Autor: Karl W. P. Beyer

Gerade einmal 70 Kilometer und eine Stunde Autofahrt liegen zwischen Marseille und Toulon, der Hauptstadt des französischen Départements Var.

Zuerst wurde die beschauliche Küstenregion am östlichen Ende des Golfe du Lion von Griechen, Kelten und Römern besiedelt. Etwa 150 v. Chr. gaben die Römer dem Ort den Namen „Telo Martius“. Aus dieser Siedlung ging Toulon hervor.

Am Golfe du LionToulon - Blick auf den Golfe du LionToulon - Blick auf den Golfe du Lion

Ruhm erlangte die Stadt als Purpur-Produzentin. Die in der Region vorkommenden Purpurschnecken wurden nämlich zur Einfärbung von Toga-Stoffen genutzt. Wer im Römischen Reich auf sich hielt, trug Purpur. Dennoch konnten auch purpurne Togen nicht den Untergang des Römischen Reichs aufhalten. Die Stadt war über lange Zeit einem wechselhaften Schicksal unterworfen. Auf die Römer folgten Sarazenen und Piraten. Es dauerte mehr als ein Jahrtausend, bis die Provence im Jahr 1486 an Frankreich fiel. Aufgrund seiner strategisch herausragenden Lage wurde Toulon befestigt und unter Ludwig XIV. zum französischen Militärhafen ausgebaut. Was jedoch nicht verhindern konnte, dass die Stadt im Jahr 1793 in den Wirren der Französischen Revolution sogar für wenige Wochen in die Hände der Briten fiel.

Toulon - Sportboothafen im ZentrumToulon - Sportboothafen im Zentrum

Die heute ca. 165.000 Einwohner zählende Universitätsstadt ist ein wichtiger Industrie-, Werften- und Handelsstandort. Sie ist Heimathafen der französischen Marineverbände im Mittelmeer, Verwaltungssitz des Département Var und  Sitz des Bistums Fréjus-Toulon. Toulon ist außerdem ein Verkehrsknotenpunkt; von Toulon starten u. a. die Fährschiffe nach Korsika, Sardinien und ins Maghreb. Nicht von ungefähr trägt die Stadt den Beinamen Port du Levant.

Toulon - FährschiffToulon - Fährschiff

Der nach Marseille und Nizza drittgrößten Stadt der Region gelingt es trotz ihres gemäßigten Klimas und ihrer 300 Sonnentage im Jahr nicht so recht, Touristen anzuziehen. Monaco, Nizza, Cannes und das westlich gelegene Marseille laufen der Stadt den Rang ab. Kein Wunder: Das Stadtbild Toulons wird außerhalb des Altstadtbereichs und der Oberstadt von trostlosen Straßen und öden Betonfassaden bestimmt; die am Alten Hafen entlang führende Uferpromenade wird von modernen Bauten flankiert und die Strände liegen außerhalb des Zentrums. Wer will in einem solchen Ort Urlaub machen, noch dazu, wenn Frankreichs Seestreitkräfte sehr präsent sind.

Toulons Betonarchitektur Toulon - Betonbauten an der Hafenpromenade

Dabei gibt sich Toulons Office de Tourisme größte Mühe, Besucher zu werben. Unter www.toulontourisme.com finden Interessenten auch in deutscher Sprache viele nützliche Informationen. Mehrere Museen, interessante Monumente, der 584 Meter hohe Ausflugsberg Mont Faron sowie die Strände und die Bucht werden vorbildlich beschrieben. Ein angehängter Stadtplan gibt wertvolle Informationen, wo die Attraktionen zu finden und wie sie zu erreichen sind.

Toulon - Office de TourismeToulon - Office de Tourisme

Die Offiziellen der Stadt sprechen vom „schönsten“ Naturhafen Europas. Gäste, die mit Kreuzfahrtschiffen an den Îles d’Hyères vorbei fahrend Toulon anlaufen, genießen als Erstes den Blick auf den weitläufigen natürlichen Hafen, bevor sie das Marinearsenal und die Stadtbefestigungen sehen. Was der mit dem Schiff anreisende Tagesgast in Toulon unternehmen sollte, zeigen wir unter Toulon-Sehenswertes.