zurück in Sydney bitten wir unseren Fahrer, am Membertou Trade & Convention Centre zu halten. Der Veranstaltungsort wurde nach Membertou benannt, einem Häuptling der Mi’kmaq-Indianer. Die Mi’kmaq waren die ersten Bewohner Cape Bretons. Das Convention Centre ist für Nachkommen der Mi’kmaq der Mittelpunkt des städtischen Lebens. In dem großen Gebäude finden Tagungen und Veranstaltungen statt. Und es gibt Läden, in denen indianisches Kunsthandwerk angeboten wird.
Unterwegs in Sydney
Unser Taxifahrer entlässt uns wohlbehalten am Kreuzfahrtterminal. Es ist noch Zeit genug für einen Rundgang durch das historische Altstadtviertel und am Wasser entlang. Der Old Sydney Walk beginnt direkt am Kreuzfahrtterminal. Einen Übersichtsplan hält das Besucherzentrum im Terminal bereit. Bezüglich weiterer Details der Sehenswürdigkeiten verweise ich noch einmal auf unseren Beitrag: Ein Tag in Sydney und auf Cape Breton.

Sydney - the big Fiddle
Old Sydney Walk
Wir gehen die Esplanade entlang in nordwestlicher Richtung und stehen bald darauf vor dem St Patrick’s Church Museum. Die frühere katholische Kirche aus dem Jahr 1828 wird seit 1966 als Museum genutzt. An der Debarres Street halten wir uns rechts und biegen gleich darauf in die Charlotte Street ein. Hier stehen die meisten der historischen Gebäude. Besonders hervorzuheben sind das Jost Heritage House von 1786, das Cossit House Museum, St. George’s Anglican Church und das Old Sydney Society Museum. Aber auch die anderen alten Häuser, meist Holzhäuser in fröhlichen Farben, sind hübsch anzusehen.
Harbour Boardwalk
Sydney liegt in einer weit ins Land reichenden Bucht. Südlich des Kreuzfahrtterminal führt eine sehr schön angelegte Uferpromenade mehr als einen Kilometer am Wasser entlang. Der Weg ist teilweise mit Kies befestigt oder mit Holzplanken belegt. An der Promenade findet man Skulpturen, einen Bandstand und ausreichend Bänke zu Sitzen. Und sie bietet immer ungehinderte Blicke auf die Bucht.
Craft Market
Bevor wir zurück auf das Schiff gehen, besuchen wir das Craft Center im Kreuzfahrtterminal. Die angebotenen Sachen wie Kunstobjekte, Kunsthandwerk oder Kleidung gefallen uns wegen der besonderen Ausführung und wegen der hohen Qualität. Und natürlich gibt es einladende Restaurationsbetriebe.
Wir verlassen Sydney
Nach acht Stunden verlassen wir Cape Breton Island. Auf dem Pooldeck der Zuiderdam wird das „Scenic Sail Away“ zelebriert. Das heißt, zu den Getränken der Bar liefert die Küche leckere Finger-Food-Häppchen. Es ist immer noch angenehm warm, und viele Mitreisende genießen ebenso wie wir die schöne vorbeiziehende Landschaft.

Sydney - Blick auf Westmount
November 2023














