Zwischen dem Nordatlantik und dem Golf von St. Lorenz liegt im Südwesten Neufundlands die 10.311 Quadratkilometer große Insel Cape Breton. Deren südliche Küstenlinie ist rau und zerklüftet, und im Landesinneren bestimmen zwei bemerkenswerte Landschaftsformen das Erscheinungsbild der Insel: Es sind der 1.100 Quadratkilometer große und 80 Kilometer lange Bras d’Or Lake und die Hügellandschaft des Cape Breton Highlands National Parks. Mittels zweier natürlicher Zugänge ist die Seenlandschaft mit dem Atlantik verbunden.
Cape Breton - Blick auf den Bras d’Or Lake
Im Jahr 2023 sind 111 Kreuzfahrtschiffe für einen Besuch der Inselhauptstadt Sydney gemeldet. Annähernd 220.000 Passagieren werden den Ort oder die Sehenswürdigkeiten der Insel per organisierter Tour oder auf eigene Faust erkunden.
Stadtführung durch das historische Sydney
Anders als Bar Harbor / Maine, Halifax auf Nova Scotia oder Charlottetown auf dem benachbarten Prince Edward Island bietet der ehemalige Industriestandort Sydney mit der am Hafen positionierten 17 Meter hohen, weltgrößten Fiedel, ansprechenden, historischen Straßenzügen in der Nähe des Cruise Terminals und einer gelungenen, an das Kreuzfahrtterminal anschließenden Uferpromenade nur wenige Attraktionen.
Wer sich für Sydney interessiert, bucht eine 90-minütige Stadtführung. Historisch gekleidete Guides präsentieren ihren Gästen sechs Bauten des späten 18. Jahrhunderts und zwei Bauwerke, die im 19. Jahrhundert entstanden. Besucht werden im historischen Distrikt Sydneys u. a. St. Patrick’s, die älteste römisch-katholische Kirche der Insel, das aus einem der ältesten Häuser der Stadt entstandene Cossit House Museum und das mehr als 225 Jahre alte Jost-Haus, ursprünglich das Haus eines wohlhabenden Händlers. Ein weiteres Ziel ist das Sydney Museum, das ehemalige Cape Breton Centre for Heritage and Science.
Sehenswürdigkeiten außerhalb Sydneys
Die eigentlichen Sehenswürdigkeiten der Insel liegen abseits der Stadt. Die atemberaubende Landschaft fasziniert die Besucher, und nachstehende, von der Geschichte geprägte Orte nötigen Tagesgästen Respekt ab.
Fortress of Louisbourg
Seit ewigen Zeiten war die Insel von indianischen Ureinwohnern des Mi’kmaq-Stammes besiedelt. Als erste Europäer nahmen im 17. Jahrhundert französische Siedler von Cape Breton Besitz. Zum Schutz ihres Fischfangs auf der Neufundlandbank erbauten die Kolonisatoren vom Jahr 1719 an die nach König Ludwig XV. benannte, befestigte Stadt Louisbourg. Zudem benötigte die französische Kriegsmarine einen Hafen im nördlichen Atlantik.
Louisbourg gedieh dank des Fischfangs und der Fischverarbeitung aber auch dank seiner günstigem Lage zwischen Frankreich, Kanada und den französischen Besitzungen in der Karibik als Warenumschlagsort zu einem prosperierenden Gemeinwesen.
Das genügte, um den Neid der Briten zu wecken. Im Jahr 1745 starteten britische Truppen einen ersten Angriff auf die Festungsstadt, die nach 46-tägiger Belagerung kapitulierte. Drei Jahre durften sich die Briten über ihren Erfolg freuen, bevor als Folge des Zweiten Aachener Friedens Cape Breton an Frankreich zurückfiel. Dreizehn Jahre später, im Jahr 1758, wurde Louisbourg vom Königreich Großbritannien okkupiert. Einem Sturmangriff britischer Truppen mit 39 Schiffen und 14.000 Soldaten konnten die Franzosen nichts entgegensetzen. In der Folgezeit wurde die Festung von den Briten geschleift. Nichts sollte danach mehr an die französischen Kolonisatoren erinnern.
Die Zeiten und die Einschätzungen ändern sich. Im Jahre 1961 wurde auf Initiative von Parks Canada begonnen, ein Viertel der ursprünglichen Festung neu zu errichten. Heute verwalten die National Historic Sites of Canada das Freiluftmuseum Louisbourg. In der Touristensaison finden Hunderte Menschen als Komparsen in der historischen Anlage Beschäftigung. Die Festung liegt 40 Kilometer südlich von Sydney.
Highland Village Museum
Rund 65 Kilometer westlich von Sydney lädt das Highland Village Museum zur Visite ein. Das Freiluftmuseum informiert Besucher über die Bräuche und die Lebensweise der gälischen Schotten. Diese verließen in den 1770er-Jahren und danach ihre Heimat, um auf Cape Breton ein neues Domizil zu finden. Sie siedelten sich oberhalb des Bras d’Or Lake in der Nähe der heutigen Ortschaft Iona an.
Besucher im Highland Village Museum
In lieblicher Lage lernen Gäste in einem mehr als 16 Hektar umfassenden Museumsdorf die Bauten eines für die damalige Zeit typischen Dorfes kennen: Wohnbauten, Stallgebäude, ein Gemischtwarenladen, eine Spinnerei, eine Schmiede, die Schule und anderes mehr. Historisch gewandete Guides beantworten die Fragen der Besucher. Farmtiere, Gartenarbeiten und Farmtechniken tun ein Übriges.
Alexander Graham Bell Museum
Westlich von Sydney liegt in 80 Kilometern Entfernung der ungefähr 1.000 Einwohner zählende Ort Baddeck. Mit dem Alexander Graham Bell-Museum besitzt die Ortschaft eine weitere National Historic Site of Canada. Dem schottischen Erfinder und Unternehmer ist neben anderen bahnbrechenden Erfindungen die Fortentwicklung des Telefons zu verdanken. Er siedelte sich mit seiner Familie im Jahr 1885 in Baddeck an. Mehr als 30 Jahre lebte Alexander Graham Bell überwiegend in der Ortschaft. Modelle, Replikate, Fotos und Filme beschreiben den Werdegang und die Lebensleistung des Erfinders.
Gäste von Kreuzfahrtschiffen haben die Qual der Wahl
Mit Kreuzfahrtschiffen anreisende Besucher mit Neigung zu selbstorganisierten Unternehmungen sind wegen der gegebenen Distanzen gezwungen, sich für eines der vorgestellten Ziele zu entscheiden. Bei unserer ersten Visite in Sydney besuchen wir das Highland Village Museum in Iona. Wie wir dorthin gelangen und was wir im Museumsdorf zu sehen bekommen, beschreiben wir unter Ein Tag in Sydney / Cape Breton. Bei unserem Zweitbesuch auf Cape Breton zieht es uns ins Fortress of Louisbourg. Unter Landausflug zur Festung Louisbourg berichten wir über unsere dort gewonnen Eindrücke.
Update November 2023







